ntelligenz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen, den Negierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
51.
Mittwoch den 14. Juli
1852.
Amtlicher Theil.
f Die Großherzoglich Heſſiſche. Regierungscommiſſion des Regierungsbezirks 50 Friedberg
in die Gr. Bürgermeiſter, ſowie an die Gr. Gens⸗ darmerie des Regierungsbezirks.
betreffend: Die Unterſuchung gegen Franz Jakob Bloöſinger von Beusheim wegen Betrugs und Schriftfälſchung.
Sie erhalten hierdurch den Auftrag, auf den Rubri⸗
aten ganz genau zu fahnden und ihn im Betretungsfalle
zu verhaften und hierher abzuliefern.
Friedberg den 8. Juli 1852.
berg und Nußhuh am 16. Juli.
dried. Oz,
Arat. Ouvrier. kr. pf. 1 2 3 31 21 0 Vom Kaffe und Kaffetrinken. 6 Ur Von W. O. v. Horn. tb] 2 f 7 1 Das iſt wieder einmal etwas für Euch, ſagte lachend 14% er Gevatter zu den Frauen und Mädchen, die ſo fleißig 1
%%% th pannen, denn Ihr ſeid doch die Kaffefraubaſen. 6 Das Kathrinchen war immer fir mit dem Mäulchen
und ſagte: Seht mal an! Lautet das nicht grad, als ob
105 12 Die Männer nicht auch mit Pläſir ihr Schälchen tränken 3-und auch ein halbes Dutzend? Wenn jetzt der Kaffekeſſel 1 7. erein käme, ich wette Hundert gegen Eins, Ihr wäret
auch dabei und vielleicht der Erſte Haſt recht, ſagte des 5/60 Bevatters Frau.
9 19 Nun, lenkte er ein, es iſt auch nichts Uebles und
5—— über dem Rhein, in der Stadt Gießen, da iſt Einer, der
dun 1 4 iebig heißt, der Einer von denen iſt, die Alles ausknö⸗ * 6 heln, der hat gefunden, daß der Kaffe gar viel Ernäh⸗
„ 2 2 rungskraft hat. ene Dazu hätte man auch noch keinen Profeſſor nöthig 40 7 zehabt, ſagte der alte Schmiedjacob. Wovon haben ſich dvenn die Leute Anno 1817 und im letzten Hungersjahr ernährt? Das Brod war ein ſeltener Vogel damals, und 16—6½ foſtete ſoviel, daß man es nicht erſchwingen konnte, es zu
kaufen. Kartoffeln gab's Anno 1817 auch wenig und i
e Bumm letzten Hungersjahr faulten ſie den armen Leuten weg. b 4141 Was blieb da übrig, als Kaffe? Den tranken die Leute — denn Milch gab ihnen ihr Vieh und zu ſchmelzen
brauchten ſie ihn nicht— Morgens, Mittags, vier Uhr und Abends. Wenn er auch nicht wiederhielt, wie derbe, kräftige Koſt, ſo ernährte er eben doch und erhielt das arme Leben, bis es wieder neues Brod gab. Darum ſollen wir Gott von Herzen dafür danken und Denen, die ihn in's Land gebracht haben. Ich glaub' davon will uns der Spinnſtubenſchreiber etwas erzählen! Leſt's mal, Gevatter. Und der las denn zuerſt vom Baume, der den
Kaffe oder vielmehr die kleinen Bohnen trägt. Der Kaffe—
baum iſt zu Hauſe, wo er wild wächſt, und das iſt in dem ſogenannten glücklichen Arabien. Ex iſt aber, ſeit der Gebrauch des Kaffe's bekannt und beliebt unter den Leu— ten wurde und ſein Extrag ein ſchönes Geld einbrachte, faſt in allen heißen Ländern der Welt mit mehr oder we— niger Erfolg gepflanzt worden. Er wird in ſeiner Heimat an zwanzig Fuß hoch und gewinnt eine entſprechende Dicke des Stammes. Seine Blätter ſind länglich und eiförmig, vornen aber ſpitz und von einer glänzend dun⸗ kelgrünen Farbe. Wo die Blätter mit ihrem Stielchen an den Aeſten feſtſitzen, da kommen die ſchneeweißen Blüthen in kleinen Büſcheln hervor. Aus dieſen entwickelt ſich dann die Frucht, die in einer hautartigen Umhüllung zwei, mit der flachen Seite wider einander liegende Kerne, die be— kannten, ſogenannten Kaffebohnen, enthält. Der braune Kaffe iſt aus Aſien, der grünliche aus Amerika. Dieſer iſt aber ſchlechter, als der braune. Damit wird aber nun von den Kaufleuten große Spitzbuberei getrieben. Sie färben nämlich den Kaffe braun und grün und dieſe Farbe iſt oft ſehr ſchädlich für die Geſundheit. Um Euch davon zu überzeugen, ob die Farbe des Kaffe's ächt oder gemacht iſt, dürft Ihr ihn nur in heißem Waſſer waſchen. Dann geht die geſchmierte Farbe ab und das ſolltet Ihr Frauen und Maͤdchen bei allem Kaffe thun, ehe Ihr ihn röſtet, weil Ihr ſo die ſchädlichen Färbeſtoffe davon entfernt. Da wir nun wiſſen, wo und wie der Kaffe wächſt und daß er weit über die See zu uns muß gebracht werden, ſo möchten wir denn nun auch wiſſen, wie die Menſchen dazu kamen, ihn zu gebrauchen. Zuerſt aber muß ich Euch noch ſagen, daß die Bohnen von den Arabern Cahuah, von den Perſern Cahwe, von den Türken Cahveh ge⸗ nannt wird, woraus denn unſer Kaffe entſtanden iſt. Mit dem Gebrauche maucher Dinge iſt es aber gar ſeltſam zu— gegangen, daß die Leute drauf kamen. + f
Einſt, in früher Vorzeit, zogen arabiſche Hirten mit ihren Heerden am Rande der Wüſte Al⸗Dſcheſira umher, um ihre Heerden zu weiden. Eines Abends ſetzten ſie


