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28 gegen 19 Stimmen abgelehnt Ebenso wird ein Antrag von Graf Ortola und Dr. Schröder, die Deklarations pflicht erst bei 3200 Mark statt bei 2600 Mark beginnen zu lassen, gegen 10 Stimmen abgelehnt.

Berlin, 6. Febr. Rechstag. Bei der fortgesetzten Beratbung des Etats des Reichsomts des Innern im Reichstag führt Bebel aus, die Sozialdemokraten gäben den Kampf nicht auf; für sie sel es maßgebend, wle die Arbeiter denken Wer schließlich der moralische Sieger sein werde, das würden die nächsten Wahlen beweisen Die Soztaldemokraten bildeten sich nie ein, die besitzen den Klossen überzeugen zu können. Wenn die Bestreb ungen der Sozlaldemekraten widersinnig wären, so wür den si' sich selbst schn lad absurdum führen. Wenn, wie Stöcker sagt, die Massen unwissend seten, so set dies das Produkt der Erzlebung durch die Bourgeoiste. Das bischen Sozialreform sei nur der Furcht vor ver Soztal⸗ demokratie zu verdanken, ebenso sei die fünfjährige Le⸗ gislaturperls e aus Furcht vor der Soztaldemokratte eingeführt worden. Er habe positive Aufgaben genug gestellt, belspielswelse die Aufhebung der Zölle, die Auf heburg zahlreicher Privilegien, die Einführung der Miliz verfafung. Die Gegner könnten nicht einmal sager, was sie in fünf Jabren thun würden, aber von den Sozicldemokraten verlange man einen fertigen Plan für ewige Zeiten Der Uebergang zur neuen Gesellschafts ordnung würde sich, wenn die Verbältnisse genügend ent wickelt selen so rasch vollziehen, wie in Frenkreich, als Napoleon abdanken mußte. Sein BuchDie Frau werde mehr gelesen als RichtersZukunftsbilder. Red ner bebt die Betbelligung der Frauen an der soztal⸗ demokratischen Bewegung hervor Die Sozialdemokratie spreche sich nicht gegen das Sparen aus, wenn aber die Arbeiter sparen könnten, würden die Unternehmer die Löbne berabsetzen und der verringerte Konsum müßte die geschäftlichen Krisen verstärken. Die Unzufriedenheit sel die Quelle allen Fortschritts. Er schließt, wir wer⸗ den jeden Fortschritt, der von der Seite der Liberalen kommt, unterstützen, aber unsere Prinzipien festhalten, und seben getrost der Zukunft entgegen Bötticher (nat. Iib) bemerkt, die von der Sozialdemokratie geplant: neue Kulturstufe mit dem Mangel jeglicher Autorität set unmöglich Es gäbe keinen Staat, der so viel für die Arbeiter getban hat, als Deutschland, ohne daß die Soꝛlaldemokratle dabei mitgewirkt habe.Bebel gab selbst zu, daß die heutige bürgerliche Gesellschaft besse sel als alle früheren Die Arbeiter erkennen hoffentlich, daß sie sich mit den dunklen Andeutungen des demokre tischen Zukunftsstaates nicht begnügen können. v. Kos etlelski Pole) erklärt, in den polnischen Landesthetlen babe die Sozialdemokratie bisher die gerinzsten Fort schritte gemocht Die polnische Bevölkerung bilde durch ibren Glauben und ibre Vaterlandsliebe eine Brustwehr gegen die Sozialdemokratie Wenn die Parteien einig sesen, namentlich auch in Bezug auf die Webrkraft des Reiches, würden sich die Sozialdemokraten überzeugen, daß auch im Rabmen der bürgerlichen G sellschafts ord nung Gutes geleistet werden könne. Bachem Centr.): Die Rede Bebel's beweise, daß die Sozialdemokraten nur agltiren kritlsiren, diskreditiren. Bebel könne auch die Frage nach der Gestaltung der sonaltstischen Gesell schaftsordnung nicht beantworten Auch die Arbeiter schutznesetze und die preußische Steuerreform hätten einen sonlelsschen Charakter; solcher Sozialismus babe aber nichts Erschreckendes. Das Centrum sei auch sozia listisch, aber redlich soztalistisch und erziele daher praktische Er, folge; aber die Sezteldemokratle set revoluttonär so zialisisch und darum unfruchtbar. Nur auf dem Boden des Christentbums könne man die Gegensätze zwischen Reich und Arm mildern Richter bemerkt, Bebel wolle durch Scherze die Aufmerksamkeit von dem Ernst der Soche ablenken Die Frage, sb die Sozialdemokraten bei Erpropriiruntz der Aktsengesellschaften und Sparkassen die Aktionäre und Spareinleger entschädigen wollten, set unbeantwortet geblieben. Gerade das Privatunternebmer thum leiste in schweren Krisen Hilfe, indem es bei schlech ten Ernten Getreide berbelschaffe Die Sozialdemokraten bewiesen durch ihr bäufiges Sprechen von der Wissen schaft, wie wenig wissenschaftlich sie sind. Ein gleicher Lohn für alle Arbeiter würde die Produktivität der Ar beit vernichten Der sozlaldemokrotische Staat fübre den Arbeltsꝛwong bei Strafe der Verhungerung berbei, zer, störe völlig die Häuslichkeit. Die Arbeiter würden der Soztalde mokratie nicht folgen, wenn sie wüßten, daß Haus und Heimatb nur Schlafstelle sein sollen Wenn die viertägige Debatte die Faulheit und Taubheit des Kerns der soztaldemokratischen Lebre erwiesen babe, so seien die Tage nicht verloren(Allseitiger lebbafter Bei, foll.) Auf Antrag Singers wird die Fortsetzung der Debatte vertagt. 7 Febr. Reichstag Bel der Fort⸗ setzung der zweiten Berathung des Etats des Reichs amts des Innern bebauptet Liebknecht, die ganze viertägige Debatte über den sozlaldemokratischen Zukunfts staat sollte nur als Wolke dienen, hinter welcher sich der Kompromiß über die Willtärvorlage vollziehen sollte Nach einigen kurzen Bemerkungen Stöckers erklärt der Präfident v Levetzow den Uebergang zu einem anderen Gegenstande. Lingens(Centr.) meint, die Arbeiter wurden mehr Vertrauen zu den Fabrikinspektoren haben, wenn letztere auch aus den Reiben der intelligenten Ar beiter entnommen wurden. Hirsch(freis.) wünscht,

er behauptet, daß Inspektoren, welche mit Arbeitern in Verbindung treten, gemaßregelt würden. Die Mili färkommisston berseth beute den von Hintze erstatteten Bericht Nach demselben hat die Subkommission die Ueberzeugung ausgesprochen, daß durch die Heeres ver stärkung eine Vermehrung der fortdauernden Ausgaben der Heeres verwaltung über die von der Staatsregierung vorveranschlagtes 56,674,085 Mark, abgeseben von der 7,250,000 Mark betragenden bayerischen Quote, nicht zu erwarten sel. Die endgültigen Kosten für dauernde Kaserntrung der Truppen würden. die Quote Bayerns mit etna'schlossen. 01 Millionen erfordern

Essen, 5. Febr Eine gestern stattgehabte von 190 Bergarbeitern besuchte Versammlung schloß sich den am 2. Febr in Bochum gefaß⸗ ten Beschlüssen an. Es macht sich eine starke Agitation für den deutschen Bergarbeiterver⸗ band bemerkbar.

Ausland. Oesterreich⸗-Ungarn. Wien, 6. Febr. Der Polenklub hat von dem Regierungspro gramm Kenntniß genommen und sich bereit erklärt, die Regierung im Sinne des Pro⸗ gramms zu unterstützen, behält sich aber die sachliche Prüfung vor der Entscheidung vor. Der konservative Klub nimmt von dem Pro gramm Kenntniß, bedauert, ernste Bedenken gegen verschiedene Programmpunkte aussprechen zu müssen, findet aber keinen Anlaß, seine Stellung gegen die Regierung zu ändern. Budapest, 6. Febr. Das Abgeordneten haus beschloß die Veranstaltung einer Aus- stellung, zur Feier des tausendjährigen Be standes Ungarns, im Jahre 1896. Der Ministerpräsident erklärte, zu diesen Festlich⸗ keiten würden alle Völker von Europa einge laden werden.

Belgien. Gent, 6. Febr. Gestern fanden infolge von Magifestationen der Radikalen und Sozialisten gegen den Militarismus Unruhen statt. Ein Fahnenträger trug eine Fahne voraus, auf welcher ein Soldat mit einem Gewehr ab gebildet war. Die Polizei verbot das Weiter⸗ tragen der Fahne.

Frankreich. Paris, 7. Februar. Die Budgetkommission brachte den von der Unter⸗ Kommission entworfenen Text, jede Börsen operation mit einer mobilen Taxe zu be⸗ steuern, ein. Der Deputirte Ardelgief brachte in der Kammer die Frage der Wiederauf nahme der Arbeiten an der Landenge von Panama wieder ein. Der Minister des Aus wärtigen erklärte, die Frage vorläufig nicht be antworten zu können.

Rheims, 6. Febr. Gestern fand hier eine Konferenz von Arbeitslosen statt; es kam zu tu⸗ multuarischen Auftritten, sodaß die Polizei die Versammlung auflöste.

Portugal. Lissabon, 7. Febr. Depu⸗ tirtenkammer. Im Laufe der Berathung der Vorlage betreffend die Herabsetzung der Zinsen für die auswärtige Schuld wies der ehemalige Finanzminister Oliveira Martins darauf hin, daß es nothwendig sei, in dieser Hinsicht ein Abkommen mit den Inhabern der Verschrei bungen der auswärtigen Schuld zu treffen.

Spanien. Madrid, 5. Febr. Nach dem letzten Bulletin dauert die Besserung im Be finden des Königs fort. Die Königin-Regentin hat gestern das Dekret unterzeichnet, durch welches die Cortes auf den 5. April einbe rufen werden. Die Deputirtenwahlen werden auf den 5. März, die Wahlen zum Senat auf den 19. März anberaumt.

Rumänien. Bukarest, 5. Febr. Der Thron⸗ folger und Gemahlin trafen gestern hier ein und wurden vom König auf dem Bahnhofe willkommen geheißen. Zum Empfange waren alle Civil- und Militärbehörden, Staatswürden⸗ träger und deren Damen erschienen. Vom Bahnhof begab sich der König mit dem Thron folgerpaare zur Katherale und wohnte dem

daß alle Bundesstaaten gleich Preußen die Zahl der Fabrikinspektoren vermehrten Staatsminister v. Böt⸗ ticher erklärt, daß die Sonntagsruhe im Gewerbebetriebe bis zum 1. April nicht zu erwarten sei, weil das über reichliche Matertal bis dabin nicht verarbeitet werden könne. Beschwerden der Arbeiter nicht Rechnung getragen werde;

Wurm(So.) beklagt, daß den berechtigten

vom Erzbischof und Primas von Rumänien elebrirten Tedeum bei und unterzeichneten mit der hohen Geistlichkeit und den Staatswürden

trägern eine über den feierlichen Akt ausge

der Zug nach dem Palais, wo die Prinzessin Ferdinand von jungen Mädchen unter Ueber⸗ reichung von Blumen willkommen geheißen wurde. 5

Serbien. Belgrad, 7. Febr. Bei dem letzten Ministerrath stellten sich große Differenzen zwischen dem Finanzminister und dem Minister des Innern heraus. Letzterer griff den Er⸗ laß des Finanzministers wegen der energischen Eintreibung der Steuern an, weil dies die Zahl der radikalen Wähler vermehren würde.

Aus Stadt und Land.

s Friedberg. Sicherem Vernehmen nach ist Seminar- Direktor Schäfer um seine Penstontrung eingekommen. Direktor Schäfer kann auf eine sehr mannigfach gestaltete Lebrerthätigkeit zurückblicken mit dem schönen und er⸗ hebenden Bewußtsein, in jeder Lage das Beste gewollt und erstrebt zu haben. Schon vor dem Seminarbesuch lehrend an manchen Orten des Odenwalds thätig, bekam er nach dem Abgang vom Friedberger Seminar eine Stelle in Lautenau; nach 2 Jahren sehen wir ihn an der Stadtschule in Michelstadt und später an der dortigen Realschule. Nach 15jährigem Wirkungskreis daselbst ourde er an die neuerrichtete Realschule in Alsfeld ver⸗ setzt und nach Weggang des damaligen Realschuldirektors eim des jetzigen Geb. Overschulraths zum Direkter dieser Anstalt einannt Im Jahre 1873 über trug man ibm die Direktion unseres Seminars. Hier ist er also 20 Jahre. Welch eine lange Zelt segens zeichen Wirkens! Keine bedeutende Aenderung unseres Volksschulwesens wie Schulgesetz u. s. w. vollzog sich in unserm Lande, an der Direktor Schäfer nicht wesentlich betheiligt zewesen wäre. Schreiber dieses weiß nur zu gut, wie schwierig die Verhälinisse an unserem Seminar lagen, als Schäfer die Leitung 873 übe: nahm. Doch er brachte die Anstalt in kurzer Zeit dahin, daß sie wieder geachtet nach außen da stand, und daß die Basis erfolgreicher Erztehungsarbeit erieicht war, näm⸗ lich Ruhe und Frieden im Innern. Die Durchführung der Bestimmungen des neuen Schulgesetzes machte eine größere Zahl von Lehrern nöthig. Bis zur Errichtung des Alzeyer Seminars fie jahrelang Fetedberg die schwere Aufgabe zu, die doppelte, ja mehr als die doppe te Zahl von Lehrern auszubilden Daß dies nur mit Aufbtetung aller Kräfte geschehen konnte, ist klar. Die Gründung des Seminars zu Alzey brachte Friedberg die ersehnte Erleichterung Jahre sind seitdem dabingegangen, und vergessen ist viel von dem, was damals gethan und wie viel Opfer an Kraft und Zett die damalige Ueberfüllung der Aastalt forderte Doch der NameSchäfer, den wir ungern bermissen an der Spitze unseres Seminars, dieser Name ruft wieder in jedem recht fühlenden Lehrerherzen die Achtung, Liebe, Ehrerbietung und Dankbarkeit wach, welche alle, die unter ihm das Seminar besucht haben, beseelt. Wohl kein einziger der vor ibm am Seminar gewesenen Leiter hat so ng mit den Lehrern seinen ehemaligen Schülern gestanden, und wir werden immer seiner aufopfeinden Tätigkeit, seines kraftvollen, gerechten und geraden Auftretens und seines humanen Wesens als Muster gedenken Hoffen und wünschen wir alle, daß er noch lange die Tage wohlverdtenter Ruhe zur Freude seiner Familte, seiner dankbaren Schüler und seiner vielen Freunde aus Nah und Fern genieße.

g. Friedberg Wie der Stadtverordnetenbeschluß über den Bau einer Rennbahn für Radfahrer auch in weiteren Kreisen des Rennsports gewürdigt wird, ergibt sich aus nachstehender Mittheilung des Gaufahrwarts für den Gau n 9 in Frankfurt a M., welcher in der in Magdeburg erscheinenden Fachzeltschrift und amtlichen Z itung des deutschen Radfahrer Bundes vom l. Febr. d. J folgendes schreibt:Neue Pflegestärten des Sports. In dem berrlichen Friedberg in der Wetterau beginnt man zur Zeit mit den Vorarbeiten zum Bau einer 50

eter⸗Babn. Die günstige Lage Friedbergs, direkt beim Curort Naubeim, dürfte eine sichere Gewähr für die Rentab.lität des Unternehmens sein. Iasbesondere durfte die Rennbahn dem Nordbezirk des Gau 9 sehr zu statten kommen Unternehmer ist die Stadtverwaltung in Fried berg Wir wünschen diesem neuen Unternehmen eine recht günstige Zukunft.

ll. Friedberg. Gestern fand die Verpachtung der biesigen JIigd statt Die Jagd im Burafelde wurde an einen Frankfurter Jäger für 360 Mk., seither 65 Mk, derpachtet, während die Jagd in der Stadtgemarkung an einen hiesigen Jäger für 1050 Mk, seither 700 Mk., abgelassen wurde.

r. Bad Nauheim. Am letzten Samstag fand unter Betheiligung vieler Vertreter auswärtiger Turnvereine die Einweihung der neuen Turnhalle statt. Der Bau, welcher zur Zierde unserer Stadt gehört, ist in praktischster Weife ausgeführt.

Lich Im Jahre 1300 wurde von Kalser Albrecht II. dem Grafen Phtlipp III. von Falkenstein für seine Stadt Lich Stadtgerechtigkett verltehen. Mithin kann Lich im Jahre 1900, alse in 7 Jahren, die bezügliche 600 jährige Jubelfeter begehen.

Kastel. In unserer Stadt befindet sich noch die Wittwe eines Veteranen der ehemallgen französtschen Armee, Namens Kaiser, am Leben. Die Frau stebt im 99 Lebensjahre und befindet sich dieselbe den Umständen

Istellte Erinnerungsurkunde. Hierauf begab sich

nach noch recht rüstig; nur ihr Gehör k ist schwach geworden. Die Geeisin stammt aus dem Otte Sörgenloch.

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