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Deutsches Reich.

Berlin, 4. Nov. Der dem Bundesrath zugegangene Gesetzentwurf betreffend die ander⸗ weitige Ordnung des Finanzwesens des Reiches besagt, die Matrikularbeiträge ausschließlich der von einzelnen Ländern zu zahlenden be⸗ sonderen Ausgleichsbeträge sind für jedes Etats⸗ jahr nur in der Höhe einzustellen welche mindestens 40 Millionen hinter dem Gesammt⸗ betrage der Ueberweisungen aus Zöllen, der Tabaksteuer, den Reichsstempelabgaben und den Branntweinverbrauchsabgaben zurückbleibt. Er⸗ gibt sich für ein Etatsjahr eine höhere Differenz zwischen den Matrikularbeiträgen und den Ueberweisungen, so verbleibt der Mehrbetrag dem Reiche und sind die Ueberweisungen aus den Zöllen der Tabaksteuer ꝛc. entsprechend zu kürzen. Bei einem Minderbetrag bleibt ein entsprechender Betrag der Matrikularbeiträge unerhoben. Nach der Rechnung sich ergebende Ueberschüsse des Reichshaushalts sind zu be sonderen Fonds anzusammeln, welche zur Aus⸗ gleichung der Fehlbeträge der folgenden Jahre zu verwenden sind. Erreicht dieser Ausgleichungs fonds 40 Millionen, so sind weitere ihm zu⸗ fließende Beträge zur Tilgung der Reichsan leihen zu verwenden. Die Verwaltung des Ausgleichungsfonds führt der Reichskanzler. Dem Bundesrath und dem Reichstag ist bei ihrem regelmäßigen jährlichen Zu sammentritt über Bestand und Veränderung des Fonds Mittheilung zu machen. Zur Deckung eines im Reichshaushaltsetat bei fortdauernden oder einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats sich ergebenden Fehlbetrags können, soweit nicht der Ausgleichungsfonds in Frage kommt, Zu schläge auf Verbrauchsabgaben gelegt werden. Die Bestimmung darüber, auf welche Ver⸗ brauchsabgaben, in welcher Höhe und welcher Dauer die Zuschläge gelegt werden sollen, er folgt durch besonderes Gesetz.

Ausland. Oesterreich-Ungarn. Budapest. Der König hat endlich der Einreichung des Gesetz entwurfs betr. die obligatorische Civilehe zu gestimmt und das Cabinet wird aller Wahr scheinlichkeit nach den Entwurf bereits 8 gleichzeitig mit dem Entwurf betr. Einführung von Verwaltungsgerichtshöfen, dem Parlament vorlegen.

4. Nov. Fürst Windischgrätz wurde in der heutigen zweiten Audienz von dem Kaiser formell mit der Bildung eines neuen Kabinets betraut.

Frankreich. Paris, 3. Nov. Wie der Matin meldet, sind vor einigen Tagen die französischen Vertreter in Marokko zum Sultan gereist, um demselben ähnliche Beschwerden, wie sie Spanien erhebt, bezüglich der algerischen Grenze vorzulegen. Die Antwort des Sultans könne in Paris erst nach 10 Tagen bekannt werden.

Ajaccio, 3. Nov. Das russische Geschwader ist heute früh in See gegangen. Die auf dem Quai anwesende Menge rief den abdampfen- den Schiffe zu:Es lebe Rußland! Auf Wiedersehen! Die russischen Seeleute antwor teten mit dem Rufe:Es lebe Frankreich!

Großbritannien. London, 3. Novbr. DemGlobe zufolge ist Mittwoch Abend auf dem mittelsten Bogen der Westminsterbrücke ein Dynamitbombe im Gewichte von sieben Pfund gesunden worden. Wie die bisherige Untersuchung ergeben hat, steht außer Zweifel, daß das Attentat gegen den an die West⸗ minster-Brücke grenzenden Parlaments-Palast gerichtet war. Außer der Bombe wurden auf anderen Brückentheilen mehrere mit Schießpulver und Kugeln gefüllte Patronen vorgefunden. Die Bombe hatte einen kupfernen Zünder und wog 10 Pfund, sie sah wie ein Militärgeschoß aus. Einige Stunden vor der Auffindung der Bombe fand man ein nahebei umgestürztes ab getriebenes Boot im Flusse.

Spanien. Madrid, 3.

Nov. Wie ver⸗

lautet, hat bei Melilla ein neues, für die Spanier günstiges Gefecht stattgefunden. Eine amtliche Bestätigung liegt jedoch noch nicht vor.

Rußland. Petersburg, 31. Okt. Der Czar und die Czarin werden sich demnächst nach dem Kaukasus begeben, um daselbst ihren zweiten Sohn, den Großfürsten Georg zu besuchen, über dessen Gesundheitszustand ungünstige Be⸗ richte in Petersburg einlaufen.

Afrika. Kamerun. Ueber die Ueberfälle von zwei Wagenzügen durch Hendrik Widbooy liegt imDtsch. Kolbl. ein Bericht des Premier⸗ lieutenants v. Francois, aus Windhoek vom 11. Sept. vor. Dieser bestätigt alle bereits nach Kapstädter und Privat-Nachrichten ge⸗ meldeten Einzelheiten, ist aber durch spätere Vorfälle bereits überholt. Die Zustände im südwest⸗afrikanischen Schutzgebiet sind durch die Räubereien des Hottentottenhäuptlings geradezu anarchische.

Sansibar, 1. Nov. Der Kapitän und die Mannschaft der französischen Dhau, welche mit 67 meist im Kindesalter stehenden Sklaven an Bord im Hafen von Sansibar von dem eng⸗ lischen KriegsschiffPhilomela im April ge kapert wurde, ist von dem Gerichtshofe in Réunion, vor welchen die Sache durch den französischen Consul in Sansibar verwiesen wurde, freigesprochen worden. Diese Thatsache hat derTimes zufolge Sensation hervor gerufen, da hierdurch der Sklavenfang unter französischer Flagge für straflos erklärt wird.

Kapstadt, 4. Nov. DerDaily News wird aus Fort Victoria in Maschonaland ent⸗ gegen früheren Meldungen berichtet, daß die südliche Colonne, unter dem Obersten Gould, Adams noch nicht in Buluwayo angetroffen; der größere Theil des Matabele-Heeres, zu welchem wahrscheinlich auch Lobengula nach seiner Niederlage gestoßen sei, habe sich gegen Adams aufgestellt.

Aus Stadt und Land.

2 Friedberg. Am letzten Dienstag als am Ge denktage der gottgesegneten Reformation wurden in einer gut besuchten Versammlung derEv. Vereinigung Luther's 95 Thesen gegen den Ablaß im Zusammen⸗ hang vorgelesen und dann, unter freudiger Antheil nahme der Erschienenen, eingehend besprochen. An diese denkbar beste Vorbereitung dazu soll sich auch in diesem Jahre wieder der für unsere ev. Gemeinde zu einer allbeliebten festen Einrichtung gewordene Luther⸗ Abend am Freitag den 10. November, im hiesigen Saalbau, anreihen. Den Mittelpunkt desselben wird ein Vortrag des als tüchtiger Theologe und Redner be

kannten Consistorialraths r. Ehlers von Frankfurt a. M.

über Luther's SchriftVon Freiheit eines Christen⸗ menschen bilden. Die Mitwirkung des durch seine trefflichen Leistungen von früheren Luther-Abenden her in bestem Andenken stehenden Seminaristen-Chors ist von competenter Seite gütigst gestattet, und der sich wie gewöhnlich anschließende gesellig⸗musikalische Theil des Abends wird hoffentlich abermals durch Gesang und

Instrumental-Musik eine schöne Ausgestaltung finden.

Annonce folgt in nächster Nummer des Anzeigers.

L. Friedberg. Am letzten Samstag feierte der im vorigen Jahr gegründete hiesige Zitherklub sein erstes Stiftungsfest mit Concert und Tanz. Die Feier bestand in Zither- und Xylophonvorträgen, sowie in der Darstellung lebender Bilder. Sowohl die Gesammt⸗ als auch die Einzelstücke wurden sehr gut vorgetragen und ernteten die Spielenden reichen Beifall. Nicht minder fanden die lebenden Bilder eine überraschend gute Aufnahme. Den Mitwirkenden insgesammt, be sonders aber dem Leiter des Klubs, G. Heimburg, ge bührt volles Lob, daß er in solch' kurzer Zeit den Verein soweit gebracht hat, mit derartig wirklich schonen Leistungen vor die Oeffentlichkeit treten zu können. Nach Schluß des Concerts wurde noch flott getanzt und herrschte den ganzen Abend eine animirte Stimmung.

Friedberg. Im Vogelsberge ist in der Nacht zum 2. November der erste Schnee gefallen; der ganze obere Vogelsberg hatte einen weißen Wintermantel an- gezogen.

Worms, 3. Nov. Von dem um 10 Uhr 40 Min. von Mainz hier eintreffenden Personenzug ließ sich ein Metzger von Oggersheim überfahren; der ganze Zug ging dem Selbstmörder, der auf der Stelle todt war, über den Kopf.

Allerlei. München, 3. Nov. DasM. Thgbl. meldet aus Tegernsee: Gestern Nacht wurde eine Dynamitpatrone in das Försterhaus von Egern geschleudert. Sie ex⸗ plodirte und richtete im Zimmer großen Schaden an.

Verletzt wurde Niemand.

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Erefeld, 2. Nov. Der 10jährige Knabe Herm. Schüten aus dem benachbarten Dorfe Bockum ist seit

Bei Schönebeck fand heute Vor⸗ Zusammenstoß zweier Eilgüterzüge statt.

Ein Bremser und ein Viehknecht blieben todt; außer⸗

dem wurden 5 Personen schwer, 5 leicht verwundet.

Hannover, 2. Nov. Gestern Abend wurde das Urtheil im Spieler⸗ und Wucherprozeß verkündigt. Es erhielt v. Meyerinck 4 Jahre Gefängniß und 5 Jahre Ehrverlust, Fährle gleichfalls 4 Jahre Gefängniß und 5 Jahre Ehrverlust, Samuel Seemann 2 8 Ge⸗ fängniß und 5 Jahre Ehrverlust, Abter 4 Jahre Ge⸗ fängniß und 5 Jahre Ehrverlust. Mar Rosenberg wurde freigesprochen; Heß wurde zu 2 Jahren Gefängniß und 5 Jahren Ehrverlust, Süßmann zu 1000 M. Geldstrafe und Julius Rosenberg zu 750 M. Geldstrafe verurtheilt. Außerdem wurden noch Abter, Meyerinck, Fährle und Samuel Seemann zu einer Geldstrafe von je 1000 M. verurtheilt.

Berlin. Marineamt an, daß an der Südküste von Langeland die Leiche eines deutschen Seelieutenants angetrieben ist, zweifellos die des Anfang August an Bord des PanzerschiffesBaden verunglückten Lieutenants zur See L. Oelsner.

Schneidemühl, 4. Nov. An der Ausbruchsstelle fließt heute viel Schlammwasser aus, das große Thon⸗ stücke mitführt. Gleichzeitig entströmt auch dem Aus⸗ flußrohr viel Wasser. Der Brunnen-Techniker Beyer nimmt an, daß mehrere Wasserschichten im Thonlager vorhanden sind; er will an der Ausbruchsstelle ein sechs⸗ ölliges Rohr in die Tiefe führen, um alle Wasser⸗ schichten abzufangen. Die Lage ist bedenklicher geworden.

Kopenhagen. Das älteste existirende, noch fahrende Handelsschiff, der hiesige SchonerSvanen, erbaut 1777 in Eckernförde, ist bei Island untergegangen.

Wien, 2. Nov. In der Strafanstalt Garsten bei Steyr weigerten sich vorgestern 40 Sträflinge zur ge⸗ wohnten Arbeit zu gehen. Das aus Steyr herange- zogene Militär machte dem Strike bald ein Ende und die Führer der Bewegung wurden in Eisen gelegt. Einige Gefangene verspotteten von den Fenstern aus die Militärposten und als einer der Spötter die Mah⸗ nung zur Ruhe unbeachtet ließ, schoß der Posten zum vergitterten Fenster hinauf, worauf der Gefangene schwer verletzt vom Fenster zurückstürzte. Ein zweiter Gefangener, der nach diesem Vorfall das Beschimpfen des Militärs fortsetzte, wurde ebenfalls von dem Posten angeschossen und erhielt eine leichte Verwundung.

Belgrad. Das Correspondenzbureau erklärt auf Grund authentischer Belgrader Nachrichten, die Mel⸗ dung von der Ermordung des ehemaligen Justizministers Velimirovic sei unwahr.

Santander, 3. Nov. Ein mit Dynamit beladenes Schiff gerieth in Brand und flog mit ungeheurem Krachen in die Luft. Alle Fenster in der Stadt und Umgebung sind gesprungen; brennende Trümmer wurden weit fort⸗ geschleudert. Die Katastrophe hat zahlreiche Opfer ge⸗ fordert. Das Telegraphenbureau ist völlig zerstört. Unter den bei der Katastrophe getödteten, auf dreihundert geschätzten Personen befinden sich der Civilgouverneur der Stadt und andere Autoritäten. Außerdem standen gestern Abend in Folge der Explosion etwa 60 Häuser in Flammen; ein in den Bahnhof einlaufender Per- sonenzug wurde zertrümmert, wobei mehrere Reisende getödet und verwundet wurden.

Yokohama, 18. Okt. In Okoayama, Tokashina und anderen Distrikten haben Ueberschwemmungen statt · gefunden und man befürchtet, daß zahlreiche Menschen umgekommen seien. In Kitakata wurden 50 Personen durch Erdmassen verschüttet.

Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus.

Dienstag den 7.: Carmen. Gewöhnliche Preise.

Mittwoch den 8.: 11. Abonnements⸗Concert unter Mit⸗ wirkung der königl. bayer. Kammersängerin Milka Termina. Concert-Preise.

Donnerstag den 9.: Don Juan. Gewöhnl. Preise.

Freitag den 10.: Flick und Flock. Kleine Preise.

Samstag den 11.: Regimentstochter. Hierauf: Ver⸗ sprechen hinterm Herd. Gewöhnl. Preise.

Sonntag den 12.: Nachmittags Uhr: Zum vor⸗ letzten Male: Flick und Flock. Kleine Preise. Aends 7 Uhr: Verkaufte Braut. Große Preise.

Montag den 13.: Zum letzten Male: Flick und Flock. Außer Abonn. Kleine Preise.

Dienstag den 14.: Zum ersten Male: Die Willis. Oper in 2 Akten von Puzzini. Das Versprechen hinterm Herd. Große Preise.

Schauspielhaus.

Dienstag den 7.: Mauerblümchen. Gewöhnl, Preise.

Mittwoch den S.: Die Schwestern. Gewoöhnl. Preise.

Donnerstag den 9.: Vorfeier zu Schiller's Geburtstag: Maria Stuart. Gewöhnliche Preise.

Freitag den 10.: Zu Schiller's Geburtstag: Don Carlos. Gewöhnliche Preise.

Samstag den 11.: Orpheus wöhnliche Preise.

Sonntag den 12.: Kleine Preise.

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in der Unterwelt. Ge

Nachmittags Uhr: Die Ehre. Abends 7 Uhr: Zum ersten Male: Charleys Tante. Schwank in 3 Akten von Thomas. Vorher: Millionär a. D. Lustspiel in 1 Akt von Labiche und Légouré. Uebersetzt von

Gewöhnliche Preise.

20 vergangener Woche spurlos verschwunden. Der

nabe hatte an diesem Tage seinem Vater das Mittag⸗

essen gebracht. Halle, 4. Nov.

Die dänische Regierung zeigte dem Reichs-

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