Ausgabe 
31.3.1852
 
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am Ende ward er ſo heftig, daß er alles Maaß verlor. Er kündigte ihr an: daß er ſie durch Hunger, durch Ein⸗ ſperren, ja zuletzt durch ſeinen väterlichen Fluch zum Ge

horſam zwingen würde. 5 a Ein Weib, das einem Manne im Zorne gegenüber

ſteht, fühlt ſich machtlos wie empörten Elementen gegen

über, nun gar wenn der Zornige der Vater iſt. Alle dieſe Drohungen auszuführen, wäre Herrn Langenwärter nicht in den Sinn gekommen, denn am Ende war Victorie ſein einziges Kind und ſein Liebſtes auf Erden, und außer Herrn Oswald fanden ſich noch Freier genug für das liebe und ſteinreiche Madchen; aber für Victorie war ein ausgeſprochenes Wort ſo ſicher wie die That. Sie hatte keinen Begriff, daß man anders ſprechen und anders den⸗ ken könne, und hielt jeden ferneren Widerſpruch für un⸗ nütz. So wenig Energie ihr aber zu Gebote ſtand, um dem Vater mit Worten entgegen zu treten, ſo feſt war ihr Entſchluß: den Schwur ihres Herzens nie zu brechen. Es gab kein anderes Mittel als die Flucht, und keine andere Flucht als die in ein Kloſter, denn auch ihre un beſcholtene Mädchenehre hatte ſie zu wahren. Vielfach dachte ſie darüber nach, ob ſie ihre Baſe Elsbeth zur Ver⸗ trauten machen ſollte. Nach langem heißem Gebet nahm ſie ſich aber vor, ihren Entſchluß ganz allein auszuführen; ſie wollte nicht daran gehindert werden, was vorauszu ſehen war, wenn ſie der Baſe vertraute; und noch weni- ger wollte ſie eine Verantwortung auf dieſelbe laden.

Es war wieder tiefe Nacht; Alles im Hauſe ſchlief; überhaupt war nichts darin verändert worden ſeitdem ſie denken konnte; der Schlüſſel hing noch an demſelben Na gel, wo er vor dreißig und vor ſechs Jahren gehangen hatte, als ſie ihr Gelübde an der Ouelle abzulegen ging. Sie war noch eben ſo feſt von Robert's Liebe und Treue überzeugt wie damals. Er hatte den Ring nicht zurück geſendet, alſo war er noch unverändert für ſie. Aber er hätte ſterben und daran behindert ſein können? Dann hätte er ihr ein Zeichen gegeben, wachend, träumend, wie es in ſeiner Macht ſtand, wie es ſchon ſo Mancher ge than hatte. Hundert Geſchichten der Art waren ihr er zählt worden von Leuten, die ſie entweder ſelbſt erfahren oder aus zuverläſſigſter Quelle gehört hatten; wie hätte ſie deren Wahrhaftigkeit bezweifeln ſollen? Es fiel ihr auch gar nicht ein. Robert aber konnte, ſobald die Mög lichkeit dazu vorhanden war nach der Kraft zu urthei len, die das Gelübde auf ihre Seele ausübte die Welt nicht verlaſſen haben, ohne deſſen zu gedenken. Den⸗ noch war ihr kein Zeichen geworden; folglich lebte Ro

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1 bert, und wenn er lebte und den Ring behielt, ſo war ſie ja geborgen, ſo war Alles gut und kein hoffnungsloſes Unglück mehr für ſie auf Erden.

Ihre Seele war daher kirchenſtill und ſie ſah mit Ergebung auf die Jahre des Harrens:was iſt das Le ben gegen die Ewigkeit, ſagte ſie ſich,die uns ja ver einigt angehört.

Auch über ihre Pflichten gegen den Vater hatte ſie

ernſt und ruhig nachgedacht. Der fromme Spruch:Du kannſt nicht zweien Herren dienen, hatte ſie beſtimmt;

nicht Robert war es, dem ſie folgte, ſondern Gott! Ihm

gehörte ihr Gelübde an. Ihre Liebe hätte ſie opfern kön nen, aber nicht ihr Gewiſſen. Hätte ſie ihr Vater un

vermählt gelaſſen, ſo hätte ſie ſich darein gefunden, auch

nie Robert's Frau zu werden, und wäre eine gehorſame Tochter geblieben. Er aber wollte ſie meineidig machen, und das durfte ſie nicht werden. So lautete ihre Logik; und ſie war in ſich gefaßt, voll Frömmigkeit und ſtiller Entſagung und Segenswünſchen für ihren Vater, als ſie einen Schritt that, den ſonſt nur die Abenteuerlichſten und wenigſt Muſterhaften ihres Geſchlechtes wagen. Nur mit einer geringen Summe Geldes verſehen, floh ſie bei nächt licher Weile das Vaterhaus.

Sie war, obwohl klein und zart gebaut, doch geſund und an große Spaziergänge gewöhnt, und gedachte zu Fuß nach Friedberg zu gehen, und dort weitere Gelegen heit bis in die Nähe von Regensburg, wo das Kloſter lag, in das ſie flüchten wollte, zu ſuchen.

Als ſie über die Schwelle des Hauſes trat, über mannte ſie die Erinnerung an den nächtlichen Gang vor ſechs Jahren. Damals hatte ſie das Haus von Außen geſchloſſen und den Schlüſſel als Mittel und Pfand der Rückkehr mitgenommen, jetzt hangte ſie ihn, nachdem ſie aufgeſchloſſen hatte, wieder auf ſeinen alten Platz und ließ das Schloß vorſichtig hinter ſich zufallen. Hiemit hatte ſie ſich den Eintritt auf immer verſperrt. Der Gedanke er faßte ihre Seele, und ſie legte die Stirne weinend an die geſchloſſene Hausthüre und küßte den Engelskopf, der als Klinke diente. Weiter erlaubte ſie ſich keine Erweichung und ſchritt dem Hauſe der Baſe Elsbeth zu. Wie in einer Viſion erſchien ihr plötzlich alle Liebe und Sorge der müt terlichen Freundin von ihrer Kindheit an; ihre ſterbende Mutter, der geliebte Ring, das auch unter Thränen heitere Geſicht der Baſe, das Alles ſah ſie mit den Augen ihres Geiſtes. Sie rief leiſe hinauf:Lebe wohl, Baſe Els beth! und noch einmal ſtrömte ihr Gefühl über.

(Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

TN NN ιιαNι NN Bekanntmachung. (4910 Es wird hiermit zur öffentlichen Kennt⸗ niß gebracht, daß aus dem Gemeindewald zu Wölfersheim 70-bis 80000 Fichten-Pflänzlinge,

per 1000 1 fl., zu haben ſind. Wolfersheim den 22. März 1852. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter All wohn. Edicetalladung. (468) 1) Die dem Herrn Fürſten Ferdinand zu Solms⸗Lich in der Gemarkung Hauſen und Oes zuſtehende, durch Allodification von Leihſiedeln entſtandene Grundrente, im geschlichen Geldanſchlage von 312 fl. 9 2) die dem Freiherrn Georg zu Francken⸗ ſtein, dermalen in München, in der Ge markung Rockenberg zuſtehende Grund⸗ rente, im Geldanſchlaͤge von 1 fl. 59% kr.,

ſollen nach den deßfalls beſtehenden geſetzlichen Beſtimmungen abgelöſt werden.

Es werden daher alle bei dieſen Ablöſungen bekannten und unbekannten Betheiligten hierdurch aufgefordert, ihre etwaigen Rechtsanſprüche ſo gewiß binnen 2 Monaten bei dem unterzeich neten Gerichte anzumelden, gegenfalls die Aus zahlung der Ablöſungskapitalien an die genannten Berechtigten geſtattet werden wird.

Butzbach den 16. März 1852.

Großh. Heſſ. Landgericht Ebel.

Edi ian 1504) Anſprüche an den Nachlaß des Jacob Roßbach von Oberroßbach, über welchen Con- curs erkannt worden iſt, der jedoch kaum zur Deckung der Concurskoſten ausreicht, ſind

Dienſtag den 27. April l. J.,

Vormittags 10 Uhr, bei Meidung ſtillſchweigenden Ausſchluſſes, da hier anzuzeigen. Friedberg den 22. März 1852. Großh. Heſſ. Landgericht Dr. Irle.

v. Preuſchen.

Fruchtverſteigerung. (505) Freitag den 2. April d. J., Nachmit⸗ tags 2 Uhr, werden in dem hieſigen Rathhauſe von den Fruchtvorräthen des vereinigten Ar⸗ menfonds dahier die wegen Mangel an Steig⸗ liebhabern aus der Verſteigerung von 24. d. M. nicht genehmigten 20 Malter Gerſte, nochmals öffentlich meiſtbietend verſteigert. ö

Friedberg den 29. März 1852. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter eier.

Ho Iz oe die iges un g.

(806) Mittwoch den 7. April d. J., Vor.

mittags gegen 9 Uhr anfangend, ſoll in dem Gemeindewald Langenhain, Diſtrict Hühner⸗ pfad, nachſtehendes Holz einer öffentlichen Ver⸗ ſteigerung ausgeſetzt werden: 47 Birken⸗Prügelſtecken, von guter Qua⸗ lität,

10000 Birken- und Buchen⸗Reisholzwellen,

3000 Eichen-Aſtholzwellen,

1000 Kiefern⸗Wellen.

Bemerkt wird noch, daß das Holz zur Ab⸗

Die Zuſan Gegen ge bis den 1. Niedet!

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