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enz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Vilbel und Nidda
im Beſonderen.
A 72.
Mittwoch den 15. September
1852.
Amtlicher Theil. Preispfluͤgen zu Alsfeld und Lich.
Der Ausſchuß des landwirthſchaftlichen Vereins der Provinz Oberheſſen hat für's Jahr 1852 zu Preiſen für gute Pflüger die Summe von 100 fl. ausgeſetzt.
In Vollziehung dieſes Beſchluſſes wird hiermit fol—
gendes bekannt gemacht.
2 Dieſe Preispflügen resp. Vertheilungen werden ſtatt⸗ nden: 1) zu Alsfeld am 20. September,
2)„Lich 1 221„ Die Bedingungen der Theilnahme ſind folgende:
1) die Concurrenz kann überhaupt nur eigentlichen Acker⸗ leuten, dem Einzelnen ſelbſt aber nur einmal geſtattet werden;
2) Anmeldungen zur Concurrenz um die Pflüger-Preiſe, haben ſpäteſtens bis 8 Uhr Morgens bei dem Preis—
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gerichte zu geſchehen;
3) die Reihenfolge der Anmeldungen beſtimmt die Ord⸗ nung, in welcher diejenigen, die ſich gemeldet haben, zum Wettpflügen gelangen;
4) bei zu ſtarker Concurrenz ſtehen diejenigen, welche ſich am ſpäteſten gemeldet haben, zurück;
5) Pflüge und Beſpannung ſtellt der landwirthſchaftliche Verein.
Mit dieſem Preispflügen wird zugleich ein Verkauf verbeſſerter landwirthſchaftlicher Geräthe verbunden werden. Indem zu recht zahlreicher Theilnahme an bezeichneter Verhandlung eingeladen wird, ergeht zugleich an die Herren Ortsvorſtände und die verehrlichen Mitglieder des landw. Vereins die Bitte um gefällige Mitwirkung zur Verbreitung
Die Leibeigene von Poberez. (Schluß)
Leon war bewegt, es ſchien ihm ein Licht aufzugehen; ir wollte ſie unterbrechen; aber Giovanna ſprach:„Laſ⸗ ſen Sie mich meine Erzählung vollenden. Die Vorſehung verließ die arme Waiſe nicht, ſondern ließ ſie durch ein Talent, das ihr die Natur geſchenkt hatte, zu einer gwiß⸗ ſen. Auszeichvung gelangen. Die elende Leibeigene von
Poberez ward eine berühmte italieniſche Sängerin. Da geſchah es, daß ihr früherer Herr ſie in einer Geſellſchaft traf; und als er ſah, wie alle Welt ſie bewunderte und ihr huldigte, ohne daß er jedoch wußte, wer ſie eigentlich ſei, da ward er, als geſchähe es nach dem Rathſchluſſe des Himmels, von Liebe zu dieſem nämlichen Weſen er⸗ griffen— aber von einer ſchuldigen Liebe.“
Und Giovanna erhob ſich, indem ſie dieſe Worte ſprach, um ihrem Bewunderer zu entfliehen.
„Nein, nein!“ rief er in hohem Eruſt;„von einer reinen, heiligen Leidenſchaft.“
„Unmöͤglich,“ entgegnete Giovanna— nicht verheirathet?“
Roszynsky riß haſtig einen Brief aus der Taſche und bot ihn Giovanna hin. Er war ſchwarz geſiegelt, denn er meldete den Tod ſeiner Gemahlin, die in den Bä— dern geſtorben war. Der Brief war dieſen Morgen erſt angelangt.
Sie haben keine Zeit verloren,“ ſprach die Sänge⸗ rin, und bemühte ſich, ihre Gefühle unter der Maske iro⸗ niſchen Vorwurfes zu verbergen.
Es entſtand eine Pauſe. Keines wagte zu ſprechen.
„Sind Sie
Der Graf wußte— konnte aber nicht recht in Wirklich⸗ keit glauben, was ſo unglaublich ſchien— daß Anielka und Giovanna eine und dieſelbe Perſon— ſeine Leibeigene
ſei. Dieſe ſchreckliche Verwandtſchaft machte ihn beſtürzt. Auch Anielka vermochte ihre Rolle nicht weiter zu ſpielen Die lang gehegte Zärtlichkeit, die getreue Liebe ihres ganzen Lebens ließ ſich nicht mehr ganz meiſtern. Bis dahin hatten ſie italieniſch geſprochen. Jetzt ſprach ſie auf polniſch:„Herr von Roszynsky, Sie haben ein Recht auf die arme Anielka, die in Florenz aus Ihren Dienſten lief; Sie können ſie in Ihr Schloß zurücknöthigen, ſie zu den niedrigſten Arbeiten verdammen, aber....“
„Schonen Sie meiner!“ rief Leon. f
„Aber,“ fuhr die Leibeigene von Poberez mit feſter Stimme fort,„Sie können mich nicht zwingen, Sie zu lieben!“
„Verhöhnen, quälen Sie mich nicht länger; Sie ſind genugſam gerächt. Ich will Sie nicht durch Drängen ver— letzen. Sie müſſen mich ja haſſen! Aber erinnern Sie ſich, daß wir Polen unſere Leibeigenen die Freiheit ſchenken wollten, und daß dieß eben der Grund war, warum fremde Mächte in unſer Land einfielen und es zerſtückelten. Dar⸗ um müſſen wir fortwährend die Leibeigenſchaft auf gleiche Weiſe erhalten, wie ſie in Rußland beſteht; aber wir ſind
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