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61— 100* Bürgerin Kran 6.
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haltbarkeit zu dringen.
Intelligenz-Vlatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
Mittwoch den 21. April
1852.
Der Ning. Eine Erzählung von Ernſt Ritter. (Schluß)
Elsbeth ſagte ihr vergebens: Robert habe ſie ſicher längſt vergeſſen oder er ſei todt; vom Erſteren wollte ſie nichts hören, daß das Zweite nicht wohl ſein koͤnne, bewies ſie ihr mit denſelben Gründen, die ſie ſelbſt überzeugt hat— ten, und es fehlte Elsbeth an Muth, ſtark auf deren Un— Dieſe war noch dieſelbe an thä— tiger Liebe, an unermüdetem Eifer für Andere, an ſchel— miſchem Humor; nur gehörten dieſe Eigenſchaften jetzt
einer Greiſin an und waren um ſo liebenswerther, denn
gibt es etwas Herzerhebenderes als eine alte Frau, in der das Gefühl nicht erkaltet iſt, die über den Leiden— ſchaften, auf der Höhe der Jahre ſtehend, auf ein langes gutes Leben herab ſieht, und deren greiſe Locken. ein Ge⸗ genſtand der Verehrung und der Liebe für ein heranwach— ſendes Geſchlecht ſind. Sie läutert Alles, was ſie berührt; wer mit ihr in Verkehr tritt, will liebenswerth erſcheinen, und läßt die Eitelkeit daheim; ſie iſt ein Prüfſtein für das, was Jutereſſe verdient, was nicht; ein Jeder fühlt, was er ihr nicht zu ſagen hat, was er alſo beſſer thäte, auch aus dem eigenen Regiſter zu ſtreichen.
So war Elsbeth, ſo beſuchte ſie ihre nun auch ſchon alternde Nichte Jahr um Jahr, bis ſie ſo matt wurde, daß ſie die Reiſe nicht mehr machen konnte. Vietorie war aber damals fünfzig Jahre alt, und harrte noch immer! noch immer!—
War ihr Gemüthszuſtand ein Wahnſinn, ſo war es faſt ein heiliger zu nennen; einen Gegenſtand ſo unwan⸗ delbar feſtzuhalten durch Jahre der Hoffnung und der Täuſchung, durch ein ganzes Leben, iſt eine Tugend, die über die Menſchheit erhebt. Viele nehmen den Aulauf dazu, aber ein ſolches Opfer unbewußt, ohne vor ſich ſelbſt oder vor Andern damit glänzen zu wollen, wirklich zu bringen, iſt groß, erhaben, unnachahmlichz und wir mit unſerm Hoffen und Wünſchen, mit unſerm unbefriedigten Wankel⸗ muth, unſern täglich neugeſteckten Zielen, ſollten vor ſol⸗ chen Erſcheinungen auf die Kniee fallen und an die Bruſt ſchlagen.
Victorie alſo war eine alte Jungfrau von fuͤnfzig Jahren geworden, ſie hatte nicht eben früh gealtert, war aber auch nicht mit ungewöhnlichem Jugendſchimmer be⸗ kleidet; ihr Haar war grau, doch trug ſie den beſcheidenen Schleier daruber; ihr Geſicht war von feinen Furchen
durchzogen, ihr Auge hatte die beſtimmten Farbenum⸗— riſſe der Jugend verloren, ihr Körper war mager und ſah daher noch fein und leicht aus, wie auch ihre Bewegungen es waren; aber ſie ſelbſt achtete nicht auf die Veränderungen der Zeit, und in ihrem Gemüthe wohnte noch die jungfräuliche Friſche.
Sie ging eines Tages im Kloſtergarten auf und ab, hin und wieder ein Räupchen ableſend oder einem Schmetterlinge nachblickend, als man ihr einen Herrn mel— dete, der ſie zu ſprechen wünſchte. Ohne Widerrede ging ſie hinauf in's Sprachzimmer. Vor dem Gitter ging ein wohlbeleibter Mann, an der Schwelle des Greiſenalters, aber fröhlich blickend, und den Schritt mit gewichtiger Frei— heit meſſend, auf und ab. Als ſie eintrat, ging er auf's Gitter zu verbengte ſich, ſah ſie an und brach in gutmü— thiges Lachen aus.
„Mademoiſelle Langenwärter? ſagte er.
Sie erwiderte etwas betreten:„Ja— wem habe ich die Ehre zu ſprechen?“
Er brach jetzt in ein ſchallendes Gelächter aus.
Das möcht' ich Ihnen zu rathen geben! aber Sie erriethen es nie. Der dicke graue Mann mit der gefurch— ten Stirne iſt Ihr alter Spielkamerad Robert Müller, nun Major bei den Pfälziſchen Truppen.— Gelt, ich hab' mich herausgemacht? Wenn Sie an den Lehrbur⸗ ſchen denken, den der Herr Vater„Er“ nannte. Aber dreißig Jahre, die man in der Welt herumgeworfen wird, und die man ſo gut anwenden kann, wie man will, ſind ſchon auch ein Kapital, von dem man Rechenſchaft geben muß. Nun Mademoiſelle, ich kam nach langen, langen Jahren wieder einmal nach Augsburg zurück; da traten alte ver⸗ geſſene Bilder vor meine Seele und es fiel mir auch wie⸗ der ein, wie mir Ihr Herr Vater als Knabe aus der ſchmäh⸗ lichſten Lage geholfen hat. Daß er mich ſpäter fortjagte, geſchah mir recht, denn ich hatte nicht eben, die feinſte Weiſe gewählt, um ihm ſeine Wohlthaten zu vergelten. Mein erſter Weg in Augsburg ging nach dem Langen— wärter'ſchen Hauſe; das ſtand zwar noch am alten Flecke, aber der Herr Vater waren todt und Sie nicht daheim. Als ich ein halbes Dutzend Kinder auf der Treppe ſah, glaubte ich ſchon, es wären Ihre Enkel, wie ich aber die wohlbeleibte blonde Mutter ſprach, begriff ich gleich, daß das nicht die ſchwarzäugige Victorie ſein könnte, und bald mußte ich hören; daß Sie unverheirathet und gar im Kloſter ſind. Sie hätten es machen ſollen wie ich; wie Sie mich hier ſehen, könnte meines älteſten Sohnes Toch—
und mit


