Ausgabe 
18.2.1852
 
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ntelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

. II.

Mittwoch den 18. Februar

1852.

1

4

Amtlicher Theil.

1 Die Großherzoglich Heſſiſche

tegierungscommiſſion des Regierungsbezirks

Friedberg

an die Gr. Bürgermeiſter resp. Beigeordneten und

Jolizei⸗Commiſſäre, ſowie an die Gr. Gensdarmerie des Regierungsbezirks.

Miteffend: Den Heinrich Groß von Steinberg.

Wir beruftragen Sie hierdurch, auf den Rubricaten zu fahnden, ihn im Betretungsfalle zu verhaften und uns ſchann gefänglich zuzuführen. Friedberg den 14. Februar 1852. f Di oe

Doinsſel be

ay die Großh. Bürgermeiſter dieſes Regierungsbezirks. Btreffend: Die Muſterung im Jahre 1852. Sie werden alsbald zur öffentlichen Kenntniß brin gin, daß die Hauptbezirksliſten der diesjährigen Conſcrip tünspflichtigen und zwar 5

1. Diejenige für den Diſtrict Friedberg alf dem Büreau Großh. Regierungscommiſſion und 2. Diejenige für den Diſtrict Hungen auf dem Büreau des Großh. Bürgermeiſters zu Hungen von Freitag den 20. d. M. an 14 Tage lang zu Jedermanns Einſicht offen liegen.

Friedberg den 16. Februar 1852.

Ouvri er.

ef be

an die Großh. Bürgermeiſter des Regierungsbezirks und die Polizeikommiſſare zu Arnsburg, Engelthal und Wickſtadt.

Itreffend: Verbot des Ankaufs von Kartoffeln zum Brantwein brennen.

Indem wir Sie auf unſere Verfügung vom 17. Okto

ther v. J. Nr. 13. des Amtsblattes von 1851 und vom

November v. J. Nr. 15. von 1851 verweiſen, geben

wir Ihnen auf, die genaueſte Befolgung dieſer Verfügung zu überwachen resp. durch die Polizeioffizianten überwachen zu laſſen und weiter den Brautweinbrennern bememerklich zu machen, daß, wenn ſie ihre eignen guten Kartoffeln zu Brantwein verbrennten und ſich ihren Bedarf zum Stecken und zum Genuß nicht zurückbehielten, ihnen ſpäter der An kauf von Steckkartoffeln und zum eignen Bedarf nicht ver ſtattet werde und ſie ſich daher ſelbſt beizumeſſen hätten, wenn ihnen Nachtheil daraus erwachſe, oder ſie ſonſt Scha den treffe. Friedberg den 14. Februar 1852. ore.

r Eine Erzählung von Ernſt Ritter. (Fortſetzung.)

Herr Langenwärter nahm das Alles ſpaßhaft auf und war daher weder verdrießlich noch reuig. Er war einer von den naiven Egoiſten, denen es eben ſo wenig einfällt, auf Andere Rückſicht zu nehmen, als ſich ſelbſt etwas zu verſagen, und die gar kein Arg dabei haben, wenn ſie die Tyrannen ihres Hauſes ſind. Darin liegt ihre Entſchuldigung und ihre Unerträglichkeit. Es war ihm im höchſten Grade unbequem, daß ſeine Frau, die durch ihr ganzes Leben ihm behülflich und gefällig gewe ſen, jetzt ſelbſt ein Gegenſtand der unausgeſetzten Sorge geworden war; er hatte daher den Entſchluß gefaßt, an ihren hoffnungsloſen Zuſtand gar nicht zu glauben, wie er überhaupt jedem Gefühl, das ſeine Ruhe ſtören konnte, ſorgfältig aus dem Wege ging. Er behandelte ſie beinahe wie ein träges ungezogenes Kind, deſſen Launen er mit muſterhafter Geduld zu tragen meinte. Es war ihm nie ein Kummer im Leben aufgeſtoßen; er war ein reicher Mann und hatte den Ruf einer unerſchuͤtterlichen Recht lichkeit; ein religiöſer, folglich auch ein tugendhafter Mann, den man zum Vorſtand der Wittwen, zum Vormund der Waiſen wählte. Auch hatte er Verſtand genug, um den ihm anvertrauten Geſchäften mit Geſchick vorzuſtehen; kurz er war ein Mann des Vertrauens; Kirchenvorſteher, Stadtrath, Armenpfleger u. ſ. w. Um ganz gerecht zu ſein, muß man geſtehen, daß ſein angeborner Egoismus in Adelgunden's Charakter die reichſte Nahrung fand. Sie war die Tochter angeſehener Patrizier, ſelbſt reich und zu allen Anſprüchen berechtigt, dabei aber ſo beſchei den, daß Erſcheinungen wie ſie den Satz:Jeder Menſch