Ausgabe 
20.2.1894
 
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Langsdorf, 24. Euler, H., in Ober-Breidenbach, 25. Kirch, J., in Gießen, 26. Hoffmann, K., in Hofgüll, 27. Schmidt, H. K., in Londorf, 28. Keller, K. F. W., in Ossenheim, 29. Wenzel, J. E., in Alsfeld, 30. Schmidt, O., in Gießen.

Mainz, 16. Febr. Bei den Mannschaften unserer Garnison haben sich in der letzten Zeit mehrere Fälle von Genickstarre gezeigt. Es sind bereits 2 Soldaten an der Krankheit verstorben.

Bingen, 15. Febr. Heute morgen ist ein Rangier⸗ zug aus Bingerbrück-Mainz dem ausfahrenden Guter⸗ zug in die Flanke gefahren. Mehrere Wagen sind ent⸗ gleist. Ein abspringender Bremser wurde beschädigt.

Allerlei.

Mayen, 15. Febr. Im hiesigen Stadtwalde hat ein Arbeiter seine Ehefrau nach einjähriger Ehe mit einem Knüppel erschlagen. Die Leiche weist zahlreiche Kopfwunden auf. Der Mörder legte ein volles Ge⸗ ständniß ab.

Berlin. Größere Truppen-Uebungen finden im Jahre 1894 statt bei dem ersten und 17. Armeekorps, ost⸗ und westpreußisches, und zwar vor dem Kaiser, darunter dreitägige gegeneinander. Jedem der beiden Armeekorps wird eine Luftschifferabtheilung zugetheilt. Bei dem Gardekorps, sowie bei den Armeekorps drei bis elf finden Generalstabsreisen statt, bei dem 19. Fpestungsgeneralstabsreisen, außerdem bei dem l ., 10., 11., 15. und 17. Armeekorps Kavallerieübungs⸗ reisen. Größere Pionierübungen werden bei Glatz, Verden, Mainz und Straßburg abgehalten.

Berlin. Ein originelles Bittgesuch an den Kaiser ist kürzlich an das Civllcabinet gelangt. Der 10 jährige Sohn eines hiesigen Handelsmannes wandte sich ohne Wissen seiner Eltern mit der Bitte an den Kaiser, ihm einen abgelegten Militäranzug eines kaiserlichen Prinzen zu schenken. Das seltsame Bittgesuch ging auf dem Instanzenweg an das Polizei-Präsidium zur Bericht⸗ erstattung. Die von demselben angestellten Recherchen haben nun ergeben, daß der jugendliche Bittsteller ein fleißiger Schüler und bereits zweimal prämiirt ist, so daß die Wahrscheinlichkeit vorliegt, daß seinem Wunsche entsprochen werden wird.

Berlin. Eine Zusammenkunft deutscher und italie nischer Turner ist für das diesjahrige Pfingstfest geplant. Es soll eine allgemeine deutsche Turnfahrt nach Italien und speziell nach Mailand und Venedig veranstaltet werden, die zunächst auf dem St. Gotthard ihr Ziel nimmt und dann gemeinsam mit den Italienern bis zu den genannten beiden Städten ausgedehnt wird. Der Rückweg geht über München. Die Anregung ist von dem Turnverein in Mainz ausgegangen und hat be reits in deutschen Turnerkreisen große Sympathie ge funden. Für die Turnfahrt sind die Tage vom 10. bis 20. Mai festgesetzt.

Altona. Am 15. Fgebr Vormittags ging hier ein heftiges Gewitter nieder; der Blitz traf zwei Häuser, ohne jedoch zu zünden.

Kiel, 16 Febr. Eine Explosion erfolgte heute auf dem neuen PanzerschiffBrandenburg. f

Der Unfall trug sich heute Vormittag bei einer Probefahrt zu. Nach amtlicher Mittheilung ist das Hauptdampfrohr der Steuerbordmaschine geplatzt. Das Ungluck ereignete sich hinter dem Stollergrund, etwa 3 Meilen von Bulk. Als die Nachricht der Explosion hier gemeldet wurde, erhielt das WachtschiffPelikan den Befehl, zur Hülfeleistung abzugehen. An Bord desPelikan befand sich Prinz Heinrich. Die Todten, deren Zahl 40 beträgt, sind be reits hierher geschafft. Die in der Todtenliste aufge führten Handwerker sind Arbeiter der kaiserlichen Werst. Es scheint sicher, daß die Zahl der Verwundeten, wovon inzwischen vier gestorben sind, nicht mehr als neun be tragt. Das Ungluck geschah um 11 Uhr. Als die Explosion erfolgte, wurden sofort alle Mannschaften auf Deck beordert und die Pumpen klar gemacht. Zur Zeit des Unglucks befanden sich 41 Personen im Maschinen- raum, darunter viele Arbeiter. Von diesen hat sich nur ein einziger gerettet, der an der Treppe stand, um nach oben zu steigen. Das Unglück entstand durch Losreißen der Befestigung des Dampfabsperrventils der Steuerbord Maschine. Dadurch wurde dem Dampf aus sämmtlichen Kesseln der Weg in den mit Menschen angefüllten Maschinenraum freigegeben. Er verbreitete sich in dem selben sofort, alles verbrühend, was er an lebenden Wesen vorfand.

Graz. Eine Versammlung von Hörern der tech nischen Hochschule nahm eine Petition an den Unterrichts minister an, worin für die Einleitung einer unparteiischen Untersuchung der letztjahrigen Vorgange gedankt und versprochen wird, die Disziplin aufrecht zu halten und den Professoren die ihnen gebührende Achtung entgegen zubringen; schließlich wird um volle Einrechnung des ersten Semesters und Wiedereröffnung der Hochschule gebeten.

Budapest, 17.

Febr. In Rekesely bei Temesvar

wurde die Kurpfuscherin Therese Kleitsch von Bauern als Hexe gekreuzigt. Die Thäter sind noch unbekannt.

Brüssel, 13. Febr. Auf der Eisenbahnlinie Ant⸗ werpen⸗Rotterdam zwischen den Stationen Rosendael und Dortrecht wurde der Grundbesitzer Dupuytrem in einem Coupe J. Klasse von 2 Mitreisenden ermordet und beraubt. Die Leiche wurde zum Fenster hinaus⸗ geworfen. Die Mörder stiegen in Dortrecht ab. Das Opfer besaß 40,000 Francs Baargeld.

London, 16. Febr. Der gestern Abend im Park von Greenwich in der Nähe des Observatoriums von einem Parkwächter aufgefundene, durch eine Explosion schrecklich verstummelte Mann heißt Martial Bourdin und ist etwa 30 Jahre alt. Er gehörte einem Anar chistenklub an. In den Körper Bourdins wurde ein großes Stück Eisen gefunden, das von einer Bombe herrührte, die Bourdin in der Tasche trug. Die Tasche war mit Glassplittern und einer klebrigen Masse an⸗ gefüllt. Bourdin hatte sich nach der Erploston noch 25 Meter weit fortgeschleppt; ein Finger desselben wurde in einer Entfernung von 80 Metern vom Orte der Explosion aufgefunden.

Helsingfors, 15. Febr. Mittwoch Nacht setzte sich das Eis zwischen dem sudlichen Theile des finnischen Meerbusens und dem Alandmeere in Bewegung. Die Zahl der Frauen und Kinder, die sich auf der losge⸗ losten, ungefähr 100 Werst großen Eisscholle befinden wird auf 500 geschätzt, meistens sind es Ingermanländer. Die Finländer, welche die Gefahr bemerkten, retteten sich rechtzeitig. Die Küstenbevölkerung ist bedacht, den Unglücklichen Brod, Kleidung und Holz zuzuführen, was insofern mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist, als das offene Meer zwischen der Küste und dem Eisfelde Nachts zugefroren ist. Trotzdem hofft man die Unglück⸗ lichen zu retten. 17. Febr. Das losgelöste Eisfeld theilte sich in zwei Theile. Der größere, mit mehreren Hundert Personen, bewegt sich gegen Hogland, der kleinere, mit 75 Menschen und 18 Pferden, die durch Ingermanländer gerettet wurden, befindet sich sechs Kilometer vom Lande. Ein finländischer Eisbrecher ging zur Hilfe ab, auch die Militarbehörden von Kronstadt sandten Hilfe.

Chicago. Ein furchtbarer Schneesturm wüthete am 12. Febr. in hiesiger Stadt und der Umgegend. Der Schnee liegt meterhoch in den Straßen. Der Verkehr stockt nahezu gänzlich.

San Franzisko, 14. Febr. Als der Löwen bändiger Thieman gestern in der Menagerie in der Winterausstellung seine Vorstellung gab, versagte plötz lich das elektrische Licht. Drei Löwen sprangen sofort auf Thieman los und zerfleischten ihn. Schließlich wurde er vom Eigenthümer der Menagerie, Boone, ge rettet. Sobald das elektrische Licht wieder brannte, sprang Boone, bewaffnet mit einer Eisenstange, in den Käfig und trieb die Raubthiere von ihrer Beute zurück. Mittlerweile hatte Thieman nicht weniger als 43 Bisse erhalten und man glaubt, daß er nicht am Leben bleiben kann.

Rio de Janeiro, 16. Febr. 60 Personen sind dem gelben Fieber und 15 Personen anderen fieber ähnlichen Krankheiten erlegen. Der Kommandant des österreichischen Kriegsschiffes, sowie viele andere an Bord des Schiffes befindliche Personen sind gestorben. Ein portugiesisches Kriegsschiff und das englische Kriegsschiff Racer haben gleichfalls Kranke an Bord. Es sind die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen.

Kapstadt, 16. Febr. Eine Reutermeldung be stätigt den Tod Lobengulas.

Welche Thiere sollen wir schonen?

Den Igel. Er lebt meistens von Mäusen, kleinen Nagethieren, Erd- und Wegschnecken, Engerlingen. Tödtet ihn nicht! Die Kröte. Sie verschluckt oft hunderte kleiner Insekten, Spinnen u. s. w. in einer Stunde. Todtet sie nicht! Die Blindschleiche. Sie nährt sich nur von Insekten. Thut sie in die Gewächs häuser! Die Marienkäfer, die unermüd lichen Blattlausvertilger. Schont das arme

Würmchen! Den Maulwurf. Der Nutzen ist weit größer als der Schaden, den er an richtet; schont den Maulwurf dort, wo ihr euch vor Regenwürmern und Engerlingen nicht zu helfen wißt. Er ist auch der eifrigste Jäger auf die Maul wurfsgrille oder Werre, darum bringt ihn nach deren Stellen! Schont die Vögel und füttert sie im Winter, sie sind

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Vertilgung!

Handel und Berkehr. Friedberg, 17. Februar. kostete per Pfund M.(0.95 1.00, Eier 1 Stück 60 2 Stück große 11 Pf.

Gießen, 17. Febr. Auf dem heutigen Wochen⸗ markt kostete: Butter pr. Pfd. Mk. 0,90 1,00, Eier per St. 0 Pf., 2 St. 1113 Pf., Käse pr. St. 58 Pf., Tauben pr. Paar Mk. 0,00 0,00, Hühner pr. Stück Mk. 1,00 1,20, Hahnen pr. Stück Mk. 1.201,50, Enten Mk. 1.702.00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 6268 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch per Pfund 50 bis 56 Pf., Schweinefleisch pr. Pfund 6070 Pf., Kalbfleisch pr. Pfund 5056 Pf., Hammelfleisch per Pfund 40 bis 60 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo 4,00 5,00 Mark. Weißkraut pr. St. 410 Pfg., Zwiebel pr. Ctr. M. 10,00- 10,50.

Für das bedürftige ältere Mädchen gingen weiter ein: von S. 3 M., E. Hanstein sen. 1 M., G. E. Hanstein 1 M., D. 1 M. Um weitere Gaben bittet Die Redaction.

Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus.

Dienstag den 20.: Die Willis. Cavalleria rusticana. Gewöhnliche Preise.

Mittwoch den 21.: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Verwunschene Schloß.

Donnerstag den 22.: Figaro's Hochzeit. Gew. Pr.

Freitag den 23.: Geschlossen.

Samstag den 24.: ae Große Preise.

Sonntag den 25. Nachmittags 3 Uhr: Orpheus. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Lucrezia Borgia. Das Versprechen hinterm Herd. Große Preise.

Montag den 26.: Concert zum Besten der Orchester⸗ Pensionskasse und der Wittwen- und Waisenkasse des Orchesters. Concert-Preise.

Schauspielhaus.

Dienstag den 20.: Gastspiel von Fr. Haase. Die beiden Klingsberge. Vorher: Im Vorzimmer seiner Excellenz. Große Preise.

Mittwoch den 21.: Die Karlsschüler. Gew. Preise.

Donnerstag den 22.: Gastspiel von Fr. Haase. Be⸗ kehrung. Ein unbarmherziger Freund. Ein feiner Diplomat. Eine Parthie Piquek. Große Preise.

Freitag den 23.: Vorletztes Gastspiel von Fr. Haase. Emilia Galotti. Große Preise.

Samstag den 24.: Der Veilchenfresser Gew. Preise.

Sonntag den 25.: Nachmittags Uhr: Ungläubige Thomas. Kleine Preise. Abends 7 Uhr. Ab. schiedsvorstellung von Fr. Haase. Die Schwestern. Große Preise.

Witterung im Januar 1894 in Friedberg, beobachtet von H. Trapp. Monatsmittel, berechnet aus dem täglichen höchsten und

niedrigsten Stand 1,60 o KR. 8 Stand(am 20. Jan.) 6,2 o R. Niedrigster Stand(am 5. Jan.) 15,0 e K. Meßbarer Niederschlag an 10 Tagen 31,15 mw.

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Geld- Cours. Frankfurt am 18. Febr. 1894.

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