Ausgabe 
10.3.1894
 
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des Ersten in Pflichten genommen.

Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.

Franz Wilhelm Brotzler von Ober-Wöllstadt wurde als Wiegemeister und Martin Burkhard Veith von dorten als Stellvertreter

Philipp Wall von Holzhausen v. d. H. wurde zum Feldgeschworenen für die Gemeinde Holzhausen ernannt und als solcher verpflichtet.

Zu Feldgeschwornen wurden ernannt und verpflichtet.

1. Philipp Decher von Staden für diese Gemeinde; 2. Heinrich Schneider von

Kirch⸗Göns für diese Gemeinde; 3. Joh. Wilh. Moscherosch, 4. Joh. Jak. Heß, 5. Karl Volz, sämmtlich von Burg⸗Gräfenrode für die

Gemeinde Burg-Gräfenrode.

Deutsches Reich. Darmstadt. Die zweite Kammer tritt am 13. März wieder zusammen. 125 Postpersonal nachrichten. Der Postassistent Sturmfels wurde zum Postverwalter ernannt, der Post⸗ sekretär Rink von Sigmaringen nach Mainz versetzt. Berlin, 8. März. Der Bundesrath stimmte dem Gesetzentwurf betr. die Verlänge rung des bestehenden Handelsprovisoriums zwischen dem Reich und Spanien zu. g Berlin, 7. März. Reichstag. Gesetz über Auf⸗ hebung des Identitätsnachweises. Reichsschatzsekretär v. Posadowski weist in seiner Begründung auf die Nothlage der Landwirtschaft hin, die Vorlage solle mit dazu dienen, wenigstens einem Theile der Landwirth⸗ schaft bessere Preise zu verschaffen. Buol spricht sich für die Vorlage aus, die in Verbindung mit Aufhebung der Staffeltarife die Landwirthschaft mit dem russischen Handelsvertrage aussöhne. Puttkamer-Plauth ver⸗ sichert, daß die Mehrheit der Konservativen der Vorlage zustimme, dagegen bedauern müsse, daß die Staffeltarife aufgehoben werden sollen. Schippebh erklärt sich gegen die Vorlage, die Rickert lebhaft befürwortet und vor der dritten Lesung des rusischen Vertrages erledigt wissen möchte. Richter wendet sich gegen die Vorlage, weil sie nur den Standpunkt der Produzenten und des Handels des Ostens vertrete, die Interessen der Kon⸗ sumenten aber außer Acht lasse. Der Finanzminister tritt diesen Ausführungen entgegen. Nachdem noch Bassermann und Meyer(Fanzig) die Vorlage be füwortet haben, wird die Diskussion geschlossen und die Vornahme der zweiten Lesung im Plenum beschlossen. 8. März. Beim Kapitel: Marinekabinet bringt Singer den Unfall auf derBrandenburg zur Sprache doch verzichtet das Haus auf eine eingehende Debatte, nachdem Staatssekretär Hollmann betont hat, daß man den Verlauf der eingeleiteten Untersuchung ab warten möge. Im Uebrigen wird das Ordinarium bis auf wenige Titel, die ausgesetzt werden, nach den Be⸗ schlüssen der Kommission erledigt. Die Kommission nahm den russischen Vertrag mit 16 gegen 12 Stimmen an. Koscielski erklärte, wegen der Aufhebung der Staffeltarife sei seine Abstimmung nicht als bindend für die polnische Fraktion aufzufassen. 5 Gouverneur Zimmerer telegraphirt aus Kamerun, 6. März: Der Rest der Dahomees, zwanzig Mann mit Gewehren und Munition,

hat sich mir freiwillig gestellt.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Budapest, 7. März. Der volkswirthschaftliche Ausschuß des Abge ordnetenhauses nahm den Gesetzentwurf an be treffend die provisorische Regelung der Handels beziehungen mit Rußland, nachdem der Handels minister hervorgehoben hatte, daß dadurch die endgiltige Entscheidung der gesetzgebenden Körper schaften in keiner Weise beeinflußt würde.

Berichtigung. In dem Artikel datirt vom 5. März in voriger Nummer des An zeigers muß es selbstverständlichReligionsfrei heit und nicht Regierungsfreiheit heißen.

Norwegen. Stockholm, 7. März. Die Kammer lehnte mit 137 gegen 62 Stimmen verschiedene Anträge betreffend die Erhöhung des Getreidezolles, ab.

Serbien. Belgrad, 8. März. Der deutsche Gesandte von Wacker begibt sich heute mit kurzem Urlaub nach Berlin. Derselbe wurde gestern vom Könige Alexander in fast ein stündiger Audienz empfangen.

Bulgarien. Sofia, 7. März. Professor Neußer von Wien ist abermals an das Kranken bett der Fürstin von Bulgarien berufen worden. Wie verlautet, begibt sich die Fürstin Marie Louise zur Herstellung ihrer Gesundheit ins Ausland, da ihr Fieberzustand eine Luftver änderung erfordert. Die Fürstin soll nach einer Darstellung an Malaria, nach einer anderen an einer örtlichen Entzündung leiden.

Amerika. New⸗Jork, 7. März. Bei den gestrigen lokalen Wahlen im Staate New York haben die Republikaner im allgemeinen mit großen Mehrheiten gesiegt.

zustand ist bis zum Mai verlängert worden. Das Insurgentengeschwader verhält sich ruhig. Das gelbe Fieber nimmt zu.

Afrika. Kapstadt, 3. März. Dawson ist aus dem Lager Lobengula's zurückgekehrt und bestätigt den Tod des Königs. Er fand auch die Ueberreste von Kapitän Wilson's Schaar und beerdigte dieselben.

Aus Stadt und Land.

2 Friedberg. Einsender macht schon heute die Mitglieder derEvang. Vereinigung darauf aufmerk⸗ sam, daß am nächsten Dienstag den 13. März, Abends 8 Uhr, im Schmitt'schen Gartensaale die diesjährige Generalversammlung der genannten Vereinigung statt⸗ finden wird, zu der auch die Frauen und Jungfrauen derselben freundlich eingeladen sind. Außer der Ver lesung des Rechenschaftsberichtes wird ein Vortrag statt finden, den Pfarrer Lehr von Groß-Eichen überLuther's häusliches Leben in dankenswerther Weise halten wird. An Bericht und Vortrag wird sich eine hoffentlich recht schön ausfallende gesellig-musikalische Unterhaltung an⸗ schließen, für die schon Herren und Damen ihre gütige Mitwirkung zugesagt haben. Auch nicht der Vereinig⸗ ung angehörige Evangelische sind als Gäste willkommen. Annonce folgt.

». Friedberg. In der Suppenküche wurden vom 2. Jan. bis zum Schlusse, dem 6. März 5213 ½ Liter Suppe verabreicht, d. i. im Durchschnitt täglich 81½ Liter. Die Einnahme für verkaufte Suppe betrug ein⸗ schließlich der Ueberzahlungen und Zuschüsse 25.50 M. Ferner kamen zur Vertheilung 876 Pfd. Brod, 60 Tüten Kaffee, 60 Packete Cichorie und 72 Stück Würstchen.

J Bad⸗Nauheim, 6. März. Gestern feierte Geh. Medizinalrath 17. Fr. Bode J. dahier das seltene Fest seines diamantenen Doktorjubiläums. Schon um 10 Uhr fanden sich die ersten Gratulanten ein: Beamten, Aerzte und Bürger erschienen zahlreich, um dem allver ehrten Manne an seinem Jubeltage persönlich ihre Glückwünsche darzubringen; eine Menge Blumenspenden von nah und fern, sowie über 100 Gratulationsbriefe und Telegramme gaben einen wiederholten Beweis von der allgemeinen Verehrung und Anerkennung, die man dem Jubilar von allen Seiten entgegenbringt. Die medizinische Fakultät der Universität Marburg, welche vor 60 Jahren dem Jubilar die medizinische Doktor würde verliehen und sie vor 10 Jahren erneuert hatte, sandte ein sehr anerkennendes Gratulationsschreiben, das Corps Teutonia derselben Hochschule sandte per Draht seine Glückwünsche. Um 5 Uhr des Nachmittags holte eine Deputation den Jubilar in Sprengels Park- hotel ab, woselbst von dem Wetterauer Aerzte-Verein seinem ältesten Mitgliede und Ehrenpräsidenten ein Fest⸗ essen arrangirt worden war. Beim Eintritt ins Fest⸗ lokal richtete der Präsident des Vereins, Medizinalrath Ur. Lorenz von Friedberg, eine kurze, aber von Herzen kommende Ansprache an den Festgast, und überreichte ihm zum Schlusse ein kalligraphisch ausgestattetes Ge- denkblatt. Der also Geehrte dankte sichtlich gerührt. Ein fröhlicher Schmauß hielt die in ihrer Zahl fast vollständig erschienenen Mitglieder des Vereins bis zur späten Stunde vereint, einer Feier, welcher auch der von schwerer Krankheit wiedergenesene Sohn des Jubi⸗ lars beizuwohnen in der Lage war. Bei seiner Heim- kehr harrte des Jubeldoktors eine weitere Ueberrasch⸗ ung, der Gesang-VereinFrohsinn brachte ihm ein Ständchen, ein neuer Beweis, wie die hiesige Bürger schaft einen Mann ehrt, der um Stadt und Bad sich ewig unvergeßliche Verdienste erworben hat. Möge dem verehrten jetzt 83jährigen Greise noch ein langer und heiterer Lebensabend beschieden sein!

Gießen. Schwurgericht. Am 6. März wurde die Strafsache gegen den Schäfer H. Fischbach von Meiches, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg, verhandelt. Die Geschworenen konnten sich von der Schuld des Angeklagten nicht überzeugen und verneinten die Schuldfragen, worauf die Freisprechung des Ange klagten erfolgte. 7. März. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen H. Hor. von Gelnhaar, wegen Meineids. Nachdem die Geschworenen die Schuldfrage bejaht hatten, erfolgte die Verurtheilung des Angeklagten in eine Zuchthausstrafe von vier Jahren und sechs Monaten nebst Kosten und Nebenstrafen.

Gießen, 8. März. Gestern Abend gegen 8 Uhr brannten in dem benachbarten Heuchelheim zwei Scheuern nieder. Die Entstehungsursache des Feuers ist 5

Bensheim, 7. Marz. Ein gräßliches Unglück er⸗ eignete sich letzte Nacht kurz nach 11 Uhr auf dem hie⸗ sigen Main-Neckarbahnhof, als der von Heidelberg kommende Güterzug Nr. 342 die Station verlassen wollte. Der Bremser Nägele aus Handschuhsheim glitt beim Aufspringen auf seinen Bremswagen des bereits schon rasch fahrenden Zuges ab, fiel zwischen die Wagen und wurde bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Der Verunglückte hinterläßt eine kranke Frau mit 2 un⸗

Rio de Janeiro, 7. März. Der Belagerungs

mündigen Kindern.

Worms. DieW. Ztg. erfährt von gut unter⸗ richteter Seite, die Verhandlungen zwischen der Regie⸗ rung und der Ludwigsbahn wegen Erbauung einer Eisenbahnbrücke und Neubau des Bahnhofes in Worms hätten zu einer Einigung geführt. Die Frage der Kon⸗ zesstonsverlängerung sei dabei unberücksichtigt geblieben.

Worms, 7. März. Gestern Abend wurde der Mörder des Händlers H. Schreiber aus Heppen⸗ heim a. d. W. durch zwei berittene Gendarmen in das hiesige Gefängniß eingeliefert. Es ist der 19 Jahre alte Küferbursche Franz Rohrbacher aus Bleichweiler. Als muthmaßlich Betheiligter an dem Raubmorde wurde auch der 18 Jahre alte Knecht Kleila aus Flonheim verhaftet.

Allerlei.

Wiesbaden, 7. März. In Biebrich stürzten sich gestern Abend zwei schwarzgekleidete Mädchen die sich zusammengebunden hatten, von der Dampferlandungs⸗ brücke in den Rhein. Im Wasser begannen sie um Hilfe zu rufen, konnten aber bei der Dunkelheit nicht mehr gerettet werden. Es hat sich herausgestellt, daß die ertrunkenen Mädchen aus Wiesbaden sind; eine die Tochter eines Bäckers, die andere die Tochter eines Schutzmanns.

Schwanheim. Die mysteriöse Geschichte von dem Zopfmarder ist aufgedeckt. Die nächtlichen Besuche eines Mannes in den Schlafzimmern, um daselbst den schlafen⸗ den Mädchen die Haare abzuschneiden, waren fingirt. Die betreffenden Mädchen hatten die Geschichte erfunden, um ohne gescholten zu werden, zu einem hübschen Buben kopf zu kommen.

Kaiserslautern, 7. März. Der Personenzug Nr. 22 entgleiste gestern Abend nach 11 Uhr diesseits des Hochspeyerer Tunnels. Es wurde lediglich Schaden an Material verursacht.

Würzburg, 6. März. Das Schwurgericht ver⸗ urtheilte den Metzger Walter, der seiner Schwester in mörderischer Absicht einen mit Arsenik gefüllten Kuchen geschickt hatte, zu 7 Jahren Zuchthaus.

Hildburghausen. DieTägl. Nachr. melden: Sicherem Vernehmen nach hat der Kirchen-Vorstand unserer Stadtgemeinde in seiner letzten Sitzung be schlossen, künftighin bei Trauungen in der Stadtkirche von jedem Schaulustigen eine Abgabe von 10 Pf. zu erheben.

Luxemburg, 7. März. Außf der Eisenbahnstrecke Luxemburg⸗Nancy wurde der Nancyer Gutsbesitzer Moreau in einem Coups 1. Klasse ermordet aufgefunden. Die Geldtasche des Ermordeten war leer, so daß ein Raubmord vermuthet wird.

Wer das Elend eines zur Winterzeit aus dem Gefängniß Entlassenen auch nur annähernd zu ermessen weiß, wird es verstehen, wenn zu den vielen öffentlichen Bitten im Winter auch diejenige sich gesellt: Helft der Noth jener Unglücklichen, soweit ihr könnt, mit steuern! Hat die eisen⸗ beschlagene Thür sich hinter dem Entlassenen geschlossen, so geht für ihn meist der Jammer erst recht an. Fast immer steht er arbeitslos, mittellos und darum rath- und hülflos da. Das Vorurtheil der Leute ist so groß, die Geschäftslage so gedrückt, Jedermann schränkt sich auf das Aeußerste ein. Wenn es schon dem unbescholtenen Arbeiter, der ehrlichen Armuth nicht immer möglich ist, sich zureichenden Ver dienst zu verschaffen, um wie viel mehr gilt das von dem entlassenen Sträfling, auch wenn er den allerbesten Willen hat. Nun ist er der Freiheit wiedergegeben, die er mit so heißer Sehnsucht herbeigewünscht hat, aber überall sieht er sich abgewiesen, geächtet, gebrandmarkt. Die dürftige Kleidung reicht nicht aus für die schneidende Winterkälte, die wenigen Groschen, die er sich durch Gelegenheitsarbeit verdient, sind bald ausgegeben; vielleicht schreien die Kinder nach Brod, und er hat nur ein trauriges Achselzucken für sie. Wer hilft diesem Aermsten in der Winterzeit? Es bedarf hierzu der Mit⸗ hilfe weitester Kreise. Deshalb ergeht an alle, welche ein Herz für die Noth der Entlassenen haben, die herzliche Bitte, durch Darbietun und Arbeitsgelegenheit das schwierige und. so nöthige Werk dieser Fürsorge zu unterstützen. Er helfe aber auch den bestehenden Vereinen zur Pflege entlassener Strafgefangener durch

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