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ſo eröffnen wir Ihnen zu Ihrem Bemeſſen, daß in allen vorkommenden Fällen der Art nach dem vorbemerkten Grund⸗ ſatz zu verfahren iſt. f
Gu n Prinz.
Der ſe
an die Herrn Geiſtlichen und Bürgermeiſter des
Kreiſes. Betreffend: Die Aufnahme der Bevölkerung im Großherzogthum
Heſſen nach dem Stande derſelben im Monat Dezem⸗ ber 1852.
Unter Bezugnahme auf die in obigem Betreffe höͤchſten Orts erlaſſene Beſtimmungen, namentlich auf die Inſtruk⸗ tion vom 4. April 1833. die Miniſterialamtsblätter Nr. 17. vom 24. März 1834, Nr. 34. vom 31. Juli 1837, Nr. 28. vom 2. December 1841, beſonders aber auf Nr. 23. vom 7. September 1846, empfehle ich Ihnen wegen Aufnahme der Bevölkerung und Aufſtellung der Liſten I. und II. wozu Ihnen die Formulare unter Couvert zugehen, als⸗ bald die erforderliche Einleitung zu treffen und bei jenen Arbeiten die großtmöglichſte Pünktlichkeit und Genauig⸗ keit unter Beobachtung jener Vorſchriften eintreten zu laſſen. Namentlich haben die Gr. Bürgermeiſter, wenn eine Ver⸗ minderung der Seelenzahl etwa eingetreten ſein ſollte, hier⸗ über auf der 4. Seite des mitgetheilten Formulars aus— führliche Auskunft zu geben.
Hierbei muß ich wiederholen, daß die Aufnahme der Bevölkerung(Volkszählung) mit dem 3. December l. J., als Normaltag, begonnen und die eigentliche Zählung, d. h. die erſte Ermittelung der vorhandenen Perſonenzahl von Haus zu Haus ununterbrochen fortgeſetzt und möglichſt am nämlichen, in volkreicheren Orten ſpäteſtens am Dritten Tage vollendet werden muß und daß dieſe Regel nur für die größeren Städte, auch hier jedoch nicht mehr als uner⸗ läßlich nothwendig überſchritten werden darf. Es iſt hier⸗ bei übrigens genau darauf zu ſehen und zu halten, daß, wenn auch die Zählung an einem oder dem andern Orte hiernach mehrere Tage dauern ſollte, doch die Bevölkerung immer nur nach dem Stande aufzunehmen iſt, wie ſie am 3. December, als Normaltag, war.
Ihre Specialliſten ſind in doppelter Ausfertigung längſtens bis zum 15. December d. J. an mich einzuſenden.
Die Gr. Bürgermeiſter ſind angewieſen dieſes Aus- ſchreiben den Herrn Geiſtlichen mitzutheilen.
Friedberg den 10. Auguſt 1852.
Müller.
Wie eine Frau ihren Mann einmal kurirt hat.
(Schluß) Von W. O. v. Horn.
Allmählich magerte das arme, junge Weib ab, wie eine Leiche. Ihr armes Kind trank die Kummermilch und ſiechte hin wie ein Schatten. Ihr Auge war blöde ge— worden von Weinen. Er ſchien das Alles nicht zu ſehen, und lebte in ſeiner Weiſe fort, während ſein armes Weib am Rande der Verzweiflung ſtand.
Sie hatten aufgehört mit Bitten und Flehen, mit ſanftem, liebevollem Zureden; ihre Thränen erweichten ſein Herz nicht. Sie bat nur Gott, er möge ihr Ein Mittel in den Sinn geben, das fruchte, oder ſie und ihr armes Würmchen zu ſich nehmen aus all' dem Jammer und Elend, das ſie doch nicht mehr länger ertragen könne. So betete ſie auf ihren ſchwankenden Knieen an
einem Sonntag Abend, an dem ſie gehungert hatte, um ihr Kind und ihren Mann zu ſättigen. Für den morgen⸗ den Tag war nichts da, als trocknes Brod zum Frühſtück, wenn's ausreichte?—
Und am Sonntag Abend vertrank er den Lohn der ganzen vorigen Woche!
Unter Thränen war das arme Weib endlich einge-“
ſchlafen und ſie hörte gar nicht, daß er um zwölf Uhr
hereintaumelte und ſich, unfähig zum Auskleiden, mit den
Kleidern, auf's Bett legte.—
Morgens ſtand er dennoch früh auf, aß das Stück Ie,
Brod mit heimlichem Murren, weil kein Kaffe da war, und ſagte dann, als er in den Taglohn ging: Daß du
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mir nur Schlag Eilf Uhr ein ordentliches Eſſen bringſt!
Wenn man ordentlich arbeiten ſoll, muß man auch nahr—
haft eſſen! Zanken und hadern mochte ſie nicht.
bleichen Wangen. Er ging fort, ohne das zu beachten.
Während er arbeitete, wand ſich das arme Weib in 0 Ihr Kind e ha
lag ſtöhnend in der Wiege, denn es war erkrankt, und die Quelle der labenden Milch in der mütterlichen Bruſt!
Thränen am Boden. Sie rang im Gebete.
verſiegt vor Elend, Entkräftung und Herzeleid.
Plötzlich läutet es eilf Uhr! Sie hatte nichts zu
eſſen, keinen Heller, um etwas zu kaufen. Sie raufte verzweifelnd ihr Haar.—————
Da durchblitzte ſie ein Gedanke!————
Unter einem Baume ſaß raſtend ihr Mann, und“ 0 Hen erhört
harrte des Mittagsbrodes. Da ſah er ſeine Frau daher— wanken. Sie trug einen Korb auf ihrem Kopfe, über den ein weißes Tuch gedeckt war.
Kommſt du endlich? ſagte er.
Stille ſetzte ſie den Korb nieder und lehnte, leiſe
ſchluchzend, mit gefalteten Händen an dem Baume.
Er rückte den Korb näher.— Zu beten hatte er längſt verlernt, denn das Gebetlein: Komm' Herr Jeſu, ſei unſer Gaſt, und ſegne, was du beſcheeret haſt!— das paßte nicht mehr zu ſeinem Sinn und Thun.
Jetz deckt er das Tuch ab— und prallt, wie vom
bleich und todesmatt— ſein Kind!
Er wendet das allerdings erbleichte Angeſicht zu der Mutter, als wollte er fragen: was ſoll das bedeuten? Aber es war doch kein Zorn in ſeinen Mienen, denn er
hatte noch keinen Branntwein getrunken. f
Da ſagte das zitternde, weinende Weib mit einer wahren Todeskälte: Iß, lieber Mann, iß, was ich dir brachte. Es iſt mein Letztes, was ich habe. Im Hauſe iſt nichts mehr. Sieh', dein armes Kind iſt ſchon halb verhungert; ich habe ſeit geſtern Morgen nichts mehr gegeſſen. Die Milch in meiner Bruſt iſt ſchon verſiegt. Es kann doch nicht mehr leben. Du biſt ja Herr und Meiſter drüber. Iß es, damit es von ſeinem Jammer erlöͤſt wird. Ich folge ihm bald nach, dann kannſt du, ohne Vorwürfe deines Gewiſſens, Alles vertrinken, was du verdienſt.
Mit dieſen Worten nahm ſie das Kiſſen mit dem kranken Kindchen aus dem Korbe und legte es auf ſeinen Schooß.
Da war es, als ob die Hand Gottes ſein Herz erfaßte und preßte. Er ſchauderte zuſammen, wie im Fieberfroſt. Er ſtieß einen Schrei aus, der der armen Leidensſchweſter durch Mark und Bein ging. Dann ſitzt er eine Weile und ſieht das arme, leidende Kind an und — Thränen brechen plötzlich aus ſeinen Augen hervor.
Sie ſchwieg, aber ihre heißen Thränen rieſelten ſtromweiſe über die
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