Ausgabe 
14.1.1852
 
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gehoben, als ob ſie bei Ihnen wäre.

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mes Kind beſtimmt war. Dann ging ſie ſchnell über den Gegenſtand fort, weil ſie fühlte, daß er ſchwer zu erörtern ſei.

Jetzt wurden Teller aufgetragen und Brod und Salz. Anne ſtand wieder am kleinen Fenſter und ſah auf den Flur. Thekla kam mit einer Aſſiette geſchmorter Pflaumen aus der Küche, haſtig griff ſie mit dem Zeigefinger und Daumen hinein und ſteckte in jede Backe eine Pflaume. Unverſehens aber war die Mutter gefolgt, und Pautzl! brannte eine Ohrfeige auf den geſchäftigen Backen. Da Thekla ſchon die Thürklinke in der Hand hatte, fuhr ſie auch vollends in die Stube, die Mutter folgte, aber bei den war, außer Theklas rother Wange, von dem Vorfall nichts anzuſehen. Anne war erſchrocken von dem Fenſter chen fort zur Großmutter getreten. Die Frau Rectorin, die gern den Ernſt der Großmutter bekämpft hätte, ward immer freundlicher und liebenswürdiger.

Meine liebe Frau, ſagte ſie jetzt wieder herzlich, ſorgen Sie ſich nicht: die liebe Anne iſt hier ſo gut auf Ich werde mütter⸗ lich für ſie ſorgen und meine Thekla, mein Herzens terchen(hierbei nahm ſie Thekla in den Arm) wird mir helfen. O ſie iſt mein liebes Kind, ſagte ſie zärtlich, und macht mir nur Freude. a

Anne, die ſich von ihrem Schrecken noch nicht er holt hatte, ſah verwundert dieſe Zärtlichkeit. Aber, ſagte ſie, ſtockend, warum gaben Sie ihr eben die Ohrfeige?

Die Frau Rectorin biß ſich auf die Lippen. Kann das fatale Mädchen durch die Wände ſehen? Doch An nens Blick nach dem Fenſterchen, als ſie ſprach, belehrte ſie, wer der Verräther geweſen.

Wo die rechte Liebe iſt, iſt auch die rechte Strenge, ſagte ſie ſalbungsvoll. Thekla iſt auch nicht ganz ohne Fehler, dieß mußte beſtraft werden.

Warum nahmſt Du auch die Finger? Du hatteſt den Löffel in der Hand, fragte Anne.

Der Rector, der ſich jetzt mit Klaus nach den Frauen gewandt, ward aufmerkſam. Die beiden langen Falten, die ſich von ſeiner Naſe bis zum Munde zogen, wurden noch länger: Was hat ſie gethan? fragte er ſtrenge.

Es iſt nicht von heute die Rede, entgegnete ſeine Frau unbefangen, und ſprach eifrig über etwas anderes weiter.

Bald brachte das Mädchen die Suppe und man ſetzte ſich. Die gebildete, aufgeklärte Rectorsfamilie war nicht gewohnt, bei Tiſch zu beten; doch als die Gäſte die Hände falteten, faßte ſich der Rector und ſprach: Aller Augen warten auf Dich u. ſ. w. Seine Kinder aber ſahen neugierig und unverſchämt wie die jungen Spatzen die ungewohnten Sachen mit an. Der eine ſtützte den Kopf, der andere ſperrte den Mund auf, der dritte klap⸗ perte mit dem Löffel auf dem Teller. Die Großmutter bemerkte Alles und faßte ihren Entſchluß danach. Anne konnte recht gut einige Stündchen näher in einem Ge birgsflecken confirmirt werden. Aber der gutmüthige Klaus hatte ſich von der Frau Rectorin Firlefanzereien beſchwatzen laſſen. Der Sache war freilich nicht mehr abzuhelfen, aber gleich nach der Confirmation ſollte Anne wieder hin⸗ auf! Und ſo ſtieg die Großmutter mit ruhigem Herzen auf den Stuhlwagen, weil ſie wußte, daß es kein langer Abſchied ſei.

Nachdem die Großmutter fort war, faßte die Frau Rectorin neue Courage, ſie nahm Annen vor, um ſie zu inſtruiren. Mein liebes Kind, ſagte ſie, wenn es Dir hier im Haus gut gehen ſoll, mußt Du es mit mir halten.

Meinen Mann kennſt Du nicht; alſo mit mir! ver⸗

ſtehſt Du?

Anne verſtand dieſe Kniffe nicht, denn ſie entgegnete gutmüthig: O ich will es mit Ihnen beiden halten und werde Alles thun, was der Herr Rector wünſcht und was Sie wünſchen.

Die Rectoriu ſeufzte über dieſen Unverſtand und begann von Neuem: Kind ich meine, mir mußt Du Alles ſagen, vor mir darfſt Du nie Heimlichkeiten haben.

Anne ward ganz roth. Nein Frau Rectorin, ſagte ſie feierlich, ich verſpreche Ihnen, nie ſoll eine Unwahrheit über meine Lippen kommen.

Die Frau Rectorin ward jetzt wirklich etwas verle gen, es war das drohende Angeſicht Gottes, das ſie ſchaute. Und ſie wagte augenblicklich nicht dieſe Unſchuld weiter zu betaſten. So recht, liebe Anne, ſagte ſie ver blüfft, es wird ſchon Alles gut gehen. 5

Aber es ging nicht gut. Die helläugige Anne ſah überall etwas, wo ſie nichts ſehen ſollte, ihr kecker, Mund machte ſtets harmloſe Beminerkungen dazu, ja wäre das bedeutende Koſtgeld nicht geweſen, es wäre ihr ſchlecht gegangen. So aber nahm ſich die Familie zuſammen, die Frau Rectorin rüffelte im Stillen ihre Kinder, der Rector puffte hier und da, und es war ein ſchlimmes Treiben im Familienleben. Anne verſtand nichts, und Alles ging wie ein wüſter Traum an ihr vorüber. Dabei wuchs aber gar mächtig die Sehnſucht nach ihren Bergen, und noch eine andere Sehnſucht regte ſich hin nnd wieder. Wenn das Poſthorn in die Abenddämmerung tönte, ſtand ſie mit klopfendem Herzen vor der Thür. Thekla hatte ihr geſagt: mit dem Wagen kommen Fremde an, und ſie hoffte immer, des alten und jungen Jägers Geſicht darin zu ſehen.

(Schluß folgt.)

Miszellen.

Ein ſchleſiſcher Jude kam nach Berlin, und beſuchte

unter Andern auch eine noble Conditorei. Eben als er eintritt, fordert Jemand ein Glas Waſſer und der Garçon

ruft:verre d'eau! Der Jude, welcher ſich in ſeinem

Dialekt mit: Wer do? angerufen glaubte, antwortet ſchnell und laut:der Heiman Levy aus Polkwitz!,,

Können Sie mir nicht ſagen, ob das der Mond oder die Sonne iſt? fragte ein Betrunkener der ſich im Weinhaus gütlich gethan und den Tag von heller Mond ſchein- Nacht nicht mehr unterſcheiden konnte, einen Vor⸗ übergehenden.Ich bedaure, Ihnen dies nicht ſagen zu können, erwiederte der Gefragte,ich bin hier fremd.

Monats-Bericht der Blinden-Anſtalt zu Friedberg.

Den Freunden, Wohlthätern und Gönnern unſerer Anſtalt zeigen wir hierdurch herzlich dankend an, daß im Laufe des Monats Dezember, beſonders in der letzten Hälfte des Monats, 307 fl. 33 kr. eingegangen ſind und daß der 13. Zögling, ein zwanzigjähriges Mädchen von Lan⸗ denhauſen, bei uns eingetreten iſt.

Wir haben nun wieder ein neues Jahr angetreten und mit dem⸗ ſelben neue Sorgen und neue Verpflichtungen, aber auch eine bis auf den Grund geleerte Kaſſe. Und da müſſen wir denn nun wieder auf's Neue bitten, die alte debe gegen unſere 13 arme Blinden zu er⸗ neuen. Die Liebe wird nicht alt und darum gehen wir auch getroſten Muthes mit unſerm alten Glauben und Hoffen freudig in's neue Jahr hinein. Will's Gott, dann berichten wir 1853 wieder Erfreuliches, wie wir es auch jetzt thun müſſen, wenn wir auf 1851 zurückblicken und was aus dem nächſtens erſcheinenden zweiten Berichte zu erſehen ſein wird. N. B. Noch immer ſind Aktien à 25 fl. auf das Haus der Blinden⸗Anſtalt

gegen 4 pCt. zu haben, und wir bitten um Abnahme.

Friedberg den 1. Januar 1852.

J. P. Schäfer, Vorſteher der Blinden⸗Anſtalt.

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