Ausgabe 
7.2.1852
 
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Provinz Oberheſſen

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1852. Eheleute.

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ige. Portrait

on Mainz,

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N 4

enz-Blatt

fuͤr die

im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

N 11.

Sonnabend den 7. Februar

1852.

Amtlicher Theil. Bekanntmachung.

Bei einem dem fremden Eigenthum gefährlichen, ſchon öfters beſtraften Menſchen, welcher dringend verdächtig iſt, in einigen hieſigen Gaſthäuſern(wo er ſich fälſchlich Hein rich Walther nannte) verſchiedenes Geräthe geſtohlen zu haben, fanden ſich:

1) ein Betttuch, B. R. 13 gezeichnet, 2) ein ſolches, B. R. 6 gezeichnet, 3) ein roth, blau und weiß karirter Kopfkiſſen⸗Ueberzug, ohne Zeichen, 4) 3 grau, blau, roth und weiß karirte Kopfkiſſen-Ueber⸗ züge, ohne Zeichen, 5) ein Bettüberzug von gleichem Zeug, und 6) ein Bettüberzug, blau und weiß karirt, welche Sachen ohne Zweifel auch irgendwo am wahr ſcheinlichſten aus einem Wirthshauſe geſtohlen wor den ſind.

Diejenigen Behörden, welchen etwa bekannt ſein ſollte, wem dieſe Gegenſtände geſtohlen worden ſind, werden er ucht, mir bald gefälligſt weitere Aufſchlüſſe zu geben.

Gießen am 28. Januar 1852.

Der Großh. Polizei-Commiſſär L Ni.

Der Ning. Eine Erzählung von Ernſt Ritter.

Mitten im deutſchen Reiche liegt eine alte Stadt, die einſt größer, bevölkerter und gewichtiger war als heut zu Tage. Wenn man lange in Frankreichs oder Italiens wärmerer Sonne gelebt hat, oder in Englands vervoll kommneter Lebensbequemlichkeit, ſo wird dem Deutſchen dennoch das Herz von einer heimlichen Wonne erfüllt, bei zer Vorſtellung einer deutſchen Stadt. Darunter ſind nicht die beiden Rieſen Wien und Berlin zu verſtehen. Berlin iſt in einer Zeit bedeutend geworden, wo Deutſchland ge⸗ ting geachtet wurde, wo ſeine großen Künſtler in Mo⸗ der und Vergeſſenheit lagen, wo ſeine Literatur noch nicht wieder geboren war; und in Wien, das während der ganzen Epoche, in der die Kunſt in Deutſchland blähte, groß und mächtig war, iſt ſeltſamer Weiſe bis auf die Stephanskirche und die kleine Ordenskapelle Maria-Stie⸗

gen faſt jede Spur einer grauen Vorzeit verſchwunden. Die ganze Stadt iſt entweder mit Paläſten aus der Zopf zeit oder irgend einer andern charakterloſen Epoche ange fuͤllt, zwar an ſich reich und prachtvoll, von denen aber nicht einer den Betrachter an jene Zeit erinnert, wo die Architektur die Poeſie des Jahrhunderts verſinnlichte; oder von jenen fluchwürdigen Gebäuden, Zinshäuſer ge⸗ nannt, deren einzige Aufgabe es iſt, in den möglichſt kleinen Raum eine moͤglichſt große Anzahl von Familien zu zwän⸗ gen und zwar ſo, daß die Prunkzimmer nach etwas aus ſehen, während alle Bequemlichkeiten des Haushaltes ver nachlaſſigt ſind; daß Stock auf Stock ſich aufbaut, und das Bischen Luft und Licht, das die engen Höfe und Gaſ ſen erſt dann gewähren, wenn man neunzig Stufen er ſtiegen hat, durch eine Lungenkrankheit der Bewohner er kauft wird. In den ächt⸗altdeutſchen Städten plätſchert mitten auf dem Markte ein ſchöner Brunnen; auf ſchlan⸗ ker durchbrochener Säule ſteht ein Steinbild; die zwei ſtöckigen Häuſer drehen ihre Giebel nach der Straße, und in Stein gehauene Erker mit gothiſchen Gewinden unter brechen die langweilige Fläche der Mauer, deren Fenſter gruppenweiſe vertheilt, auf ein lichtes wohnliches Gemach deuten. Die zierlich geſchnitzte Hausthür, über der ein Wappen und ein Steingeflecht prangt, iſt geſchloſſen und mit Klingeln verſehen; ſchreitet man nun auch bei jeder Kreuzung einer Straße uber eine Gaſſe, macht auch das holperige lückenhafte Pflaſter jede Fußpromenade auf fei nem Schuh zu einem Martergauge, ſo ſteht doch plötzlich wieder ein ſchöner Dom, ein altes ehrwürdiges Rathhaus da, und mahnt, mit der klaſſiſchen Farbe vergangener Jahrhunderte bekleidet, an die Vorzeit. Thürmt ſich dann auch Schnee und Eis zu Bergen und Schluchten mitten in der Gaſſe, ſo iſt Alles dieß doch ächtdeutſch, jenes von dem Vorfahren ererbte ſonderbare Gemiſch hoher Kunſt und Bildung mit Hintanſetzung der gewöhnlichſten Bequem lichkeit. Man kann die Sculpturen Griechenlands in deutſche Straßen verpflanzen, Prachtgebäude aufführen, polytechniſche Schulen und Spitäler wie Paläſte einrich ten; aber man kann keine alte deutſche Stadt machen, keiner neuen den Reiz der alten verleihen. Fließt nun gar noch ein Mühlbach durch das Häuſergewirr, führt ein Steg mit hohen Holzgeländern darüber, weht das feuchte Tuch eines Blaufärbers längſt dem oberen Stockwerke eines hohen Gebäudes im Winde, leuchtet von dieſem und jenem Haus ein halbverwittertes Wandbild bald frommen, bald leichtfertigen oder ſchalkhaften Inhaltes, während im