Deutsches Reich.
Berlin, 26. Sept. In der gestrigen Vor— standssitzung der socialdemokratischen Partei wurde als Hauptaufgabe des Parteitages die neue Or— ganisation hingestellt.
— Dem„Reichsanzeiger“ zufolge soll nach einer zuverlässigen Mittheilung der neue nord— amerikanische Zolltarif, dessen Zustandekommen nicht mehr bezwetfelt wird, spätestens am 15. Oct., vermuthlich aber bereits am 10. October, in Kraft treten.
Köln. Anfangs October wird, der„Köln. Volksztg.“ zufolge, ein gemeinsamer Hirtenbrief der deutschen Bischöfe über die sociale Frage er— scheinen.
— 27. Sept. Heute Morgen traf Major v. Wißmann in Begleitung des Frhru. v. Gra— venreuth und Dr. Bumiller's auf dem Central— bahnhof hier ein, begrüßt vom Präsidenten der hiesigen Localabtheilung der deutschen Colonial— gesellschaft, einigen Officieren und einem zahl— reichen Publikum. Um 11 ½½ Uhr hielt v. Wiß— mann im Civilcasino einen Vortrag vor einem kleinen Kreise geladener Colonialfreunde; hierauf findet Festmahl und Abends Festcommers im großen Gürzenichsaale statt.
Kiel, 26. Sept. Die Manöverflotte wurde heute aufgelöst. Die Marine-Reservisten werden Morgen entlassen.
Frankfurt, 26. Sept. Der Verein für Socialpolitik ist heute unter Professor Schmollers Vorsitz zusammengetreten. Freiherr v. Roggen— bach widmete dem verstorbenen Vorsitzenden Nasse einen warmen Nachruf. Die Versammlung be— rieth über die Reform der Landgemeindeordnung, worüber Sombart vom geschichtlichen, v. Ernst— hausen vom gesetzgeberischen Standpunkte Vor— träge hielten.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 27. Sept. Der„Polit. Corresp.“ zufolge unterbleibt auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers Wilhelm jede Empfangsfeier sowohl an der Grenze als auf den Zwischenstationen. Die Ausschmückung Wiens, besonders in den Vororten Fünfhaus und Sechs— haus, schreitet rüstig fort und nimmt bereits einen bedeutenden Umfang an.
Pest, 27. Sept. Der Abgeordnete Abranyi betonte in dem Rechenschaftsbericht vor seinen Wählern, die Allianz zwischen Deutschland und Oesterreich- Ungarn verwandelte sich in ein Bünd— niß der Völker, welches unerschüttert fortbesteht zur lebhaftesten Befriedigung der ungarischen Nation.
Schweiz. Bern, 26. Sept. Der Stände— rath forderte heute einstimmig den Bundesrath auf, über die Verstaatlichung der Eisenbahnen zu berichten und einen Antrag zu stellen.
— 27. Sept. An der Conferenz in den Tessiner Angelegenheiten nahmen drei Bundes— räthe, die liberalen Delegirten und zwei Con— servative theil. Letztere verlangten vor Erör— terung der Ausgleichsvorschläge die Wiederein— setzung der früheren Regierung. Hierauf begann die allgemeine Diskussion ohne Erörterung der Einzelpunkte des Programmes. Die Aussichten auf eine Verständigung haben angeblich zuge— nommen.
— 28. Sept. Der Bundesrath hat in seiner Sitzung vom 26. d. die officielle Aner— kennung der jetzigen Regierung nach Brasilien beschlossen.
Großbritannien. London. Jackson, der finanzielle Secretär des englischen Schatzamtes, äußerte sich seinen Wählern in Leeds gegenüber über die Ergebnisse seiner jüngsten Inspections— reise in Irland. Während die Kartoffelernte in einigen Kreisen mißrathen sei, wäre sie bei weitem in dem größeren Theile Irlands befrie— digend. Ueberhaupt wäre der Wohlstand in Irland im Wachsen begriffen und die Regierung trage sich mit weitgehenden Plänen für die För— derung des Gedeihens der Insel.
Cbatham, 26. Sept. Der Abgeordnete Gorst hielt gestern vor seinen Wählern eine Ansprache,
in welcher er die Bildung wohlorganistrter Ge— werkvereine befürwortete, da die Arbeiter allein eine billige Behandlung sich nicht zu sichern ver— möchten. Die beste Methode, Ausstände zu ver— hindern sei eine auf Vereinbarungen zwischen Ar— beiter und Arbeitgeber begründete Organisation.
Frankreich. Paris, 27. Sept. Gegen— über den Meldungen verschiedener Blätter wird officiös erklärt, daß Verhandlungen zwischen Spuller und dem russischen Botschaftsrathe von Kotzebue betreffend ein französisch-russisches Bünd— niß niemals stattgefunden haben.
Cherbourg, 26. Sept. Der Seepräfert stattete dem heute Vormittag eingelaufenen österreichischen Geschwader einen Besuch ab und wurde mit 13 Kanonenschüssen begrüßt. Die österreichische Musik— kapelle spielte die Marseillaise. Den militärischen Seebehörden war der Befehl ertheilt worden, dem österreichischen Geschwader eine gute Auf nahme zu bereiten. Das französische Geschwader traf Nachmittags ein und tauschte mit dem öster— reichischen den üblichen Salut aus.
Italien. Rom, 27. Sept. Die Verhand— lungen zwischen England und Italien betreffs Abgrenzung ihrer afrikanischen Schutzgebiete ver— laufen glatt; nur betreffs einer eventuellen Aus dehnung des italienischen Protektoraths über Kassala walten noch Schwierigkeiten ob.
Portugal. Lissabon, 26. Sept. Wie ver⸗ lautet, kam es gestern in Coimbra zu einem Con— flikte zwischen Polizei und Studenten, wobei mehrere Personen getödtet und verwundet worden sein sollen.
— 27. Sept. Wie die letzten Nachrichten von hier besagen, wird dort die Bildung eines neuen Cabinets immer schwieriger. Die revolutionäre Bewegung im Lande nimmt zu In Lissabon haben revolutionäre Kundgebungen stattgefunden, wobei vielfach die Rufe:„Nieder mit der Monarchie! Nieder mit dem Könige!“ laut wurden.
Rumänien. Bukarest, 26. Sept. Der König und der Thronfolger reisten heute von Wien nach Bukarest ab.
Serbien. Belgrad, 27. Sept. Das Er— gebniß der Wahlen ist für die Radicalen durch aus günstig; dieselben siegten bis jetzt in 36 ländlichen und 20 städtischen Kreisen, während die Liberalen nur bei 9 Stadtwahlen durch— drangen.
Rußland. Petersburg. Der„Nowoje Wremja“ zufolge tritt demnächst im Ministerium des Innern eine neue Commission zur Regelung der Judenfrage zusammen.
Amerika. Washington, 27. Sept. Das Repräsentantenhaus berieth heute die Tarif Bill nach dem Conferenzbericht und nahm dieselbe end giltig mit 151 gegen 79 Stimmen an. Das Haus vertagte sich hierauf bis zum 30. September.
Newyork, 28. Sept. Ein großer Indianer aufstand soll bevorstehen. In dem Fort Nill schworen 5000 Indianer das Christenthum ab. Die Garnisonen im Westen wurden eiligst ver— doppelt.
Japan. Vokohama, 26. Sept. Der Vor— sitzende des Comités der auswärtigen Colonie erhielt vier mit seiner Ermordung drohende Briefe.
Afrika. In Bagamoyo ist der„Kreuzztg.“ zufolge am 12. August d. J. auch der Maler Hinz aus Landsberg a. W. dem Tropenfieber erlegen. Derselbe war dort seit Juli 1889 als freiwilliger Krankenpfleger im Lazareth beschäftigt. Er war auch mit der Aufgabe betraut, den durch einen Fall so schwer verletzten Emin Pascha in Bagamoyo zu pflegen.
Aus Stadt und Land.
Frledberg,(Obstausstellung.) Freitag den 26. Abends fand bel Steinhäußer auf dem Felsenkeller eine Vorbesprechung der Commissionsmitglieder von Friedberg und nächster Umgebung statt. Nach erstatteten Mitthei— lungen scheint die Ausstellung eine recht gut beschickte zu werden. Für Ausschmückung der Räume und Beschaffung von Ehrenurkunden sind freiwillige Geldbetträge gezeichnet worden. Hof- und Kunstgärtner Bergner übernahm die Ausstattung einer Dekorationsgruppe in der großen Halle.
Es herrschte die freudigste zuversichtlichste Stimmung, die preußisches Gebiet.
ihren Ausdruck in Worten der Anerkennung für diejenigen
fand, welche sich der Sache des Obstbaues von v
angenommen hatten. Möge ein zahlreicher Besuch de stellung den Nutzen einer solchen recht vielen zum U wußtsein bringen und lebhafter Absatz der Loose dan bon beitragen, daß der ganze vorgesehene Betrag von 1200 U. f
zum Ankauf von Gewinnen verwendet werden kann. Un mat somit wünschen wir der guten und schönen Sache dee Tode besten Erfolg! I eo
ek. Frledberg. Bel der Wahl neuer Straß fille
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namen erscheint es wohl angebracht, nicht allzurasch Werke zu gehen und es steht einer Stadt wohl an, 10 Aus
sie sich bei solchem Anlaß darauf besinnt, ob es nich Namen von Mitbügern gibt, welche sich in hervorragende Wetse um sie verdient gemacht haben und welchen
auf diese Weise ein Denkmal setzen könnte. Wle oa lautet, soll die Straße, welche die Bismarckstraße kreuz mit dem Namen Promenadenstraße belegt werden. 28 gesehen davon, daß dies eine ziemlich nichtssagende. zeichnung ist, würde sie auch nur so lange recht zutreffen sein, als die Straße nur auf einer Seite bebaut wärs
auf der anderen Seite aber nur Gärten oder Anlagen f hätte. Wie viel schöner wäre es, wenn die Straße den Namen eines alten Friedbergers trüge, an welchen man
sich gern erinnert und von welchem man wünschte, daz be sein Name noch bet späteren Geschlechtern in Ehren ge F. nannt würde. Einsender fällt vor allen ein Mann ein 1 den alle älteren und die im reiferen Mannesalter stehen⸗ E den Bürger gut gekannt haben und wie keinen zweiten 142 verehren, ein Mann, welcher das Bild eines ehrenfesten, 9 biederen Bürgers, eines weitberühmten wissenschaftlichm Forschers und hochverdienten Lehrers der Jugend war, 1 der Mann, welcher— zwar kein geborener Friedberger—. bmg
unsere Stadt seit dem Jahre 18% kannte und von 1818 an bis zu seinem 1860 erfolgten Tode in unsern In! Mauern wohnte und segensreich wirkte, ich meine den] unge „alten Dieffenbach“. War er nicht eine Zierde unsermg] dle!
Stadt? War er nicht durch beinahe ein halbes Jahr hunden] die! gewissermaßen das geschichtliche Gewissen für Stadt ung ö ganze Umgegend? Denn was in uns lebt von sicherem
Kenntnissen über die Vorzeit der geschichtlich so bedeu⸗ 19
tenden Stätte, welche wir bewohnen, verdankt das jetzigs Geschlecht ganz den unermüdlichen und gewissenhaftem Forschungsarbeiten Dieffenbachs und wenn er nichts ges leistet hätte, als die Abfassung seiner„Geschichte den f Stadt und Burg Friedbe g“, wäre er allein schon würdig, An
für unsere Nachkommen verewigt zu werden. Ich hallt: Ba es für eine Pflicht der Dankbarkeit, die sich jetzt dazu: nac bietende Gelegenheit zu ergreifen: Nennen wir die neue Me Straße„Dieffenbach Straße“! leg bd. Bad Nauheim In der vorigen Woche sind 83, Kurfremde, im Ganzen jetzt 8555 Personen angekommen. 97
Gießen. Schwurgerichtssitzung vom 25. September.,* Der wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit angeklagte; Joseph Müller von Bönstadt wurde von diesem Vergehen freigesprochen, dagegen wegen thätlicher Beleidigung zu 95 drei Wochen Gefängniß verurtheilt, welche durch Unter 1
suchungshaft verbüßt sind. 0 Darmstadt, 26. Sept. Das Schwurgericht ver urtheilte in seiner heutigen Sitzung den Zimmergesellen 5.
Johannes Becker aus Dornheim wegen Todtschlags seines 9 eigenen, 4 Monate alten Kindes zu 15 Jahre Zuchthaus.
Erbach, 26. Sept. Anläßlich der fortgesetzt auf, 6 tretenden Erkrankungen an Scharlach und Diphtherie sind am Mittwoch die Schulen hiesiger Stadt geschlossen 5 worden. 90 Allerlei. Bochum, 27. Sept. Die Stadtvertretung beschloß, 37 für die Moltke Stiftung 2000 Mark betzusteuern. Trier Schlossermeister Wehlen hat dahter ein Ge. 1
bäude errichtet, dessen Wände, Decken, Treppen, selbst die Haupttbüren aus Eisen bestehen. Das Haus ist drel Stockwerke hoch und nimmt sich in architektonischer Hin⸗ 0 sicht sehr stattlich aus. Die Wände bestehen aus Eisen⸗ wW platten, die Decke aus Wellblech, statt der Balken wurden durchweg T. Träger verwandt. Aus Holz sind nur die Dielen und einige Verbindungskhüren, da eiserne Thuͤren] 3: sich allzuschwer handhaben lassen Was die Baukostenn* anlangt, so stellen sich dieselben nicht höher als bei einem steinernen Haus und dabei haben sie den Vorzug, daß 14 Reparaturen fast vollkommen ausgeschlossen erscheinen. 15 Bozen. Ein Tourist aus Leipzig Namens Kurzwelly, 15 23 Jahre alt, zuletzt als Musikschüler in Wien wohnhaft, war selt dem 22. August abgängig, an welchem Tage er! in einem hiesigen Hotel seinen Namen in das Fremden⸗ 4 buch eingetragen hatte. Am 20. ds. kam endlich eine Nachricht über den so lange Gesuchten, eine telegraphische 1 Meldung besagte, daß derselbe in der Nähe der Stadt 9 Iglau todt aus dem Wasser gezogen worden sei; maß 4 hat den unglücklichen jungen Mann beraubt, ermordet und in den Fluß geworfen, denn die Hände der Leicht waren fest auf den Rücken gebunden. 5 Bremen, 27. Sept. In der vergangenen Nacht! brach in dem Packhause von Meyer& Kroß Feuer aus, wodurch das Packhaus, in welchem Tabak lagerte, total 14 zerstört wurde. Der Totalschaden beträgt ungefähr eine 13 Millton Mark. 118 Hamburg. Aufsehen erregt hier das spurlose Ver-“ schwinden des Kapitäns des französischen Schiffes„St. Antonie“, Namens Honoré Michel. Trotz der umfang? we reichsten Nachforschungen ist es bis jetzt nicht gelungen, eine Spur von ihm zu ermitteln. Derselbe ist am 8 Sep“ tember in Begleitung eines Dolmetschers ausgegangen und soll ungefähr 250) Franes bei sich geführt haben.
Posen. Drei russische Grenzbeamte ermordeten einen russischen Obergrenzbeamten. Die Mörder fluͤchteten auf
Parts. Aus Südfrankreich laufen fortgesetzt trost⸗
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