Ausgabe 
21.4.1852
 
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ter ſchon verheirathet ſein, und meine eigene Frau iſt noch ſtattlich und ſchön, wenigſtens in meinen Angen. Ich er⸗ zähle Ihnen das ſpäter Alles genau, wie ich meinen Kin⸗ dern von der kleinen Victorie erzählt habe. Und nun ſind Sie eine ehrwürdige Kloſterfrau! Wie iſt denn das ge kommen?: 8

Er ward plötzlich im Fluß ſeiner Rede durch eine auffallende Veränderung im Geſichte ſeiner Zuhörerin un terbrochen. Bis jetzt hatte er im fröhlichen Geſchwätz und mit der Sorgloſigkeit, die der Grundzug ſeines Weſens zu ſein ſchien, ſeine Aufmerkſamkeit mehr auf das gelenkt, was er zu ſagen hatte, als auf Die, an die er es rich tete; bei der letzten Frage ſah er ſie an und kannte ſie kaum wieder; eine tödtliche Bläſſe lag auf ihren Zügen, die ſie ſichtbar verzerrten. Er wollte um Hülfe rufen, als ſie aber ſah, daß er das Zimmer zu verlaſſen im Be⸗ griffe ſtand, gebot ſie ihm mit einer gebieteriſchen Hand⸗ bewegung zu bleiben, und fragte ihn mit geiſterhaftem ſter benden Blicke: Und der Ring? e

Er ſah ſie erſchrocken an und ſagte:Welcher Ring?

Hoffnung! ſtammelte ſie.

Um Gottes Willen! ſie iſt wahnſinnig, ſchrie er ganz außer ſich..

Es kam Hülfe herbei. Er hatte recht, ſie war es.

Warum hat man mir das nicht geſagt! klagte er ganz von Mitgefühl durchdrungen. 1

Man verſicherte ihn: es ſei früher nie eine Spur

von einer Geiſteskrankheit bei ihr bemerkbar geweſen, und ihre Vernunft habe ſie erſt während des Geſpräches mit ihm verlaſſen. Er konnte ſich lange gar nicht darein inden. 0Im beſten Schwatzen, erzählte er der Baſe Els beth, die er ſpäter beſuchte,ſchreit ſie auf einmal unver ſtändliche und unzuſammenhängende Worte aus und iſt verrückt, und ich hatte mich ſo gefreuet, ſie wieder zu ſehen.

Zwar milderte ſich Victorien's Zuſtand nach dieſer erſten ſchrecklichen Erſchütterung, aber es war zu viel für ihre Vernunft, Vergangenheit und Zukunft auf einmal vernichtet zu ſehen, ihren Glauben, ihr Vertrauen, kurz Alles, was ihrem Leben bisher Werth gegeben hatte. Sie hatte ſich ein Gebäude von Liebe, Treue und Pflichter füllung aufgerichtet; da hinein hatte ſie jedes Gefühl, je den beſcheidenen Wunſch ihrer Seele getragen, alle Kraft derſelben ruhte auf dieſen Grundlagen. Nun war Alles dieſes mit einem Schlage, wie das Gold, das ein Kobold neckend ſchenkt, in einen Erdklumpen verwandelt.Die Fenſter gegen Jeruſalem waren ihr verſperrt,« oder viel mehr, es gab kein Jeruſalem mehr für ſie.

Sie war keine Heldennatur, um ſich wie Jeremias auf die rauchenden Trümmer ſetzen und ihren Schmerz in Klageliedern aushauchen zu können. Sie war keine Dich terin, die ihre innere Zerſtörung mit Reimen zu beſchwich tigen vermochte, noch weniger nahe lag es ihr, ſich ſelbſt bemitleidend, eine Art Komödie mit ihrem Unglücke zu ſpielen. Es kam ihr überwältigend, unüberſehbar, die ein⸗ zigen Schwingen ihrer weichen Seele zerſchmetternd und es blieb ihr nichts übrig, als in den leiſen Wahnſinn zu verfallen, den man mit dem ſchonenderen Namen Schwer muth bezeichnet. Doch wußte ſie nicht, warum ſie trau erte; ſie fühlte nur Sehnſucht nach Etwas, das ſie ver geſſen hatte, während das Glück ihres früheren Lebens auf etwas beruhte, das nie dageweſen war. Welch' eine leiſe Gränze liegt zwiſchen beiden Zuſtänden!

Sie blieb ſanft, fromm, gut, nur ohne jene Leuchte des Geiſtes, die die natürlichen Triebe adelt und auf den rechten Weg leitet.

So lebte ſie noch zwanzig Jahre, und als das Ster⸗ beglöcklein läutete, das dem Prieſter voranging, der ihr den letzten Troſt brachte, waren alle Kloſterfrauen in Thränen.

Baſe Elsbeth war ihr ſchon lange vorangegangen; ſie allein kannte die Urſache ihres Irrſinnes, aber nie

hatte ſie es über's Herz bringen können, Robert davon

zu unterrichten, denn ſie gab ihm keine Schuld an dem Seelenmorde, den er begangen hatte.

men Victorie wurde lediglich dadurch entſchieden, daß ſie für heiligen Ernſt genommen hatte, was ihm ein Kinder ſpiel geweſen und als ſolches der Vergeſſenheit anheimge fallen war. Jetzt iſt ihr Irrthum und ſein Leichtſinn längſt vom Strome der Ewigkeit hinweggeſpült, und vor dem Richterſtuhle eines gütigen Gottes.

Monats⸗Bericht der Blinden-Anſtalt zu Friedberg.

Im Monat März gingen zum Beſten unſerer Anſtalt 515 fl 27 kr. ein und ſagen hiermit allen freundlichen Gebern und Geberinnen berzlichen Dank. Von dieſer Summe kommen allein auf Frankfurt 452 fl. 7 kr. An Aktien konnten wir wieder 10 Stück verwerthen, und zwar nach Wetzlar, Gießen, Dorheim und Friedberg; 2 ſchon früher eingezahlte Aktien wurden von Gießen aus der Anſtalt geſchenkt. Wir ſagen für dieſe und für jene den beſten Dank. Noch ſind etwas über 100 Stück Aktien, à 25 fl., gegen 4 pCt. und gerichtliche Sicherung unterzubringen und wir bitten um deren Abnahme. Wir empfehlen allen Menſchen die Anſtalt zu freundlichem Andenken und bitten auch um Abnahme ihrer Fabrikate, die in Waſchſeile, Strobdecken, Löſch⸗ eimer, Strohſchube, Salbandſchuhe, Fiſchnetze, Maulkörbe und Rohrſtuhlſitze beſtehen.

Friedberg den 1. April 1852.

J. P. Schäfer,

Vorſteher der Blinden⸗Anſtalt.

Kirchenbuchs-Auszug vom Monat Marz a Butzbach. ö Getauft e:

2. Dem Bürger und Zieglermeiſter Johannes Sauerbier eine Tochter, Anna Maria, geb. den 5. Febr.

4. Ein unehelicher Sohn, Hermann, geb. den 18. Febr. 7. Dem Bürger und Leimſieder Chriſtoph Grüninger V. ein Sohn, Friedrich Wilhelm, geb. den 14. Febr.

7. Dem Bürger und Schneidermeiſter Heinrich Weigand 7 9

ein Sohn, Johannes, geb. den 20. Febr. Dem Bürger und Weißbindermeiſter Heinrich Leierzapf ein Sohn, Chriſtian Heinrich, geb. den 24. Febr. Dem Bürger, Mühlarzt und Wirth Auguſt Möhlich ein Sohn, Chriſtian, geb. den 9. Febr.

14. Dem Bürger und Bäckermeiſter Georg Wilhelm Sey⸗ . Tochter, Chriſtine Margarethe, geb. den 21. Febr.

15. Ein unehelicher Sohn, Georg Peter, geb. den 1. März. 18. Dem Bürger und Kaufmann Carl Georg Philipp Flach ein Sohn, Carl Wilhelm Eduard, geb. den 19. Febr. 21. Dem Bürger und Kaminfeger Georg Andreas Brüch⸗ ner ein Sohn, Chriſtian Carl, geb. den 29. Febr. Beer digte:

7. Wilhelm Joſeph Ignaz Berg, des hieſigen Bürgers und Schloſſermeiſters Heinrich Berg eheliches lediges Söhn⸗ chen, alt 4 Monate und 4 Tage; 1 den 5. März.

10. Suſanna Eliſabetha Stein, des weiland hieſigen Buͤr gers und Schuhmachermeiſters Johannes Stein ehe liche unverheurathete Tochter, alt 43 Jahre, 1 Monat und 15 Tage; 7 den 8. März.

10. Johann Baptiſt Weinsheimer, Dr. der Geſammtheil⸗ kunde und Oberarzt bei Gr. Heſſ. Garniſon zu Butz⸗

Nach dem Laufe der Welt hatte er kaum geſuͤndigt, und das Loos der ar

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