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tion es empfinde, daß die Heeresorganisation, in welcher die Gewähr für den Schutz des Vater⸗ landes und die Erhaltung des Friedens beruht, gesichert sei. Die vornehmste Aufgabe des Reichstags sei nunmehr, für die Beschaffung der durch die Erhöhung der Friedenspräsenz⸗ stärke erforderlichen Deckungsmittel zu sorgen. Die bisherigen Erfahrungen bezüglich der finanziellen Verhältnisse zwischen dem Reiche und den Einzelstaaten bewiesen, daß ohne Schädigung des Reiches und der Einzelstaaten eine Auseinandersetzung zwischen denselben nicht länger aufschiebbar sei. Die Anforderungen des Reiches an die Einzelstaaten sollten in ein festes Verhältniß zu den Ueberweisungen ge stellt und der den Einzelstaaten gesetzlich fest gelegte Antheil an den Reichseinnahmen den selben für einen längeren Zeitraum zugesichert werden. Ein diesbezüglicher Gesetzentwurf, ebenso wie die Gesetzentwürfe betreffend die Besteuerung des Tabaks, des Weins und die Erhebung von Reichsstempelabgaben würden dem Reichstag zugehen. Der Reichshaushalt sei mit äußerster Sparsamkeit aufgestellt. Ferner würden dem Reichstage zur Beschlußfassung zugehen die Handels-Verträge mit Spanien, Rumänien und Serbien. Die Thronrede theilt sodann mit, dem Reichstage würden sofort vor gelegt Verordnungen, betr. die außerordentliche Erhöhung der Einfuhrzölle gegenüber Rußland. Der Kaiser hofft, daß die schwebenden Ver handlungen mit Rußland zur Beseitigung dieser Maßnahmen führen würden. Den energischen Bemühungen der Regierungen sei es gelungen, der Verbreitung der Choleraepidemie erfolgreich entgegenzutreten. Die Thronrede kündigt ferner ein Reichsseuchengesetz, sowie die Vorlegung der Beschlüsse der Dresdener Sanitätskonferenz zur Genehmigung des Reichstages an. Mit Rück sicht auf die großen Aufgaben des Reichstages auf finanziellem und handelspolitischem Gebiet sei der Kreis der Vorlagen im übrigen thunlichst beschränkt worden. In dem Verhältniß zum Auslande sei eine Aenderung nicht eingetreten. Bei der Fortdauer der engen Freundschaft mit den zur Verfolung gemeinsamer friedlicher Zwecke uns verbündeten Reichen stehen wir zu allen Mächten in guten, freundlichen Bezieh ungen. Ich gebe mich daher der Zuversicht hin, daß mit Gottes Hilfe die Segnungen des Friedens auch fernerhin erhalten bleiben.

15. November. Die Ausschüsse des Bundesraths beriethen heute unter dem Vorsitz des Schatzsekretärs Posadowski die Tabaksteuer. Der Gesetzentwurf über die Finanzreform ist einstimmig, die grundlegenden Bestimmungen des Tabaksteuergesetzes beinahe einstimmig an genommen worden.

16. Nov. Der dem Reichstag heute zu gegangene Reichshaushaltsetat stellt die Ge sammtausgaben auf 1,305,632,229 Mk. fest. Davon sind 1,082,884,683 Mark fortdauernde, 83,925,726 M. einmalige Ausgaben des Ordi nariums und 138,821,820 M. einmalige Aus gaben des Extraordinariums. Die Gesammt einnahmen betragen 1, 305,632,229 M.

Dresden, 15. Nov. Die Prinzessin von Flandern ist am Typhus erkrankt. Die Leib ärzte des Königs, Fiedler und Jacoby, be handeln die Prinzessin.

München, 15. Nobbr. Heute fand die Vermählung der Prinzessin Auguste von Bayern und des Erzherzogs Joseph August statt. Der Minister v. Crailsheim nahm unter kurzer An sprache im Thronsaale die Civiltrauung vor. Hierauf erfolgte die kirchliche Trauung durch den Erzbischof Thoma in der Allerheiligenhof kirche. Nach beendigter Feier fand eine Gratu lations-Cour statt, später Familienfrühstück im Palais des Prinzen Leopold.

Ausland. Oesterreich-Ungarn. Budapest. Der Finanz-Minister stellte den Redaktionen ein Memorandum zu über die Steuerreform, das die Grundlage der Berathungen einer Enquete

werden soll. Das Memorandum schlägt die Einführung einer progressiven Einkommensteuer vor, bei Einkommen unter tausend Gulden 5 Prozent und bei elftausend Gulden auf 15 Prozent steigend. Das Bestreben, die ärmeren Klassen zu entlasten, ist durchwegs erkennbar.

Belgien. Brüssel. DieEtoile belge veröffentlicht Meldungen vom Congo, wonach der belgische Hauptmann Ponthier nach der Einnahme Kirundus die Verfolgung der Feinde weiter fortsetzte, sie vollständig vernichtete und den Anführer Said, den Mörder Emin Paschas, gefangen nahm; Said wurde zum Tode ver urtheilt und erschossen.

Frankreich. Paris, 15. Novbr. Eine Depesche derAg. Havas aus Kotonu be stätigt, daß Behanzin dem General Dodds 400 Gewehre und 4 Kanonen auslieferte. Seine Unterwerfung soll bevorstehen.

15. Nov. Der Zustand Georgewitsch's hat sich verschlimmert. Der Kranke ist schwach und kann keinerlei Nahrung zu sich nehmen. Professor Labbe stellte eine Blutergießung in das Brustfell fest und erklärte den Zustand für schwer, jedoch nicht hoffnungslos. Das Attentat erscheint als ein anarchistisches Verbrechen.

Marseille, 16. Nov. Um Mitternacht ist hier im Gouverneurs-Gebäude eine Dynamit Explosion erfolgt, die jedoch nur materiellen Schaden anrichtete, obwohl ein Soldat in dem betreffenden Zimmer schlief.

Spanien. Barcelona, 13. Novbr. Die Polizei verhaftete den vermuthlichen Attentäter vom Theatro Liceo. Er heißt Navara und hat sofort nach dem Attentat das Theater schleu nigst verlassen. Gleichzeitig wurden 3 andere der That verdächtige Anarchisten festgenommen.

16. Nov. Die Verhaftung des Sozia listenführers Fontanals, der in den Anarchisten prozeß verwickelt sein soll, erregt die Arbeiter kreise. Die in Catalonien mächtigste Arbeiter Vereinigung, deren Leiter Fontanals ist, protestirt gegen dessen Verhaftung und leugnet das Ein verständniß mit den Anarchisten.

Italien. Monza, 15. Nov. Kalnocky, der mit Minister Brin und Nigra um 5 Uhr hier ein getroffen ist, wurde am Bahnhofe von den General-Adjutanten Ponzio und Vaglia em pfangen. Er fuhr mit den genannten Würden trägern in Hofequipagen zur königlichen Villa, woselbst er bald darauf vom König empfangen wurde. Die Audienz dauerte eine Stunde, so dann wurde Kalnocky der Königin vorgestellt. Abends fand ein Essen statt, dem außer Kalnocky auch Brin, Nigra, sowie der Civil- und Mili tärhofstaat beiwohnten. Kalnocky und die Minister reisen morgen früh ab.

Egypten. Kairo. Am 10. Nov. griffen 300 Derwische unter Osman Azrak die arabischen Vorposten unter Saleh Bey bei dem Murat brunnen an. Nach 24stündigem erbitterten Kampfe wurden die Derwische geschlagen und zogen sich unter Verlust von 29 Todten auf Abuhammed zurück.

Asien. Kabul. Die Verhandlungen zwischen dem Emir von Afganistan und dem englischen

Nach der heutigen Truppenschau erklärte der Emir, alle Grenz- und anderen Schwierigkeiten mit der indischen Regierung seien geregelt und die freundschaftlichen Beziehungen zu England wiederhergestellt.

Aus Stadt und Land.

e. Friedberg. Wie vor einiger Zeit durch einen Aufruf an die hiesige Einwohnerschaft bekannt gegeben wurde, besteht die Absicht, hier in Friedberg den tapferen Kriegern des Feldzugs 1870 71 als Zeichen der Dank barkeit ein Denkmal zu errichten, welches gleichzeitig

dem Angedenken unseres unvergeßlichen Großherzogs

Ludwig IV., als Führer der hessischen Division in diesem Kriege, geweiht werden soll. Dasselbe soll zugleich ein Schmuck und eine Zierde der Stadt bilden. Vertrauend darauf, daß die ganze hiesige Bürgerschaft der Errich tung eines solchen ehrenden Erinner fast in keiner Stadt und in keinem Dorfe des deutschen Reiches fehlt, wohlwollende Unterstützung nicht versagt, soll in den nächsten Tagen durch in Umlauf kommende Listen Allen Gelegenheit gegeben werden, durch Zeich nung von Beiträgen dieses patriotische Werk zu fördern.

igszeichens, das

betr. die polizeiliche Beaufsichtigung der Miethwohnungen und Schlafstellen, ist der Artikel am 1. Oktober in Kraft getreten. Hierin wird den Gesundheitsbeamten des Staates, den Ortspolizeibehörden, sowie deren Be⸗ auftragten die Befugniß eingeräumt, die zum Vermiethen bestimmten Wohnungen und Schlafstellen, sowie die Schlafräume, welche von Arbeitgebern ihren Arbeitern zugewiesen werden, einer Untersuchung in der Richtung zu unterwerfen, ob aus deren Benützung Nachtheile für die Gesundheit oder Sittlichkeit nicht zu besorgen sind. Bei der hohen Bedeutung für den hiesigen Platz sieht man dieser Untersuchung mit Spannung entgegen. Die weiteren Bestimmungen des Gesetzes treten mit dem 1. April 1894 in Wirksamkeit.

2 Friedberg. Die Luther-Feier am Abend des 10. November verlief dem Programme gemäß in schöner erhebender Weise. Nach einem Chorgesang der Semi⸗ naristenDer Herr ist mein Hirte und dem gemeinsamen Gesang vonEine feste Burg, V. 12, sowie nach einleitender Begrüßungs-Ansprache des Vorsitzenden,

Luther's SchriftVon Freiheit eines Christenmenschen? Redner reproducirte den Gedankeninhalt und Gang dieser wunderbaren Schrift in meisterhafter Weise und stellte ihre Bedeutung für die kirchliche Gegenwart in ein helles Licht. Seine Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen. Nach weiterem Chor- und Gemeinde⸗ Gesang und Dankesworten des Vorsitzenden Ur. Weiffen⸗ bach, schloß sich ein mit reichlichen Gesängen durch⸗ flochtener geselliger Theil an, in dessen Verlauf u. a. Professor Dr. Weiffenbach einen freudig aufgenommenen Toast anf Kaiser und Großherzog ausbrachte, während Dr. Dieckmann, später freundlich erwiederte, Dankesworte an den Vortragenden richtete.

Langen, 15. Nov. Die höhere Bürgerschule dahier wurde geschlossen, weil die Diphtheritis unter den Schülern stark aufgetreten ist.

Offenbach, 16. Nov. Gestern Nachmittag stürzte an einem Neubau, während die Arbeiter in einer vor dem Neubau aufgestellten Bretterhütte Mittag machten, der zur Aufnahme des Firmenschilds bestimmte, mit Steinplatten vermauerte Gesimsaufsatz des Daches ein. Das herabfallende Mauerwerk schlug auf das Baugerüst auf und einer der schweren Steine, von diesem abgleitend, in die Bretterhütte. Einer der darin befindlichen Ar beiter Namens Bischof von Klein-Krotzenburg wurde sofort getödtet und ein zweiter Uhrig von Lützel-Wiebels bach schwer verletzt.

Allerlei.

Bochum, 15. Nov. Eine Riesenerbschaft hat der Fabrikarbeiter Pahr, beschäftigt auf demBochumer Verein hierselbst, gemacht. Vor mehreren Jahren wanderte ein naher Verwandter desselben aus seiner Heimath, einem hessischen Dorfe, nach Amerika aus. Kürzlich ist dieser Verwandte unter Hinterlassung eines großen Vermögens unverheirathet gestorben und hat obengenannten Pahr zum alleinigen Erben eingesetzt. Durch Vermittelung desBochuner Vereins sind die nöthigen Formalitäten ꝛc. erledigt worden, und sind dem mit Glücksgütern so plötzlich reich gesegneten Fabrik arbeiter bereits vorgestern seitens der hiesigen Reichs- bank 40,000 Dollars ausgezahlt worden. Das in Amerika befindliche Grundvermögen des Erblassers repräsentiert den Werth von fünf Million Dollar. Der Erbe ist Wittwer, ca. 35 Jahre alt, mit vier Kindern. Trotzdem derselbe am Samstag die große Summe aus gezahlt bekommen hatte, erschien er heute wie gewöhnlich an seiner Arbeitsstätte in der Fabrik.

Magdeburg, 12. Nov. Ein bereits 36 Jahre im Dienste stehender Postschaffner hat vorgestern auf der Fahrt von Leipzig nach hier 4 Geldbriefe mit dem Gesammtbetrage von 9000 M. entwendet. Der Dieb stahl wurde entdeckt und der Postschaffner sofort verhaftet.

Berlin, 16. Nov. In vergangener Nacht wurde der 46jährige Maschinenputzer Jäckel in der Memeler straße mit zerschmettertem Nasenbein todt aufgefunden. Es wird Todtschlag vermuthet.

Berlin. Der Reichsanzeiger veröffentlicht einen Erlaß des Eisenbahnministers an sämmtliche Eisenbahn⸗ direktionen, worin er diesen zur Pflicht macht, dafür zu sorgen, daß bei Absperrung der Perrons mit der er⸗ forderlichen Rücksicht gegen das Publikum vorgegangen und untersucht werde, wie weit Mängel hervorgetreten und Beschwerden gerechtfertigt sind.

Hamburg, 15. Nov. Die Cholerabaracke des Seemanns-Krankenhauses, woselbst bisher verdächtige Zugereiste behufs Beobachtung internirt gehalten wurden, ist heute amtlich geschlossen worden, weil sämmtliche Inter⸗ nirte entlassen sind.

Schneidemühl, 14. Nov. Magistrat und Stadt⸗ verordnete beschlossen, wenn die Arbeiten Beyers bis Samstag erfolglos seien, das Projekt des Oberbauraths Freund ausführen zu lassen, wonach der Brunnen mit Sand und Erde ausgefüllt, darauf eine Lage Faschinen und Sandsäcke geschichtet und auf das gesammte Brunnen⸗ terrain eine kegelförmige Sandaufschüttung gehäuft wird, deren Gewicht den Wasserdruck aufheben soll. Budapest, 15. Nov. Leo Seßler, einer der be⸗ gabtesten Bildhauer Ungarns, Schöpfer des Monumental⸗ brunnens auf dem hiesigen Calvinplatz und der zwölf Apostel in der hauptstaädtischen Basilika, ist in seiner Wohnung in Neupest verhungert aufgefunden worden. Seßler war durch Krankheit und Noth menschenscheu geworden.

Belgrad. Der berüchtigte Räuber Pupitsch ent⸗

». Friedberg. Von dem Gesetz vom 1. Juli 1893,

hielt Consistorialrath Ur. Ehler's seinen Vortrag über

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