Wie eine Frau ihren Mann einmal kurirt hat. Von W. O. v. Horn.
Da ich einmal ſeit der Kaffegeſchichte hinter den Weibern bin kes iſt nicht ſo bös gemeint!), ſo muß ich noch ein Bißchen bei ihnen verweilen, gewiß aber zum Guten, wenn ſie auch ſchon einmal Cichorien unter den Kaffe miſchen. f
Ich bin in meinem Leben gar oft mit Hausſtreit und ehelichem Hader bekannt geworden und es hat mich oft betruht, wenn die Männer roh und unartig ihre Frauen beha delten. Das iſt immer ſchändlich und eutehrt den Mann. Meiſt hab' ich ſolche Rohheit und Mißhandlung der armen Frauen, die ja doch rechte Kreuzträgerinnen ſind, bei ſolchen Männern gefunden, die ſich dem liederlichen Leben, namentlich dem Wirthshausgehen, Kartenſpielen und Branntweintrinken ergeben hatten, denn das ſind, wie der Heidelberger Katechismus ſagt, eigene Werke des Teufels.“ Dadurch ſinkt der Mann zu wahrhaft thieriſcher Rohheit, Stumpfheit und Gefühlloſigkeit herab und verliert jene heiligen Gefühle für Weib und Kind, die er am Altare Gottes doch ſo theuer gelobt und be— ſchworen hat.
Da haben aber oft auch die Frauen bitter gefehlt. Saßen die Männer im Wirthshaus, bei den Saufbrü— dern, über Gebühr und Zeit, ſo liefen ſie, heulend und ſchimpfend, in's Wirthshaus, um die Männer zu holen. Gingen ſie mit, ſo höhnten und ſpotteten die luͤderlichen Geſellen über den Mann, der ſeiner Frau gehorche, und reizten ſo lange, bis er ſie mißhandelte und Hadern und Fluchen da war, das allemal den Segen Gottes austreibt. — Blieb er da, ſo reizten ſie ebenfalls und ſagten: Das hätte mir einmal meine Frau probiren ſollen; ich wollt' ihr das Maul geſtopft haben, und dergleichen. Dann trank der Mann in den Aerger und wenn er heimkam, gab es Auftritte, die Einem das Herz bluten machten.
Das waren verlorene, grundſchlechte Männer, aber —(und das möchte ich jeder guten Frau, die das Un— glück hat, an ſo einen miſerabeln Menſchen verheirathet zu ſein, in's Ohr flüſtern) auch unvernünftige Weiber. So beſſert man einen Saufbruder und Bruderlüderlich nicht!—
Wenn die Weiber nur einmal verſtändig bedenken wollten, wie mächtige Waffen ihnen Gott gegeben hat— ich meine die herzlichen, liebevollen Bitten und die Thrä⸗ nen! Wie der ſanfte Regen den vertrockneten, harten Boden aufweicht und milde macht, ſo wirkt das liebevolle Zureden, die warm, innig ansgeſprochene Bitte, die eine Thräne des tiefen Leides und Schmerzes begleitet, auf das verhärtete Herz des Mannes. Der Regentropfen, der immer auf dieſelbe Stelle des harten Steines fällt, höhlt ihn am Ende aus; warum ſoll nicht das fortgeſetzte
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Bitten und Flehen eines treuen Weibes ein irregeleitete⸗ Mannesherz auf den rechten Weg zurückführen können?
Schimpfen, Schelten, Zanken, den Mann vor An dern beſchimpfen, nein, Ihr lieben Weiber, das erbittert, aber es beſſert nicht. Verſucht's'mal, wie ich es hiei rathe und wie ich es in beſondern Fällen gar oft mit Er⸗ 7 folg gerathen habe, und ich wette in hundert Fällen hilft's 331) N in den
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1 neun und neunzig Mal. Und in dem Einen, wo es frucht— ee 0 los bleibt, nun, da muß ein weiſes, chriſtliches Weib aufſfen n Sud dub! andre Mittel und Wege ſinnen und Gott bitten im Ge— 15d Gan 2 bete, daß er ſie darauf hinleite, ſo wird's nicht fehlen. 1 emu
Von einem ſolchen Falle will ich euch erzählen. 160
Jedermann weiß, daß der Teufel keinen beſſern Hel fershelfer hat, als den Branntwein. Er iſt ein Gift, das nicht bloß den Leib und ſeine Kräfte ruinirt, nicht bloß den Geiſt ſtumpf und ſtockdumm macht, ſondern auch das Herz gegen Alles verſtockt, was heilig und rein und gut iſt.“
Ein junger Bauersmann—(ich will aus milder! Schonung ſeinen Namen nicht nennen) hatte ſich mit einem gaaſadt d! braven, fleißigen Madchen verheirathet. Er war arm,* ſie war arm— aber ſie waren treu, fleißig und ſparſam,. 1 und ſiehe da, ſie kamen herrlich voran. Unverſchuldete 333) Ei. 11 0 Armuth ſchändet nicht und es iſt nicht geſagt, daß die, nnn n—— die arm in die Ehe treten, arm darin bleiben. Heißt's da:“ Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn! heißt's da: Bet' und arbeite! heißt's da: Wenn's Hähnchen kratzt ö und's Hühnchen ſcharrt, bei'm Bettelſack man nicht beharrt. 1 — dann geht's prächtig voran und Gottes Segen hilft ein eignes Haus bauen und Acker und Wieſen anſchaffen. So hatte es auch den Anſchein bei dem Ehepaare, von dem ich rede; allein der Mann, der wohl gutmüthig, aber auch leicht geſinnt war, ließ ſich von ein paar Kameraden in's Wirthshaus locken. Wenn man ſo fleißig arbei⸗ tet, wie du, ſagten ſie, ſo muß man ſich auch als einmal Gutes anthun! Das geftel dem Manne, und zwar alle Tage beſſer. Branntwein ſchmeckte ihm gar gut und im 114) d mer beſſer. Das arme Weib ſparte ſich's am Mund ab und er— vertrank's. Sie bat; ſie flehte; ſie weinte; ſie wies auf das liebliche Kindchen hin, womit ſie Gott geſegnet hatte— Alles half nichts. Aller Verdienſt wurde vertrunken. Der Branntweinteufel hatte ſich ſeiner be meiſtert; hatte ihn in ſeine Ketten und Bande geſchmie⸗ det; die Ehre, die Scham, die Pſticht— pichts half. Er war verloren!— Er war von einem freien Manne, ein Sclave des Branntweins geworden! Ach, bei dem tiefen Schmerz, ihren lieben, einſt ſo braven Mann ſo tief in das Verderben hinabgeſunken zu ſehen, mußte das arme Weib Alles verdienen mit ihrer Hände Arbeit, was die—— Haushaltung koſtete, denn er war ſo entartet, daß er nicht mehr fragte: Woher nimmſt du Brod und Gemüſe, Milch und Fett? Er verlangte ein ordentlich Eſſen und was 8 er verdiente, vertrank er doch all' in Branntwein. Es der Spe war himmelſchreiend!
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(Schluß folgt.)
1203) Die
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
rr Hofraithe⸗Verſteigerung.
(1218) Dienſtag den 7. September d. J.,
Vormittags 11 Uhr, wird in hieſigem Rath⸗
hauſe die zum Nachlaß des hier verſtorbenen
penſionirten Feldwebels Tobias Rottner gehö⸗
rende Hofraithe, als:
Gemarkung Stadt Friedberg:
Pag. 47 Nr. 278 Hofraithe, beſtehend in einem Wohnhauſe und Ställchen neben Heinrich Dienſtbach,
öffentlich meiſtbietend erbabtheilungshalber ver ſteigert.
Friedberg den 22. Juli 1852. In Auftrag: Großh. Heſſ. Landgerichts der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Beider (Butzbach.) Strohlieferung.
(1323) Freitag den 20. Auguſt d. J, des Vormittags um 10 Uhr, ſollen die zum friſchen Füllen ſämmtlicher Betten der hieſigen Garni⸗ ſon erforderlichen 1106 Gebund, à 16 Pfund, Kornſtroh und 1260 Gebund, à 8 Pfund, Ger⸗
ſtenſtroßh auf dem Wege der Soumiſſion in Lieferung vergeben werden. Dieß den Inte reſſenten zur Nachricht mit dem Anfügen, daß die Lieferungsbedingungen von heute an zur Ein— ſicht aufgelegt ſind. Butzbach den 7. Auguſt 1852. In Auftrag: Cellarius, Oberquartiermeiſter.
Main ⸗Weſer⸗ Bahn.
(1322) Samſtag den 21. Auguſt l. J. Vor⸗
mittags 8 Uhr ſollen im Hainborn bei Vilbe! verſchiedene Erdarbeiten veranſchlagt zu 165 fl. unter den bei der Verſteigerung bekannt gemacht
Mare zu hole tät anderswo Packeten m
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