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1893.
Donnerstag den 20. April.
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Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Annoncen: Die einspaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 10 Pf., Reclamen 30 Pf., ein Beleg kostet 9 Pf. wärtigen Einsendern(soweit Letzere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets durch die Post nachgenommen.
Annoncen von aus—
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zu untersuchen. 4. Der Markt beginnt Vormittags ½7 Uhr. Schotten am 17. April 1893.
Friedberg den 18. April 1893.
Es starben im Ganzen 1198 Personen, davon gehörten 162 dem
Säuglingsalter(1. Lebensjahr) an, 224 dem Kindesalter(2. bis 15. Jahr, 376 dem der Erwachsenen(16.—60. Jahr) und 436 dem Greisen— alter(über 60 Jahre) an. Die beiden letzteren Altersklassen zu— sammen 812.
Im Ganzen war somit die Sterblichkeit nicht besonders hoch, sie blieb um 41 hinter dem Mittel der letzten 10 Jahre(1239) zurück; dies gilt auch für die einzelnen Altersklassen mit Ausnahmen der Kinder vom 2. bis 15. Jahre(bei einzelnen Krankheiten siehe Höhe vom 2. bis 15. Jahr durch Diphtheritis bedingt), deren 224 Todes— fälle das zehnjährige Mittel mit 11 überschritten. Das Sterblichkeits— verhältniß des ganzen Kreises stellt sich auf vom Tausend. Die Vertheilung auf die einzelnen Zeitabschnitte und Monate des Jahres entspricht im Ganzen dem gewöhnlichen Vorkommen: Im 1. Halbjahr
starben 667 Personen, im 2. Halbjahr 531; im 1. Quartal starben
303, im 2. 364, im 3. 244, im 4. 287. Die am stärksten besteuerten Monate waren April und Mai, die schwächsten September und Juli. Die Reihenfolge der einzelnen Monate nach der Zahl der von ihnen gebrachten Todesfälle war: April(138), Mai(133), März(117), Dezember(110), Januar(104), August(96), Juni(93), Oktober(89), November(88, Februar(82), Juli(78), September(70). Hinsichtlich des Betroffenseins der einzeinen Gemeinden zeigt es sich, daß 8 Gemeinden ein sehr günstiges Sterblichkeitsverhältniß haben(weniger als 10 vom Tausend), 34 ein günstiges(unter
20 Promille), 26 ein mittleres(unter 30 Promille) und 3 ein un—
günstiges(über 30%). Diese 3 letzteren Gemeinden sind Hausen, Ober⸗Rosbach und Reichelsheim, welche beiden Letzteren diesen traurigen Vorzug der Diphtheritis verdanken(6 bezw. 9 Todesfälle). Von den 4 größesten Orten des Kreises gehörten Butzbach und Friedberg der Klasse mit günstiger Sterblichkeit, ebenso Bad-Nauheim und Vilbel nach Abzug der verstorbenen Curgäste und Hospitalfremden.
Die Todesursache waren:
4 a. Die sogenannten ansteckenden Krankheiten 124mal, ins⸗
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besondere Masern in 22, Scharlach in 2, Diphtheritis(und Croup) in 92, Keuchhusten in 1, Unterleibstyphus in 2, Rose in 5 Fällen. Die Gesammtzahl ist bedeutend(13 über dem 10 ährigen Mittel); Masern u. besonders Diphtheritis bedingen wesentlich die Höhe derselben.
b. Tuberkulose der Lungen 172mal. Leider muß diese hohe Zahl als verhältnißmäßig noch günstig bezeichnet werden (10jähriges Mittel= 200). An Tuberkulose anderer Organe, be— sonders der Knochen und der Gehirnhäute starben vierzig Personen.
c. Lungen⸗Entzündung und überhaupt entzündliche Er⸗ krankungen der Athmungswerkzeuge 168mal; 13mal war hierbei auch
1 Influenza mitwirkend.
d. Gehirnschlagfluß 53mal, 32mal bei Personen von über 60 Jahren.
e. Herzkrankheiten, ausschließlich chronische, 77mal; von den Gestorbenen waren 25 fremd(Curgäste).
f. Darmkatarrh und Brechdurchfall 29 mal, 22 Kindern im 1. Lebensjahr.
g. Angeborene Lebensschwäche oder Verkümmerung der Kinder durch Pflegemangel in ebenfalls 29 Fällen.
darunter bei
Amtlicher Theil.
5 l Bekanntmachung. Mit Rücksicht auf das Bestehen der Maul- und Klauenseuche in Gonterskirchen und Ruppertsburg bestimmen wir für den am 20. April l. Is. zu Freienseen abzuhaltenden Viehmarkt Folgendes:
a 1. Jeder Viehzüchter hat über das von ihm etwa auf den Markt zu verbringende Vieh ein Ursprungszeugniß der Bürgermeisterei des Ortes, aus welchem die Thiere stammen, aufzuweisen, in welchem bescheinigt ist, daß der Ort seuchenfrei ist. N
2. Sämmtliche Händler, welche mit Vieh den Markt befahren wollen, haben sich ein thierärztiches Zeugniß zu verschaffen, welches
vorschriftsmäßig ausgestellt und event. von der Ortsbehörde, woher die Thiere stammen, beglaubigt sein muß. 3. Jedes Klauenthier ist, bevor es auf den Marktplatz aufzutreiben ist, von dem Großh. Kreisveterinärarzt auf seine Seuchenfreiheit
Großherzogliches Kreisamt Schotten. Schönfeld.
Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg. J. V.: Dr. Wallau.
Die Sterblichkeits- und Gesundheitsverhältnisse des Kreises Friedberg im Jahre 1892.
h. Neubildungen(besonders Krebs) 53mal,(34 über 60 Jahre).
i. Altersschwäche 91mal.
k. Sonstige hier nicht näher angeführte Krankheiten 201mal.
J. Unbekannt geblieben in 124 Fällen(wegen nicht eingetretener ärztlicher Behandlung).
m. Verunglückung g9mal und zwar durch Erfrieren(1), Sturz aus dem Fenster(1), durch Verschüttung bei Hauseinsturz(1), durch Eisenbahnüberfahrung(2), durch Ertrinken(6), durch herabstürzenden Balken erschlagen(1), durch Huftritt(1), Genickbruch durch Herabfallen von einem Stuhle.
n. Selbstmord Ll4mal, und zwar 7mal durch Erhängen, 7mal durch Ertränken.
o. Mord und tödtliche Körperverletzung Zmal, Kindes— mord, Erschießen durch Leichtsinn, Mord durch Stich in's Herz.
Wenn nun auch die Aufzählung der Krankheiten, welche den Tod der im Kreise verstorbenen 1198 Personen herbeigeführt haben, bis zu einem gewissen Grad Licht über das Krankheitsvorkommen in dem verflossenen Jahre zu werfen geeignet ist, so genügt dies doch noch nicht zu einem vollen Ueberblicke über das gesammte Erlebniß der Bevölkerung in Bezug auf Krankheits- und Gesundheitsverhältnisse, in Bezug auf alle die Nachtheile und Bedrängnisse, welche abgesehen von dem Lebensverluste von den Krankheiten ausgehen. Wir wollen hier nur das Wichtigste besprechen.
So entsprechen den 22 Todesfällen durch Masern wohl mehrere Hunderte von Masern-Erkrankungen. Diese Krankheit trat, wie immer, in Epidemien auf und zwar in recht ausgiebigen, die stärkste war wohl in Friedberg. Allgemein galt das Auftreten für leicht und ge⸗ fahrlos, doch war die Zahl der Todesfälle schließlich gar nicht gering, in Friedberg allein deren 9. Vergesellschaftungen mit Augenentzündung und augenscheinlich auch mit Influenza brachten viele Schwierigkeiten, langsam verschleppte Genesung, langdauerndes Siechthum.
Den 92 Todesfällen durch Diphtheritis stehen rund 800 Fälle von Erkrankungen gegenüber. Welche ungeheure Summen von Sorgen— qual, materiellen Schäden durch Pflegeleistung, Arbeitsverlust und Behandlungskosten sind nicht zusammengedrängt in dem Worte 800 Diphtheritis-Erkrankungen? Und doch hat unbegreiflicher Weise die Bestrebung der Behörden und Aerzte diese schreckliche Krankheit, die seit Jahren unsere stärkste Heimsuchung geworden, auf jede nur mögliche Weise zu bekämpfen, noch immer unter der Gleichgültigkeit und dem Widerstande der Bevölkerung zu leiden!
Die Lungenschwindsucht hat im vorigen Jahre ein reiches Opfer von rns erhoben, wenn dasselbe auch etwas geringer war, als wir in den meisten Jahrgängen dies erfahren müssen. Dieser Krank— heit gegenüber gilt dasselbe, was hinsichtlich der Diphtheritis ange— deutet wurde. Warum verschließt sich die Bevölkerung der Erkenntniß der Thatsache, daß die Schwindsucht eine ansteckende, wenn auch eine chronisch ansteckende Krankheit ist, warum macht sie nicht auch ihr gegenüber Gebrauch von dem Mittel zur Bekämpfung der Ueber⸗ tragung, von der die Krankheitskeime zerstörenden Wirkung des Dampf⸗Desinfektions-Apparates?
Friedberg den 16. April 1893.
Großh. Kreisgesundheitsamt Friedberg: Ur. Lorenz. 0 9 0 0
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