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tragen muß. Die großartigste Verwendung von Juwelen und Perlen fand bei der berühmten Monstranz statt, welche noch jetzt im Kapuziner— kloster zu Prag gezeigt wird. Der Werth der⸗ selben läßt sich nicht nach Millionen, sondern nur nach Milliarden berechnen. Eine Fürstin Lobkowitz, welche vor hundert Jahren starb, hat ihren reichen Familienschmuck dem Kloster vermacht. Der Glanz und das Farbenspiel der 6660 Brillanten gewähren einen wahrhaft bezaubernden Anblick. Der Pater Guardian, welcher den Touristen dies Kunstwerk gern vorzeigt, gibt sich stets Mühe, die Monstranz hin und her zu bewegen, um die Wirkung des wunderbaren Feuers der Steine zu erhöhen. Man fühlt sich wirklich zeitweise im Bann des unterirdischen Erdgeistes, der die Edelsteine zu Tage gefördert hat. Kompaßpflanzen.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen im Pflanzenreiche bilden die sogenannten Kompaß— pflanzen. Das sind Gewächse, deren Blätter nicht, wie es fast bei allen andern Pflanzen der Fall ist, eine wagrechte Lage einnehmen, son— dern sich so drehen, daß der eine Rand nach Norden, der andere nach Süden zeigt, das ein— zelne Blatt also mehr oder weniger eine verti— kale oder senkrechte Richtung bekommt. Ein solches Blatt mit seinen nach Ost und West gewendeten Breitseiten stellt sich uns gleichsam als eine lebende Magnetnadel dar, deren Rich— tungsangaben sich immer als gut und regel— mäßig erweisen. So kommt es denn oft vor, daß eine solche Kompaßpflanze den verirrten Wan— derer über die Himmelsgegend belehren muß. Wenn in den unermeßlichen Grasfluren, Prai— rien, am Mississippi der herumschweifende Jäger von trübem oder regnerischem Wetter überfallen wird, daß er des rechten Weges verfehlt, dann
dient ihm nicht selten eine zu den Korbblüthlern gehörige Staudenpflanze, der zerschlissenblättrige Langstrahl, Silphium laciniatum, mit seinen un— wandt nach Norden und Süden weisenden Blatt— rändern als sicherer Führer. Aber auch in unsern Gegenden gibt es Kompaßpflanzen. Der wilde Salat, Lactuca Scariola, eine an Wein— bergsmauern und in Steinbrüchen vorkommende Pflanze, die als die Stammpflanze des sog. römischen Salats, Sommer-Endivie, angesehen wird, könnte eben so gut die Stelle des Kom— passes vertreten. Auch an dem binsenartigen Knorpelsalat, Chonqdrilla juncea, zeigen sich die erwähnten Erscheinungen. Außer den genannten sind es etwa noch zehn andere, meist auslän— dische Gewächse, welche man als Kompaß— pflanzen bezeichnen kann. Nun erhebt sich die Frage: Wie kommt es, daß die Natur bei den angeführten Pflanzen hinsichtlich der Blatt— stellung eine Ausnahme macht? Das hat, wie alles im Leben der Geschöpfe, einen guten Grund. Wir bemerken, daß alle die sog. Kom— paßpflanzen nur an sonnigen, trockenen Stand— orten wachsen, wo es bei wagrecht ausgebreiteten Blattflächen in Folge der kräftigen Besonnung leicht zu einer übermäßigen Verdunstung des Lebenssaftes der Pflanze kommen könnte. Dem wird nun durch Vertikalstellung der Blätter vorgebeugt; denn wenn die Strahlen der Mit⸗ tagssonne die Blätter nur im Profile oder von der Seite treffen, ist die Erwärmung lange nicht so stark, als wenn sie die ganze Breitseite träfen. So schützt sich also die Pflanze vor einer ihr Leben bedrohenden allzugroßen Trans— piration. Der erste, welcher in Deutschland auf die Kompaßpflanzen aufmerksam machte, war der berühmte Botaniker Stahl, 1881. Doch schon im Jahre 1839 beschrieb der ameri— kanische Forscher Alvord eine Kompaßpflanze.
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