den können, welche der bürgerlichen Gesellschaft[ Ehren der russischen Gäste fand heute Nach⸗
und damit der gesammten staatlichen Ordnung seitens der bisher politisch rechtlosen Volks— elemente drohen. Die Regierung muß, obwohl von drei großen Clubs gegen die Regierung und die Vorlage Widerspruch erhoben wurde, an dem leitenden Grundgedanken festhalten; sie spricht jedoch gleichzeitig die Ueberzeugung aus, daß eine prinzipielle Einigung über die von der Regierung beantragte Erweiterung des Wahlrechtes, vorausgesetzt selbst bei der Scho— nung der bestehenden politischen Besitzverhält— nisse, gelingen und man unter Mitwirkung des Hauses den Weg zu dem von der Regierung bezeichneten Ziele finden werde.“
— 24. Oct. Abgeordnetenhaus. Unter allgemeiner Bewegung ergreift Graf Hohenwart das Wort: Er mißbilligt die überraschend: Einbringung der Vorlage und erklärt dieselbe
für unannehmbar. Auch die gestrige Erklärung
des Ministerpräsidenten habe nichts daran zu ändern vermocht. Graf Stadnicki sagte: Unter Dunajewski wäre eine solche Wahlreformvor— lage unmöglich gewesen. Das flottante Ele— ment werde hereingezogen und es sei eine Anarchie in Galizien zu befürchten. Es solle eine Verschiebung eintreten zu Gunsten der unteren Schichten, welche Brod ohne Arbeit haben wollen und keinen Sinn haben für die idealen Güter der Menschheit, für die Landes— und Staatsgrenzen, und bei denen Vaterland, Ehre und Patriotismus Worte ohne Bedeutung seien.
Budapest. Der„Magyar Cisag“ erfährt, daß der deutsche Kaiser im nächsten Jahre mit Caprivi und Schlieffen Budapest besuchen wolle.
Norwegen. Christiania, 16. Okt. Das schwedische Königspaar ist hier eingetroffen und sehr freundlich empfangen worden.
Belgien. Brüssel, 24. Okt. Nachrichten aus dem Kongostaat melden, daß Kommandant Pothier die letzte Festung der Araber, Kirundu, welche von der Kibonge vertheidigt wurde, er— oberte. Die Eroberung eröffnet dem Kongo— staat ausgedehnte Länderstriche an der östlichen Grenze.
Frankreich. Paris, 22. Oktbr. Das Leichenbegängniß Mac Mahon's fand unter glänzender militärischer Prachtenfaltung bei enormem Menschenandrang statt. Dem mit 6 Pferden bespannten Leichenwagen folgten zwei Wagen mit Kränzen, gesandt von der russischen Flotte, dem König von Italien, der italienischen Botschaft, den Städten Mailand und Magenta, der Königin von England, dem Prinzen von Wales u. s. w. Der Kranz des Deutschen Kaisers besteht aus Veilchen und weißen Kamellien. Weitere Kränze stammen von der französischen Armee, der Pariser italienischen Kolonie, mehreren elsaß-lothringischen Vereinen und zahlreichen anderen Spendern. Nach dem Vorbeimarsch der Truppen vor dem Thor des Invalidendomes, wobei die Mitglieder des diplomatischen Corps und die russischen Offi— ziere rechts und links vom Sarge Aufstellung genommen hatten, wurde der Sarg wieder in die Kirche getragen, um in dem für die Mar— schälle bestimmten Gewölbe beigesetzt zu werden.
— 22. Okt. Heute frühstückten die Russen im Kriegsministerium. Die russischen Offiziere fuhren dann durch ein von Turn- und Gesang— vereinen gebildetes Spalier nach der Maschinen— halle, wo nach dem Eintreffen Carnot's und der Minister ein militärisches Caroussel statt— fand, das von Offizieren und Unteroffizieren aller Cavallerie-Gattungen brillant geritten wurde. Es gab große Ovationen für Carnot und die Russen. Vor der Ankunft in der Maschinenhalle hatten die Russen einen kurzen Halt in der Eeole militaire gemacht. Alle Offiziere der Garnison waren im Kreise ver— sammelt. Nach einer am Schluß des Bankets vom Opernballet gegebenen Vorstellung wurde ein glänzendes Feuerwerk vor dem Trocadero abgebrannt, das die russischen Offiziere vom Eiffelthum aus ansahen.— 23. Okt. Zu
mittag ein nautisches Fest auf der Seine statt. Es defilirten 27 Pachten und 174 Boote. Abends war Subscriptionsessen von 4000 Couverts in der Maschinenhalle, dem mehrere Minister, Generale und viele Ehrengäste beiwohnten.— 24. Okt. Nachts bei der Abschieds⸗Soirée im Cercle militaire toastirte General Saussier. Er hoffe, die Gäste würden die Erinnerung an Frankreich bewahren, wie ihre Pariser Freunde die Erinnerung an sie als kostbares Andenken konserviren würden. Die große Entfernung, die beide jetzt trennen werde, werde keineswegs die Bande lockern, die sie vereinen. Avellan dankte für die unvergeßlichen Beweise der Sympathie. An jedem Tage unseres Lebens, sagte er, werden wir stolz darauf sein, daß wir heute die Gesundheit der französischen Armee und der Marine haben ausbringen können. Das russische Fest am Schluß der Gala-Oper bildete den Abschluß der Pariser Festlichkeiten. Auf dem glänzend illuminirten Opernplatz erfolge sodann die Abfahrt. Jeder Wagen wurde von Kärassieren escortirt und durch elektrische Scheinwerfer besonders be— leuchtet. Die Volksmenge brachte auf dem
ganzen Wege zum Bahnhof den russischen Gästen
große Ovationen dar. Carnot geht am Frei⸗ tag nach Toulon. Eine öffiziöse Note theilt mit, die Reise erfolgte lediglich auf den Wunsch des Präsidenten, die russische Escadre zu be— suchen und die russische Flagge zu grüßen. Auf der Reise wird Carnot vom Konseilpräsi— denten, dem Minister des Aeußern, dem Marine— minister und dem französischen Botschafter in Petersburg begleitet.
Großbritannien. London. Die Kaiserin Friedrich wird am 23. November auf Schloß Windsor erwartet, wo sie wahrscheinlich bis zur Abreise der Königin Victoria nach Os— borne verbleiben wird, um sich dann als Gast des Prinzen und der Prinzessin von Wales nach Sandringham zu begeben.
Spanien. Madrid, 22. Oktober. Aus Melilla wird gemeldet, daß der spanische Kreuzer „Conde Venadito“ einige Schüsse auf die Ver— schanzungen der Kabylen abgegeben hat, und daß die Kabylen geflohen sind. Der Kreuzer landete hierauf 16 Kanonen.
— 24. Okt. Es verlautet, der Minister⸗ rath habe dem Feldzugsplan des Kriegsministers zugestimmt.
Italien. Rom, 23. Okt. Rudini richtete an seine Wähler ein Schreiben, worin er die Politik des gegenwärtigen Ministeriums leb— haft bekämpft, die Erhöhung der Erbschafts— steuer und der Progressiosteuer, sowie die Zoll— zahlung in Gold zurückweist und eine ehrliche Finanzpolitik für unmöglich erklärt, ohne auf das Programm zurückzukommen, den Staats- schulden ein Ende zu machen, gleichzeitig aber Ersparungen, sowie Erhöhungen der Einnahme durchzuführen. Es sei unbedingt nöthig, mehrere Zweige der Ausgaben, darunter die militärischen,
einzuschränken. Der von der öffentlichen Mei— nung gehegte Verdacht, daß der Dreibund
Italien militärische Lasten auferlege, welche zur Verwirrung der Finanzen beitrügen, müsse zerstreut werden. Es sei unmöglich, die Armee zu retten, wenn man nicht das Budget rette. Bündnisse sicherten den Frieden und verhinder— ten die Isolirung Italiens; sie seien für Italien eine unschätzbare Wohlthat.
Spezia, 23. Okt. Das englische Geschwa— der traf Vormittags 10½ Uhr ein und warf in der Nähe des Hafendammes Anker. Eine zahlreiche Volksmenge war an der Lan— dungsbrücke. Dampfer mit vielen Passagieren fuhren dem Geschwader entgegen. Admiral Seymour ging, nachdem er an Bord des„Lepanto“ den Besuch des Herzogs von Genua erwiedert hatte, um 4½ Uhr, begleitet von dem eng— lischen Schiffskommandanten, an Land und fuhr nach der Admiralität, von wo er nach seinem Schiffe zurückfuhr.
Amerika. New⸗York. Ueber Montevideo,
23. Okt., wird dem„Herald“ aus Rio de Janeiro gemeldet, daß Frederico Lovena, Kommandam eines aufständischen Schiffes, vom Admiral Mello im Hauptquartier zu Desterro zum provisorischen Präsidenten proklamirt worden ist.
Aus Stadt und Land.
2 Friedberg. Wir machen schon heute einstweilen darauf aufmerksam, daß vor der Lutherfeier am 10. Nov., noch eine Zusammenkunft der„Ev. Vereinigung“, dies⸗ mal in der„Herberge zur Heimath“ am 31. Oct. l. J. stattfindet. Gegenstand der Besprechung: Luthers 1695 Thesen gegen den Ablaß.
Friedberg. Im Anschluß an die Mittheilung aus Darmstadt, den Signalapparat des Prinzen Ludwig von Battenberg betreffend, dürfte es manchen Leser interessiren, zu erfahren, daß das erste Modell nach den Angaben des Prinzen in dem Atetier von Fr. Fuende⸗ ling hier ausgeführt wurde.
p. Friedberg, 24. Okt. Der heutige Pferdemarkt wurde beim besten Wetter abgehalten; derselbe fand diesmal unter veränderten Verhältnissen statt, indem er. ebenso wie der Darmstädter Pferdemarkt als Sektion des Pferdezuchtvereins für das Großherzogthum Hessen erklärt, unter Beihülfe desselben abgehalten wurde. Als Vertreter des Vorstandes war Rittmeister a. D. Frh. von Normann aus Darmstadt erschienen. Der Markt fand wie in früheren Jahren auf dem Kirchenplatz stat und waren der Prämiirungsplatz und der Marktplatz getrennt, jeder aboesperrt, von Ordnern in Aufsicht ge⸗ halten; namentlich war auf dem Marktplatz das Mustern verboten, welches außerhalb auf der Straße vorgenommen werden mußte. Die Besucher des Marktes fügten sich bereitwilligst in die Anordnungen, deren Zweckmäßigkeit allgemein anerkannt wurde. 1 5 Prämiirung wurden 45 selbstgezüchtete Fohlen von 39 oberhessischen und 6 preußischen Züchtern angemeldet. Es erhielten Preise von Seiten des Landespferdezuchtvereins: Schwind in Nieder⸗Wöllstadt für 2½jjähr. Stutfohlen 60 M.; der⸗ selbe für 1½jähr. Wallach 50 M.; K. Rühl III. in Ober⸗Mörlen für 1½j̃ähr. Stutfohlen 40 M.: G. Hahn in Burg⸗Gräfenrode für ½ jähr. Wallach 40 M.; L. Bopp in Reichelsheim für jähr. Wallach 30 M.; Joh. Kolmar 11. in Pohl⸗Göns für ½ jähr. Wallach 30 M.; Ph L. Bielmeyer in Rockenberg für jähr. Stutfohlen 20 M. Seitens der Stadt erhielten Prämien: K. Hockel in Oberstedten für Zjähr. Stutfohlen 40 M.; Fr. Koch a. d. Haselheck für 2½jähr. Stutfohlen 30 M.; Joh. Klaudi in Kraft⸗Solms für 1½jähr. Wallach 20 M.; Fr. Heimburg in Bönstadt für 1½jähr. Stutfohlen 15 M.; Bürgermeister Schultheis in Ober⸗Florstadt für 1 jähr. Stutfohlen 15 M.; C. Mohr(1. in Gambach für ½jähr. Wallach 15 M.; Fr. Engel in Lützellinden für jähr. Stutfohlen 10 M.; Fr. Schmidt in Assen⸗ heim für ½ jähr. Wallach 10 M.. Wegegeld, je 5 M. erhielten: Hahn in Bellersheim, Bieber in Laufdorf bei Wetzlar, Knorf in Weidenhausen bei Wetzlar. Als Preisrichter funktionirten: Kreis veterinärarzt May als Vorsitzender, C. Heimburg von Bönstadt, Ph. Keller IL. von Melbach, H. Reitz von Butzbach. Von den 500 M. Prämiirungsgeldern, die seitens des Landespferdezucht⸗ vereins dem hiesigen Pferdemarkt zur Verfügung gestellt waren, konnten also nur 270 M. vergeben werden, wo⸗ von ein einziger Züchter für 2 Fohlen 110 M. erhielt. Mögen diese hohen Prämien einen Ansporn bilden,
daß das nächstemal mehr Züchter in den Preis- Bewerb eintreten; sicher ist diesmal mancher aus Bequemlichkeit zu Hause geblieben. Die Sache
der Pferdezucht wird aber bei so geringem Interesse nicht gefördert. Sicher wird die Umgestaltung des hie⸗ sigen Pferdemarktes und die größere Aussicht auf gute Prämien hier anregend wirken können. Auf den ab⸗ gesteckten Marktplaz waren von Händlern 46 Pferde, von inländischen Züchtern 29 Mutterstuten u. 28 Fohlen, sowie 3 gedeckte Stuten gebracht. In den städtischen Pferdeställen waren Gebr. Lowenthal aus Friedberg mit 12 Pferden und 10 Stück 2jährigen Fohlen er⸗ schienen, J. Kaufmann aus Bockenheim mit 20 Fohlen, S. Kaufmann aus Bockenheim mit 5 Pferden. In den Stallungen von Walz befanden sich 6 Pferde von Kauf⸗ mann in Nieder⸗Weisel und 14 von Leopold in Nidda, bei Ulrich 8 Pferde von Bendheim in Bockenheim. Die Pferdehandlung von Isenburger hier hatte in ihren neu: erbauten Ställen 3 Pferde und 13 Fohlen zum Verkauf gestellt. Die Ankaufskommission für lebende Gewinne bestand aus Kreisveterinärarzt May als Vorsitzender, H. Bausch 111. in Nieder⸗Wöllstadt, Ph. Best 11. in Bruchenbrücken, E. Grünewald II. in Bad⸗Nauheim und wurden von denselben 16 Fohlen angekauft. Der höchste Preis der für Fohlen erzielt wurde war 600 M., für Pferde 850 M.. Der Handel im Allgemeinen war nicht sehr lebhaft. Die Leitung des Marktes und der Prämiirung besorgten Bürgermeister Steinhäußer als 1. Vorsitzender und Beigeordneter Hieronimus als 2. Vor ⸗ sitzender mit gewohntem Eifer und Geschick. 4 r. Friedberg. Im Januar 1894 werden 25 Jahre seit der Gründung unseres Musikvereins ver⸗ flossen sein. Zur Pflege und Verbreitung echten Kunst⸗ sinns ins Leben gerufen, hat er es verstanden sich in der Einwohnerschaft unserer Stadt und der Umgegend Theilnahme und Anerkennung zu erwerben. Auf be⸗ scheidene Leistungen der Anfangszeit sind, besonders in den Sober und 90er Jahren, große Chorwerke zum Theil mit Orchesterbegleitung, wie z. B. das Lutheroratorium, Samson, Mozarts Requiem gefolgt, welche von dem
dune ibhec ae meld 6 lde die 5 Woche l. been, i 10 boloss
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