des Armenrechts und hofft, jemehr die sozialpolitische Gesetzgebung leiste, was man von ihr erwarte, werde die Verständigung über die Armengesetzgebung leichter sein. Redner erklärt, das Anwachsen des Armenbudgets in den Gemeinden komme daher, daß die Bevölkerung gestiegen sei, auch in den städtischen Verwaltungen sei eine intensivere Armenpflege als früher. Es sei nicht empfehlenswerth, die Festsetzung der Grenze des Be⸗ innes des Unterstützungswohnsitzes zu erhöhen. Mol⸗ enbuhr(Soz.) verlangt die Centralisation der Armen⸗ pflege und verwirft in der Novelle die Strafbestim⸗ mung des Artikel 2. v. Pfetten(Centr.) vertheidigt das in Bayern geltende Heimathsprinzip. Nach einer weiteren unerheblichen Debatte wird die Novelle einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Der Ge⸗ setzentwurf betreffend Abänderung der Maß- und Ge⸗ wichtsordnung wird in dritter Lesung angenommen, desgleichen die Resolution Brömel und Merbach, betreffend Bezeichnung für 100 kg. Der Gesetzentwurf betreffend Begründung der Revision in bürgerlichen Rechtsstreitigkelten wird in dritter Lesung genehmigt. — Die Militärkommission lehnte heute die Regierungs- vorlage gegen 6, den Antrag Richter gegen 5, den An⸗ trag von Vennigsen gegen 5 und den Antrag Lieber gegen 8 Stimmen ab. Damit ist die zweite Lesung der Vorlage für die Kommission erledigt und es erfolgt nunmehr der schriftliche Bericht an das Plenum.— 18. März. Reichstag. Erste Lesung der Novelle zum Militärpensionsgesetz. Kriegsminister v. Kaltenborn eht ausführlich auf den Inhalt der Vorlage ein und hofft deren Annahme. Ein Gesetzentwurf für die Mili— tärinvaliden von 1870/71 wird nach Ostern eingebracht werden. Pieschel(n.⸗l.) beantragt die Ueberweisung der Novelle an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Gröber(Centr.) betont namentlich die finanzielle Seite des Entwurfs und verlangt die Ueberweisung an die Budgetkommission. Hartmann(kons.), Pieschel(nl.) und Gültlingen(R.⸗P.) ziehen den Antrag auf Ueberweisung an eine Kommission von 21 Mitgliedern zu Gunsten des Antrages Gröber zurück. Richter(freis.) verweist auf die wachsende Pensionslast, wozu die Mittel schwer aufzubringen seien. Wer die Lage der verabschiedeten Soldaten verbessern wolle, müsse sich auch Beschränkung bei der Vermehrung der aktiven Armee auferlegen. Liebermann(Antis.) erblickt in den Ausführungen Richters ein wahltaktisches Manöver, die pensionirten Soldaten und Offiziere bei den Neuwahlen für seine Partei und gegen die Militärvorlage einzufangen. Der Entwurf wurde an die Budgetkommission verwiesen. Die Verlängerung des provisorischen Abkommens mit Spanien und Rumänien wird in erster und zweiter Lesung angenommen und mehrere Petitionen erledigt.
— 18. März. Anläßlich des Gedenktages der Märzgefallenen wurde auf den Gräbern in Friedrichshain schon seit früher Morgen— stunde eine große Menge Kränze niedergelegt. Ein starkes Aufgebot von Polizei hält die Ord— nung aufrecht. Bisher ist der Tag ruhig ver— laufen.
Ausland.
Schweiz. Bern. Der Ständerath hat
eine Revision der Bundesverfassung beschlossen,
um der Eidgenossenschaft die Kompetenz zur
Gesetzgebung auf dem Gebiete des Gewerbe— wesens zu übertragen.
Frankreich. Paris.
homey meldet den Untergang der Expedition Üzes. General Dodds glaubte, nach Europa zurückkehren zu können, muß aber, da die Ein⸗ geborenen jeden Tag Abomey angreifen, bis zum vollständigen Frieden verbleiben.
— 17. März. Jules Ferry ist heute Abend in seiner Wohnung plötzlich am Herzschlag ge— storben.
Großbritannien. London. In Black staal wurde von der Polizei eine Höllenma⸗— schine aufgefunden und dem chemischen Labo⸗ ratorium zum Zwecke der Untersuchung über— wiesen.
Italien. Rom. Es verlautet, der Papst beabsichtige auf Grund zahlreicher Petitionen aus der Schweiz, Oesterreich und Deutschland eine internationale Konferenz einzuberufen, um die beste Mittel zur Abschaffung des Spiels in Monaco zu erwägen.
Bulgarien. Sofia, 18. März. Gestern hat unter großem Andrang des Publikums der Prozeß gegen Georgieff wegen Betheiligung an der Ermordung des Ministers Beltscheff und wegen Komplotts gegen Stambulow begonnen. 22 Zeugen sind geladen.
Serbien. Belgrad. Der bisherige Ge— sandte in Paris Georgjewitsch wurde wegen einer mit seinem Legationssekretär gehabten Affaire seines Postens enthoben und soll durch den Handelsminister ersetzt werden.
Rumänien. Bukarest, 16. März. Der Senat nahm den Handelsvertrag mit Frank— reich eiustimmig und den mit der Schweiz mit 78 gegen 17 Stimmen an.
Rußland. Petersburg. Die Regierung beabsichtigt zum Schutze der Arbeiterinteressen ein Gesetz zu erlassen, welches den Arbeitern, das Coalition recht gewährt.
Amerika. New⸗York. Bei einem Bankett in Brooklyn sagte Tracy, Marineminister in Harrisons Cabinet, wenn die im Bau begriffe— nen Schiffe fertig gestellt seien, würden die Unionstaaten als die fünfte Seemacht figuriren und in der Flottenstärke Spanien und Deutsch— land übertreffen.
Egypten. Kairo. Nach einer Reuterschen Meldung nimmt die Lage hier wieder einen bedenklicheren Charakter an. Das neue Mi- nisterium stößt auf verschiedene Schwierig- keiten.
Stadt und Land.
Friedberg. Die während der Beförderung von Gepäckstücken noch immer vorkommenden Verschleppungen sind vielfach dem Umstande zuzuschreiben, daß die an den Gepäckstücken vorhandenen alten Beklebungen bei der Aufgabe nicht entfernt werden. Um den aus der Nicht⸗
zuträglichkeiten nach Möglichkeit vorbeugen und bei ein
tretenden päckes sofort ermitteln zu können, hat die Eisenbahn⸗ Verwaltung im Interesse des reisenden Publikums die nicht zu unterschätzende Einführung kleiner, mit Befest⸗ tigungsriemen versehenen Ledertäschchen getroffen, welche an den Gepäckstücken befestigt werden können. In diese Täschchen kann ein Stück Papier oder eine Visitenkarte so eingeschoben werden, daß die Aufschrift von außen sichtbar ist. Der Preis eines solchen Täschchens be⸗
läuft sich auf 40 Pfg. und ist der Verkauf den Bahn⸗
hofsbuchhändlern und Bahnhofswirthen seitens der Eisenbahnverwaltung übertragen worden. Babenhausen, 16. Marz. Gestern Abend nach 10 Uhr wurde das dem Händler Weber von Ober⸗ Roden gehörende Fuhrwerk an dem Bahnübergang der Odenwaldstrecke auf der Chaussee nach Altheim von dem aus Eberbach kommenden Güterzug überfahren. Der Fuhrmann hatte die Barriere offen gefunden und den heranbrausenden Zug nicht bemerkt, da ein Tuch über den Wagen gespannt war. Im letzten Augenblick war der Mann abgesprungen und versuchte mit Hilfe des herbeigeeilten Bahnwärters, das scheu gewordene Pferd vom Bahndamm zu bringen, doch wurde der Wagen von der Lokomotive erfaßt und zur Seite ge— schleudert. Der Wagen ist zertrümmert und trug die noch auf dem Wagen sitzende Frau des Händlers Weber
mehrere Kopfwunden, sowie einen Beinbruch davon.
Allerlei. Dortmund, 18. März. Auf der Zeche„Prinz
von Preußen“ wurden gestern durch schlagende Wetter
2 Mann getödtet und 3 schwer verletzt.
Köln, 18. März. Heute fand in der hiesigen Maschinenfabrik eine Kesselexplosion statt, wobei mehrere Personen lebensgefährlich verletzt wurden und in das
Hospital befördert werden mußten. Die Explosion richtete großen Schaden an. Paris, 18. März. Infolge des starken gestrigen
Sturmes ist die Telegraphenleitung Paris-Brüssel unter⸗ brochen.
Paris, 17. März. Mehrere verdächtige Fälle, welche auf Cholera schließen lassen, wurden in Lorient konstatirt. Bisher sind 3 Todesfälle vorgekommen. Gestern erfolgten 4 neue Erkrankungen.
Paris, 17. März. In Grenoble verhafteten zwei
Gendarmen einen Dieb in dem Augenblick, als er den
Hauptaltar der Kirche ausraubte. Derselbe gab an, ehe⸗ mals päpstlicher Unteroffizier gewesen zu sein und das Dynamitattentat in der Rue des Bons entfants ausge— führt zu haben.
Rive de Giers, 17. März. In der Wohnung eines Hüttendirektors fand eine Dynamitexplosion statt, die bedeutenden materiellen Schaden anrichtete.
New-⸗Nork, 17. 3 Ungeheure Feuersbrünste zerstören die Savannen im Kansas und richten unermeß⸗ lichen Schaden an.
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