Ausgabe 
19.5.1894
 
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Ministerpräsident Wekerle erklärt, dem ab lehnenden Beschluß des Oberhauses gegenüber verharre die Regierung auf ihrem ursprüng⸗ lichen Standpunkt; sie sei überzeugt, die Ehe⸗ rechtsvorlage entspreche dem Wunsche der, öffentlichen Meinung. Der Ministerpräsident beantragt, das Oberhaus-Nuntium mit Um⸗ gehung der Ausschußberathung auf die morgige Tagesordnung zu setzen. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen und die Sitzung darauf geschlossen. 17. Mai. Vor Eintritt in die Tagesordnung weist der Minister des Innern, Hieronimi, nochmals die Insinuation zurück, daß die Regierung hinter dem neuen Zeitungs verlagsunternehmen stehe.(Es handelt sich um den Ankauf mehrerer Blätter, darunter auch oppositioneller, durch ein Konsortium.) Nachdem Hermann in Interesse der Würde des Parlaments gebeten, über die Angelegen heit, welche nicht vor das Parlement gehöre, zur Tagesordnung überzugehen, beginnt die Berathung des Oberhaus-Nuntiums bezüglich der Civilehevorlage. r. Wekerle führt aus, die Frage der Regelung des Eherechts sei spruchreif. Das Oberhaus habe keine ent gegengesetzte konkrete Meinung ausgesprochen, sondern hinsichtlich des Prinzips einfach das Gebiet der Negation betreten. Die Argumente des Oberhauses seien jedoch nicht derart, daß die Regierung in der Aufrechterhaltung ihres früheren Standpunktes schwankend werde; die Regierung halte denselben strikt fest und unter breite dem Hause folgenden Beschlußantrag: Das Abgeordnetenhaus hält an dem hinsicht lich des Eherechts angenommenen Gesetzent wurf fest und sendet denselben an das Ober haus zurück mit der Aufforderung, ihn neuer dings in Erwägung zu ziehen und annehmen zu wollen.

Belgien. Brüssel, 17. Mai. Die Lüt⸗ ticher Polizei besitzt nunmehr das vollständige Material des Lütticher Anarchisten-Complots. Dieses wurde durch den angeblich russischen Baron Sternberg angestiftet, der Geld und Bomben lieferte. Zwei Lütticher Studenten aus guter bürgerlicher Familie sind als Mit schuldige verhaftet worden; sie bestätigen die Aussagen Müllers über die Rolle des Russen. Letzterer ist verschwunden und soll nach London, geflüchtet sein.

Lüttich, 16. Mai. Der Anarchist Müller legte ein umfassendes Geständniß ab bezüglich der Attentate in der Kirche Saint Jacques und in der Rue de la Paix und nannte seine Mitschuldigen.

Frankreich. Roubaix, 17. Mai. Gestern Abend fand ein blutiger Zusammenstoß zwischen der Polizei und Anarchisten statt, letztere durch zogen die Straßen und riefen: Nieder mit Frankreich. Es lebe die Internationale! Mehrere Manifestanten wurden verwundet, 6 verhaftet.

Großbritannien. London, 16. Mai. Die Droschenkutscher beschlossen in einer vorige Nacht abgehaltenen Versammlung, heute zu striken. Die anglikanischen Erzbischöfe und Bischöfe haben ein Manifest erlassen, in welchem sie gegen die Regierungsvorlage, betreffend die Entstaatlichung der Kirche in Wales und die Verweltlichung der Kirchengüter protestiren.

Edinburg, 15. Mai. Das deutsche Ge schwader unter dem Befehl des Prinzen Hein rich ist heute in See gegangen und nach Bergen abgefahren. Die zweite Division wird am 18. d. M. im Firth of Forth erwartet.

Italien. Rom, 15. Mai. Bei Beginn der heutigen Sitzung der Kammer wurde die Abstimmung über den beantragten Abstrich von 50,000 Lire beim ersten Kapitel des Militär- Etats wiederholt. Dafür stimmten 149, da⸗ gegen 113, 2 enthielten sich der Abstimmung. Die Majorität des Kabinets betrug also nur noch 36. Darauf beschließt die Kammer ohne wesentliche Debatte, die Berathung der Finanz vorlagen erst nach Erledigung des Militäretats

der Ansicht, der Verstorbene sei das Opfer eines Ver⸗

zu beginnen und die übrigen Etats gleichzeitig; in Vormittagssitzungen, die dreimal 1 1

lich gehalten werden sollen, zu berathen. Aus Stadt nud Land.

p. Friedberg. Wie angezeigt ist am zweiten Feiertag der Fußball⸗Club von Hanau hierher gekommen und hat einen Wettkampf zwischen seiner ersten und zweiten Mannschaft ausgefochten, wobei die erste Mann⸗ schaft mit einem Ziel siegte. Auch spielte Hanau gegen Friedberg und gelang es nach langem Kampfe den Hanauer Stürmern ein Ziel zu treten, das jedoch wegen eines Fehlers ungültig wurde. Die Friedberger Mann⸗ schaft dürfte sich nach einiger Uebung bald zu recht guten Spielern heranbilden.

Friedberg. Seitens der Eisenbahn⸗ Direktionen ist auch in diesem Jahre wieder eine Nachweisung über diejenigen festen Sommer- und Rundreisekarten heraus⸗ gegeben worden, welche durch Anschlußrückfahrkarten mit verlängerter Gültigkeitsdauer von den betreffenden Stationen aus nutzbar gemacht werden können. In der Nachweisung sind außerdem die Beförderungsbe⸗ dingungen für zusammenstellbare Fahrscheinhefte ent⸗ halten. Die Nachweisung kann bei der Redaktion nach⸗ gesehen werden und ist auch an den Schaltern zu

25 Pfg. zu haben. Sonntag den 20. ds. Mts.,

Groß ⸗Karben. Nachmittags Uhr, findet bei Gastwirth Fuhr dahier die Delegirtenversammlung des Bezirkskriegerverbandes Vilbel statt. Die Tagesordnung umfaßt: Begrüßung der Versammlung; Erstattung des Rechenschaftsberichts pro 1893, Referent: Lehrer Will von Rendel; Berath ung der zum Delegirtentag der Hassia in Mainz ge stellten Anträge; Wahl eines Delegirten und Ver⸗ schiedenes. Auch Nicht-Mitglieder sind willkommen, zahlreiches Erscheinen ist erwünscht.

Mainz, 16. Mai. Der seit 7. d. M. von hier spurlos verschwundene Postschaffner Joh. Adam Sauer wurde gestern Abend bei Schierstein geländet. Die Füße des Mannes waren zusammengebunden und mit einem Steine beschwert. Die Familienangehörigen sind

brechens geworden. Bei der Leiche waren die Uhr und eine Börse mit 16 M. noch vorhanden, während der Verstorbene an dem betreffenden Tage circa 150 M. eingenommen hatte. Er hatte Nachts 12 Uhr eine seiner Wohnung benachbarte Wirthschaft verlassen. Er ging nüchtern, gesund und guter Dinge weg, in der Begleitung eines bei ihm wohnendenPrivatmannes, dessen Frau ein öffentliches Haus leitet. Mit letzterem wurde er noch an seiner Hausthüre stehend gesehen.

Kastel, 15. Mai. Heute Morgen hat sich der Militärposten vom 117. Infanterie-Regiment am Wies⸗ badener Thor erschossen.

Allerlei.

Königstein, i. T. Seit Freitag den 11. Mai wird ein Herr, welcher hier wegen eines Nerven leidens mäßigen Grades als Kurgast weilte, ver mißt. Wie es scheint, ist ihm bei seinem Morgen spaziergange im nahen Walde ein Unglück zugestoßen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß er, getrieben von innerer Unruhe, sich weiter entfernt und vielleicht in einem Anfalle von Geistesstörung irgendwo Hand an sich gelegt hat. Bis jetzt fehlt jede Spur von ihm. Der Herr war 54 Jahre alt, von mittlerer Größe, kräftig gebaut, hatte schwarzes Haar und großen dunklen Vollbart, an der Stirne hatte er eine lange Narbe. Er trug einen schwarzen Sackrock, graugestreifte Beinkleider und einen graugelblichen Filzhut. Auf seine Entdeckung ist ein Preis ausgesetzt.

Koblenz, 16. Mai. Im benachbarten Weinorte Winningen an der Mosel wüthet seit 7 Uhr gestern Abend Großfeuer. Pioniere wurden von hier zur Hilfe erbeten.

Godesberg, 15. Mai. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag ist hier ein an der Plittersdorfer straße alleinwohnender Herr, der Rentner Petry, er mordet worden. Am Sonntag Morgen fand man die Leiche, graßlich zugerichtet, vor. Der Thäter hatte mit einem Beile mehrere wuchtige Hiebe auf den Kopf seines Opfers geführt und Gesicht und Schädel entzweige schlagen, wobei dem Getödteten auch die Finger der zum Schutze erhobenen Hand abgehauen wurden. Das zurückgelassene Beil führte zur Entdeckung des Thäters, des in einem benachbarten Hause wohnenden Gärtner⸗ burschen Lethen aus Mechernich.

Düren, 15. Mai. Der gestrige Abend und die

letzte Nacht haben unserer Stadt und Umgegend zum nicht geringen Schrecken ihrer Bewohner mehrere Erd-

erschütterungen gebracht. Der erste Stoß erfolgte gestern Abend gegen ½7 Uhr. Stärker als dieser war der zweite, der um 8 Uhr Abends hier und im nördlichen Theile unseres Kreises beobachtet wurde. Er verlief in horizontaler Richtung von Norden nach Süden, war von einem kurzen Brausen begleitet und machte die Häuser erzittern und die Fenster erklirren. Eine dritte, aus zwei sekundenlangen Stößen bestehende Erschütte⸗ rung trat heute früh 3 Uhr 47 Min. ein.

Kempten. Das hiesige T. und A.⸗Bl. will von einem kugelsicheren Panzer wissen, den Schneidermeister Epple rstellt. Der Erfolg eines Probeschießens wa f Ein Bataillonsbüchsenmacher gab un e auf den Panzer ab, wobei die Gescho

ezu zerstäubten. Die unversehrte Rück⸗

Innern b 8, daß die Kugeln nicht durchzudringen

se

vermochten.

gegen 300 Personen getödtet sein.

Ställe

Breslau, 14. Mai. Provinz Schlesien heimgesucht. Der Blitz erschlug mehrere Leute, andere sind schwer verletzt.

Beuthen in Oberschlesien. Hier ermordete der Bergmann Sichalla in der Trunkenheit seine Ehefrau und verscharrte die Leiche. Der Mörder und sein mit⸗ betheiligter Bruder wurden verhastet.

Wien, 14. Mai. Gestern Abend Uhr ist, wie dieN. Fr. Pr. berichtet, der nach 9 Uhr von Wien abgegangene Berliner Schnellzug zwischen Spillern und Stockerau auf offener Strecke entgleist. Ursache der Entgleisung war, wie festgestellt wurde, der Angriff eines wüthenden Ochsen, welcher Montag aus dem St. Marxer Schlachthause entlaufen war, sich seit diesem Tage in den Donau-Auen aufhielt und bis hierher gelangte, ohne daß man des Thieres, trotz verschiedener Verfolgungen, habhaft werden konnte.

Wien, 17. Mai. Unter dem Vorsitze des Bürger meisters Grübl fand gestern anläßlich des 25 jährig en Bestehens des Volksschulgesetzes ein von ca. 3000 Per- sonen besuchtes Jubilaumsfest statt. Es sprachen mehrere Abgeordnete, Gemeinderäthe und Lehrer. Alle feierten die moderne Schule, die einen festen Zusammenhalt wider die reaktionären Feinde verbürge; doch wurde wiederholt mit Rücksicht auf die Koalition betont, daß die Feierlichkeit keine aggressiven Tendenzen habe.

Prag, 15. Mai. In der Stadtrathssitzung wurde ein Erlaß des Statthalters verlesen, wonach die ohne Erlaubniß der Statthalterei begonnene Umwandlung der doppelsprachigen Straßentafeln in czechische zu sistiren sei. In Folge dessen kam es in den Abendstunden zu Straßentumulten.

Paris. Nach Meldungen aus Perpignan wurde in Estagel ein italienischer Arbeiter von mehreren Burschen nach einem Wortstreit durch Steinwürfe lebens⸗ gefährlich verwundet. Ein zweiter Italiener eilte seinem Landsmann zu Hilfe, verwundete drei Franzosen schwer mit Messerstichen, wurde aber selbst mit Knütteln und durch Messerstiche schwer verletzt. Die Gensdarmerie soll sich geweigert haben, einzuschreiten.

New⸗York, 16. Mai. Nach einer Depesche aus Salvador, via Panama, sollen bei einer Zugentgleisung Unter den Reisenden befand sich der Präsident Ezeta; er blieb unverletzt.

New⸗ Pork, 17. Mai. In der 67. und 71. Straße ist eine großere Anzahl Wohnhäuser, Werkstätten und niedergebrannt. Eine Lokomotive und 150 Waggons sind ebenfalls verbrannt, wobei 50 Pferde

umkamen.

Washington, 17. Mai. In West⸗Wisconsin sind große Ueberschwemmungen eingetreten, in Folge deren Häuser, Mühlen und Brücken durch die Fluthen weg⸗ gerissen worden sind.

Boston, 16. Mai. Gestern brach im Southend⸗

Viertel eine große Feuersbrunst aus, welche sich mit

furchtbarer Schnelligkeit ausbreitete. Die Löschmann⸗ schaft mußte mehrere Feuerspritzen unter brennenden Trümmern verlassen. Fünshundert Familien sind ob⸗ dachlos.

Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. Samstag, 19. Mai. Stadtkirche, Nachmittags 2 Uhr Vorbereitungspredigt und Beichte Trinitatisfest. Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Velte. Gottesdienst in der Stadtlirche. Vormittags 9½ʒ Uhr: Herr Pfarrer Velte. Confirmation der Mädchen und Abendmahl.

Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Meyer.

Katholische Gemeinde. Samstag Nachmittag von 4 Uhr an Beicht. Sonntag Morgen 6 Uhr Beicht; um 7 Uhr wird die heil. Communion ausgetheilt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Christenlehre und Andacht.

Saalbau. Gastspiel des Kurtheater-Ensembles von Bad⸗Nauheim. Wie angezeigt, soll dasselbe als Ver⸗ such gelten, dem bei genügender Betheiligung noch mehrere Aufführungen folgen können. Die gewählte OperetteDer Bettelstudent gibt Gelegenheit, alle Krafte des Bad- Nauheimer Theaters ins Treffen zu führen. Die Gesellschaft, etwa 30 Personen stark, zählt vorzugliche Sangeskrafte und tüchtige Komiker unter sich. Es kann daher mit Gewißheit ein ganz außerordentlich genußreicher Abend versichert werden und bleibt nur zu wünschen, daß am Sonntag Abend der Saalbau eine zahlreiche Hörerschaar versammelt sieht, damit wir auch die weiter in Aussicht gestellten Operetten: Don Cesar, Fledermaus,Lustiger Krieg und Gasparone zu sehen und zu hören bekommen. 225g

Herr Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz in Cöln

hat uns den Debit des

allein ächten Cölnischen Wassers

übertragen und empfehlen dasselbe per Glas zu M. 1.75, Ii Dutzed, Dutzend 17..

Die Exped. des Oberh. Anzeigers.

Schwere Gewitter haben die

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