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in den Schnpftuchzipfel gebunden und reiſefertig bei den Linden war der junge Reiter. Reiſefertig, aber noch nicht ganz. Das ſtille Mondlicht leuchtete auf den Hügel und ob die Beiden im Schatten ſaßen, war's doch hell genug, die Behſtaben zu erkennen, die ſie in die Rinde mit einander ſeſchnitten. Das große. von Michels Namen beträcteten Beide nachdenkend, lange ſtumm. Endlich ſagte er Scheidende:„Bruder, das M. heißt auch Margarche!“ Sie hatten ſie Beide lieb gehabt, und ſich doch Nichts davon geſagt. Jetzt aber wußten ſie, wie es ſtad. Da redete der Aelteſte weiter:„Grüß' den Vater, er harf nicht wiſſen, wo der Sohn iſt, ſonſt quälten ihn di Soldaten in der Stadt und trieben ihn wohl auf den Schwur. Grüß' auch Margarethen; und wenn der Krieg losgeht, wie es heißt, und ich etwa nicht
wieder komme ſo helf' Dir Gott zum Hauſe als dem
Jüngſten und— zu ihr als Deiner Frau.“ Es war das letzte Mal, daf die Brüder unter den Linden und beiſam— men waren. Der Krieg am Rhein ging los. Michel war mit in ler Champagne, wo im naſſen Jahre die Stricke von dn Zeltpflöcken und den Pferden die Hufe von den Füßn faulten; er kam glücklich durch. Das Jahr darauf pax er mit vor Mainz, half's belagern und zog mit ein. Auf dem Rückzug aber traf ihn noch die Kugel, die fü ihn gegoſſen war. Der muthige Reiter in der Nachhit fiel mit der Stirn nach dem falſchen Frankreich, dis treue Herz brach im Lazarethe mit dem Gedanken au ſie deutſche Heimath.
Den alten Vater traf der Todtenſchein nicht mehr, aber der jüngere Bruder und Margarethe hielten ihn lange und trauernd in den Händen. Das M. an ſeiner Linde war ihnen wie Schrift auf Michels Leichenſtein. Nach Jahren aber verwandelte ſich's in Margarethe, wie der Scheidende damals es geahndet und geordnet hatte. Sie heiratheten ſich und führten eine lange und glückliche Ehe. Kam was Trübes, ſo wandelte wohl das Eine oder das Andere ſtill zu den Linden. Da ward es immer wieder im Herzen klar und hell. Und wie ſie alt wurden und die Linden auch, ſaßen ſie dort an manchem ſchönen Sonn⸗ tags⸗Nachmittag und gedachten der vorigen Zeiten und des braven Bruders.
„Nun iſt Alles dahin, was hier einſt fleißig war und kuͤhn und brüderlich und treu. Geſchrieben ſteht Nichts, als die Buchſtaben noch in der zerſprungenen Rinde und die Beſtimmung der kinderloſen Gatten in ihrem Teſta— mente, ohne weitern Grund:„Die beiden Linden auf dem Hügel ſoll Keiner ummachen; ſie ſollen das Leben haben, bis ſie ſelber ſterben.“ Geſchrieben alſo ſteht weiter Nichts. Aber wenn im Sommer die Schnitter zum Morgenbrode gerufen werden, ſetzen ſie ſich unter die Linden, und erzählen die Sage, und wiſſen viel zu reden von den beiden Brüdern und der Margareth. Und wenn der Wanderer die Straße zieht, dort von der Brücke her, dem Berge zu, da liegt's ihm links, und die Linden ſagen auch ihm davon, und werden noch reden, wenn die Redner und Erzähler hier lang ſchon ſtill geworden ſind.
orden.
N Edictaldadung.
2010) Nachder der Bürger und Handels⸗ mann Peter Altnannsperger zu Windecken ſeine Inſolvenz angzeigt hat, ſo werden die Gläubiger deſſelben ur ſummariſchen Schulden⸗ liquidation, zum Güiteverſuch und zur Wahl eines Maſſecurators unter dem Rechtsnach⸗ theile, daß nicht erſchänende, oder nicht gehörig vertretene, dem Beſchuſſe der Mehrheit der er⸗ ſchienenen für beitretend erllärt werden, und daß, falls eine Vereinigung über die Perſon des etwa nöthig werdenden Naſſecurators nicht ſtattfinden ſollte, derſelbe von Gericht beſtimmt werde, auf den
14. Januar k. J., Vornittags 9 Uhr, anher vorgeladen.
Windecken den 9. Dezenber 1852. Kurfürſtlich Heſſiſchee Juſtizamt Schenck zu Schyneinsberg.
i vt. Kahler.
Oeffentliche Aufforderung.
(2025) Anſprüche an den Acker:„%, im Holz, in Fauerbacher Gemarkung, über welchen die Johannes Schäfers Erben dahier disponiren wollen, ohne das Eigen n rkundlich nach⸗ weiſen zu können, find bing Wochen, bei Meidung der Nichtberückſichtigung, geltend zu machen. Friedberg den 10. Dezember 1852. Großh. Heſſ. Landgericht Dr. Irle. v. Preuſchen.
Edietalla dung.
(2027) Nachdem der Einwohner Martin Lack zu Dorheim die Ueberſchuldung ſeines Ver⸗ mögens angezeigt und erklärt hat, daß er ſol⸗ ches ſeinen Gläubigerndabtreten wolle, iſt zur
e e von Be⸗
ſummariſchen Liquidation der Forderungen, ſo⸗
wie zum Verſuche der Güte, Termin auf
den 17. k. M., Vormittags 9 Uhr, anberaumt worden, wozu alle Diejenigen, welche Anſprüche an gedachten Martin Lack zu machen
haben, mit dem Anfügen hierdurch vorgeladen werden, daß die in dieſem Termine nicht er⸗ ſcheinenden chirographariſchen Gläubiger als dem Beſchluſſe der Mehrheit der erſcheinenden beitretend werden erachtet werden.
Nauheim am 15. Dezember 1852. Kurfürſtliches Juſtizamt Fo
dt. Schlarbaum. g Bekanntmachung. (2065) Die Lieferung des Bedarfs an ge— bleichter und ungebleichter Leinwand, gebleichten und ungebleichten Handtücherzeugs, ſowie Stroh⸗ ſackleinen für das Gr. Landeszuchthaus im Jahr 1853 ſoll im Soumiſſionswege vergeben werden Luſttragende haben ihre Soumiſſionen bis zum 30. d. Mts., Mittags 12 Uhr, in dem vor dem Direktorialbüreau aufgehängten Soumiſſionskaſten einzulegen und können Muſter und Bedingungen bei dem Gr. Arbeitsinſpektor einſehen. Marienſchloß den 22. Dezember 1852. Die Verwaltungscommiſſion. Für die Ausfertigung: Nispel, Secretär.
Braunſteinbergwerk bei Gießen. (2066) Die Lieferung nachſtehender, für das Jahr 1853 auf dem Gießener Braunſteinberg⸗ werke nöthig werdenden Materialien u. ſ. w.:
1 Boden 10r Stämme, 16 Stück Richtpotten, 400 Quadratfuß buchene Bohlen à 2“,
400*„ Bretter„ 1¼“ 400 1 eichene 1 300 Stück ölattige Dachdielen,
100„ ſchmale 1
200„ Latten,
10 Centner Sprengpulver, 80 Pfund Schweinefett, 10 Maas Leinölfirniß, 5 Centner Drahtſtiften, 12 Fuder Stroh, 350 Centner Heu, 260 Malter Hafer, 1600 Stück Packfäſſer, 9 ſoll auf dem Wege der Submiſſion vergeben werden.
Zur Einreichung der Neferungs⸗Anttage wird Termin bis Donnerſtag den 20. Januar 1853 geſetzt, unter dem Anfügen, daß die Bedingun⸗ gen, resp. Muſter, auf dem Büreau des Un⸗ terzeichneten, eingeſehen werden können. Braunſteinbergwerk bei Gießen den 22. Dezember 1853. C. Steinberger, Bergverwalter.
200 Gulden
(2067) liegen in hieſiger Kirchenkaſſe zum Ausleihen bereit.
Wickſtadt den 24. Dezember 1852.
Veith, Kirchenrechner. 139 Gulden
(2015) liegen in der Kirchenkaſſe zu Bru⸗ chenbrücken zum Ausleihen bereit.
Friedberg. Der Kirchenrechner
Heidt.
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Privat- Bekanntmachungen.
Annonce.
(1999) Altes Blei, altes Meſſing und altes Kupfer kauft in jeder Quantität und zu den beſtmöglichen Preiſen Das Etabliſſement für mechan. Conſtruction von Paul Stumpf, in Frankfurt a. M., Römerberg J. 77 u. 78.
Rum de Jamaica, Arae de Batavia, Punſch⸗ und rogeſſenzen, bei 2 zen,' ilbelm Fertſch. Formulare
(20610 zu den Jahresberichten fuͤr die Herren Bürgermeiſter ſind vor—
räthig bei. Friedberg. E. Bindernagel.
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