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verstünden alle Unzufrledenen um sich sammeln, von denen viele sofort abschwenken, sobald es sich um die Verwirk lichung ihrer Pläne handelte. Der soztaltstische Staat müsse zur Zerstörung der Häuslichkett und der Familie führen, was wiederum die Auflösung des soztalistischen Staates selbst veranlassen müsse. Frohme(Soz.) er klärt, Bebel habe gestern ruhtg und sachlich Auskunft über den sozlallstischen Zukunftsstaat gegeben, aber von keiner Seite set man darauf auch nur mit einer Silbe ein gegangen. Die Sozialdemokraten glaubten eben nicht, daß man mit dem heutigen S aatswesen am Ende der Entwickelung angelangt sei. Der Zukunftstaat werde die Arbeiter nicht tyrannistren; die unerhörten Einrichtungen, welche man ihm zuschrelbe, seien der gegenwärtigen Ge sellschaft eigen Stöcker: Das wichtigste Ergebniß der letzttägigen Debatten liege darin, daß eine so ziel bewußt auftretende Partei hier ihren Bankerott erklären mußte, indem sie einfach sagte, übe ihren Zukunftsstaat selber nichts zu wissen. Was den Nothstand betrifft, so thäten die Soztald-mokraten nichts, um demselben praktisch ab zubelfen. Man bätte in diesen Togen gesehen, die sozial demokratische Partet habe nichts, wisse nichts und könne nichts. Das Lobenswerthe der sozlaltstischen Bewegung sel das Streben des vierten Standes nach einer böheren Stufe des Lebens Das erreiche man aber nicht durch wüste Agttatlon und brutale Antorderungen, sondern durch den Beweis, daß man selbst sittlich und religtös auf einer höheren Stufe stehe. Hitze(Centr) betont geg nüber Frohme, die ganze sozlalpolitische Gesetzgebung sei auf der Herstellung einer Inttressenbarmonte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnebmern gerichtet, die Sozial demokraten betrachteten die Unzufriedenheit als Selbst zweck und verblelten sich dater ablehnend gegen alle Woblfabrtseinrichtungen, welche zur Beseitigung der Un zufrledenbelt geeignet seten.

Der Gesetzentwurf über die Pflichten der Kaufleute bei Aufbewahrung fremder Werth papiere umfaßt 14 Paragraphen. Danach müssen Werthpapiere unter äußerlich erkennbarer Bezeichnung jedes Hinterlegers oder Verpfänders gesonde nt aufbewahrt werden. Die Werthpapiere eines jeden Hinterlegers müssen in einem be sonderen Handelsbuche genau bezeichnet und eingetragen werden.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 3. Febr. Der Kaiser empfing gestern den Prinzen Ferdi⸗ nand von Koburg in längerer besonderer Au dienz. Entgegen seiner bisherigen Gepflogen heit trug der Fürst bei der Audienz bulgarische Generalsuniform. Heute empfing Fürst Ferdi⸗ nand die Besuche des Grafen Kalnoky und des türkischen Botschafters.

3. Febr. Ministerpräsident Wekerle wird erst morgen nach Budapest zurückkehren, nachdem er mit dem Minister Steinbach eine vollständige Vereinbarung getroffen haben wird. In erster Linie wird auch die Frage über die österreich-ungarische Bank Gegenstand der Konfe renzen bilden. In der Konferenz, welche der Ministerpräsident mit dem Minister des Aus⸗ wärtigen hatte, wurden internationale, politische und volkswirihschaftliche Angelegenheiten er örtet. Es wurde u. a. konstatirt, daß es ge lungen ist, Deutschland von der Absicht einer Grenzsperre gegen den Viehtransport aus Un garn abzubringen, indem die deutsche Reichs Regierung zu der Ueberzeugung gelangt sei, daß Ungarn auf administrativem Wege alles gethan hat, um eine weitere Ausdehnung der Lungenseuche vollständig zu verhindern.

3. Febr. DasNeue Wiener Tage⸗ blatt meldet, Graf Kalnoky habe dem Minister Präsidenten Wekerle gegenüber die auswärtige Lage als so ruhig bezeichnet, daß eine Drei Kaiser⸗Zusammenkunft wahrscheinlich sei. Die ungarische Regierung wird, nachdem sie die Einwilligung der Krone erhalten, unbedingt noch in dieser Session Gesetzentwürfe über die Rezeption der Juden und über die Matrikel Führung vorlegen.

Pest, 3. Febr. Der Direktor der Ge wehrfabrik empfing eine Deputation der Arbeiter, welche erklärte, ein großer Theil der Streikenden wolle die Arbeit wieder aufnehmen. Der Direktor antwortete, die Schmiede und Mechaniker könnten am 6. Febr. die übrigen am 9. Febr. eintreten.

Frankreich. Paris, 4. Febr. Dem Petit Journal wird aus Laon gemeldet, ein Bataillon Fußtruppen und eine Batterie Ar⸗ tillerie seien nach St. Benoit-Grignier abge⸗ gangen, wo ein Ausstand der Korbflechter ausgebrochen ist.

Großbritannien. London, 4. Febr. Es verlautet, die Regierung habe eine Depesche von Lord Cromer erhalten, worin dieser meldet, die gegenwärtigen Zu ände Egyptens erheischten

die Landung aller dahin beorderten britischen

Truppen.

Spanien. Madrid, 3. Febr. Die Protest⸗ versammlungen der liberalen Vereine gegen das Verhalten des Ministeriums Sagasta in der Angelegenheit der protestantischen Kirche nehmen im ganzen Lande zu. Mehrere Versammlungen beschlossen, die protestantische Kirchenfrage zu einer Wahlfrage zu machen.

Türkei. Konstantinopel, 3. Febr. Die Pforte hat bisher keinen Schritt in der egyptischen Frage unternommen. Großvezir Djevad erklärte dem bulgarischen Agenten Dimitroff, der Sultan erhebe keinen Einspruch gegen die bulgarische Verfassung.

Aus Stadt und Land.

D. Friedberg Den vielen Besitzern alter Fracht briefe ist es gewiß erwünscht, zu hören, daß laut Beschluß des Bundesrathes die alten Frachtbriefe noch bis zum 1 Juli 1893 verwendet werden dürfen, nur ist der Satz die deklartrte Gesammt Werihsumme beträgt ganz und in dem darnach folgenden Satze das Wortrechtzeitigen zu durchstreichen.

2 Groß Karben. Wenn auch nicht unerwartet, so doch unter den wehmüthigsten Gefühlen und unter Aner kennung seines Verdienstes, wurde heute das am 2 Febr. stattgefundene Ableben des früheren Arztes F Neiß dahier bekannt. Der Verstorbene war ca. 5 Jahre dahier und in den umliegenden Orten als praktischer Arzt tbätig und erwarb fich durch seine Kenntnisse und Geschicklichkeit, verbunden mit großer Pflichttreue und rastlosem Eifer, die Hochachtung Aller, welche mit ihm verkehrten. Es ist nicht zu biel behauptet, wenn man seinen frühen Heimgang gerade seiner auf seine eigene Gesundheit zu wenig achtenden Gewissenhaftigkett in Ausübung seiner Praxis zurückführt. Als im Winter 1889 0 die In fluenza seuchenartig auftrat und fast Jedermann davon ergriffen wurde, blieb auch er nicht davon verschont. Gleichzeitig trat in mehreren Orten seiner Praxis die tückische Dipbtherte auf und erheischte seine unausgesetzte Thätigkeit bei Tag und Nacht. Die Schonung von allen Geschäften, welche die Influenza metstens den unter ihr Leldenden auferlegte und dann auch Heilung brachte, ward dem vielbegehrten Arzte nicht zu Theil, und so suchte er für Andere Heilung und blieb im Dtenste der leidenden Menschheit während er selbst krank war und sich keine Ruhe gönnte. Im Frühjahre 1890 traten dann die ersten Anzeichen seiner gestörten Gesundheit zu Tage und entwickelten sich leider zu einer unheilbaren Gebirn krankheit. Nachdem der Verlebte seine ärztliche Praxis aufgeben mußte und noch mehrere Jahre theils unter der treuen Pflege seiner Familie, theils in Hetllanstalten Genesung suchte, erlöste ihn der Tod am 4. Februar von seinen Leiden. Das Andenken des Heimgegangenen wird stets dahier und in allen Orten, wo er als Arzt thätig war ein gesegnetes sein.

Allerlei. Limburg, 3. Febr. Nach demG. An. zuge gangener Meldung fand heute Vormittag auf der Strecke Gießen Coblenz, direkt hinter Runkel, ein kolossaler Erd ruisch statt. Unglücksfälle, Versperrung oder Beschädig ung des Bahnkörpers sind bis jetzt nicht bekannt.

Kassel. Am 2. Febr, Morgens um 5 Uhr, stürzte unter donnerähnlichem Krachen, weithin in der Stadt vernehmbar, das Wohnh eius Nr. 8 in der Kruggasse ein Die sofort alarmitte Feuerwehr hat 4 Personen aus den Trümmern des Hauses hervorgeholt, eine Arbeit, die nicht leicht war, doch glücklich gelang, so daß ein Verlust an Menschenleben nicht zu bekl gen ist. In dem Hause wohnten im Ganzen einige 30 Personen.

Vilshofen in Niederbayern, 4. Febr. Im benach⸗ barten Granitwerk Taferl brach gestern Mittatz die Vils brücke, an der man Arbeiten vornahm, zusammen; sechs Arbeiter wurden unter den Trümmern der Brücke und unter dem Eise, welches gerade ins Treiben kam, begraben.

Breslau, 3. Febr. Der Sensattonsprozeß gegen Dr. med. Schwandt wurde nach mehrwöchiger Verhandlung beendigt. Der Angeklagte wurde zu zehnjährigem Zucht haus mit Ehrverlust fr die gleiche Zeitdauer verurtheilt.

Amster dam, 2. Febr. Beim Rangiren fuhr eine Maschine bei dem Bahnhof Velsen durch die offenstehenden Brücke in den Nordsee-Kanal. Der Zugfübrer, Heizer und Schaffner sind ertrunken, die Fahrt durch den Kanal ist gebemmt.

Brüssel, 3. Febr. Diebe brachen im Palais des Grafen Flandern ein und stahlen 400 000 Frs. in Werthsachen. 5 0 Parlermo, 3. Febr. Die Leiche des Exsindacos von Parlermo, des Direktors der siziltanischen Bank, Bartolos, wurde in der Nähe der Station Altavilla von Dolchstichen vurchbohrt aufgefunden. Derselbe scheint von zwei gutgekleideten Individuen ermordet und aus dem Waggon geworfen worden zu sein. Die Verfolgung ist eingeleitet. Es liegt wahrscheinlich ein Racheakt vor.

Bludenz, 3. Febr. Auf der Arlbergbahn zwischen Langen und Dalaas wurden heute Nacht zwei Brücken durch Lawinen weggerissen Der Gesammtverkehr zwischen Langen und Braz ist auf sieben Tage eingestellt

Belfort, 3 Febr. Hier fand heute Nacht ein leichtes Erdbeben statt.

Athen, 2. Febr. Die Anzahl der durch das Erd⸗ beben auf Zante verletzten Personen beträgt 200. In Zante ist kein bewohnbares Haus übrig geblieben. In den Dörfern herrscht große Panik. Nachrichten aus dem Innern fehlen. 3. Febr. Heute erfolgte in Zante ein neues Erdbeben, gefolgt von heftigem Sturm. 10,00 Personen sind obdachlos. Das englische KriegsschiffCamperdown und 3 griechische Krlegsschiffe sind in Zante eingelaufen, um Hilfe zu bringen.

Die Seewiese.

In Nachstehendem veröffentliche ich den Wortlaut meines am 14. Oet. 1892 an den Gemeinderath der Stadt Friedberg gerichteten Schreibens, in der Absicht, irrigen Auffassungen und Meinungen zu begegnen, welche aus Anlaß meines Anerbletens, die Anlage der Seewiese be⸗ treffend, entstanden sind:Die Grundlage des Plans zu einer Anlage der Seewiese, über deren Zweck in einem an den Gemeinderath gerichteten Briefe vom 20. April 1890 das Nähere enthalten ist, ist aus der bier belfolgenden Zeichnung der Herren Gebr. Siesmayer ersichtlich. Aende⸗ rungen im Einzelnen ohne Beeinträchtigung des Charakters des Ganzen würden vorbehalten bleiben. Ehe ich an die Ausführung dieser Stiftung an die Stadt herantrete, ist eine bindende Antwort settens der Stadt auf die Fragen nothwendig: 1) Billigt die Stadt den vorliegenden Plan? 2) Verpflichtet sich die Stadt für alle Zukunft die Anlage auf ihre Kosten in Schutz und Pflege zu nehmen und ihr den Grundzug: daß sie unentgeltlich, ausgenommen für zeitweilige ausschließliche Ueberlassung gewisser Theile der Wiese an Vereine(Radfahrer Verein, Elslaufverein), gegen eine Jahresverzütung(Mietbe) Ge⸗ legenheit und Raum bietet für Erholung, Erfrischung und Kräftigung von Jung und Alt im Allgemeinen, für die gymnastische Erziehung unserer Jugend im Besonderen für alle Zeit zu erhalten? Im Falle der Bejahung dieser Fragen bedinge ich als Leistungen der Stadt das Folgende: a. im Anschluß an bie 1893 neu zu pflasternde, auf beiden Seiten mit erhöhtem Bankett zu versehende Neu thorstraße, Herstellung eines bequemen Zugangswegs in der Breite der Neuthorstraße vom Seegraben zur Wiese; b. chaussirte genügend brette(3 m) Zugänge zur Wiese unterhalb Phtlippt, Windecker's Keller und von der Ockstädter Chaussee; o. Einführung der städtischen Wasser⸗ leitung in die Wiese nach Siesmayer's Angabe; d. un⸗ entgeltliche Wasserabgabe für Anlegungs und Unter- haltungszwecke, zum Trinken, für die Bedürfnißbäuschen, wenn nothwendig, für die Berteselung der Schlittschuh⸗ bahn; e. Ueberwachung des Seebachs durch den Stadt- baumeister. So lange das Bachbett in dem jetzigen Zu⸗ stand bleibt, hat dessen gründliche Reinigung öfter wie bisher zu geschehen, damit der Wasserlauf nicht ver⸗ schlammt, nicht verwächst; die Stauung des Bachs zu Eislaufzwecken ist ein für allemal zuzusichern; f. unter⸗ irdische(durch Röhren) Zuleitung der Abwässer längs des Seegrabens in den Seebach; g. Anstellung eines Gärtners für Pflege und Unterhaltung, für Schutz und Ueberwachung der Anlage. Jede Nebenbeschäftigung für Private oder auch für die Stadt ist demselben untersagt. Eine Unterkunftshütte für den Gärtner ist in dem Sttftungsplan vorgesehen; h. ein die vorstehenden Punkte wiedergebender schriftlicher Akt seitens der Stadt.

Carl Trapp.

Witterung im Januar 1893 in Friedberg, beobachtet von H. Trapp. Monatsmittel, berechnet aus dem täglichen und niedrigsten Stande 5.48 0 K.. Höchster Stand(am 31. Jan.) 4.5 0 R. Niedrigster Stand(am 20. Jon) 20 1 0 R. Meßbarer Niederschlag an 14 Tagen 34 44 mm.

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