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Treue Hand geht durchs ganze Land. Von W. O. v. Horn.
U Heimath g
. etwas 6 ann ihre Gu 1 dicken 1 f 7 ſchqh zeſten Wudheſ f 5 lichen Eine och keinen Durſt zu leiden brauchten. deftige dun frauen und Mädchen der Flachs, ſauber und fein bear⸗ en Sun un eitet, in der Kiſte bereit und wartete nur auf das Spinn⸗ u ve. i del ſad. Hier und da. M zonnen und namentlich in einem Hauſe des Dorfes bot die Nacht un ich das freundliche Bild gemüthlichen Winterlebens dar. en und— Es war an einem recht rauhen Novemberabend, als ſie dacht un a recht behaglich da ſaßen; denn draußen ſtritten Schnee chiedenen au ind Regen vom Sturme gepeiſcht um die Herrſchaft. Es ien herdo Te par ſchon ſpät, da klopfte es plötzlich ſtark wider den meer mmh aden. Wer mag das ſein? ſprach der Hausvater, indem ber n ir nach dem Fenſter ging. Wer klopft ſo ſpät? fragt er. ** höhe Ein müder reiſender Handwerksburſch, der eine — in ſchre Rachtherberge ſucht, war die Antwort. ufernteſig Der Hausvater übte noch die fromme Sitte, keinen ſolich ib Herbergeſuchenden abzuweiſen. Er ſagte: Tretet in Gottes 10 der n Namen herein! 5 der oden Miß So kam denn beſcheiden und grüßend der müde, n gefrorn zaſſe Wanderer herein und der Hausvater ſagte: Lands⸗ „ Es war zu nann, legt Euer Felleiſen ab und macht Euch in die Ofen⸗ uuf einem nab icke, daß Ihr warm und trocken werdet. Frau, ſagte er c der ſchrec, zur Hausmutter, die aber bereits aufgeſtanden war, hol' chen mehr inn dem Burſchen etwas unter die Zähne. Ich weiß aus ſeus“ kiefer, neiner Jugend her, daß man in der Jugend alle zehn en eren a, Minuten Appetit und alle fünfzehn einen Bärenhunger hat. datum riſen ſi Als es der Haudwerksburſche ſich ſchmecken ließ, be⸗ i meiner lihn trachteten ihn die Frauen und die Mädchen. Man ſah's ut ihrem o ihm an, daß er's lange ſo gut und behaglich nicht gehabt ande gehen!“ hatte, aber auch, daß er ein wohlgearteter, manierlicher Veib in wibn Menſch war. Als nun nach dem Eſſen, das er hübſch icht eine heft mit ſtillem Gebete begonnen und geſchloſſen hatte, ſich die blick lang hs Männer mit ihm in ein Geſpräch einließen, da erkannten Gewande un ſie auch, daß er auf ſeiner Wanderſchaft durchs deutſche ntergrunde d Land offene Augen und einen offenen Kopf gehabt, denn d verſinkt day er hatte ganz erſchrecklich Vieles geſehen und erfahren. er ihr erſchen Bei ihm hieß es nicht mit dem alten Sprüchwort:„Es „ h zu hell fog ein Gänslein über den Rhein und kam als Gigack mehr von W wieder heim.“ Er erzählte mit Verſtand und man hörte es wieder ganz deutlich, daß es Wahrheit war, was er etzt ſelbſt n ſagte, denn er windbeutelte nicht und mit dem weltbe⸗ der Stätte h kannten Münchhauſen hatte er keine Ader gemein. Zuletzt en Wände vos zog er die Aufmerkſamkeit der ganzen Spinnſtube auf ſich. händen, und el Er hatte längere Zeit in Prag, der Hauptſtadt von Böhmen, gearbeitet, und wußte von dieſer Stadt gar viel
u den Leichnm Merkwürdiges zu erzählen. Mitten in der Rede aber „ Schneehauß unterbrach ihn Einer, der ſagte: Landsmann im vorigen Die Voll Frühjahr kamen böhmiſche Muſikanten hier durch, die zur
Flankfurter Oſtermeſſe zogen, die wußten viel zu reden mm heiligen Nepomuk und vom Johannisfeſte. Könnt Ir uns darüber nicht nähere Auskunft geben?
Ja wohl, antwortete der Geſelle. Ich kam gerade um Vorabend des Johannisfeſtes in Prag an, und Schaa⸗ un von Menſchen aus allen Gegenden des Böhmerlandes gen mit mir in die prächtige Hauptſtadt ein. Ich wa
aſtaunt über die ſchöne Stadt; denn eine herrlichere hab'
aden erwäge daß die Hen ſt in den Fla anders gewel : Leibeigent io
ich auf meiner ganzen Wanderſchaft noch nie ge i
liegt Ne in einem blühenden Garten, 11 7 1 5 ſchoͤnen Landhäuſern. Ihre neunzig Kirchen, einhundert ſteben 105 zwanzig Thürme und ſechzig Paläſte geben Einem Etwas zu ſchauen, der übrigen, zahlreichen, ſchönen Gebäude gar nicht zu gedenken. Der kleinere Theil der Stadt, die„Kleinſeite“ genannt, zieht ſich einen Hügel hinauf, auf dem das Schloß mit der Domkirche ſteht. Wie ein ſilberner Gürtel ſchmiegt ſich der Moldaufluß an die Stadt und grüne Inſeln heben ſich wie Edelſteine aus dem Waſſerſpiegel empor. Ueber den Fluß führt eine uralte ſteinerne Brücke, welche die„Kleinſeite„mit der „Altſtadt“ verbindet. Dieſe Brücke hat ſechszehn Bogen und trägt auf ihrem Rücken acht und zwanzig Bildſäulen.
Die mittelſte derſelben ſtellt den heiligen Johannes von Nepomuk dar, den ehemaligen Eczbiſchof von Prag, der am 16. Mai 1383 auf Befehl des unholdigen Königs Wenzel von dieſer Stelle herab in die Moldau geſtürzt wurde, weil er das, was ihm die fromme Königin in der Beichte anvertraut hatte, nicht verrathen wollte.
Die Böhmen haben ihn zu ihrem Schutzpatron ge⸗ macht, und wandern jährlich zu Tauſenden nach Prag, das Gedächtniß des heiligen Nepomuk zu feiern. Wer in den Häuſern und Ställen kein Unterkommen finden kann, der ſucht es auf der Straße unter freiem Himmel. Das iſt namentlich denn für die zahlloſen Bettler, Landſtreicher und Krüppel gemünzt, die aber an ſolchen Tagen gute Geſchäfte machen.
Wer am Johannisfeſt unter das Gedränge auf der Straße oder auf der Brücke ſich miſchen will, der mag nur die Säckel fein zuhalten, denn es gibt da Leute ge— nug, die nicht blöde ſind, in fremde Säckel zu fahren und mitzunehmen, was ſich nicht wehrt und der Leute gibt's überall zu ſolchen Feſtzeiten viel; in Prag aber mehr, als gut iſt. Weit kommen freilich die Schelme mit dem geſtohlenen Gute nicht, weil es nicht gedeiht. Sie kommen etwa bis in eine heimliche Winkelkneipe, wo ſie es ver— trinken oder verſpielen und ſind dann ſo arm, wie zuvor; oft aber kommen ſie nicht weiter als vor's Wiener Thor, rechts, eine Anhöhe hinauf, wo— der Galgen ſteht. Dort hab' ich mit meinen Augen Manchen hängen ſehen, unter Andern auch ein Dienſtmädchen mit Kreuzbändern an den Schuhen, weßhalb ſeitdem kein ehrlich Mädchen oder Frau in Prag mehr Kreuzbänder an den Schuhen tragen mag.
Doch will ich nicht blos von Spitzbuben erzählen, ſondern ein Exempel bringen, daß es noch ehrliche Men⸗ ſchen in der Welt gibt und Gottlob, noch Viele.
(Schluß folgt.)
Monatsbericht der Blinden-Anſtalt.
Die Einnahme im Monat Auguſt betrug 278 fl. 6½ kr. Da⸗ gegen verausgabten wir 368 fl. 8 ¼ kr. Die meiſten Gaben floſſen aus Kurheſſen, wo wir vom Miniſterium Erlaubniß haben zu ſammeln, müſſen aber auch Kurheſſiſche Kinder aufnehmen. Die Zahl der Zög⸗ linge iſt gegenwärtig 21, unter welchen zwei Kurheſſen. An Aktien konnten wir nur eine abſetzen; da wir aber noch eine ſchöne Anzahl haben, ſo empfehlen wir dieſelben auf's Beſte, ſowie die ganze Anſtalt. Unſere Arbeiten wurden fortwährend, ſogar ins Ausland, gewünſcht und wir haben jetzt die verſchiedenſten Abſatzquellen. Nach Darmſtadt kamen allein für mehr denn 60 fl. Waſchſeile.— Mit dem herzlichſten Danke müſſen wir erwähnen, daß uns das Orgelconcert des Hrn. Seminar⸗ lehrers Thurn und der Schullehrer⸗Seminariſten 7 fl. 18 kr. an unſerm Theile eingetragen hat. Allen Gebern aber ſei auch für die kleinſte Gabe unſer innigſter Dank geſagt 5 1844 woll's ihnen lohnen.
riedberg am 1. September„
9 N J. P. Schäfer, Vorſteher.


