Ausgabe 
17.11.1852
 
Einzelbild herunterladen

V. cu, . Trinint

D Dardnug Ban

Stad a A ultirche;

Wahl.

8 0. Nov. 1851

5 99

400 22x.

Taxe

g und Butzbaß

N 9. November.

5 1 90.

Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Vilbel und Nidda

im Beſonderen.

Mittwoch den 17. November

1852.

Amtlicher Theil.

Der Großherzoglich Heſſiſche 8 215. Kreisrath des Kreiſes Friedberg an die Gr. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Auswanderung nach Amerika, insbeſondere den Transport und die Proviantirung der über engliſche Seehäfen reiſenden Auswanderer.

Indem ich Ihnen die nachſtehend abgedruckte Ent⸗ ſchließung Gr. Heſſ. Miniſteriums des Innern vom 26. Ok⸗ tober d. J. Nr. D. 12,074 mittheile, beauftrage ich Sie die Auswanderer, welche über England gehen wollen, darnach zu bedeuten und Sich vorkommenden Falles ſelbſt darnach zu bemeſſen.

Friedberg den 10. November 1852.

Miller.

Das Gr. Heſſ. Miniſterium des Innern an ſämmt⸗ liche Gr Kreisräthe. Darmſtadt am 26. Oktober 1852.

Da es uns bekannt geworden iſt, daß nach engliſchen Geſetzen der Proviant, welcher den Auswanderern für die Dauer der Seereiſe zu verabreichen wäre, zur Ernährung derſelben nicht hinreicht, ſowie ferner, daß deutſchen Aus⸗ wanderern zum Uebel gereicht, wenn ſie, wie häufig, mit Irländern in übergroßer Anzahl auf die Seeſchiffe verbracht werden; ſo eröffnen wir Ihnen hiermit, daß Accorde für Auswanderer, welche auf Koſten von Gemeinden über eng⸗ liſche Häfen befördert werden ſollen, nur unter der Bedin⸗ gung abgeſchloſſen werden dürfen, daß der Agent den Aus⸗ wanderern im engliſchen Hafen der Einſchiffung außer dem geſetzlichen Seeproviant noch ein gewiſſes Quantum an Fleiſch, Kartoffeln, Hülſenfrüchten, Salz, Eſſig, Butter, etwa um den Betrag von 7 fl. für den Kopf, zu ihrer eigenen Verfügung liefert, und ſodann daß die Auswanderer nicht auf Schiffe kommen, auf welchen ſich eine größere Anzahl von Irländern befindet.

Sie werden hiervon den betreffenden Agenten zur Nachachtung Kenntniß geben und darauf ſehen, daß die ab⸗ zuſchließenden rde in beiden Beziehungen ſichernd ab⸗ gefaßt werden.

v. Dalwigk. v. Lehmann.

Der Dlinde von Chamouny. Eine Reiſeerinnerung von Charles Nodier.

(Schluß)

Endlich kam der Winter, und Herr Robert ſagte mir, nachdem er mich leicht darauf vorbereitet, daß er mich auf einige Tage verlaſſen werde, auf einige Tage höchſtens er verſicherte mich, daß er nur ſich ein Haus in Genf kaufen wolle, um ſich dort niederlaſſen, dann würde er mich dahin abholen laſſen; er ſagte mir auch, daß Eulalie ihn begleiten ſolle, und am Ende erklärte er, daß er wohl den Winter in Genf zubringen würde, den Winter, der ja ſo bald vorüber ware, der ja ſchon be gonnen hätte. Ich erwiderte Nichts, vor tiefem Kummer. Eulalie umarmte mich zärtlich; ich fühlte, daß ihre Arme kalt waren und ſchwer auf meinem Halſe lagen: wenn mein Gedächtniß mir treu iſt, ſo gab ſie mir die zärtlich ſten Namen, ſagte mir die rührendſten Worte; aber dieß Alles war mir wie ein Traum. Nach einigen Stunden hatte ich meine Beſinnung wieder erhalten, und da ſagte meine Mutter zu mir:Gexpais, ſie ſind fort, aber wir ſollen auf dem Schloſſe bleiben. Von der Zeit an habe ich Wenig oder nichts zu erzählen.

Im Monat Oktober ſandte ſie mir ein Band mit einigen Worten in Reliefdruck:Dieſes Band iſt die grüne Binde, die ich über die Augen trug es hat mich nie verlaſſen; ich ſende es Dir.

Im Monat November, der ſehr ſchön war, brachten mir die Diener vom Hauſe einige Geſchenke von ihrem Vater, aber ich befragte ſie nicht über ſie. Im Dezember beginnt der Schneefall, und, o Himmel, wie lang war dieſer Winter! Januar, Februar, März, April, mit ihren Leiden und Stürmen, wie langſam ſchlich die Zeit! Im Mai fielen allenthalben Lawinen, nur mich trafen ſie nicht! Als die Sonne ein wenig hervorkam, ward ich, meinem Wunſche gemäß, auf die Straße, die nach Baſſons fuhrt, geleitet, denn über dieſe ziehen die Maulthiertreiber; end lich kam einer, aber ohne Nachricht für mich, es kam ein zweiter, ebenſo; nachdem der dritte, ohne mir Etwas zu bringen, gekommen war, gab ich alle Hoffnung auf, von meinen abweſenden Freunden zu hören: ich wußte, daß mein Schickſal entſchieden war. Acht Tage nachher ward mir jedoch ein Brief von Eulalie vorgeleſen; ſie hatte den Winter in Genf zugebracht, und wollte den Sommer in Mailand verleben. Meine arme Mutter zitterte für mich, aber ich lächelte; es war gerade ſo, wie ich es er⸗

.

.. ̃ ˙.

̃