Ausgabe 
27.3.1852
 
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Intelligenz-Blatt

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1 8

Sonnabend den 27. März

1852.

180 Der Ring.

un, ſich taͤgli 5.

Marel Eine Erzählung von Ernſt Ritter.

Anzeigers(Fortſetzung.) tet in dieſ 1

45 Victoria war wie feſt gezaubert vor dem Bilde. Kannſt Du mir es erklären, Elsbeth, fragte ſie.

Es iſt eine ganze Geſchichte, erwiderte dieſe, NHans Holbein, der Sohn, hat die ſchöne und reiche Pa a W 8 triziertochter Thekla Welſer geliebt. Die Eltern waren Ace lg gegen die Verbindung, weil ein Haus, das eine Erzher⸗

zogin von Oeſterreich geliefert hat, ſich nicht mit einem . J., armen Maler verſchwägern zu können glaubte, und wenn C es auch ein Hans Holbein war. Das kommt uns jetzt unglaublich vor, wo der Name Holbein höher glänzt als der der Welſer; aber es geht ſo in der Welt, man hat keinen Maßſtab für die nahe Größe und will ſie nicht an⸗ 5 erkennen. Thekla aber wollte nicht widerſpenſtig ſein und * ging in das Kloſter, wo ſie den Namen Veronika annahm. Bald ward ſie zur Priorin erwählt und wußte ihrem Ge⸗ außer. ſliebten das Verdienſt zuzuwenden, daß er die ſieben Sta tionen in der Kloſterkirche zu malen bekam. Was von ir⸗ diſcher Liebe in dieſe heiligen Mauern eingedrungen iſt, meine Victorie, das ſagt Dir dieß Bild und der Name der ſchönen Frau auf dem Lehnſeſſel.

Victorie ſagte:Alſo der Holbein war doch treu, . obgleich er ein Mann war. d hat zu ber,Ich weiß nicht ob er treu war, ſagte Elsbeth, gederff,aber damals war er verliebt, und ſo lange ſind die Männer immer treu. Die ganze Familie Holbein verließ

in Rochrrdag

un Pac ge

zeigt. hernach Augsburg, um der Reformation willen, die ſie an⸗ ler'ſhen Buh nahm. Ob Thekla damals noch lebte, weiß ich nicht; ihr gen un Name iſt überhaupt nur auf uns gekommen durch den rierberg dus Mann, der den Eltern zu ſchlecht fuͤr ſie dünkte. Hans

4 d Holbein aber iſt an viele Höfe gegangen, und hat manchen län er großen Mann und manche ſchoͤne Frau abkonterfeit; ich

e Lehrer,

habe indeß nie gehört, daß er noch auf einen einzigen Seſſel einen theuren Namen geſchrieben hätte, verſchwö ren will ich's aber auch nicht.

Elsbeth, meinſt Du, daß es Suͤnde iſt, Nonne zu werden, wenn man außer dem lieben Gott noch Jemand anders recht lieb hat? fragte Victorie ſchüchtern.

1 ind vermehrt

Grün.Da muß man ſchon eine Wahl treffen, Victorie, 42 zweien Herren kann man nicht dienen. 3Was meinſt Du denn, an wen die Thekla Welſer

mehr gedacht hat?

Da mußt Du ſie ſelbſt fragen, ſagte Elsbeth lachend.

Victorie ſchwieg; ſie ging aber hinfort ihre Andacht nur vor dieſem Bilde zu verrichten, von dem ein geheim nißvoller nicht zu erkläͤrender Troſt in ſie überzugehen ſchien.

Es vergingen Jahre; von Robert ward nichts gehört, er war wie geſtorben. Dann ward ſein Name doch einmal genannt von einem Reiſenden, der aus dem Kriege kam und ihn unter den Franzoſen als Offizier wollte geſehen haben. Elsbeth, die dabei war, als die Rede auf ihn kam, frug gründlicher nach, und es blieb ihr und Victorie kein Zweifel, daß er das Waffenhandwerk ergriffen hatte und guter Erfolg ſeinen Entſchluß krönte. Zwar war für Victorien's Liebe noch wenig gewonnen, denn nach Art aller Kaufleute hatte Herr Langenwärter das unüber windlichſte Vorurtheil gegen den Wehrſtand, obgleich die Klaſſe, die den Beſitz vertheidigt, von der, die ihn er wirbt, geehrt werden ſollte.

Elsbeth fand es daher gerathen, der Entdeckung in Betreff Roberts gegen den alten Herrn nicht zu erwähnen, und Victorie hätte die Kunde ohnehin nicht über ihre Lippen gebracht. Sie war jetzt zwanzig Jahre alt ge worden, und Herr Langenwärter, der keine Ahnung von dem Beſtand ihrer Gefühle für Robert hatte, fing an auf eine baldige Verheirathung anzuſpielen.

Der Sohn eines Handelsfreundes hatte ſich erbötig gezeigt, die halbe Million, die einſt Victorien zufallen mußte, ſammt dem Mädchen einzukaſſiren. Herr Oswald gehörte einem guten Hauſe aus einer benachbarten Reichs ſtadt an, und hatte vor ſeinem eigenen Vater den Vor theil, daß dieſer der Sohn eines armen, er aber, der eines reichen Mannes war, was ſeine Jugend vor all' den unzähligen Anſtrengungen und Mühſeligkeiten rein er halten hatte, die dieſem zu einem koloſſalen Vermögen verhalfen. Der junge Herr war nur dazu erzogen, zu erhalten, was ihm mühlos zugefallen war; in ſein Leben ging daher nichts von dem kuͤhnen Unternehmungsgeiſte ſeines Vaters uber; er ſchrieb und ſchrieb, las Briefe und addirte Zahlen, und war daher einer der allergewohn lichſten Spießbürger in ſeiner ohnehin ſpießbürgerlichen Vaterſtadt geworden. Dieß war ganz ein Schwiegerſohn nach Herrn Langenwärters Geſchmack, einer, dem er ru hig das Glück ſeiner Tochter anvertrauen konnte; und als er einige Zeit bei Victorien auf ihn angeſpielt hatte, ohne verſtanden zu werden, ging er endlich mit der Sprache