Ausgabe 
10.1.1852
 
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Fuße einer großen Tanne liegen. Wachſam bellte und wedelte mit dem Schwanze, als ob er fühle, was um ihn vorging. Anne erreichte jetzt die Tanne und erkannte ei⸗ nen ziemlich alten Mann im feinen Jagdfrack mit dickbe⸗ ſchneitem Schnurrbart und bleichem Geſicht, er hatte we⸗ der Mütze noch Handſchuh und lehnte halb hingeſunken am Baum. Als er das Bellen des Hundes hörte, machte er den Verſuch ſich aufzurichten, ſank aber dabei völlig zur Erde. 3 i

Kannſt Du nicht gehen? fragte Anne theilnehmend.

Keinen Schritt, war die Antwort. i

Anne gab ihm Rum zu trinken, rieb ihm auch Stirn und Schläfe und forderte ihn auf, ſich zuſammen zu neh⸗ men. Ich kann Dich nicht tragen, und meine Großmut⸗ ter auch nicht; aber das Haus iſt nahe, ich ſtütze Dich, Du kannſt ſchon ſo weit kommen, ſagte ſie. Der Mann ſah ſie matt und kraftlos an, er verſuchte ſich auf⸗ zurichten, aber ſeine Glieder ſanken zuſammen, er ſchloß die Augen und Anne ſah die Unmöglichkeit ein, ihn ſo fortzubringen. Da fiel ihr der Handſchlitten ein, der gleich oben am Gatter ſtand, ſie lief eilig hin, theilte der Großmutter ihre Entdeckung mit, und beide Frauen gin⸗ gen nun, den Mann auf den Schlitten zu laden. Da er noch nicht ganz ohne Beſinnung war, gelang es bald, und hocherfreut brachten ſie nun den Schlitten bis in ihr Stüblein hinein. Sie legten Betten an, packten den Er⸗ ſtarrten da hinein, rieben ihm Hände und Füße und Schläfen mit warmem Eſſig und Branntwein, und beleb⸗ ten ihn mit warmem Thee. Nach einer halben Stunde ſchon richtete er ſich auf und war bei voller Beſinnung.

Gott ſei Lob und Dank! ich bin gerettet, ſagte er bewegt, nun rettet auch meinen jungen Begleiter. Beide Frauen horchten geſpannt. Er muß ganz in der Nähe ſein, fuhr der Alte fort, und da er jünger und kräftiger iſt, als ich, ſo wird es Euch leichter werden ihn herzu- bringen. Anne hatte Mantel und Tuch ſchon umge- than, nahm Brod und Rum und den Handſchlitten und eilte mit Wachſam derſelben Richtung wieder zu. Hubert, hatte der Alte geſagt, heißt der junge Mann und da rief ſie mit heller Stimme den Namen. Die Sterne funkelten, der Schnee kniſterte, die Tannenzweige knackten unter der Laſt des Schnee's, ein Nachtvogel ſchrie im Geſtrüpp; ihr aber ward keine Antwort. Sie lief in den Tannen um⸗ her; eine halbe Stunde war gewiß ſchon vergangen, ihre Hoffnung wankte, ſie rief noch einmal mit angſtvoller Stimme. Da hörte ſie eine ferne Antwort. Mit klop⸗ fendem Herzen eilte ſie der Richtung zu, und an einer Lichtung, einem alten Holzſchlage, ſah ſie vor ſich im hel len Mondſchein den jungen Mann auf einem Baum ſtumpfe ſitzen.

Hubert! rief ſie mit freudeſtrahlenden Augen.

Der junge Manu legte ſeine Hand vor die Stirn, als ob er ſich beſinnen müſſe. Biſt du ein Engel? fragte er verwundert.

Aune lächelte. Ich bin nur die Anne, ſagte ſie treuherzig, und wenn du gehen kannſt, ſo komm mit mir, wir wohnen nicht weit. Sie gab ihm auch Rum und Brod, und als er ſich aufrichtete, ſagte er: Ich fühle wieder neue Kräfte, aber ich kann Dir nicht folgen, ich muß erſt einen ſuchen, deſſen Leben mich lieber iſt als meines.

. O den haben wir ſchon in Sicherheit, unterbrach ihn Anne freudig, der ſchickt mich eben. Woher ſollt' ich auch wiſſen, daß Du Hubert heißeſt?

Da zuckte es um des jungen Mannes Lippen, ſeine Augen ſchimmerten feucht. Here Gott, das hab' ich nicht verdient, ſagte er leiſe und ging dann ſchweigend neben

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dem Madchen her. Mit wahrem Jubel wurden beide von dem alten Herren empfangen, der Junge aber kniete nie⸗ der, faßte beide Hände des Alten und ſchluchzte einige Worte, worunter nur: Verzeihung! deutlich zu ver ſtehen war.

Ei was! ſagte der Alte, ich habe ſo viel Schuld daran als Du, und ſollte doch für meine Jahre nachdenk licher ſein. Der liebe Gott hat Alles wohl gefügt, er hat uns ſeine Liebe und Treue einmal nachdrücklich zeigen wollen, und wir wollen's ihm nicht vergeſſen. Hubert nickte, aber nahm ſich zuſammen ſeine Bewegung zu ver⸗ bergen. Der Alte erzählte nun, wie ſie heut Morgeu bei dem herrlichen Wetter eine Jagdpartie mit mehreren Freun⸗ den unternommen, wie ſie ſich im Eifer von den anderen entfernt und dann vom Sturm und Unwetter überfallen, ſich verirrt, und nach langem Laufen und Suchen hier in dieſe ferne Gegend verſchlagen wären, wo der Herr ihnen den Rettungsengel geſandt.

Anne trat zu Hubert, ſah ihn mit den lichten Augen freundlich an und reichte ihm eine warme Schaale. Hu⸗ bert meinte immer noch eines Engels Angeſicht zu ſehen, obgleich Anne in recht handfeſter Bauerntracht vor ihm ſtand. Zu der Großmutter Genugthuung mußte Anne von früher Jugend auf wie ein Halbſtädter Bauernmädchen gekleidet ſein. Der dunkelblaue Rock mit himmelblauem Stoß war kurz genug, um die buntgezwickelten Strümpfe ſehen zu laſſen. Aus dem ſchwarzen Mieder fiel der ſchneeweiße krauſe Hemdſtreif handbreit heraus, ſo daß der Kopf wie die Blumenkrone aus dem Kelche wuchs. Um den weißen Hals lagen dunkele Perlen, von denen breite ſchwarze Sammetbändchen auf den Rücken hinab⸗ fielen. Das hellbraune Haar war aus Stirn und Schlä⸗ fen gekämmt und eine weiche volle Flechte legte ſich hin⸗ ten am Kopfe zum Neſte. Dieſe ſonderbare Tracht gab

auch Veranlaſſung, daß die Großmutter ihre Schickſale

und ihr Herkommen erzählte, ſie machte es aber für heute kurz, damit die Gäſte zur Ruhe kämen. hatte ſich entſchloſſen Klaußens Bett im warmen Alkoven einzunehmen; Hubert mußte oben im Kämmerchen im ſchweren Gaſtbette ſeine Ruhe ſuchen.

Die Gäſte ließen am andern Morgen lange auf ſich warten, der alte Herr ſchlief noch feſt und die Sonne blitzte ſchon lange an den Eisblumen, als Hubert in die Wohnſtube kam. Er ſah heut friſcher und ſchöner aus als geſtern Abend, und Annen ward es ganz wunderſam zu Muthe, als ſeine Augen ſo theilnehmend die ihren ſuchten. Sie konnt' es auch nicht aushalten ſo allein mit ihm, ſie ging zur Großmutter in die Küche und, als ſie der nichts helfen konnte, hinaus in den Kuhſtall zu ihren Lieblingen. Die blanke Ilſe und die braune Roſe ſahen verwundert auf die ſtumme Anne, ſelbſt das Hirſchkälbchen konnte ihr keine Rede entlocken.

Anne! hörte ſie nach einigen Minuten eine Stimme hinter ſich. Es war Hubert, der über die kleine Hänge thüre ſchaute. Darf ich kommen? fragte er, hatte die Thüre aber dabei ſchon aufgemacht. Ehe ich fortgehe, muß ich dir danken, ſagte er. 5

Das haſt Du nicht nöthig, entgegnete ſie kurz.

Und damit Du meiner zuweilen gedenkſt, ſchenke ich Dir den Ring.

Ich werde an Dich denken auch ohne den Ring, entgegnete ſie wieder.

Aber wenn ich Dich bitte, ſo nimmſt Du ihn.

Sie nahm ihn lächelnd und ging dann wieder hin ein in das Haus. Klaus und Jakob waren gekommen, und Jakob rüſtete ſich ſchon wieder, die Herren in der gerade entgegengeſetzten Richtung auf den Weg zu brin

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