Ausgabe 
2.10.1852
 
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wie der edle, aber etwas ſchwärmeriſche Romilly, auf Be⸗ ſchränkung der Todesſtrafe und mildere Geſetze drangen, fur Ideologen, ſentimentale Träumer und unpraktiſche Menſchen verſchrieen wurden, und daß die Maſſe des Volks und der Gebildeten den blutigen Criminalcodex für das unerläßliche Mittel hielt, wodurch allein die bürger liche Ordnung in der Staatsgeſellſchaft in Rand und Band erhalten werden könne. Ich geſtehe, auch ich ge⸗ hörte eine Zeitlang zu den Gegnern Romilly's und ſeiner Anhänger, während Flint dieſenTheoretikern, wie ich ſie nannte, beipflichtete; auch Flint gab ſich nicht gerne mit der Criminalpraxis ab, und übertrug derartige Fälle gewöhnlich, wo es anging, unſerm erſten Gehülfen, den er dann etwa in dringenden Fällen unterſtützte. Durch ſeinen langen Verkehr mit Geſchworenengerichten und Cri⸗ minalprozeſſen hatte Mr. Flint weit weniger Vertrauen in die unwandelbare Wahrheit und Gerechtigkeit der Ju⸗

ries, als Perſonen, welche mit dieſen Dingen weniger

vertraut waren, oder ſie nur durch das Medium der Zei⸗ tungen ſahen. Es bereitete ihm ſtets einen unbeſchreib lichen Seelenſchmerz, wenn einer der Angeklagten, die er vertheidigte oder verfolgte, trotz der Betheuerung ſeiner Unſchuld oder ohne vollſtändiges Geſtändniß ſeiner Schuld den Tod erleiden mußte. Dieſe Abneigung ſteigerte ſich endlich ſo weit, daß er mit den Criminalprozeſſen perſönlich nichts mehr zu thun haben wollte, und nur noch die Ver theidigungsſchriften verfaßte, ſo daß nur unſer erſter Ge hülfe, in wichtigen Fällen von mir begleitet, vor dem Ge⸗ richt erſchien. Einen dieſer Fälle, deſſen Ergebniß mich von meinen beifälligen Anſichten über die Nothwendigkeit ſtrenger Strafgeſetze abgeſehen von allen anderen Ein drücken, die es in mir hervorrief, gänzlich kurirte, will ich nun im Nachfolgenden erzählen.

Eines Vormittags Mr. Flint war gerade auf einer Reiſe in Wiltſhire abweſend fand ſich eine ge wiſſe Margaret Davies in unſerm Geſchaͤftslokale ein, an ſcheinend in tiefſtem Seelenſchmerz. Dieſe Dame, eine un ſerer Klientinnen, war eine alte oder jedenfalls eine ältliche Jungfer hoch in den Vierzigen, ziemlich begütert, obwohl ihr Vermögen größtentheils in Häuſern in einem ziemlich armen Stadtviertel beſtand. Sie fand hinreichende Be ſchäftigung und Zeitvertreib für ihre geiſtigen Fähigkeiten, welche ſich außerdem vielleicht zu Kartenſpiel und Läſter⸗ ſucht hingewandt haben würden, in der Einſammlung ihrer wöchentlich oder monatlich verfallenen oder jährlichen Mieth zinſe und in der Beförderung(ſie hielt ſich wenigſtens für eine weſentliche Beförderin) der religiöſen und ſittlichen Wohlfahrt ihrer Miethsleute. Ich wußte übrigens wohl, daß die Gutmüthigkeit der leichtgläubigen Frau in Geld angelegenheiten oft auf die ſchamloſeſte Weiſe mißbraucht und ausgebeutet wurde, und ich hegte dringenden Ver dacht, es dürfte in geiſtiger und moraliſcher Beziehung zwiſchen Verſprechungen und Erfüllungen bei ihrer bunt ſcheckigen Miethbevölkerung eine ebenſo tiefe Kluft liegen, als zwiſchen Verſprechen und Halten bei der Zahlung der Miethpreiſe. So ſehr ſie auch hintergangen wurde, ſo ward die gute Mrs. Davies doch nicht müde, nach ihrer Weiſe wohlthätig zu ſein, und war allezeit bereit, Oel und Balſam auf die Wunden der Leidenden zu legen, gleich viel ob dieſe Leiden ſelbſtgemacht und verdient waren oder nicht.

Nun, Madame, was führt Sie diesmal zu uns? fragte ich die gute Dame, ſobald ſie ſich geſetzt, ihren Hut aufgeknüpft und abgenommen und ſich keuchend in den Stuhl zurückgelehnt hatte, denn das raſche Gehen hatte ſie ſehr erhitzt.Diesmal muß ja wahrlich nichts Gerin geres als Transportation einen Ihrer intereſſanten Klien ten bedrohen?

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aber bine iu beſuc,

Sie ſind ein hartherziger Mann, Mr. Sharp, entgegnete Mrs. Davies zwiſchen Lachen und Weinen da Sie aber ein Advokat ſind, ſo iſt dies ganz natürlich und gilt mir auch gleich, weil ich Sie nicht als Chri zum Berather zu nehmen gekommen bin!

Sehr ſchmeichelhaft, Mrs. Davies; B fahren Sie nur fort! ihrer Verthe

Sie kennen ja Jane Eccles, eine meiner Miethszl i0 der Mie, wohnerinnen in Bank Buildings die Stickerin, die ihihe u achoge Schweſterkind adoptirte? ichen eſſzung

Wenn ich mich rechſherich,

Ihr Name iſt mir bekannt. r Erfolg zu entſinne, ſo erhielt ſie noch den rückſtändigen Gehalt füſſchene, Dave den Vater des Kindes ausbezahlt, einen Hochbooteſſch Vs dem ke

mann, der auf der See ſtarb. Nun, was iſt ihr zugeſtoßen 2a N i war. Man hat eine fürchterliche Anklage gegen ſie vor hear ander gebracht, verſetzte Mrs. Davies.Freilich glaube ich war e davon kein Sterbenswörtchen. Jane Eccles, fuhr die gehate; eos 23 fühlvolle Frau fort und ſtöberte dabei eineſ zerknitterttven* ldets a Zeitung aus dem buntſcheckigen Inhalt ihrer Reticule herpon ia, Del aus,Jane Eccles arbeitet unsausgeſetzt von früh bite 75 ein ſpät, und läßt ſich mit Niemand ein; ihr kleiner Nefftwürde, 0 und ihre Wohnung ſind immer ſo reinlich und ſchmuck wilfſſen. Sen eine neue Stecknadel; ſie geht regelmäßig in die Kirchelie letztere* und zahlt ihren Miethzins auf den Tag. Dieſe entſetzſſe trotz 170 liche Geſchichte kann alſo nicht wahr ſein! fügte fit effen, we 90 hinzu und reichte mir die Zeitung. f ennoch wege 1 Ich überlas die Polizeinachrichten:Vorwiſſentliche hes Verttaube Ausgabe falſcher Banknoten, las ich,alle Teufel us Schlimme das wird ſchlimm! rin Anderten Ei, man ſoll dieſen Namen nicht ſo laut an dil bildern von 0 Wand malen, beſonders nicht in einer Advokatenſtube l. ate in ihrer rief Mrs. Davies ziemlich unmuthig.Mir däucht, es iſtſehung erhalte ſeither ſchon Mancher unſchuldig in Anklageſtand verſetz worden! Da ich in's Leſen des Polizeiberichts vertieff war, und ihr nicht antwortete, fuhr ſie fort:Ich habe ſchon lange nichts mehr von ihr gehört, bis mir vor etwa einer halben Stunde dieſer ſchamloſe Bericht hier in del Zeitung in die Hand fiel. Offenbar war das arme betro gene Mädchen zu ſehr erſchrocken oder ſchämte ſich zu ſehr J Die um nach mir zu ſchicken. 150 ehe dies ſcheint ein ſehr böſer Fall zu ſein, Mrs. Daß alhſe Jahr, als: vies, hub ich endlich an.Drei gefälſchte Zehnpfunde

ſgige Kohlraben, Noten am ſelben Tage je in drei verſchiedenen Läden um a der Zul gewechſelt, unter dem Vorwande, Artikel von geringen Jeg den s. 8 Werthe zu kaufen, und noch eine weitere falſche Zehn dem Dinctorial pfundnote in ihrer Taſche gefunden! Ich muß ſagen, al! iafeigerung an das gibt der Sache ein ſehr ſchlechtes Ausſehen!

Daran liegt mir Nichts, rief Mrs. Davies voll Entrüſtung aus;mag es auch ſo ſchlimm ausſehen wien die Sünde, und die ganze Bank von England in ihrer Taſche gefunden worden ſein. Ich kenne Jane Eccles zu gut; ſie verpflegte mich vergangenes Frühjahr während meiner Krankheit, und ich würde einen leiblichen Eid da rauf abgeben, daß die ganze Geſchichte, vom Anfang bi zum Ende, eine Erfindung vom Teufel oder von ſonſ Jemand iſt.

Jane Eccles, erwiderte ich,hat wie es ſcheint kein

587) Fir d Au. Dorheimer B; a Jahlung bis

de Bezugsperio

genügende Auskunft über die Art und Weiſe geben können den She oder geben wollen, wie ſie in den Beſitz der gefälſchten Dor! Banknoten kam. Wer iſt dieſer Bruder von ihr,von

äußerſt achtbarem Ausſehen, wie es in dem Berichte

heißt, welcher die Erlaubniß erhalten hatte, kurz vor den dug

Verhör noch eine Unterredung mit ihr zu haben? f 0 Soviel ich weiß, hat ſie keinen Bruder, und ich wurden 1 N habe noch nie von einem ſolchen gehört; es muß ein In⸗ il und 65, f thum des Zeitungsſchreibers ſein! entgegnete Mrs. Davien. 0 u 8 f Oelka⸗

Das iſt nicht wahrſcheinlich, gab ich zur Antwortz

1 hot.. aͤdheimer in