die Ueberzeugung gewonnen, daß die jetzige Wehrkraft nicht ausreicht. Man sucht uns durch Zahlen zu wider⸗ legen, diese Methode kann uns nicht überzeugen. Wir müssen beanspruchen, daß Männern, die nicht allein im 3 Fragen zu erörtern haben, sondern auch im kriege mit ihrer Ehre für die ihnen zufallenden Aufgaben eintreten müssen, ein höheres Gewicht beigelegt wird als Anderen.(Beifall.) Wenn Moltke und Roon noch hier stünden, würden sie unsere Forderungen noch besser vertreten als wir es vermögen. Ich habe keinen Gene— ral gesehen, der meinte, unsere Streitkräfte seien so stark, daß wir auch nur mit annähernder Sicherheit wie im Jahre 1870 in den Krieg gehen könnten. Wir brauchen die Verstärkung, um den Frieden zu erhalten. Auch mein Amtsvorgänger hat die Heeresverstärkung für nöthig gehalten, und wird doch jeder ihn für ein diplomatisches Genie halten, wie es in Jahrhunderten nur einmal vorkommt.(Beifall.) Man kann doch aber nicht erwarten, daß derartige diplomatische Phae— nomene immer an unserer Spitze stehen werden.(Bei— fall.) Wir wollen also den Frieden erhalten; wenn uns das aber nicht gelingt, so wollen wir siegen.(Bei- fall.) Die gestellten Forderungen sind auf das mini— malste Maß zusammengedrängt, wo ist da der„Mili— tarismus?“ Wir konnen nicht warten, bis das Ver⸗ langen nach einer solchen Vorlage aus den Wahlkreisen kommt(Heiterkeit.), oder bis der Feind im Lande ist. Die Ablehnung der Vorlage müßte den Eindruck der Schwäche und mangelnden Opferwilligkeit machen. I. Lieber hat in einer Versammlung gesagt, es komme darauf an, daß das Centrum als Partei feststehe. Ich vermag den politischen Kern einer solchen Rede nicht du erkennen. Zum Antrag v. Huene kann ich mich im Namen der Regierung noch nicht äußern, aber wir er-
kennen an, daß er den Zweck, den wir verfolgen, nicht annulirt. Wir kommen immerhin erheblich weiter. Für Preußen und das Reich bin ich zu der Erklärung be— rechtigt, daß sie im Antrag v. Huene eine annehmbare Lösung der Militärvorlage finden. Wir würden nicht einen Schritt weitergehen können, auch in späteren Jahren das, worin wir jetzt nachgeben, neuf fordern.(Lachen links.) Helfen Sie uns durchsetzen, was für die Erhaltung des europäischen Friedens und die Sicherheit, Ehre und Zukunft Deutschlands erforder- lich ist. Kriegsminister v. Kaltenborn-Stachau: Niemand hat vermocht, nachzuweisen, daß die Vorlage nicht nothwendig sei; nur nehme man an, daß die Ein— führung der zweijährigen Diensizeit der Zweck der Vorlage wäre. Die Regierungen dagegen haben die zweijährige Dienstzeit als Mittel angesehen. Ich glaube also und hoffe, daß das Haus doch noch den Entschluß finden wird, dem Gesetzesvorschlag, der nur das Noth— wendigste fordert, zuzustimmen.(Beifall.) Frhr. von Manteuffel beantragt mit Rücksicht darauf, daß der Antrag Huene erst heute eingegangen ist, aber durch die Erklarung des Reichskanzlers eine erhöhte Be— deutung erhalte, die Sitzung abzubrechen. Richter stimmt nach einigen persönlichen Bemerkungen von Gröber und v. Huene zu. Die Sitzung wurde geschlossen; die Fort— setzung erfolgt morgen. Dem Seniorenkonvent wurde von der Regierung mitgetheilt, daß im Falle der Ab⸗ lehnung der Militarvorlage der Reichstag sofort auf— gelöst würde, auf Erledigung der noch ausstehenden Gesetzentwürfe werde verzichtek.— 4. Mai. Reichstag. Der Saal und die Tribünen sind dicht besetzt. Richter freis.) führt aus, er wolle sich lediglich auf den Antrag Huene beschränken, der allein praktisch in Frage komme. Er bespricht die Unterschiede des freisinnigen Antrags egenüber dem Antrage Huene. Der Hauptunterschied eider Anträge liege in der Höhe der Präsenzstärke. v. Huene bewilligt sieben Achtel der Regierungsvorlage. So eingehend, wie in der Commission, seien militärische Angelegenheiten noch nicht besprochen worden, daraus erkläre sich die lange Dauer der Verhandlungen. Die Art, wie der Reichskanzler die Autorität der Generale in den Vordergrund stelle, ist die Negation des Parla— mentarismus.(Zustimmung links.) Die Kriegsbereit— schaft Frankreichs ist geringer als unsere, duͤrch den Antrag Huene wurden wir Frankreich nicht nur gleich sondern stärker. In Rußland beträgt die Militärlast nur die Hälfte auf den Kopf der Bevölkerung. Der Antrag Huene verlange 55 Millionen Mehrausgaben, mit den Kasernenbauten mindestens 106 Millionen. Wenn die Vorlage Gesetz wird, so treiben wir gerade wegs in die Monopolwirthschaft hinein. Reichskanzler Graf Caprivi; Die Regierung kann von Huene nur Dauk dafür wissen, daß er so mannhaft in der eigenen Fraktion für die Vorlage eingetreten ist.(Bei⸗ fall rechts.) Wenn Richter abfällig über die Offensive urtheilt, so mochte ich doch daran erinnern, was der Krieg im eigenen Lande bedeute; auch die eigenen Truppen würden sich sehr unliebsam bemerkbar machen. Das Wohl des Staates erfordert dann rüchsichtsloses Vorgehen, die Truppen müßten requiriren und Werthe ohne Schonung zerstoren. Die Behauptungen Richters mit Bezug auf Frankreich und England dürften erst zu erweisen sein. Der Reichskanzler weist ziffernmäßig nach, daß Deutschland verhältnißmäßig besser daran sei, wie irgend ein anderes Land. v. Stumm(R.⸗P.) bestreitet, daß die Rechnungen der Regierung über die Deckungsmittel nicht richtig seien. Die Kosten der Mili— tärausgaben auf den Kopf der Bevölkerung seien bei uns geringer als bei anderen Großmächten. Das Land werde die Mehrlasten gern übernehmen als eine Ver— sicherungsprämie für Erhaltung des Friedens. Seine Partei werde für den Antrag Huene stimmen, wenn sie auch bedauere, daß dann die Kavallerie nicht so vermehrt
Ausdruck bringen.
wird, wie dies durch die Regierungsvorlage geschehen!
sollte. Bebel erinnert daran, wie gerade seine Partei stets die Aussöhnung mit Frankreich erstrebt habe, aber als Sozialdemokraten hätten sie das größte Interesse an der Integrität Deutschlands. Wenn dieses im Kriege unterläage, so würde die Erreichung der sozialistischen Ziele auf lange Zeit unmöglich werden. Die breiten Volksmassen seien jedoch nicht gewillt, weitere Lasten auf ihre Schultern zu nehmen. Wenn die Neuwahlen kein der Regierung genehmes Resultat ergeben würden, dann werde die Frage der Abschaffung des allgemeinen Stimmrechts kommen Er vertheidigt sodann das Milizsystem, welches weniger aus militärischen als aus politischen Gründen von den Gegnern desselben ver⸗ worfen worden sei. Seine Partei sei gegen jedes Pri— vileg und wolle, daß jeder Waffenfähige auch wirklich die Waffen trage. Er schließt, der gegenwärtige Mili— tarismus widerspreche vollständig der kulturellen Ent— wicklung; er sei überzeugt, bei den Neuwahlen würden die deutschen Volksmassen die Anschauung ebenfalls zum
Die Sitzung wird auf morgen vertagt.
— 3. Mai. Graf Ballestrem hat den Vorsitz der Centrumsfraktion niedergelegt.
Kiel. S. M. Kanonenboot„Iltis“, Kom⸗ mandant Korvettenkapitän Graf v. Baudissin,
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ist am 3. Mai in Hiogo eingetroffen und be— absichtigt am 14. nach Shanghai in See zu gehen. S. M. Kreuzerkorvette„Marie“, Kom⸗ mandant Korvetten-Kapitän von Lynker, ist am 2. Mai in Coquimbo angekommen und beabsichtigt am 29. d. die Reise fortzusetzen.
Cronberg, 2. Mai. Die Kaiserin Friedrich traf heute zu sechswöchentlichem Aufenthalte auf Schloß Friedrichshof ein.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 2. Mai. Kaiser Franz Josef ist heute nach Pest abge— reist. Die vor dem Bahnhofe versammelte Menge begrüßte den Monarchen auf das wärmste.
— Prag, 4. Mai. Heute Nacht wurden abermals gegen die Fenster des deutschen Kasinos von unbekannten Personen Steine geschleudert. Die Polizei nahm einige Verhaftungen vor.
Schweiz. Bern, 30. April. Mik großer
Mehrheit hat das Volk des Kantons Schaff-
hausen die Wiedereinführung der Todesstrafe beschlossen. Bekanntlich hatte die Schweizer Bundesverfassung von 1874 die Abschaffung der Todesstrafe für das ganze Bundesgebiet proklamirt, dann aber dieselbe bedingungsweise wieder zugelassen.
Belgien. Brüssel. Nach zuverlässigen Meldungen beabsichtigt der Ministerpräsident Beerngert, dem Könige die Entlassung des ge- sammten Ministeriums und die Berufung eines außerparlamentarischen Ministeriums zur Fort⸗ setzung des Revisionswerkes zu empfehlen. Diese Absicht wird auf Intriguen der äußersten Rechten gegen die Regierung zurückgeführt.
— Der internationale Sozialisten-Kongreß tagt vom 22. bis 26. Mai im Volkshause. Deutschland wird durch Bebel, Singer und Liebknecht vertreten sein. 3. Mai. Der Senat beschloß, den Antrag Deconinck, welcher bezweckt, die Strafen gegen das Duell zu verschärfen, in Erwägung zu ziehen.
Frankreich. Paris, 3. Mai. Minister⸗ Präsident Dupuy theilte mit, daß laut den aus den Departements eingetroffenen Nachrichten am 1. Mai die Ruhe nirgends erheblich gestört worden sei.
4. Mai. Die Regierung beschloß, den Dampfer„Thibet“, der den General Dodds zurückbringt, nicht in Marseille, sondern in Toulon landen zu lassen, weil bei dem Empfang von Dodds in Marseille Unruhen befürchtet werden.
Spanien.
N n. Der Mi⸗ nisterrath beschäftigte sich mit den Eingaben
Madrid, 4. Mai.
der französischen und englischen Regierung, welche drohen, die an Spanien gemachten Ver— günstigungen zurückzuziehen, wenn letzteres sie nicht als meistbegünstigte Nationen behandle.
Rußland. Petersburg, 4. Mai.„Daily Chroniele“ meldet aus Moskau, nach Nach— richten aus der Krim sei ein Wagen, in welchem
geändert.
sich das russische Kaiserpaar und die Gr fürstin Xenia befanden, umgestürzt. Di Unfall, ebenso wie einen Aufstand der Kosa versuche man geheim zu halten. i Afrika. Sansibar. Die„Times“ meldel von hier, der englische Kreuzer„Philomele“ habe ein von der deutschen Küste herkommendes Schiff, welches nach dem Norden unterwegs
war, abgefangen und die darauf befindlichen 0
42 Sklaven in Freiheit gesetzt. 15
Amerika. New⸗York, 3. Mai. 22,000 Arbeiter streiken in Ohio, weil eine prozent. Lohnerhöhung verweigert wurde. 11
Chicago, 1. Mai. Die Weltausstellung 0 heute durch den Präsidenten Cleveland eröffnet worden. 3
Aus Stadt und Land. 25
W. Friedberg. Am Abend des 28. April fand
auf Steinhäußer's Felsenkeller auf e von Decan Meyer eine von ca. 40 Herren besuchte Versammlung statt für das Anfang Juli l. J. hier zu feiernde Landes Gustav-Adolffest, zugleich 50jähriges Jubiläum des Hess. Hauptvereins. Einleitungsreferat durch Decan Meyer wurden in ein⸗
gehender Discussion die Hauptpunkte des Festprogramms
besprochen und festgestellt: Schmückung der Stadtkirche, und läuten des Festes, Festzug aus der Burg in die Stadt⸗ kirche, Festessen im„Hötel Trapp“, ein Kirchenconcert sowie eine gesellig-musikalische Nachfeier mit Ansprachen auf Steinhäußer's Felsenkeller wurden in Aussicht ge⸗ nommen. bestehend aus den Geistlichen, mehreren Kirchenvor—
stehern und dem Zweigvereins-Vorstand, sowie eine Schmückungs-, Wohnungs- und Empfangs- und* 1 1
Commission, die noch cooptiren können, bestellt. nöthigen Geldmittel erhofft man fest vom Rathe der Feststadt. sehr gehobene und begeisterte.
Friedberg. einführung des Professors br. Flöring am hiesigen
Predigerseminar und des Oberlehrers Baldauf an der
hiesigen Musterschule statt. ch. Friedberg. tag, halb 4 Uhr, wird eine Versammlung der Katho⸗
Die Stimmung der Versammlung war eine
Nach einem warmen und schönen
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Bitte um Fahnenschmuck an den Häusern, Ein⸗
Auch wurden ein geschäftsführender Ausschuß,
Am 1. Mai fand die feierliche Amts⸗
Am nächsten Sonntag Nachmit⸗
liken Oberhessens im Saalbau dahier abgehalten werden.
Von auswärtigen Rednern werden sprechen der Reichs, tagsabgeordnete Professor lor. Schädler aus Landau, Rechtsanwalt or. Schmitt aus Mainz und Pfarrer Schäfer aus Ober-Ingelheim.
m. Bad-Nauheim. Das Hsdtel Sprengel ist
durch einen Anbau abermals vergrößert worden und
hat seine seitherige Firma in Sprengel's Parkhötel um⸗
werden.
Allerlei. München, 4. Mai.
dungen der Blätter fiel in Böhmen, Ober- und Nieder- Oesterreich Regen. In zahlreichen Landestheilen Un— garns ist ebenfalls Regen eingetreten.
Altona, 4. Mai. Heute Mittag wurde die Ehe⸗
frau Hansen in ihrer Wohnung von 3 Männern über⸗ fallen, geknebelt und an einen Bettposten festgebunden. Die Rauber raubten 500 M. und entflohen.
Kiel, 4. Mai. Nach der„Kieler Ztg.“ ist ein
Ruderboot des Schiffjungenschulschiffes„Moltke“ vom
Dampfer„Helene“ angerannt worden. Es verlautet, daß mehrere Schiffsjungen ertrunken sind.
Belfort, 4. Mai. Eine große Feuersbrunst äscherte eine große Niederlage von Baumwollabfällen ein.
Genua, 4. Mai. Der Millionär Curro, Chef eines Großhandlungshauses, und sein Sohn geriethen gaben Abend mit etzterer stürzte auf den alten Herrn los, der Sohn konnte die Streitenden nur schwer trennen und den Diener hinausschaffen. Dieser kehrte bald zurück und streckte Vater und Sohn mit 5 Revolverschüssen nieder Der Sohn starb auf dem Transport zum Spital, der Vater liegt hoffnungslos darnieder. Der Mörder
wurde verhaftet.
Catania, 3. Mai. starke Erdstöße gespürt in Randazzo, Bronte, Montal⸗ bane und Pati. Es gab eine Panik, aber keinen Schaden.
Die Bewegung der Jugend- und Volksspiele. 5
Selten hat eine Bewegung einen so raschen und doch zugleich auch innerlich kräftigen Auf— schwang genommen, als diejenige für Ver— breitung der Jugend- und Volksspiele in Deutsch⸗ land. Die Erklärung hierfür liegt vor Allem in unseren culturellen Verhaltnissen, die viel— fach gesundheitswidrig wirken und in natür⸗ licher Reaction uns dringend nach Mitteln und Wegen suchen lassen, um die in der geistigen
Gestern Vormittag wurden
Der Neubau am Kaiserhof schreitet seiner Vollendung entgegen und wird eine Zierde der Stadt
Hier fällt endlich der ersehnte 5
Regen, dasselbe meldet man vom Harz. Nach Mel⸗
N 0 suchen, bi N 15 ab Ar 10 Volls Finlicht sin ges sclähen muß a guter A Aren e e aue le, die dete be un, br. Iunasta
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Arbeite
einem Diener Orsini in Streit.


