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weiß, wie es geſchehen, und er wird es auch ans Licht bringen und die Schmach von ſeinem Namen wegnehmen und tilgen! 5
Das glaubten auch Alle, die ihn näher kannten; aber es blieb ein unaufhellbares Dunkel über ſeinem Tod, und leider auch wieder Viele waren dennoch überzeugt, er ſei ein Selbſtmörder geweſen. a
Die Härte des Oheims beugte die gute Frau nicht. In ihrer Seele lebte ein lebendiger Glaube an Den, der
aller Wittwen Verſorger, aller Waiſen Vater iſt. Sie
arbeitete mit kunſtfertiger Hand für andere Leute, erzog ihre Kinderchen in der Furcht und Vermahnung zum Herrn, und ſiehe, er erweckte ihr viele Herzen, die ihr Wohlthat und Unterſtützung in ſo reichlichem Maaß angedeihen ließen, daß ſie nicht zu darben brauchte.
Das Gericht ſelbſt hegte große Zweifel, daß der Pfarrer ſich ſelbſt entleibt habe. Unermüdet forſchte der Staatsprokurator in allen Richtungen nach den Spuren des Verbrechens; allein auch nicht die leiſeſte, nicht die entfernteſte Andeutung bot ſich dar, an deren Hand man hätte hoffen dürfen, das grauenvolle Dunkel aufzulöſen in Klarheit.
So vergingen Jahre und die Zeit legte den Mantel des Vergeſſens uber eine Begebenheit, die ſo viele Ge⸗ müther erſchüttert, eine harmloſe Familie in den tiefſten Abgrund des Jammers geſtürzt hatte.
Da wurden in der Gegend von Weißenburg zwei kühne Einbrüche und ein Raubmord auf offener Landſtraße verübt, der die Polizei in eine ungewöhnliche Thätigkeit verſetzte. Ihren angeſtrengten Bemühungen gelang es endlich, zwei Menſchen zu ergreifen, die bereits ſeit Jahren mehrmals den Gefängniſſen entſprungen waren und ſich ſtets auf der Grenze bald als Schmuggler umhergetrieben, bald mit dem gegruͤndeten Verdachte veruͤbter Verbrechen belaſtet, über die Grenze zu entkommen wußten, ohne daß es hätte gelingen können, ihren Aufenthaltsort zu entdecken.
Alle Umſtände gaben Zeugniß gegen ſie, und bald lag es klar, daß ſie die Urheber dieſer und anderer Ver⸗ brechen und Schandthaten waren.
Der Staatsprokurator und der Unterſuchungsrichter entlockten ihnen faſt täglich das Geſtändniß neuer Ver⸗ brechen, die ſie mit einer Frechheit bekannten, die das Herz faſt vor ſolcher teufliſchen Verdorbenheit erſtarren machte.
Grade, als ob ihm Gott den Gedanken eingegeben, fiel eines Tages im Verhöre dem Prokurator der Pfarrer Schmitt wieder ein. Wer weiß, dachte er, ob ich nicht hier wieder einen neuen Schlangenweg der Bosheit ent— decke! Er fragte daher den Einen der Verbrecher kurz und bündig: Sagt mir doch einmal, wie iſt es denn eigentlich mit der Erhängung des Pfarrers Schmitt von NM zugegangen und warum Ihr ihm ſeine Uhr nicht nahmt, ſondern nur die paar Kreuzer, die er in der Taſche hatte?
Der Verbrecher fuhr zuſammen, als hätte ihn eine giftige Natter gebiſſen.
Wie kommt Ihr mir mit der Frage? gegenfragte der Verbrecher. Was weiß ich von der Geſchichte?—
Das wäre ſchon gut, fuhr, durch die Betroffenheit des Menſchen noch mehr beſtärkt in ſeiner Meinung, der Prokurator fort, wenn nicht Euer Geſelle bekannt hätte, Ihr hättet ihn aufgehängt!
Da brach der Menſch in ein wildes, rohes Schimpfen aus und ſagte: So legt er mir zur Laſt, was er doch nur gethan hat!—
Da durchzuckte ein Strahl der Freude das Herz des richterlichen Beamten. Er ſah, daß er ſich nicht getäuſcht hatte. Die erſte Spur eines Verbrechens lag vor ihm,
das den Namen eines durchaus unbeſcholtenen Mannes
mit Schmach belaſtet hatte. Er ſtellte ſich nun, als wiſſe ung N Ja, der iſt erhäl,
er ſchon Alles von dem Andern, und ſagte: pfiffig! Kann er eine Schuld von ſich auf Euch laſten, ſo thut er's. Erzählt Ihr mir einmal den Hergang genau, dann muß es ſich doch herausſtellen, wer der Mörder iſt, 195 den die Strafe treffen, der ſie verwirkt hat und ver— ient.
1 war dem Menſchen das Siegel der Zunge gelöst.
Wir kamen damals mit einigen Ballen geſchmuggel— ten, feinen Tabaks über die Grenze, erzählte der Ver brecher, und lagen in dem Wald im Dickicht. Es war an einem Sonntag Morgen und Alles ſo ſtille im Walde, daß man den Fußtritt eines Wanderers auf dem Wege deutlich hören konnte. Hör''mal, ſagte da mein Kame⸗ rad, unſer Geld iſt ſo nächſt alle. Laß uns, wenn der
Kerl, der da kommt, ſo ausſieht, daß er Geld hat, ihn kalt machen. Es iſt kein Menſch weder nah, noch fern. Ich rieth ab, weil wir mit dem Tabak nicht mehr weit
zu gehen hatten und dann ein ſchönes Stück Geld ver⸗ dienten. Auch mochte ich an einem Sonntage ſo etwas nicht gerne thun. Er lachte mich aus, nahm einen Strick und ſchlich leiſe dem Wege zu. Ich hinter ihm drein.
Da ſahen wir einen ſchönen Mann in feiner, ſchwarzer Kleidung daherkommen. Es iſt ein Pfarrer! flüſterte mein Kamerad mir zu, und da er ſo gut gekleidet iſt, hat er auch Geld. Auffallend war es, daß der Pfarrer laut vor ſich hinredete und mit den Händen dazu agirte, als ob er auf der Kanzel ſtehe.
Der lernt ſeine Predigt auswendig! ſagte mein Kamerad, gib Acht, den fang' ich, wie die Metzger einen ſcheu gewordenen Ochſen! Er machte nun ſchnell aus dem Strick eine Schlinge, zog ſeine Schuhe aus, und als der Pfarrer an uns vorüber war, kroch er aus dem Dickicht heraus, ſchlich, ohne daß der laut redende Pfarrer es hörte, hinter ihn, warf ihm die Schlinge über und zog ſo ſchnell und ſo heftig zu, daß der Pfarrer ohne einen Laut hinſtürzte und ſchnell erdroſſelt war.
Jetzt mußte ich helfen. Wir trugen ihn ſchnell an den Platz, wo unſere Bündel lagen, und unterſuchten ſeine Taſchen; aber wie täuſchte ſich mein Kamerad! Auch nicht Ein Kreuzer war bei ihm zu finden!—
Hätt' ich das gewußt, ſagte er, ſo hätt' ich den armen Schlucker laufen laſſen!
Da ſteckt eine Uhr, ſagte ich, denn ich hörte ſie knickern. Er zog ſie heraus. Es war eine uralte, ſchlechte ſilberne Uhr, die keine zwei Fünffrankenthaler werth war.
Die feinen Kleider und die Uhr hätten wir wohl gerne mitgenommen; aber das hätte uns Alles verrathen können.
Nun mag er auch Alles behalten, ſagte mein Ka- merad, und weißt du was? Wir führen einmal die Leute
recht an!
Wie ſo? fragte ich.
Wir hängen ihn mit dem Stricke da an den Aſt, putzen ſeinen Rock ſauber ab und läſſen ihm Alles. Fin⸗ den ihn dann die Bauern, ſo heißt's: Er hat ſich ſelbſt erhängt, und Niemand verfolgt uns!
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Bekannt
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daß man den Pfarrer bald ſuchen würde, ſo machten wir
uns ſo ſchnell als möglich davon, nachdem wir vorher die Spuren im Staube des Weges, wo der Erdroſſelte ſich noch gewehrt und gebäumt hatte, vertilgt hatten, wan— derten wir raſch unſerm Beſtimmungsorte zu.
Daß unſere Liſt vollkommen gelungen war, hörten wir bald; denn wir kamen wieder als Schmuggler in die Gegend, wo uns denn auf die Frage, was es Neues
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