Ausgabe 
17.1.1852
 
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Tanzlehrer

Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, 8 den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

Sonnabend den 17. Jannar

Intelligenz⸗Blatt für die Provinz Oberheſſen erſcheint jeden Mittwoch und Samſtag.

Der Abonnementspreis, welcher

ffets bei der Beſtellung zu entrichten iſt, beträgt, bei der Expedition 1 fl. 12 kr., für ½ Jahr 40 kr. bei allen zum Fürſtl. Thurn und Taxisſchen Verwaltungsbezirke gehörigen Poſtämtern nach der neueſten Verfügung pr. Jahr 1 fl. 30 kr. und pr. Semeſter 45 kr. Durch die ſehr ſtarke Auflage desIntelligenzblattes finden Anzeigen der verſchiedenſten Art die vortheilhafteſte

Verbreitung. werden mit 7 kr. und ein Beleg mit 2 kr. berechnet.

Friedberg.

Die Einrückungsgebühren betragen für die geſpaltene Petitzeile, oder deren Raum 2 kr., die beiden erſten Zeilen zuſammen aber

Die Expedition des Intelligenzblattes.

Die dumme Anne. Eine Erzählung aus dem Gebirge von Marie Nathuſius. (Nieritz Volkskalender.) (Schluß.)

Oſtern kam, Anne wurde confirmirt. Vorher hatte ſie den Religionsunterricht genoſſen und der Rector mußte den Kummer erleben, daß die dumme Anne vom Paſtor über ſeine klügſten Schülerinnen geſetz wurde, und daß der Paſtor nicht genug die Kenntniſſe und den Scharfblick des Mädchens rühmen konnte. Als die Großmutter jetzt Anne zurück haben wollte, machte Klaus einen entſchiedenen Strich durch dieſe Rechnung. Er hatte mit dem Rector den Ver⸗ trag auf ein Jahr gemacht, das Koſtgeld mußte doch be⸗ zahlt werden, und Anne ſollte dafür ſticken und ſingen und tanzen lernen, die Großmutter mußte ſich alſo des Frie⸗ dens wegen fügen. Anne ward jetzt einexerzirt und dabei was ehrliches gequält. Daß ihr das Triller ſingen, und das kunſtgerechte Tanzen und ähnliche Spiegelfechtereien ſchwer wurden, war der Rectorin eine wahre Herzens freude. Sie brachte es mit ihren Quälereien ſo weit, daß Anne ſich zuweilen mit dem Gedanken des Fortlaufens be ſchäftigte, und hätte ſie nicht ein Haus gefunden, wo ſie getröſtet und erfreut wurde, ſie hätte den Gedanken gewiß ausgeführt. Dies war des Bürgermeiſters Haus. Der Bürgermeiſter und ſeine Frau waren herzensgute Leute, hatten Annen lieb wie ihr eigen Kind und behielten ſie oft tagelang dort, wogegen die Frau Rectorin wegen der Koſterſparniß nichts einzuwenden hatte.

Den Tag vor Johannis war das ganze Städtchen in ungewöhnlicher Aufregung. Eine fürſtliche Perſon hatte zu morgen drei Geſpann Pferde beſtellt, drei Wagen ſoll⸗ ten über Braunlage, Oderteich, nach Harzburg geſchafft werden. Daß dieſe fürſtliche Perſon incognito reiſte, gab zu den wunderlichſten Gerüchten Anlaß. Es ſollte durch aus der Kronprinz oder wenigſtens ein nahes Glied der königlichen Familie ſein, und wie auch der Herr Bürger

meiſter rieth, dies Incognito unangetaſt zu laſſen, die Sachſaer wollten ſich die Gelegenheit zu einer Feſtlichkeit. nicht nehmen laſſen, ſelbſt die Frau Bürgermeiſterin, eine ſehr gebildete Frau, beſtand auf einer Feierlichkeit, die ſie ſich in aller Eile ausgedacht hatte. Mit allen Glocken ſollte geläutet werden, die Schützen und junge Mädchen in weißen Kleidern und Roſenkränzen ſollten den hohen Herrn auf dem Marktplatz empfangen, das ſchönſte Mäd chen ihn mit einem Gedichte begrüßen, und feſtlicher Ge ſang ihn erfreuen. Nachdem er durchpaſſlirt wäre, wollte man nach dem Schützenhauſe ziehen und ſich da auf ge wohnte Weiſe amüſſiren. Alle Perſonen von Bedeutung waren mit dieſem Plane einverſtanden, nur die Frau Rec⸗ torin konnte es nicht begreifen, daß die plumpe, unerfah rene Anne die Rolle des ſchönſten Mädchens übernehmen ſollte. Doch Bürgermeiſters beſtanden auf ihrem Kopf; dagegen erhielt Thekla die Erlaubniß, beim Feſtgeſang ganz beſonders ihre Triller zu ſchlagen. Anne aber pro teſtirte gewaltig gegen die ihr zugetheilte Rolle und ent ſchieden gegen das weiße Kleid und den ganz fremdartige Anzug. Nur weil die Frau Bürgermeiſterin ſo herzlich bat, ſagte ſie der zu Liebe ja, und mit Thränen im Auge ließ ſie ſich von der guten Frau ein weißes Kleid anpaſ ſen, was dieſe ſelbſt in ihrer Jugend getragen. Die Frau Bürgermeiſterin war ganz entzückt über die Schönheit ihres Lieblings, und zu ihrer Freude ließ ſich Anne zu dem Knix und der pathetiſchen Rede ganz gut an, was auch Rectors darüber ſpotteten.

Der Johannistag brach an in herrlicher Schönheit, die Sonne blitzte über der Sommerpracht der Wälder und Fluren, das Städtchen war in feſtlicher Erwartung. Als die Sonne etwas längere Schatten warf, war alles vor dem Hauſe des Bürgermeiſters verſammelt, und man war tete ſehnlichſt auf das Zeichen des Glockengeläutes. Nur Anne ſtand noch oben im Schlafzimmer der Frau Bür⸗ germeiſterin und trocknete ſich die Augen. Sie hatte die Erlaubniß hier zu bleiben, bis man nach ihr ſchicke. Mit