z% Laterlandsliebe i nögen die Verhältnisse auch noch so friedlich
Dienstag den 6. Juni.
1 65.
Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
die dienstliche Benennung der Großherzoglichen Amtmänner betreffend. Vom 27. Mai 1893.
Nachdem des Großherzogs Königliche Hoheit durch Allerhöchste Entschließung vom heutigen Tage Allergnädigst zu bestimmen geruht ben, daß die nach Artikel 5 des Edikts vom 12. Mai 1852, die Organisation der dem Ministerium des Innern untergeordneten Regierungs⸗ hörden betreffend, den Kreisräthen beigegebenen Beamten, statt der Benennung„Amtmann“, künftig die dienstliche Benennung„Kreisamt⸗— ann“ zu führen haben, so wird solches hierdurch zur Nachachtung bekannt gemacht. Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz.
Darmstadt den 27. Mai 1893.
Mainz, 1. Juni 1893. Signalement. Vor⸗ und Zuname: Friedri größe: 1 m 56 ew; Religion evangelisch; Profession:
höhnlich; Bart: Schnurrbart im Entstehen; Zähne gut; Kinn: rund; Gesichtsbildung: oval;
Der in untenstehendem Singnalement näher bezeichnete Huf Alle Behörden werden ersucht, nach ꝛc. Scheldt zu recherchiren, denselben im Ergreifungsfalle
Steckbrief.
ch Wilhelm Scheldt; Geburtsort: Butzbach, Weißbinder; Statur: klein.
ei seinem Fortgang war derselbe bekleidet mit einem Drillich-Anzug, eigener Mütze und eigenen Stiefeln.
letzter Wohnort Schwalheim, Haare: blond; Stirn: niedrig; Augen: blaugrau; Besondere Kennzeichen: F. S. auf dem linken Unterarm.
Finger. Best.
ar Scheldt der 4. Eskadron 1. Hess. Hus.⸗Regts. Nr. 13 ist seit dem 1. Juni 1893 fahnenflüchtig. zu verhaften und an die nächste Militärbehörde abzuliefern.
Detachement Husaren-Regiment Nr. 13. reis Friedberg; Alter: 21 Jahre;
Augenbrauen: blond: Nase: spitz; Mund: ge⸗
14 Deutsches Reich.
0 Friedberg. Im September 1870, de deutschen Colonnen sich auf Paris zu be— egen anfingen, da sahen die Pariser eines
Norgens auf dem Tuilerienplatz eine schwarze ahne gehißt, mit der Inschrift:„Das Vater⸗ nd in Gefahr!“, unter der Fahne eine Tribüne
Anmeldungen der Freiwilligen entgegenzunehmen. Und tagelang drängte sich die männliche Jugend, ih in die Musterungsrollen eintragen zu lassen. ir haben keinen Grund, von der Vaterlands⸗ lebe und dem Heldenmuth, die damals Paris und ganz Frankreich entfaltet hat, gering zu Inken. Das Heer hat damals sicherlich alles ifgeboten, was in seinen Kräften stand, dem zeinde Widerstand zu leisten. Wenn dieser iderstand erfolglos war, so war der Grund, 5 nicht rechtzeitig vorbereitet war. Die Frei⸗ illigen, vom besten Willen beseelt, waren angelhaft ausgebildet, erlagen den Strapazen id hatten im Feuer nicht die Ruhe alter soldaten. Es fehlten die Stämme und das jusbildungspersonal. Es fehlte die Ausrüst⸗ ag, bei der hastigen Abnahme der im letzten lugenblicke bestellten Bedarfsgegenstände wur— in Schuhe mit Pappsohlen und unbrauchbare bewehre geliefert. Die Noth des Vaterlandes har zu überraschend über die Franzosen ge— bmmen; man hatte überhaupt nicht an die Moglichkeit gedacht, der Vertheidigung dur das kaiserliche Heer beraubt zu sein. Der Er⸗ folg des Krieges wird im Frieden vorbereitet, gie die Verhältnisse heute liegen, kann nur dus unausgesetzte Anspannen aller Kreise des Volkes eine gewisse Bürgschaft für die Sicher⸗ beit des Reiches liefern. Bei den uner⸗ Horten Anforderungen welche die moderne sriegführung an Ausrüstung und Ausbildung des Heeres stellt, ist es nutzlos, in dem Augen⸗
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de Grenze dringen, die schwarze Fahne auf⸗
7 ziziehen und das Vaterland für gefährdet zu Eine weise Augenblick,
erklären. Dann ist es zu spät.
vergißt keinen
sceinen, die Gefahren, womit das Reich um⸗ geben ist. hachtet es als die höchste Aufgabe der Nation,
sollte eigentlich einer besonderen Mahnung gar als nicht bedürfen. Aber die Mahnung ist ergangen. Bei den Verhandlungen des jetzt aufgelösten Reichstages über die Militärvorlage ist von der Regierung wiederholt erklärt worden, daß sie für die Sicherheit des Reiches nicht mehr Gewähr leisten könne, wenn ihre Forderungen it Offizieren, Aerzten, Schreibern, bereit die abgewiesen würden. Reichstages hat die Presse der Regierung diese Versicherungen Kaiser um diese Anschauung zu bekräftigen. deutsche Volk sollte he
ch fahr des Vaterlandes
licke, wo die Heere des Feindes siegreich über
Eine weise Vaterlandsliebe be-
desen Gefahren, die deren Bestand bedrohen, uchtzeitig vorzubeugen, und scheut vor keinem Ipfer zurück, das diese Aufgabe erheischt. Sie
Nach der Auflösung des
und Wort
sogar der
ergriffen Das ute wissen, woran es ist. Es hat keinen Grund, an der Ehrlichkeit der Regierung zu zweifeln, und es könnte erkennen, daß die Einwände, die von der Opposition gegen die Vorlage der Regierung gemacht wor— den sind, nicht so sehr sachlichen Erwägungen als parteipolitischen Interessen entsprungen sind. Im Ernste kann doch kein Mensch be— haupten, es sei dem deutschen Volke nicht mög⸗ lich, die Menschen und die Mittel aufzubringen, die das Vaterland jetzt fordert. Wer wollte an einen solchen Bankerott der deutschen Wehr— kraft glauben! Es wäre natürlich viel ange⸗ nehmer, diese Millionen in der Tasche zu be— halten, die zweijährige Dienstzeit dazu ein— zustreichen und die Vermehrung der Rekruten zahl u. s. w. versagen zu können. Aber wer sich gegenwärtig hält, daß das nur auf Ge— f und des Fortbestands des Reiches hin geschehen könnte, wird sich von solchen Lockungen nicht beirren lassen. Ueberraschend schnell könnte die Stunde kommen, wo wir dies fürchterlich zu bereuen haben würden. Warten wir nicht ab, bis die Ge— fahr des Vaterlandes gestiefelt und gespornt über unsere Grenzen geschritten ist; lassen wir uns die vernichtende Lehre, die einst die Ge— schichte durch unsere Hand Frankreich ertheilt hat, zur Warnung dienen! Vergesse Keiner in diesen ernsten Tagen, daß von seinem guten Willen mit das Geschick des Reiches abhängt! Bei uns hängt keine schwarze Fahne aus; aber das Vaterland ruft darum nicht minder dringend: „Es ist Gefahr da, thue deine Bürgerpflicht!“ Heute ruft es nur zur Wahlurne; aber die Pflicht, dem Rufe zu folgen, den Mann zu wählen, der für die Sicherung des Reiches zu stimmen bereit ist, diese Pflicht ist nicht min⸗ der ernst, nicht minder gebieterisch, als wenn
erneuert, zweimal das
hat
Pfluge und den letzten Arbeiter aus der Fabrik riefe. Aus den Wahlurnen muß die starke Majorität des künftigen Reichstages hervor— steigen, die das Wohl des Vaterlandes höher stellt als Partei-Interessen und bereit ist für dessen Sicherstellung einzutreten. Laßt uns Männer wählen, die nicht mit wenn oder aber den eigentlichen Kern der Frage zu umgehen suchen, sondern ihren Wählern offen Farbe bekennen.
Darmstadt. Der Kanzlist bei dem Ober⸗Konsi⸗ storium Wahl wurde zum Kanzlei⸗Inspektor, der Wacht⸗ meister Herrmann aus Bielitz wurde zum Bureaudiener bei der Main⸗Neckar⸗Eisenbahn ernannt.
Berlin, 2. Juni. Heute fand auf dem Tempelhofer Felde die große Frühjahrsparade der Berliner Garnison im Beisein des Kaiser— paares, des Grafen von Turin, vieler Fürst— lichkeiten und fremder Offiziere statt. Aus hiesiger guter Quelle wird gemeldet, der deutsche Kaiser werde der am 6. Juli stattfindenden Hochzeit des Herzogs von Pork mit der Prin⸗ zessin Mary von Teck beiwohnen. Auch der König von Griechenland und der Kronprinz von Dänemark werden an derselben theil— nehmen.
— 2. Juni. Zur Durchführung der Sonn— tagsruhe in der Industrie und im Handwerk sollen Anfangs Juli weitere vorbereitende Schritte erfolgen und alsdann Konferenzen mit den Vertretern derjenigen Berufszweige beginnen, deren Wünsche auf Bedenken gestoßen. Nach Beendigung der Konferenzen wird dem Bundesrath ein Entwurf zu den Ausführungs— schriften vorgelegt.
Kiel. S. M. Kreuzerkorvette„Marie“, Kommandant Korv.-Kap. von Lyncker, ist am 30. Mai in Taltal in Chile eingetroffen und beabsichtigt am 3. Juni nach Iquique in See zu gehen.
— 2. Juni. Die Kreuzerkorvette„Kaiserin Augusta“ ist heute von der Flottenrevue in New⸗Pork hierher zurückgekehrt.
München. Durch allerhöchste Entschließ— ung vom 31. Mai wurde der gegenwärtige Landtag aufgelöst, der Termin für die Neu- wahlen zum bayerischen Landtag und zwar die Urwahlen auf den 5. Juli, die Abgeord— netenwahlen auf den 12. Juli anberaumt.
Ausland. Oesterreich-Ungarn Gastein. Der
die schwarze Fahne den letzten Knecht vom
Kaiser und die Kaiserin von Oesterreich werden


