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Er nannte seinen Namen Cesario Giovanni Santo, gebürtig aus Montevisconti bei Mai⸗ land, 22 Jahre alt. Er kam aus Cette, ver— weigerte aber die Auskunft auf die Frage, ob er Anarchist sei; er erklärte nur, er werde vor dem Schwurgericht sprechen. Der Depu— tirte Chaudey, der neben Carnot im Wagen ge— sessen, erzählt noch über den Mord: Carnot war
litalienischen Ausstellungs-Objecte. Der Mör⸗
der ist Anarchist und bereits seit Jahres⸗ frist verdächtig. Seit Februar war
als Anhänger der„Propaganda der That“ signalisirt. In Cette war er bei einem Bäcker sangestellt; er verdiente dort monatlich 30 Fres. Er galt für schweigsam und nüchtern. Vor Kurzem erst wurde bei dem Brodherrn Cesario's
1 de Den feierlichen Akt schloß ein Vorbeimarsch nach dem 0 h (Schloßhofe, woselbst der gesellige Theil des Festes Eu stattfand. Obwohl mehr als 1000 Sitzplätze hergerichtet— waren, zeigte sich doch bald, daß diese nicht ausreichten und die Jahl der Festtheilnehmer eine weit größere Ober mar. Auf dem Festplatze herrschte bis zum Schlusse eine Zuraften fröhliche Stimmung. Die Musikvorträge der Feuerwehr⸗ 5 Trg Kapellen von Rodheim, Ober⸗Rosbach, Münzenberg. ont und Friedberg wechselten mit Ansprachen. Ein be⸗ 9 Adele sonders feierlicher Akt war die Uebergabe der Diplome Ian
glücklich über die begeisterte Aufnahme bei der eine Haussuchung vorgenommen, der heute eine an die langjährigen Mitglieder und Gründer der Fried-
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Menge und hatte befohl Wagen nähern zu lassen. fahren der Straßen mehrere Bittschriften empfangen. Als er einen jungen Mann er blickte, der über die Köpfe der Menge hinweg ihm eine Papierrolle entgegenstreckte, ma hte er ein Zeichen, ihn herankommen zu lassen. Der junge Mann eilte dem Wagen zu, ergriff die Hand, die ihm Carnot entgegenstreckte, und stieß blitzschnell die Papierrolle in die Brust Carnots. Die Rolle enthielt einen scharfen 25 Centimeter langen Dolch. Alle Fahnen an den öffentlichen und an den Privatgebäuden wurden noch in der Nacht durch Trauerfahnen ersetzt. Der Militärstaat des Präsidenten be— wachte in der Nacht die Leiche, welche in schwarzem Anzuge mit dem Großkordon der Ehrenlegion aufgebahrt ist. Die Aufbahrung wurde photo— graphirt. Sämmtliche italienischen Arbeiter sind in Marseille aus den dortigen Docks entlassen worden. In Paris sind besondere Polizei—
Menge sich dem
en, die 0
Er hat beim Durch—
maßregeln getroffen; die Mannschaft in den
Wachen ist verdoppelt. Alle Fahnen der öffent— lichen Gebäude sind auf Halbmast gehißt; alle Theater sind heute Abend geschlossen. Die Truppen der Garnison sind konsignirt. In Paris herrscht seit heute Nacht eine mächtige Erregung. Das Amtsblatt publizirt eine Note des Senats-Präsidenten, welcher den Kongreß zur Neuwahl eines Präsidenten auf den Mitt⸗ woch zusammenberuft. Auf Antrag Etienne haben 100 Regierungs-Republikaner beschlossen, bei der Präsidentenwahl für Casimir-Perier zu stimmen. In den Couloirs des Senats wird einstimmig Casimir-Perier's Kandidatur accep tirt, der mit einer Mehrheit von etwa 500 Stimmen gewählt werden dürfte.— 26. Juni. Sofort nach der Autopsie der Leiche Carnot's hat gestern in Lyon die Sarglegung stattgefunden. Der Sarg wurde auf einer Kanonenlafette, die mit Trophäen und Fahnen geschmückt war, nach dem Bahnhof geführt; alle officiellen Kör— perschaften folgten und die Garnison erwies dem Todten die letzten Ehren. Das über die Autopsie besagt, die Wunde sei eine der fürchterlichsten, die man jemals gesehen habe, und der Dolch sei 18 Centimeter ein gedrungen. Der Anarchist Vielly wird gesucht, der die Ermordung Carnot's vorausgesagt habe. Carnot hatte seit dem Attentat Vaillant
. 145 0 täglich Drohbriefe erhalten, oft deren zehn an
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einem Tag; trotzdem ließ er nicht zu, daß die Wachsamkeit um seine Person verschärft wurde. Auf einer kürzlichen Promenade im Bois folgte ihm lange Zeit ein verdächtiges Individuum. Ein Mann soll hier verhaftet worden sein, der kurz nach dem Attentat erklärte, daß er sich nicht darüber wundere, da er Tags zuvor von einem Friseurgehülfen gehört habe, daß
Carnot erdolcht werden würde. Die Leiche Carnot's wurde heute vom Präfecten des Seinedepartements, dem Polizeipräfecten und
dem Kabinetschef des Palais Elyste hier am Bahnhöfe empfangen und zu Wagen nach dem Elyséee gebracht. Es folgten fünf weitere Wagen, in einem derselben Frau Carnot.
Im Elyséee waren die Mitglieder des mili⸗ tärischen und des Civilstaates Carnot's an⸗ wesend. Der Sarg wurde in den zu einer Trauerkapelle umgewandelten Salon niederge-
setzt. Die Feierlichkeit hatte einen privaten Character; die Minister
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durchaus wohnten ihr
nicht bei. Einige vierzig, Italienern oder Franzosen italienischen Namens gehörige Kauf läden in Lyon wurden vergangene Nacht ge— plündert. Mehrere Trupps drangen in
Ausstellung dortselbst und
Protocoll
di zerstörten die
neue Haussuchung folgte. Es sind mehrere andere Bäckergehilfen verhaftet. Cesario ist der Schweizer Polizei längst bekannt. Er nahm Theil am Anarchisten-Congresse in Lugano. In den Monaten Januar und Februar 1892 war er in Mailand, wo er postlagernde Correspondenzen von Schweizer Anarchisten in Empfang nahm. Er schickte zahlreiche italienische anarchistische Broschüren in die Schweiz.
Großbritannien. London, 26. Juni. Die schottischen Kohlengruben-Arbeiter haben heute den Strike gegen die Lohnreduktion be— gonnen. 65,000 Bergleute nehmen am Strike stheil und nur 5000 setzen die Arbeit fort. Viele Hochöfen werden ausgeblasen und die Eisenhütten kommen zum Stillstand, wodurch 20,000 Arbeiter beschäftigungslos werden. Italien. Rom, 25. Juni. In der ganzen Bevölkerung kommt das Entsetzen über die Ermordung Carnots zu lebhaftem Ausdruck. Die bereits erschienenen Blätter verläugnen jede nationale Gemeinschaft mit dem Mörder und sprechen, die Hoffnung aus, daß der Vorfall die Beziehungen der beiden Völker nicht ver— schlechtern werde. Rumänien.
Bukarest. Der Chef des
großen Generalstabs, Polnaru, wurde zum Kriegsminister ernannt.
Türkei. Konstantinopel, 26. Juni. Der Khedive ist gestern hier angekommen und ohne
ein spezielles Ceremoniell von einigen würdenträgern empfangen worden.
Salonichi, 25. Juni. Der König von Serbien hat sich heute früh auf der Gala Yacht „Sultanie“ nach Konstantinopel eingeschifft. Rußland. Petersburg, 25. Juni. Der „Regierungsbote“ meldet: Der Kaiser reiste gestern nach Borki ab.
Amerika. New⸗York, 23. Juni. Die Strikenden von Colorado-Springs, Colorado, lockten gestern Nacht den General Tarnsey nach einem Hotel, wo sie ihn theerten und federten. Die Polizei fand den Mißhandelten auf offenem Felde in bedenklichem Zustande liegend. Die Strikenden wollten sich an Tarnsey rächen, weil er gegen sie die Miliz geführt hatte.
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Aus Stadt nud Land.
* Friedberg. Von dem herrlichsten Wetter be günstigt nahm das Stiftungsfest unserer freiwilligen Feuerwehr einen würdigen Verlauf. In den Nachmit⸗ tagsstunden zogen von allen Seiten die eingeladenen Freiwilligen- und Pflichtfeuerwehren in stattlicher An⸗ zahl ein. Nach beendetem Gottesdienst nahm die Fried berger Feuerwehr, 170 Mann zählend, auf der östlichen Seite der Kaiserstraße Aufstellung, ihr gegenüber stan⸗ den die Vertreter der Großh. Regierung und der Stadt, dahinter die auswärtigen Wehren. Die vorgeführte Uebung bestand in einem Fuß und Geräaätheexerzieren und einem Sturmangriff, der als Schauubung ausge führt wurde. Konnte man schon an ersterem die gründ⸗ liche Ausbil 8 Corps erkennen, so zeigte letzterer wie gut das Corps es versteht, seine Gerathe rasch und sicher zu han In wenigen Sekunden waren sammtliche Schiebleitern hoch, die Schlauche gelegt und alle Spritzen in Thätigkeit. Nach beendeter Uebung ordnete sich der nte Festzug, in welchem ein Trommlercorps und 4 Feuerwehr⸗Musiken aufspielten, und marschirte nach dem Sch l
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platz; dort wurden die Mitglieder der Friedberger Feuerwehr: Gg. Hieront mus, Gg. Mahr, Gg
Kreß, J. Thaler, Joh. Geil,
W. Grauli Gg. Kautz. J. H. Hofmann, A. Flohr, Och. Schmidt, L. Schmidt, J. Rupp, Och. Heidt, J Koob, K. D g r Schmidt und G. E. Hanstein mi em Großherzog ver 1* N— iehenen D a
in Corps sei, ex Dienst
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uerweb zu besitzen, ei; Redner schloß mit ürsten.
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rotektor,
berger Feuerwehr: Friedrich Roßbach, Louis Waas und Wilhelm Müller, welche zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Außer vielen Glückwünschen von auswärts wurde unserer Feuerwehr von einem Freunde derselben, der als Förderer aller gemeinnützigen Veranstaltungen in unserer Stadt bekannt ist, ein ansehnliches Geld⸗ geschenk überwiesen, das zur Verbesserung der Ausrüstung verwendet werden wird.
Friedberg. Bezüglich des Baues der Oberhess.⸗ Bahnen finden wir im G. A. folgende, augenscheinlich aus zuständiger Feder stammende Mittheilung: Für die Bewohner der mittleren Wetterau wirft sich immer wieder die Frage auf: Wann beginnt der Bahnbau der beiden Linien Hungen-Friedberg und Nidda⸗ Friedberg und bis zu welchem Zeitpunkte wird die eine oder die andere Linie in Betrieb genommen werden konnen. Nachfolgende Mittheilungen dürften daher willkommen sein. Die Arbeiten in Betreff der Linie Hungen-Fried⸗ berg sind vollstandig fertig und gingen vor einigen Tagen an die oberste Baubehörde nach Darmstadt ab, wo sie noch einmal einer sorgfältigen Prüfung un ter⸗ zogen werden. Diese Oberrevisionsarbeiten werden von der obersten Behörde mit allen Kräften beschleunigt; sobald die Prüfung, welche wahrscheinlich zu keinen, oder nur sehr geringen Anständen führen wird, beendigt ist, gehen sämmtliche Arbeiten an das Reichseisenbahn⸗ amt nach Berlin, werden hier noch einmal vom Reichs⸗ standpunkte aus geprüft und dann zur Ausführung zurückgegeben. Man darf annehmen, daß beide Prüf⸗ ungen in einem Vierteljahre beendigt sind, so daß die Arbeiten in der zweiten Hälfte des September, oder zu Anfang Oktober zur Ausführung an die Ausführungs⸗ behörde für Nebenbahnen in Gießen zurückgelangen werden. Ist dies geschehen, so beginnt die Gelände⸗ erwerbung. Die Bahnarbeiten können rasch gefordert werden, wenn die Grundbesitzer der Baubehörde cou⸗ lant entgegen kommen, ein Fall, der z. B. auf der Strecke Gießen-Londorf als ruhmenswerthes Beispiel Erwähnung verdient. Begegnet die Behörde aber eigen— sinnigen, steifnackigen, streitsüchtigen Leuten, wie es deren in jeder Gegend gibt, dann kann sich die wichtige Sache lange verzögern. Die Geländeerwerbungen für Friedberg-Hungen beginnen also sicher in diesem Herbste. Für die Linie Nidda⸗Echzell⸗Friedberg, oder wie andere Interessenten wünschen: Ober-Widdersheim—Echzell— Friedberg wird eine gleich rastlose Arbeit geleistet, wie für Hungen— Friedberg. Von Seiten der hoöchsten Staatsbehörde wurde noch einmal Lokaleinsicht ge⸗ nommen und werden beide Projekte mit größter Un⸗ parteilichkeit geprüft. Die eine Partei hebt das Bad Salzhausen in den Himmel, die andere setzt es als werthlos herab. Das richtige wird wohl in der Mitte liegen. Wir sind überzeugt: die Regierung wird in der Sache wohl eher das dem Gesammtwohl am besten entsprechende Projekt leichter herausfinden, als die beiden streiten⸗ den Parteien. Die Hauptsache ist, daß die Linie gleich- zeitig mit derjenigen von Hungen* zur Aus führung gelangt, darüber besteht kein Zweifel. Die Baubehörde hat für beide Linien ihre Beamten, ihr Material, ihre Maschinen, ihre Arbeiter beisammen und zwar auf einem verhältnißmäßig kleinen Raume, sie wird daher nicht die eine Linie ausführen, die andere aber jahrelang liegen lassen, um später den ganzen Apparat von weiterher wieder nach Echzell und Um⸗ gegend herbeischaffen zu lassen und hier von Neuem zu beginnen. Bei dem ganzen Bahnbau ist die Strecke Dorheim⸗Friedberg die schwierigste und kostspieligste, denn hier sind bedeutende Kunstbauten nothig. Wir nennen als die hauptsächlichsten: den Viadukt bel Fried⸗ berg und die Ecweiterung des Bahnhofes zu Fried- berg. Diese Bauten werden auch zuerst in Angriff ge⸗ nommen, eher als die Erdarbeiten. Letztere bieten keine großen Schwierigkeiten, denn die zu durchschneiden⸗ den Gemarkungen besitzen s Hugelland,
wellensormiges welches den Ingenieuren keine difficilen Aufgaben zu stellen pflegt. Man kann daher annehmen, daß beide Linien nach menschlichem Ermessen, wenn keine besonderen Hindernisse auftauchen und au h die Bewohner der zu durchschneidenden Gemarkungen ihre Schuldigkeit thun, bis zum Spatherbste 1895 fahrbar sein werden. Gießen, 25. Juni. In die Gefahr, zu verbrennen,
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aus Nieder-Ramstadt auf seine hier wohnende Gelieble ein Revolverattentat. Derselbe gab zwei Schüsse auf
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8 gerieth heute morgen nach 5 Uhr eine aus 7 Köpfen bestehende Arbeiterfamilie. Dieselbe bewohnte in der engen Dreihaäusergasse den Stock eines Hinter hauses, als angegel Zeit Feuer ausbrach.
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8 er mit dem jüngsten Kinde das Haus
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