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irche. Der zweite, dritte und vierte Tag gingen ebenſo 1 es geſelte ſich noch der Mangel hinzu, denn Nie⸗ mand gab ihm mehr etwas. Da lag er denn hungernd auf dem harten Steinboden des Vorplatzes der Krrcche. Die Sterne ſtanden in voller Pracht am Himmel, aber Niemand wollte ſich ſeiner annehmen. Das Maaß ſeines Elendes war zum Ueberfließen voll. Jetzt packte ihn die Reue mit aller ihrer ſchrecklichen Macht und Gewalt und rüttelte ihn auf aus ſeinem blinden Zuſtande. Er erkannte jetzt ſein Unrecht; er beweinte ſeinen Trotz; er klagte ſich als Urheber ſeines Jammers, des Jammers ſeiner vor⸗ trefflichen Mutter an, und zum erſten Male ſchlug er an ſeine Bruſt und betete: Herr, ſei mir Sünder gnädig! Er raffte ſich auf und fiel auf ſeine Kniee nieder und bekannte Gott ſeine Schuld. Er betete laut und wußte
es nicht, ſo war ſein Inneres erſchüttert. Er betete mit 5
einer Gluth und Inbrunſt, wie er noch nie gebetet hatte.
Solch' ein Gebet höret Der, der den Reuigen wie— der annimmt, und ſeine Hülfe iſt zu ſolcher Stunde nahe.
An demſelben Abende war ein reicher Kaufmann der Stadt bei einem Nachteſſen im Hauſe eines Freundes ge— weſen, wo ihn die angenehme Geſellſchaft langer zurück⸗ hielt, als es ſonſt ſeine Gewohnheit war. Der Mann war ſehr reich, aber der Mammon hatte ſeine Seele noch nicht ſo gefeſſelt und ſein Herz noch nicht in dem Maaße verhärtet, daß er nicht noch Mitleid mit einem unglückli⸗ chen Menſchen hätte fühlen ſollen.
Er kam grade an der Kirche vorüber, als ſo innig und Alles um ſich vergeſſend, der arme Leonhard mit Gott redete. Der Kaufmann blieb ſtehen. Er hörte Alles und verſtand es, denn er war ein Deutſcher aus Bremen, der ſchon lange auf der Inſel wohnte. Je länger er aber die Worte des Betenden anhörte, deſto tiefer drangen ſie in ſein Herz, und als endlich das Gebet Leonhard's in lautes Weinen überging und der Knieende mit ſeinen Händen ſein Angeſicht bedeckte, da trat der Kaufmann Stifter, ſo hieß der gute Mann, zu ihm, zog ſeine Hände ſanft vom Angeſichte des Unglücklichen und ſagte mit ſanfter, herz⸗ gewinnender Milde: Seid zufrieden, junger Menſch. Wenn das, was Ihr jetzt vor Gott bekannt und gelobt habet, Euer rechter Ernſt iſt, ſo will ich Euch in mein Haus aufnehmen!
Wenn man im unbekannten, fremden Lande die liebe Mutterſprache hört, ſo iſt es Einem, als ſei der, der ſie redet, ein Engel Gottes. Wenn aber vollends ein liebe— volles Wort in der Mutterſprache in ſolcher Stunde wie ſie jetzt für Leonhard gekommen war, zu dem Herzen gere— det wird, ſo iſt der Redende erſt recht ein Engel Gottes.
Leonhard ſtarrte ihn an, als ſei das ein Traum. Die Fackel, die Stifter's Diener trug, beleuchtete dieſen und Leonhard blickte in ein mildes, freundliches Angeſicht. Ach Gott, ſeufzte er, wollt Ihr, den mir Gott geſendet, Euch eines armen Verlaſſenen annehmen, der nahe am Hungertod iſt, ſo wird ſeine Dankbarkeit nie enden. Alle meine Kräfte will ich Euch mit Freuden widmen, ſo lange mir ſie Gott ſchenkt!
In des edlen Stifter's Augen traten Thränen.
Kommt, ſagte er, daß Ihr Euch ſchnell durch Nahrung erquicken könnet.
Das ließ ſich der arme, hungernde Leonhard nicht zweimal ſagen. Er begleitete Herrn Stifter heim und legte ſich mit heißem Danke gegen Gott auf einem guten Lager zum exquickenden Schlafe nieder.
Herr Stifter war ein Mann, der die Welt kannte, und der oft angeführt und betrogen worden war. Er traute darum nicht blindlings, ſondern prüfte erſt durch mancherlei Aufträge und Aufgaben ſeinen neuen Schütz⸗ ling; aber bald gewann er die Ueberzeugung, daß er einen ebenſo redlichen, als geſchickten jungen Mann gewonnen hatte, an denen eben in Saint Croix kein Ueberfluß war. Schon nach einem Vierteljahre konnte er mit voller Si⸗
cherheit Leonhard in ſein Handelsgeſchäft einweihen. Er
fand, daß Leonhard wohl unterrichtet ſei, daß er eine tüchtige Kaufmannslehre durchgemacht, daß er franzöſiſch und engliſch ſprach und daher, bei ſeiner Treue, gar nuͤtz⸗ lich werden konnte. für ſeine Dienſte, der ſich von Jahr zu Jahr erhöhte. Leonhard reiſte für ſeinen Herrn auf die franzöſiſchen In— ſeln, dann auch in die nordamerikaniſchen Freiſtaaten und machte ſo vorzügliche Geſchäfte, daß, als er aus Nord⸗ amerika zurückkam, Herr Stifter ihn mit Freuden und Dank zum Theilhaber an dem Handelsgeſchäft annehmen konnte. Leonhard hatte auch ſchon ein ſchönes Capital ſich erſpart, das er nun einſchoß. Herr Stifter beſchenkte ihn
nämlich, außer ſeinem Gehalte, mit Allem, was er an
Kleidungsſtücken bedurfte. Da war's denn keine Kunſt, daß er ſein ganzes Gehalt ſich zurücklegen konnte. Grade dieſe Sparſamkeit, dies ſorgfältige Zurathehalten ohne Geiz, empfahl Leonhard ebenſo ſehr dem Herrn Stifter, als ſeine Ordnungsliebe, ſein Fleiß, ſeine Treue und Red— lichkeit und die große Einſicht, welche er in Handelsge— ſchaften beſaß. 5 Leonhard nahm das Glück in Demuth als eine un⸗ verdiente Gnadengabe Gottes an. Er freute ſich darüber, aber nur in der Rückſicht, daß er heimkehren könne, um ſich die väterliche Verzeihung, den väterlichen Segen zu holen, ohne den er nicht haͤtte glücklich leben und ruhig ſterben können. 8 Die Augen über ſich ſelbſt und über ſeine Verſchuldung an ſeinem Vater hatte ihm der liebe Gott in der Schule des Unglücks geöffnet; der harte Sinn war gebrochen, der Stolz geknickt, der harte Stein mürbe geworden, daß er nun ſelbſt mit einem ſehr harten gar gut mahlen konnte, wenn's nöthig geweſen wäre.— Immer mehr erkannte er, wie ſein Vater in ſo vielen Stücken recht gehabt, wenn er ihn herbe getadelt. Er begann ſeine Halsſtarrig— keit einzuſehen, zu mißbilligen, zu bereuen. Ach und ſeine gute, gute Mutter! wie viel mußte ſie gelitten haben durch ſeine Entfernung!
Solche Gedanken kamen immer öfter, immer mäch⸗
tiger, immer nachhaltiger. Auf viele Briefe, die er voll Reue an ſeinen Vater geſchrieben, dann an ſeine Mutter, kam keine Sylbe Antwort. Das quälte ihn alle Tage mehr.(Schluß folgt.)
Er zahlte ihm einen ſchönen Lohn
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
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Garten-Verſteigerung.
(105) Dienſtag den 3. Februar l. J., Vor⸗ mittags 10½ Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe auf freiwilligen Antrag des hieſigen Bürgers Franz Heck von deſſen 533½ Rüthen haltenden
Garten, zwiſchen dem Nauheimerweg und der Ockſtädter Grenze, 1 Morgen oder 160 Ruthen, öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 21. Januar 1852. In Auftrag: Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.
Verpachtung von Wohnungen und Güterſtücken.
(107) Dienſtag den 3. Februar, Nachmittags
um 2 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe noch- 0
benannte, dem vereinigten Armenfonds dahier gehörende Gebäude und Güterſtücke anderweit auf drei rèsp. 6 Jahre verpachtet und zwar in dem Hospitalhof in der Uſavorſtadt: a) 6 Wohnungen, 3 Scheuern, 2 Ställe, 1 Brennhaus ohne Geräthſchaften, b) der an dieſe Gebäude anſtoßende Haus⸗ garten in 4 Abtheilungen,
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(130 De am 17. Juli von Uitrichsh Sauer und d borne Halme laß, werden von heute an Oelſcht zu n ulatt und Oelenberwar Schwarz
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