Ausgabe 
3.1.1852
 
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Intelligenz

fuͤr die

Blatt

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,

den Regierungsbezirk Friedberg 0

im Beſonderen.

Sonnabend den 3. Januar

1832.

asIntelligenz⸗Blatt für die Provinz Oberheſſen wird im Jahre 1852, ebenſo wie, im Jahre 1851, wöchentlich zweimal

(Mittwochs und Samſtags) ausgegeben. DasIntelligenz⸗Blatt wird nach wie vor die amtlichen Bekanntmachungen der Staats⸗ und Lokalbehörden mittheilen und Anzeigen und Inſerate jeglicher Zeit zur öffentlichen Kenntniß bringen. f 0 N

Der Abonnementspreis, welcher ſtets bei der Beſtellung zu entrichten iſt, beträgt bei der Expedition, wie bisher, für 1 Jahr 1 fl. 12 kr., für/ Jahr 40 kr. Bei allen Poſtverwaltungen pr. Jahr 1 fl. 48 kr. und pr. Semeſter 54 kr.

Die Einrückungsgebühren betragen, wie bisher, für die geſpaltene erſte Petitzeile oder deren Raum 4 kr. für die zweite 3 kr., für die dritte

und jede folgende 2 kr. Ein Beleg wird mit 2 kr. berechnet.

Alle Inſerate, welche von dem Donnerſtag Morgen bis den Sonntag Abend bei

der Expedition eingehen, finden in dem Mittwochs erſcheinenden Blatte eine Aufnahme; alle Inſerate, welche von dem Montag Morgen an bis den Mittwoch Abend eingehen, werden in das Samſtags erſcheinende Blatt aufgenommen.

Friedberg.

Die Expedition des Intelligenzblattes.

Die dumme Anne. Eine Erzählung aus dem Gebirge von Marie Nathuſius. (Nieritz Volkskalender.)

Wo der Brocken ſeinen Rücken majeſtätiſch nach Morgen in die Hochebene des Harzgebirges hinablegt, be ginnen einige liebliche Thäler, die nach verſchiedenen Richtungen hinziehend, den Weg zur Ebene finden. Gold braune Bäche, die ihren Urſprung in den Mooren und Haiden des Brockenfeldes haben, rinnen hier zuerſt durch kleine Waldwieſen und ſchauen zuerſt das friſche Grün von Erlen, Birken und Buchen zwiſchen dem dunkelen Tannengrün. Hier iſt's einſam. Der Vogel baut unge ſtört ſein Neſt. Schmetterlinge flattern auf den duften den Blumen, Bienen ſummen in der blühenden Haide, ſtolz und ruhig ſchaut der Hirſch von mooſigem Vor ſprung, und hoch über den grauen Klippen derdrei Jungfrauen kreiſet der Aar. Nur Holzhauer, oder Kräu ter und Beeren ſuchende Frauen und Kinder kommen in dieſe pfadloſen Gefilde, und verwundert ſtehen ſie ſtill, wenn ſie hier zuerſt das kleine Häuschen mit dem dunkeln Schindeldach erblicken, das nach dem Brocken zu geſchützt von hohen Tannen, nach Süden auf ein wohlgehegtes Gärtchen und auf eine grüne Wieſe ſchaut. Das Häus chen wirddie hohe Lies,) genannt. Darinnen wohnt der Waldwärter Klaus Harden mit ſeiner Schwiegermut ter, ſeinem Töchterlein und dem alten Knechte Jakob, und alle Vier ſtören die Einſamkeit hier oben nicht. Klaus wandert mit ſeinem getreuen Tiras in den Wald. Das Schießen iſt nicht ſein Amt; er ſchaut hier und dort nach der Ordnung, füttert das Wild und hegt die kleinen ein

) Die wahren Namen in diefer Erzählung find zum großen Theil mit erfundenen vertauſcht worden.

gezaunten Pflanzgärten, die hier oben trotz der Nebelluft herrlich gedeihen. Seine fünfzehnjährige Anne ſitzt in der Haide und füttert ihrem zahmen Hirſchkalb Erdbeerblätter; rund um ſie läutet die kleine Kuhheerde; das Läuten aber iſt der rechte Klang des Oberharzes und der Klang der Einſamkeit und des Friedens. Nur das Kikeriki des Hof hahns unterbricht zuweilen recht unverſchämt dieſen Frie⸗ den, und die Großmutter Anne muß drüber herzlich lachen. Armer Schelm, kein Kamerad anwortet hier oben, und es geht Dir wie mir, ich ſehe auch vergebens aus dem Schiebfenſterchen, ob die Gevatterin Banſe oder Meme ring Brodkuchen gebacken, und höre vergebens, ob der alte Hinze wohl Neues auszurufen hat; das Neueſte hier iſt, wenn Jakob meldet, daß eine Kuh gekalbt oder ein Huhn ſich das Bein verkippt und Mutter Anne genug zu thun hat, ihr kleines ſtilles Reich in Ordnung zu halten.

Mutter Anne aber war aus dem Halberſtädtiſchen, ſo recht aus den reichen Korn-Ebenen, und ſie hatte nie geglaubt, daß ſie dort oben an dem blauſchimmernden Blocksberg einſt ſollte ihr Ruheplätzchen finden. Ja oft war ſie über den Kirchhof gegangen und hatte ſtolz ge dacht: Solch eine Urne mit goldner Inſchrift, wie die ſelige Schulzen hat, kann auf deinem Grab auch einſt ſtehen; ja wenigſtens, denn dein Hof iſt noch größer als der Schulzenhof. Sie war eine kecke hochmüthige Bauern frau und hielt was auf ihren Reichthum. Das aber mußte ſie ſich ſelbſt geſtehen, daß ihr größeſter Reichthum ihre einzige Tochter ſei. Marie war das hübſcheſte und ſanfteſte Mädchen im Dorfe, und manches Auge ſchaute wünſchend auf ſie hin. Aber für Frau Anne und ihren Mann war kein Schwiegerſohn gut genug und die Toch ter ward mit Strenge behütet und bewacht. Einſt kam Einquartirung in das Dorf, unter den Jaͤgern war Klaus Harden der friſcheſte und hüͤbſcheſte, er gewann Mariens