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Beilage.

Was ist in diesem Jahre gegen die Futternoth zu thun? Von Oekonomierath Müller von Darmstadt. Der in Nummer 21 der Zeits veröffentlichte Bericht für Mitte Mai gibt sichtlich des Stande Wiesen im Großherzogthume.

über den Saatenstand

den übrigen Bundesstaaten des Deutschen Reiches geben die Aussichten auf die Futter⸗ ernte zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Nach

den Veröffentlichungen des Kai stischen Amtes ist der Stand des Klees und günstig, wie in Hessen. Die betreffenden Durch⸗ schnittsnoten einer 5stufigen Skala ergeben für Württemberg bei Klee 4,1, für Wiesen 4,5; Baden 4,1 bezw. 4,0; Elsaß⸗Lothringen 4,7 bezw. 4,3; weniger ungünstig sind die Durchf die norddeutschen Staaten und für Bayern; indessen erheben sich auch dort die Noten wenig über 4,gering. Ist auch der Stand der Getreidearten im Allgemeinen besser, als der jenige des Klees und der Wiesen, so bleiben jene infolge der fortdauernden Dürre doch in der Entwickelung vollständig zurück, und die Aussichten auf die Strohernte redueiren sich von Tag zu Tag. Die in vielen Gegenden bereits bestehende Futternoth gewinnt daher an Ausdehnung, und nur mit schweren Sorgen kann der Landwirth dem Herbst und Winter entgegensehen; denn unter allen Mißernten wirkt diejenige in Futter und Streu am nach theiligsten. Die Getreidearten lassen sich ver

chnitte für

1 denkbar schließen dies in Folge ihrer Bes und ihres geringen spezifischen Werths aus.

möge ihres höheren spezifischen Werths, sowie vermöge der Entwickelung der Verkehrsmittel und des Handels aus den entlegensten Welt theilen herbeischaffen, so daß ein eigentlicher Nothstand in dieser Beziehung kaum mehr ist. Die Rauhfuttermittel dagegen chaffenheit

ein trauriges Bild hin

8 der Futterfelder und Aber auch in

serlichen Stati

der Wiesen in Südwestdeutschland ebenso un

Hessen 4,5 bezw. 4,4. Etwas

llandwirthschaftlichen Kapitals in den Vieh ständen angelegt ist; wer ferner berücksichtigt,

Anderseits sind die Viehbestände auf die Er nähruug mit Rauhfutter angewiesen, da selbst

bei ausgiebigster Verwendung von Kraftfutter das Füllfutter nicht entbehrt werden kann. Wer nun überlegt, welch ein großer Theil des

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Gefahr nicht nur für die Landwirthschaft, son dern für das allgemeine Wohl nicht verborgen

Landwirth, bei Zeiten Fürsorge zu treffen,

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daß die diesjährige Futternoth in der Zucht sich auf Jahre hinaus fühlbar machen wird: dem kann die schwerwiegende Bedeutung der

bleiben. Es ist demnach eine Pflicht für jeden

daß die Noth gemildert wird, wenn sie schon uicht behoben werden kann. Mit Rücksicht hierauf dürften alle technischen und wirthschaft lichen Maßregeln besondere Empfehlung und Beachtung verdienen, welche bezwecken: a. Steigerung der Herbst- und Frühjahrsfutter Droduktion, b. sorgfältige Bereitung und Auf dewahrung der Winterfuttermittel, c. sparsamste Eintheilung der Futtermittel und rationelle Anwendung derselben, 4. Ersatz der Strohstreu, Anwendung von käuflichen Futtermitteln. Die Steigerung der Herbstfutterpro buktion gewährt den Vortheil, daß einerseits ber Beginn der Winterfütterung weiter hinaus leschoben werden kann, anderseits noch manches Futter für den Winter gewonnen wird. Die Nittel hierzu bestehen im Anbau von ein fihrigen Grünfutterpflanzen, wie Mais, Mohr lirse, Wickhafer ꝛc.; ferner von Stoppelfutter⸗ Iflanzen, wie Erbsen⸗ und Buchweizengemenge, veißer Senf ꝛc.; endlich von Johannisroggen.

Oberhessichet Anzeiger

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heit leichter verträgt, als andere Füttergewächse und im Herbste große Futtermassen liefert. Die grünen Maisstengel werden vom Vieh gern gefressen und bieten die Möglichkeit, ver schiedene Ernteabfälle, wie Rühenblätter, jungen Klee und junge Erbsen ꝛc. vortheilhafter zu verfüttern; auch können die abgeschnittenen Maisstengel im Spätherbst lange frisch er halten und endlich auch, in 20 bis 25 Centi meter lange Stücke geschnitten, in Gruben ein gemacht werden. Wesentlich dabei ist, daß sie recht fest eingetreten und durch eine starke Erddecke, deren etwaige Risse stets sorgfältig zuzuwerfen sind, von der Luft abgeschlossen werden. Es können von jetzt ab noch 23 Saaten mit Zwischenräumen von 1014 Tagen gemacht werden. Nur werden statt des lang sam sich entwickelnden Pferdezahnmaises frühe Sorten, 3. B. badischer Mais, genommen wer den müssen. An hierzu geeigneten Aeckern wird es kaum fehlen. Es mußten manche Roggenfelder zu Futter abgemäht werden, die nunmehr recht wohl mit Mais bebaut werden können. Wichtig ist, daß die Aecker in vor züglichem Düngungszustand sind; anderfalls muß mit Jauche oder mit Superphosphat, Kainit und Chilisalpeter nachgeholfen werden. Um die Samen zum Keimen zu bringen, em pfiehlt es sich, den Acker tief umzupflügen, damit eine etwas feuchtere Schichte herauf kommt, und sofort hinter dem Pflug zu säen. Schließlich wird das Feld fest zugewalzt, die Oberfläche jedoch wieder leicht aufgeeggt. Die Zuckermohrhirse, eine dem Mais in Bezug auf Ansprüche an Boden, in der Kultur ähnliche und im Ertrage nicht nachstehende Pflanze, soll die Dürre besser vertragen, als der Mais, dabei aber ein nahrhafteres Futter geben. Auch von dieser können noch zwei bis drei Saaten gemacht werden. Der Anbau des Wick hafers, oder eines Gemenges von ½ Hafer, / Erbsen und ½ Wicken zur Grünfutterge winnung ist so bekannt, daß darüber eine nähere Mittheilung nicht erforderlich erscheint. Auch hierin können noch mehrere Saaten in entsprechenden Zeitabständen gemacht werden. Die Stoppelfutterpflanzen werden in diesem Jahre sehr willkommene Hilfsmittel bieten, um das Herbstfutter zu vermehren. Abge sehen von den Stoppelrüben wird es ganz be⸗ sonders wichtig sein, noch für Grünfutter durch Einsaat in die Getreidestoppeln zu sorgen. Um schnelles kräftiges Wachsthum zu erzielen, sind die Stoppeln vor dem Ümbruch tüchtig mit Jauche zu überfahren oder mit Super phosphat, Kainit und Chilisalpeter zu über⸗ streuen. Für das Aufgehen ist das Herauf bringen einer tieferen frischen Bodenschichte, das unmittelbare Säen auf frische Furche und Zuwalzen zu empfehlen. Einige für den Stop pelfutterbau geeignete Gemenge seien hier an geführt,) ohne daß dadurch ihre Zahl er schöpft wird. Buchweizengemenge, be stehend aus 3 Theilen Buchweizen, 1 Theil Erbsen, 1 Theil Hafer und 1 Theil Gerste oder Raps, resp. Mais. Dieses Gemenge kann sowohl auf leichtem Sand, wie auf besserem Boden gesäet werden. Saatmenge

40 Kilo kleine Gerste, 40 Kilo Hafer und 20 Kilo Erbsen. Weißer Senf, Hafer und Buchweizen; der weiße Senf ist besonders wegen seiner Schnellwüchsigkeit ein passendes Stoppelfutter, der auch allein gesäet werden kann. Besser noch ist ein Gemenge mit Hafer und Buchweizen; von ersterem allein sind 80 Kilo pro Hektar an Saat erforderlich, im Ge menge 32 Kilo Senf, 32 Kilo Buchweizen und 100 Kilo Hafer. Die Verfütterung des Senfes allein wie des Gemenges, muß mit Beginn der Blüthe des Senfes beginnen, indem der selbe nach der Blüthe bald hartstengelig und bitter wird. Wie die Zusammensetzung schon zeigt, ist dieses Gemenge namentlich für die trockeneren Sandbodenarten geeignet, sobald es denselben nicht an der erforderlichen Kraft fehlt. Natürlich paßt es aber ebensogut für bessere Böden. Die Frühjahrsfutterproduktion für 1894 zu vermehren, wird um deswillen sehr wichtig sein, weil die Wintervorräthe voraus sichtlich knapp ausfallen werden. Als Mittel hierzu ist der Anbau von Inkarnatklee und Futterroggen längst bekannt, und in neuerer Zeit ist ein Gemenge von Futterroggen mit Zottelwicke sehr empfohlen worden. Obwohl die sorgfältige Bereitung und Aufbe wahrung des Winterfutters selbst in futterreichen Jahren eine ökonomische Pflicht ist, so dürfte doch in diesem Jahre besonders darauf aufmerksam zu machen sein, wie viel gerade hiervon abhängt. Vom rechten Zeitpunkt und der sorgfältigen Ausführung der Heuge winnung hängt nicht nur die Menge, sondern vorzüglich auch die Güte des Futters ab. Das Wiesengras, der Klee, einschl. Luzerne und Es parsette, werden inf diesem Jahre früher hart und überständig. Rechtzeitiges Abmähen ist daher wichtiger als sonst. Auch ist es für den Nachwuchs, der sich im Falle demnächstiger Niederschläge einstellen wird, entschieden besser, wenn die alten harten Pflanzentheile fort sind. Daß es unter den im nächsten Winter zu er wartenden Verhältnissen unverantwortlich wäre, wenn Futter in Folge schlechter Aufbewahrung zu Grunde ginge, bedarf wohl keiner näheren Erörterung. Aber es wird sich auch als un bedingt nothwendig erweisen, daß die verfüg baren Futtermittel recht sparsam einge- theilt werden, ohne daß die Ernährung des Viehes Noth leidet. In dieser Beziehung dürfte mehr als in anderen Jahren die Auf stelung eines Futter-Voranschlags er forderlich sein. Mit der Verwendung der in der Wirthschaft selbst erzeugten Futtermittel wird man trachten, die Mägen der Thiere zu füllen, also den Bedarf der Thiere an Trocken substanz zu decken. Hierbei werden die Stroh arten sehr werthvolle Dienste zu leisten haben. Ihre Verwendung zu anderen Zwecken, als zur Fütterung ist daher umsomehr auszuschließen, je ungünstiger in einer Gegend die Aussichten auf die Futterernte sind. Ja vielleicht wird es sich in manchen Landwirthschaften empfehlen, die Fütterung von Stroh in Form von Häcksel und im Gemenge mit anderem Futter schon den Sommer über durchzuführen, damit umso mehr Futter für den Winter erspart werde.

220260 Kilo pro Hektar. Johannis- roggen, Hafer, Erbsen und Gerste, zur einen Hälfte aus Johannisroggen, zur

anderen aus Hafer, Gerste und Erbsen be- stehend. Kann man dies Gemenge noch im Septemper mähen, so schlägt der Johannis- roggen auf's Neue aus, bestockt sich im Herbst und liefert im Frühjahr nochmals einen frühen Schnitt Grünfutter, oder mindestens eine gute Weide. Man säet 100 Kilo Johannisroggen,

Der Mais als Grünfutterpflanze verdient in diesem Jahre eine ganz besondere Beachtung, heil er warme Witterung liebt, die Trocken-

*) Nach Hildebrand, landw. Pflanzenbau. Berlin, Paul Parey. l

Hieraus ergibt sich aber die Nothwendigkeit des Ersatzes des Streustrohes. Die Landwirthschaft wendet sich in Fällen der Streunoth an die Forstwirthschaft, und ist letztere ja in den meisten Fällen in der Lage, helfend einzugreifen. Insbesondere glauben wir darauf aufmerksam machen zu sollen, daß die Großh. Ministerialabtheilung für Forst und Kameralverwaltung schon im vorigen Herbste mit Rücksicht auf die Futter- und Streunoth die Großh. Forstämter und Oberförstereien beauftragt hat, Streunutzungen in einem dem Bedürfnisse entsprechenden Umfange rechtzeitig

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