Ausgabe 
15.12.1852
 
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und Butzbach Dezember.

Fried⸗ Buß berg. bach.

kr. pf. kr. pf.

81

Sl .

II

91 9 ö

1

Intelligenz Blatt

Provinz Oberheſſen

8 0 im Allgemeinen, die KAreiſe Kriedberg, Vilbel und Nidda

im Beſonderen.

E 98.

Mittwoch den 15. Dezember

1852.

Amtlicher Theil.

Einladung zur Wahl der Mitglieder des Gemeinderaths.

Es wird hiermit bekannnt gemacht, daß den 15., 16. und 17. d. M., Vormittags von 8 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr zu Friedberg in dem Ge⸗ meindehauſe die Abſtimmung zur Wahl der Mitglieder des Gemeinderaths vorgenommen werden ſoll. Es ſind hierbei im Ganzen 15 Mitglieder des Gemeinderaths zu wählen, wovon die Wähler der dritten Abtheilung 5 Mitglie- der, und die Wähler der zweiten Abtheilung 5 Mit⸗ glieder, und die Wähler der erſten Abtheilung 5 Mit⸗ glieder zu wählen haben. 0

Sämmtliche Stimmberechtigte werden nach Art. 26 des Geſetzes vom 8. Januar 1852 zur Theilnahme an

dieſer Wahl mit dem Anfügen eingeladen, daß die Abſtim⸗ mung ſtattfinden wird: 5

1) Für die Wähler der dritten Abtheilung, zu welcher die Stimmberechtigten gehören, deren monat⸗ licher Steuerbeitrag nicht über 56 ¼ kr. beträgt, am 15. und 16. Dezember d. J., Vormittags von 8 bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 5 Uhr. 2) Für die Wähler der zweiten Abtheilung, zu welcher die Stimmberechtigten gehören, deren monat⸗ licher Steuerbeitrag über 56 ¼ kr. aber unter 2 fl. beträgt, am 17. Dezember d. J., Vormittags von 8 bis 12 Uhr. 3) Für die Wähler der erſten Abtheilung, zu welcher die Stimmberechtigten gehören, deren monat⸗ licher Steuerbeitrag über 2 fl. beträgt, am 17. Dezember d. J., Nachmittags von 2 bis 5 Uhr. Friedberg den 8. Dezember 1852. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Die Schweſtern.

Eine Memoiren⸗Novelle. (Fortſetzung.)

Nelly begleitete mich nach der Behauſung meiner Schweſter, und es ſchien ſich nun ein Feenland vor mei⸗ nen Blicken zu öffnen, als ich Gabriele wieder um armte. Welch' eine freundliche Wohnung ein Häuschen, nicht

viel größer als das von mir verlaſſene aber wie ganz anders! Eleganz und Behaglichkeit waren vereinigt, und als ich die ſeltenen exotiſchen Gewächſe in dem geſchmackvollen Treibhauſe erblickte, da dachte ich zurück an die Roſen in unſerer Wildniß. Ach ich bezweifle, ob wir jemals Blu⸗ men ſo geſchätzt haben, wie jene köſtlichen bethauten Knospen. Wood End Cottage ſtand auf der Spitze eines Hügels, und bot eine herrliche Ausſicht wäldlicher Ruhe; die alte Pfarre gränzte nahe daran, bewohnt von einem unverheiratheten Geiſtlichen,arm und fromm, und der Kirchthurm ſah aus einem Haufen von Bäumen hervor. Der Klang der lieblichen Glocken auf jenem verwitterten Thurme ſchien mir überirdiſcher Muſik zu gleichen: es durchbebte mir das Herz, wenn ich ihr eigenthümliches, melancholiſches Geläute hörte. Es waren ſchöne Denk- mäler in der Kirche, und ſie hatte ein prachtvoll gemaltes Fenſter, worauf die Sonne im Sommer während der Stunden des Abendgottesdienſtes ſtets ihre letzten Strahlen warf.

Mein Schwager, Herr Thomas Erminſtoun, war bläſſer und ſchmächtiger, als wie ich ihn zuletzt geſehen, und ich war erſchrocken und beſtürzt über ſein Ausſehen. Seine Liebe zu Gabrielen ſtieg bis zur Abgötterei, und um ihretwillen liebte und hegte er mich. Sie war kälter und ſtolzer in ihrem Benehmen als je, und nahm alle hingebende Zärtlichkeit ihres Mannes ſozuſagen nur leidend hin. Dieß ſchmerzte mich auf's Tiefſte; denn war er auch entſchieden einfältig, ſo lag doch eine Ehrlichkeit und Güte in ſeinem ganzen Weſen, welche in hohem Grade für ihn einnahm. Er konnte ſtundenlang mit ſteigendem Entzücken von Gabrielen mit mir reden; wir bewunderten beide ihre Alles überſteigende Schönheit, welche von Woche zu Woche einen reineren und engelgleicheren Charakter annahm. Mir allein wandte meine Schweſter alle ihre Liebkoſungen zu; alle verhaltene Liebe einer leidenſchaft⸗ lichen Natur machte ſich Luft in meinen Armen, welche ich mit ſeltenem Liebesenthuſiasmus um ihren Hals ſchlang; daher kam es auch, daß ihre Fehler mir ſolche Angſt ver⸗ urſachten denn ich konnte nicht umhin ſie zu bemerken und ich allein in der ganzen Welt kannte ihre edle Natur und wußte, was ſiehätte ſein können. Ich ſagte ihr, daß ich erwartet hätte, ſie heiter zu finden, jetzt da ſie einen glücklichen eigenen Heerd beſäße.

Glücklich! heiter? rief ſie traurig.Eine Kind⸗ heit wie die meinige geweſen, wirft düſtere Schatten über die ganze Zukunft, Ruth.