Ausgabe 
17.1.1852
 
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Wehmuth ſah ſie nach ihren trauten Kleidern dort auf dem Bette, ſie konnte ſich in dieſe Komödie nun einmal nicht ſchicken, und es war ihr immer, als müßte ihr Hülfe kommen in der Noth. Da plötzlich begannen die Glocken zu läuten, jetzt war es ſo weit entweder oder! Sie fühlte deutlich, ſie könne nicht in den Kleidern bleiben. Mit Blitzesſchnelle flogen ſie herunter, mit Blitzes ſchnelle war ſie wieder das ſtattliche Bauermädchen. Und etwas zu thun ſetzte ſich noch das Mützchen mit den breiten ſchwarzen Sammetbändern auf, ſteckte den großen Roſenſtrauß vor die Bruſt und folgte nun, Gedicht und Kranz in der Hand, dem keuchenden Boten nach, der, in der Verwirrung verſpätet, noch gerade zur letzten Mi⸗ nute bei ihr eintrat.

Der Wagen fuhr gerade auf den freien Platz, als Anne oben auf der hohen Treppe vor dem Rathshauſe erſchien. Der Frau Bürgermeiſterin ſanken die Knie zu ſammen, und die Rectorin ſchrie leiſe auf, halb vor Schrecken halb vor Vergnügen. Anne aber hatte kaum die Herren im Wagen erblickt, als ihr Geſicht vor Freude ſtrahlte, und ſie haſtig die Treppe hinunter, über den Platz hinlief und auf den Tritt des Wagens ſprang. Sie gab dem alten Herren die Hand und ſagte: grüß Dich! ei wie geht Dir's denn? Dies Alles ging ſo ſchnell vor ſich, daß weder der Herr Bürgermeiſter zu Pferd noch die Frau Bürgermeiſterin zu Fuß ſie zurück⸗ halten konnte. 5

Ich ſollte Dir eigentlich hier dies Ding herſagen, fuhr Anne eifrig fort; aber ich kann's nicht, die liebe Frau Bürgermeiſterin wird recht böſe ſein; aber ich freue mich

ſehr, daß Ihr da ſeid.

Die ganze Verſammlung ſtand in ſtummer Bewun⸗ derung, die Frau Bürgermeiſterin ſtand knixend, und ihr Mann entſchuldigend am Wagen. Zu noch größerer Ver⸗ wunderung aber fuhr der alte Herr zärtlich über Annens Stirn und ſagte freudig: Biſt Du denn hier, du liebes Kind? ich wollte eben zu Dir nach der hohen Lies. Dann wandte er ſich freudig zu den Naheſtehenden, den Grund ihrer Verwunderung erkennend, erzählte er ihnen in kurzen Worten das kleine Abenteuer, das ihn im ver gangenen Winter von der Braunſchweiger Seite her ſo tief in den Harz geführt, und daß er heute nur den klei⸗ nen Umweg beabſichtigte, um Annen und der Großmutter ſeine dankbare Anhänglichkeit zu zeigen. Zugleich aber er klärte er auf des Bürgermeiſters Anfrage, die Feierlich keiten in Empfang nehmen zu wollen. Anne aber mußte ſich gleich zu ihm ſetzen und Hubert, ein junger Förſter, der wie immer auch heute ſein Begleiter war, nahm den Platz ihnen gegenüber ein. In aller Eile ließ Anne ſich vom alten Herrn das Verſprechen geben, daß er ſie mit⸗ nehme nach der hohen Lies, zugleich aber müſſe er aus⸗ machen daß ſie nie wieder hinunter brauche von den Ber gen. Sie war herzlich froh darüber und als Thekla jetzt mit kunſtgerechtem Knix hervortrat und einen gewaltig langen Triller ſchlug, da ſagte ſie zum alten Herrn fröh lich: Kennſt Du daß? das nennen ſie hier ein Triller; ich konnt' es aber nicht lernen. Darauf erſcholl das

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Gott

Gewehrfeuer der Schützen, dazu das Hurrah der Verſam⸗ lung, und der hohe Herr fuhr grüßend nach allen Seiten mit Anne und Hubert in den Wald hinein. 0

Oben im Gebirgsdörfchen verließen ſie den Wagen und traten alle drei den Weg zu Fuße an. Das Abend⸗ roth ſchien durch die Tannen, das Brockengebirge ſchim merte in roſigem Duft. Der Vollmond ſchwebte drüben auf dem Buchenwald und zitterte im ſchnell hinlaufendem Wieſenbach. Die hohe Lies lag friedlich in der Dämme rung, bläulicher Rauch ſtieg grade aus dem kleinen Schorn ſteine und zerfloß am Abendhimmel, und das Geläute der Heerden tönte ſanft herüber. i

O wie froh bin ich, rief Anne, und ſprang uber den kleinen Steg des Baches: hier möcht' ich nie wieder fort!

Ich auch nicht, ſagte Hubert, und Anne ſchlug die Augen nieder.

Ja, denke Dir, dem Hubert hat es hier ſo wohl gefallen, er möchte hier bleiben, da er aber nicht Platz hat bei Euch, ſo habe ich ihm dort drüben imgrünen Grund die Förſterei ausgemacht. Wenn Du nach der Seite hin Deine Kühe treibſt, erſchrick nicht, hörſt Du ſeine iW knallen.*

Im nächen Herbſt kam Vetter Wilhelm wieder, er hielt aber kurzen Beſcheid. Die Großmutter ſah ein, daß Anne, ein wunderliches Mädchen, da unten in die Welt nicht paſſe. Ihr Reſt von Bauernſtolz wollte ſich zwar erſt in den Gedanken, daßk Anneznur eines Jägers Frau werden ſollte, nicht fügen, aber die vom Schickſal geprüfte Großmutter ſah ein, daß aller Ueberfluß eines Bauernho fes und Reichthum und Anſehen vor den Menſchen den Frieden nicht geben, der glücklich auf Erden und im Him⸗ mel macht.

Dies Geſchichtlein endet mit einem alten Liede:

Es blies ein Jäger wohl auf ſein Horn, Trara, trara, trara. Und ſchweigend ging er durch Dickicht und Dorn, Trara, trara, trara. Er ſchoß weder Haſen, noch Hühner, noch Reh; Denn ach, es that ihm im Herzen ſo weh Trara, trara, trara Seitdem er die Jägerin ſah.

Des Jägers hellſchmetternder Hörnerklang, Trara, trara, trara. Dem Mädchen daheim in die Seele tief drang Trarq, trara, trara. Sie ging hinaus in den grünen Wald, Hinaus wo des Jägers Hüfthorn erſchallt Trara, trara, trara O Jäger, Dein Liebchen iſt da,

Er drückt ihr die Hände ſo weich und ſo zart, Trara, trara, trara. Er küßt' ihr die Lippen nach Waidmanns Art, Trara, trara, trara. Du roſiges, ſchönes Mägdelein, Sag, wollteſt Du wohl die Jägerin ſein? Trara, trara, trara Das Mädchen ſagte Ja.

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

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Immobiliar-Verſteigerung. (2049) Dienſtag den 3. Februar k. J., Vor⸗ mittags 11 Uhe, werden in hieſigem Rathhauſe die zum Nachlaſſe des dahier verſtorbenen Joh. Gerſter gehörenden Immobilien, beſtehend in

einem Viertel Wohnhaus, Stall und Gärtchen, in der Vorſtadt zum Garten gelegen, öffentlich meiſtbietend verſteigert. ö Friedberg den 18. Dezember 1851. In Auftrag Großh. Heſſ. Landgerichts Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Bekanntmachung, (49) Auf Verfügung Großh. Landgerichts

dahier ſollen Montag den 19. und Dienſtag den 20. l. M., jedesmal von Vormittags 9 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr, ſämmtliche Mobilien des Gottfried Zell und Carl Beckers Wittwe, beſtehend in: ö 1) Kupfer, Meſſing, Zinn, Blech und Eiſen⸗ geſchirr, 2) Porcellan, Stein, Glas und anderes Ge⸗ ſchirr, 3) Bettzeug, 4) Handwerksgeſchirr,

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