Ausgabe 
30.6.1894
 
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Lyon, 27. Juni. Die Stadt ist ruhig. Die Straße, in der sich das italienische Konsulat befindet, ist fortdauernd geschützt.

gungen 0 Marseille, 27. Juni. Der Bürgermeister

gs mäß 0 veröffentlichte eine Proklamation, worin er die

igen Bevölkerung auffordert, sich ruhig zu verhalten

diese f und nicht die Italiener für das Verbrechen handen 0 eines Einzelnen verantwortlich zu machen.

derung v% Großbritannien. London, 27. Juni.

icht Das Unterhaus nahm mit 237 gegen 182

N 0 1 7 lassn. Stimmen den§ 27 der Budgetbill an, durch den die Spiritussteuer um 6 Pence erhöht wird. 94. Spanien. Madrid, 27. Juni. In Bar⸗ eelona versuchte ein Arbeiter in das Hotel des Civil⸗Gouverneurs einzudringen und die Thüre des Kabinets zu sprengen; er wurde verhaftet. Er war im Besitz eines Dolches. Es herrscht große Erregung. 9 27. Juni. Der KreuzerIsla de Lupon begann gestern die erste Rate der morokkanischen dgennehmen. Entschädigungssumme einzuschiffen. en. Italien. Rom, 26. Juni. Kammer. In der weiteren Berathung des Finanzpro gramms begründet Brin sein Amendement zu dem Regierungsantrag betreffend die Renten steuer. Crispi vertheidigt die Regierungsvor schläge und wird lebhaft applaudirt. Nach dem Schluß der Debatte wird in namentlicher Abstimmung mit 206 gegen 138 Stimmen der des Artikels 3 angenommen, welcher lautet: Peter. Die Einkommensteuer einschließlich des durch il. das Gesetz vom 11. August 1870 festgestellten Zebntels wird ab 1. Juli 1894 auf den gleich nätzigen Satz von 20 Prozent erhöht. Hier auf wird der ganze Artikel II, betreffend die Eeinkommensteuer einschließlich der Erhöhung ber Rentensteuer, durch Erheben von den Sitzen angenommen. Türkei. Konstantinopel, 27. Juni. Der scönig von Serbien ist heute mittag hier ein

Rußland. Petersburg, 27. Juni. Der kaiser traf gestern auf der Eisenbahnstation Zorki mit der aus dem Kaukasus zurückge lehrten Kaiserin zusammen. Das Kaiserpaar pohnte der feierlichen Einweihung der Gedächt lißkirche bei und reiste sodann ab. Amerika. Chicago, 28. Juni. In Folge des Strikes der Weichenwärter stockt der Ver lehr auf elf in Chicago mündenden Bahnen. die Bewegung dehnt sich nach Westen aus. In Californien stockt der Verkehr auf der süd 5 chen Pacifiebahn, in Folge der Weigerung der ligten une besellschaft, Züge abzulassen, falls das Ein ellen von Pullmanwagen verhindert wird. Beitere Ausstände stehen bevor. Der Arbeiter herband fordert einen Ausstand der Bediensteten der Atchisonbahn.

China. Peking, 27. Juni. Japan schlug China vor, gemeinsam in Korea zur Herbei hrung fiskalischer Reformen zu interveniren. In Folge der Ablehnung Chinas erklärte Japan, e werde allein vorgehen und entsandte 6000 Mann unterstützt von der Flotte nach Korea. diese Armee hält gegenwärtig die Hauptstadt

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Fel hisetzt, der König ist thatsächlich Gefangener. i

e, Afrika. Tanger. Der Sultan Abdul Aziz

nach dn Nach am 25. Juni mit der Armee von Rabat auf. Der ö Ie begibt sich über Beni-Hassan nach Mekines

fun. en ind Fez, wo er in etwa 8 Tagen eintrifft.

de wenn 28. Juni. 600 Reiter vom Stamme

schimpfun gupeyhua griffen Fez an; sie wurden zurück

ela geschlagen u. die Anführer gefangen genommen. agnahm e

0 di Aus Stadt und Land.

mel Lach 2. Friedberg. Am 27. Juni fand dahier unter

mund dorsitz von Dr. Weiffenbach die gut besuchte Versamm⸗ her e lng derEv. Conferenz statt, in der nach einem vor⸗

schichte unserer Stadt recht wichtige Fundstücke aus der Römerzeit zu Tage gefördert. Dieselben beweisen, wie recht unsere heimathlichen Forscher nach den ihnen s. Z. zu Gesicht gekommenen Fundgegenständen geschlossen und geurtheilt hatten, daß an dieser Stelle ehedem eine Zweigkultusstätte des von den römischen Legionssoldaten auch in dem ganzen deutschen Limesgebiet verbreiteten zasiatischen Mithrasdienstes gegründet gewesen sei. Das gestern in 3 zusammengehörigen Bruchstücken ans Tageslicht gebrachte große Steinbildwerk ist schon seines mächtigen Umfangs wegen sicher als ein Hauptstück des einstigen Mithrasheiligthums in Mitten der alten Römer⸗ ansiedlung zu Friedberg anzusehen u. demgemäß zu wür⸗ digen. Die auf der Unter- u. Nebenseite laufende ca. 5 em breite und ebenso tiefe Rinne deutet darauf hin, daß das Bildwerk in eine Wand des Mithrasheiligthums eingefügt war. Wir erblicken auf den nach 1600jähr. Verschüttung wieder aufgedeckten, zusammen fast 2 U◻Jm großen Platten zunächst die an anderen Mithraskultus stätten ebenfalls gefundene, mit wallendem Gewande bekleidete Gestalt, die mit dem linken Bein im Nacken eines Stieres kniet und diesen niederzwingt. Die linke Hand der kühnen Gestalt faßt bewältigend und siegreich überlegen in die Nüstern des Stierkopfes, die rechte Hand schlägt mit kurzem Stahl in die Brust des Stiers. Ohnmächtig ist derselbe unter dem Drucke und der Last des Bändigers auf die Vorderfüße zu Boden gesunken. Vergeblich sucht er sich aufzurichten und zu wehren, was der senkrecht in die Höhe gepreßte Nacken und der hochgebogene Schweif dem Beschauer deutlich sagen. Zur Linken der Vorderläufe lechzt eine Schlange nach dem Blute des angeschlagenen Stieres, zur Rechten er⸗ hebt sich eine unkenntlich gewordene Figur, vielleicht, nach den anderen Mithrasbildern zu schließen, die eines zuspringenden Hundes. Der Kopf des Stierbändigers fehlt leider, dagegen sind auf dem linksseitigen Bruch stücke außer dem fliegenden Gewande der Hauptfigur links oben ein Kopf in Medaillonform, links unten eine Gestalt in phrygischer Tracht deutlich sichtbar. In⸗ schriften sind an diesen drei Stücken des Mithrasfun des nicht mehr aufzufinden. Nach dem Urtheil stein kundiger Männer stammt die zum Bildwerk verwandte leicht verbrockelnde Conglomeratmasse aus den Stein brüchen der Naumburghöhe bei Kaichen. Vielleicht noch werthvoller als dieses altehrwürdige Steinbildwerk dürften die beiden mitaufgefundenen sog. römischen Votivaltäre sein. Der eine Gedenkstein ist vollständig erhalten, schon beim Umsturz des Heiligthums, in zwei Stücke geborsten. Er ist ea. 1 m hoch, ca. ½ m breit und ca. 20 em dick und zeigt so die gewöhnliche Form der in unseren Museen befindlichen Votivsteine. Auf der oberen gewölbten Seite ist eine halbkugelförmige Opfer⸗ schale ausgemeißelt. Auf der rechten Seite des Beschauers sind die Zeichen eines Beiles und eines Messers angebracht. Die Inschrift die bis jetzt noch nicht völlig entziffert ist, h an d e Nee G. PAVII I NIUS. V. IVS. CoS Von einem zweiten Votivstein ist bis jetzt nur die obere Hälfte, welche in dem noch fehlenden Untertheil eingefügt und eingepaßt war, vorhanden. Sie trägt als leserliche In⸗ schrift: DEABUS VADRVBʃS IN.. A PANIVS FERI NTT POSVIT. Auf einstimmigen Beschluß des Stadtrathes in der gestrigen Sitzung sollen an der aufgebrochenen Stelle weitere Nachgrabungen gehalten werden, über deren Ergebniß wir weiter be richten. Bei den heute Vormittag fortgesetzten Aufräum ungsarbeiten wurden ein dritter großer Votivaltar und ein kleiner Gedenkstein nebst kleineren Sachen zu Tage geför⸗ dert. Die sämmtlichen Fundstücke sind in der Vorhalle der Stadtkirche vorläufig geborgen. Hoffentlich führen die neuen Römerfunde und die wiederentdeckten Reliquien der Stadtkirche(über die wir Montag ausführlich be richten werden. D. R.) zur baldigen Gründung eines Museums unserer an Alterthümern reichen, aber leider schon viel beraubten Stadt Friedberg.

2. Reichelsheim, 27. Juni. Bei der heute statt gehabten Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bei geordnete Steten einstimmig zum Bürgermeister ge⸗ wählt. Dem von der ganzen Gemeinde Erwählten wurde Abends von den verschiedenen Vereinen ein Ständchen mit Fackelzug gebracht.

Bingen, 26. Juni. Während heute Vormittag in einem Steinbruch bei Bingerbrück ein Sprengschuß gelöst wurde, saß ein Arbeiter im Straßengraben. Einer der emporgeschleuderten Steine von geringem Umfange traf beim Niederfallen den Arbeiter derart am Kopfe, daß die Hirnschale gespalten wurde und der Tod sofort eintrat.

Allerlei.

Kassel, 25. Juni. Heute meldete sich freiwillig bei der Polizeidirection ein fremder Mann und legte das Geständniß ab, vor einigen Tagen ein 16jähriges Mädchen aus Vöhl in der Nähe genannten Dorfes über fallen und ermordet zu haben. Der Mörder will aus Haste gebürtig und Geschäftsmann sein. Es wurde auf Grund seines Geständnisses vorlaufig in Haft genommen. Kassel, 27. Juni. Durch einen Kanaleinsturz wur⸗ den mehrere Arbeiter heute Mittag verschüttet. Einer davon ist todt, drei sind schwer verletzt.

Sitten im Canton Wallis, 28. Juni. Die Ein⸗ dämmungen des Gleischers Gietroz im oberen Bagne⸗ Thal sind durch Wassermassen niedergerissen worden. Die Bewohner der Ebene von Martigny sind in großer Augst. Man sieht Bäume und Balken vom Wasser der Rhone getragen. Im Jahre 1818 ist die ganze Ebene aus gleichem Anlaß unter 20 Fuß Wasser gesetzt wor⸗

jeder U, lichen Referat lor. Dieckmanns dessen Thesen über lie el 9 8 f 5 8 5 5 sident seil. kreinsleben 35 sehr lebhaft besprochen und im All⸗ 0 die Wel. gebilligt wurden. Die Stimmung bei der 1 0 furzel ieren und der geselligen Nachfeier war eine freudige 1* ehobene. whreses 1 ers, 29. Juni. An der schon den bei⸗ el und 1 der Friedberger Alterthumsforschern Dieffenbach als rike Hegi Arische Cultusstätte hinlänglich bekannt gewordenen rt. 05 Wahl telle, an der Südostseite der Klosterkaserne zu Fried d die? 0 beig, wurden gelegentlich der dort vorgenommenen Abstinm Amalreparatur gestern 3 werthvolle und für die Ge

Wien, 26. Juni. Gestern wurde ein auf dem Semmering weilender Kurgast, Herm. Klein, ermordet und beraubt aufgefunden. Die Räuber sind entkommen.

New⸗Nork, 27. Juni. Der Elektrotechniker Edison zog sich bei einem Sturze innere Verletzungen zu; sein Zustand gibt zu unmittelbaren Besorgnissen keinen Anlaß.

Die Biere der Aktienbrauerei Gießen. untersucht vom chemischen Untersuchungsamt in Darmstadt. Exportbier(Wiener Brauart. Siegel unverletzt). Gutachten.

Die in Ihren Kellern aus einem von uns bezeich⸗ neten Fasse entnommene Bierprobe war in Bezug auf ihre äußeren Eigenschaften von glanzheller, schöner Farbe, von kohlensäurereichem, von Malz und Hopfen herrührendem, reinem vollmundigen und kräftigen Ge⸗ schmack und von angenehmem Geruch.

Auf Grund obiger Untersuchungsergebnisse entspricht das betreffende Exportbier nach Wiener Brauart in Bezug auf seinen Gehalt an einzelnen Bestandtheilen vollkommen normalen Verhältnissen, wie dieselben nur bei gut vergohrenen, gepflegten und gehaltreichen Bieren vorkommen. Nach der chemischen Analyse ist das Ex⸗ portbier von Surrogaten, wie überhaupt von fremden, also auch conservirenden, Zusätzen vollkommen frei und in jeder Beziehung als ein reines Bier zu bezeichnen, das nach einem rationellen Brauverfahren hergestellt wurde.

Wenn man aber außerdem den hohen Gehalt an Extract bei verhältnißmäßig geringem Alkoholgehalt berücksichtigt, so sind wir in der Lage, erklären zu müssen, daß die uns vorgelegte Bierprobe mit zu den gehalt reichsten, deutschen Bieren des Handels zu zählen ist, welchem, seines hohen Gehaltes an löslichen Bestand⸗ theilen wegen, ein sehr bedeutender Nährwerth zukommt und deshalb sowohl für Kranke oder Reconvalescente, wie überhaupt für schwächliche Personen sehr empfohlen werden kann.

Darmstadt den 14. Juni 1894.

Chemisches Untersuchungs-Amt. Der Vorstand: gez. Ur. H. Weller.

Bayerisch Bier(Siegel unverletzt). Gutachten.

Die in Ihren Kellern aus einem von uns bezeich⸗ neten Fasse entnommene Bierprobe war in Bezug auf ihre äußeren Eigenschaften von glanzheller, schöner Farbe, von kohlensäurereichem, von Malz und Hopfen herrührendem, reinem, vollmundigen und kräftigen Ge schmack und von angenehmem Geruch.

Auf Grund obiger Untersuchungsergebnisse entspricht das betreffende Bayerische Bier in Bezug auf seinen Gehalt an einzelnen Bestandtheilen vollkommen normalen Verhältnissen, wie dieselben nur bei gut vergohrenen, gepflegten und gehaltreichen Bieren vorkommen. Nach der chemischen Analyse ist das Bayerische Bier von

(Siegel.)

Surrogaten wie überhaupt von fremden, also auch con servirenden Zusätzen vollkommen frei und in jeder Beziehung als ein reines Bier zu bezeichnen, das nach einem rationellen Brauverfahren hergestellt wurde.

Wenn man aber außerdem den hohen Gehalt an Extract bei verhältnißmäßig geringem Alkoholgehalt berücksichtigt, so sind wir in der Lage, erklären zu müssen, daß die uns vorgelegte Bierprobe mit zu den gehalt⸗ reichsten deutschen Bieren des Handels zu zählen ist, welchem, seines hohen Gehaltes an löslichen Bestand theilen wegen, ein sehr bedeutender Nährwerth zukommt und deshalb sowohl für Kranke oder Reconvaleseente, wie überhaupt für schwächliche Personen, sehr empfohlen werden kann.

Darmstadt den 14. Juni 1894. Chemisches Untersuchungs-Amt. Der Vorstand: gez. Ur. H. Weller.

(Siegel.)

Wiener Lagerbier(Siegel unverletzt). Gutachten. Die in Ihren Kellern aus einem von uns bezeich⸗ neten Fasse entnommene Bierprobe war in Bezug auf ihre äußeren Eigenschaften von glanzheller, schöner Farbe, von kohlensäurereichem, von Malz und Hopfen herrührendem, reinem vollmundigen und kräftigem Ge⸗ schmack und von angenehmem Geruch. Auf Grund obiger Untersuchungsergebnisse entspricht das betreffende Wiener Lagerbier in Bezug auf seinen Gehalt an einzelnen Bestandtheilen vollkommen normalen Verhältnissen, wie dieselben nur bei gut vergohrenen, gepflegten und gehaltreichen Bieren vorkommen. Nach der chemischen Analyse ist das Wiener Lager⸗ bier von Surrogaten wie überhaupt von fremden, also auch conservirenden Zusätzen vollkommen frei und in jeder Beziehung als ein reines Bier zu be⸗ zeichnen, das nach einem rationellen Brauverfahren her⸗ gestellt wurde. Wenn man aber außerdem den verhältnißmäßig hohen Gehalt an Extract bei geringem Alkoholgehalt berücksichtigt, so sind wir in der Lage, erklären zu müssen, daß die uns vorgelegte Bierprobe mit zu den gehaltreicheren deutschen Bieren des Handels zu zählen ist, welchem, seines Gehalts an löslichen Bestandtheilen wegen, ein bedeutender Nährwerth zukommt und daher sehr empfohlen werden kann. Darmstadt den 14. Juni 1894. Chemisches Untersuchungs-Amt.

(Siegel.) Der Vorstand:

den; es wird jetzt gleiches befürchtet.

gez. Dr. H. Weller.