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Betreffend: Pollzelaufsicht.
Das Großberzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzogliche Der unserer Polizeiaufsicht unterstellte Friedrich Rotter von Rockenberg, welcher si in Untersuchungshaft befand, ist am 25. l. Mts. in Gießen aus der Haft entsprungen. Alle
fahnden und denselben festzunehmen.
n Bürgermeistereien des Kreises. ch wegen dringenden Verdachts des Polizeiorgane werden beauftragt, auf denselben e
Friedberg den 27. Mai 1890.
Dr. Braden.
Deutsches Reich Friedberg, 24. Mai. S. K. H. der Erbgroßberzog traf heute früh von Leipzig kommend hier ein.
JJ. KK. HH. der Großherzog und der Erbgroßherzog, JJ. GG. HH. die Prin— zessinen Victor ta und Aliz, nebst gesammtem Gefolge begaben sich heute um 1 Uhr Nach- mittags, einer Einladung Ibrer Majestät der Kaiserin Friedrich folgend, zum Luncheon nach Homburg und kehrten um ½7 Uhr von dort zurück.
S. Gr. H. Prinz Heinrich von Hessen traf heute Abend 8 Uhr zum Besuche hier ein, begleitet von dem persönlichen Adjutanten Major Freiherrn Schenck zu Schweinsberg. Dessen Gemahlin hatte ebenfalls eine Einladung für die Feiertage erhalten.
Friedberg, 25. Mai. Die gesammten hier anwesenden Allerhöchsten Herrschaften besuchten heute den Vormittagsgottesdienst in der Stadtkirche. S. D. Prinz Albert zu Schleswig⸗Holstein, Lieutenant im Großh Garde-Dragoner-Regiment Nr. 23 in Darmstadt, war heute zur Großherzoglichen Tafel eingeladen.
Friedberg, 26. Mai. Die Allerhöchsten Herrschaften nebst Gefolge begaben sich heute zu Wagen nach Salzhausen, speisten im dortigen Kurhause und kehrten Abends hierher zurück.
Friedberg, 27. Mai. S. Gr. H. Prinz Heinrich von Hessen reiste heute Vormittag 9 Uhr nebst Gefolge wieder von hier ab.
S. K. Hoh. der Großherzog empfingen heute Vormittag 10 Uhr den Freiherrn Gilbrecht Löw von und zu Steinfurth von Florstadt; ferner den Direktor der Augenklinik Prof. Dr. Vossius und den Justizrath Baist von Gießen, sowie den Forstinspector Reuß von Butzbach.
Füidberg, 28. Mai. S. K. H. der Großherzog reisten heute früh in Begleitung des Oberst Wernber, beauftragt mit den Funk— tionen des Generaladjutanten, nach Darmstadt. S. K. Hoheit nahmen dort heute Vormittag im Residenzschlosse Vorträge und Meldungen ent— gegen und werden im Laufe des Abends wieder hierher zurückkehren.
S. K. H. der Erbgroßherzog und J. Gr. H. Prinzessin Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, begaben sich heute Vor— mittag, einer Einladung Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich folgend, nach Homburg und kehren heute Abend hierher zurück.
Darmstadt, 22. Mai. Die Kammer genehmigte beute ferner für die Beendigung der begonnenen Umwand— lung von Weidenpflanzungen in Wiesen 59,000 M. und stimmte dem Antrag Schröder und Wolfskehl auf Vor lage eines neuen Gewerbesteuergesetzes(bei Vorlage des Budgets für die nächste Finanzpertode) zu.— 23. Mai. Die Kammer erledigte heute verschtedene kleinere Vorlagen; der Antrag auf Aenderung des Dammbaugesetzes wurde abgelehnt. Die nächste Sitzung findet am 29. Mal statt.
Berlin, 23. Mai. Der Kaiser traf um 8 Uhr 20 Min. auf dem Bahnhofe Friedrichsstraße ein und begab sich sofort zum Paradefeld. Die Parade ist glänzend verlaufen. Nach Abreiten der Fronten nahm der Kaiser einen zweimaligen Vorbeimarsch der Garnison ab. Die Kaiserin mit der Erbprinzessin von Meiningen wohnte der Parade im sechsspännigen offenen Wagen bei. Nach der Parade ritt der Kaiser an der Spitze der Fahnencompagnie nach dem Schloß, von einer dichtgedrängten Menschenmenge überall enthusiastisch begrüßt. Die„Börsen⸗Ztg.“ meldet, Kaiser Wilhelm werde drei Wochen lang der Gast des Zaren sein. Die russische Reise sei von der größten Bedeutung im Sinne der Befestigung des Friedens. Die Zuziehung Caprivi's spreche dafür, daß die Basis zu definitiven Abmachungen
gefunden wurde. Da die Verbündeten Deutsch— lands um Zweck und Ziel der Reise wissen
müßten, eröffne sich eine Perspective erfreulichster;
Gesichtspunkte. Die„N. A. Z.“ schreibt dagegen: „Die Meldung, Reichskanzler v. Caprivi werde den Kaiser auf der Reise nach Petersburg begleiten, greift den Ereignissen weit voraus. Nach zuver— lässiger Information ist eine Bestimmung darüber überhaupt noch nicht getroffen.“
23. Mai. Der Bundesrath beschloß, vom 1. Juli ab eine Zwischenportostufe von 5 Pfennig für Drucksachen im Gewichte von 50 bis 100 Gramm einschließlich einzuführen. — Der Bundesrath ermächtigte den Reichskanzler, als Ausnahme von dem Verbote die Ein- und Durchfuhr lebender Schafe aus Oesterreich, Ungarn und Rußland hinsichtlich einzelner Thiere zu Zuchtzwecken zuzulassen, ferner den bayerischen Wirthschaftsbesitzern in den Grenzbezirken, welche während des Sommers die benachbarten Weiden der öͤsterreichischen Hochalpen mit Schafheerden beziehen, die Zurückführung derselben nebst den während der Weidezeit der Heerde zugewachsenen Lämmern unter Controlmaßregeln zu gestatten. Der Bundesrath hat ferner einstimmig beschlossen, dem Kaiser als Präsidenten der Reichsbank den bisherigen Vicepräsidenten des Instituts Dr. Koch vorzuschlagen.
— Es verlautet hier, daß Staatssecretär von Stephan erst nach Ablauf der Kur in Karlsbad sich über sein Bleiben oder Gehen entscheiden werde. Auch der Rücktritt des Chefs des Ober— hofmarschallamts, von Liebenau, ist angeblich be— vorstehend.
— Rickert beantragte in der Heerescommission,
den§ 1 der Militärvorlage so festzusetzen: Die Friedenspräsenzstärke wird jährlich durch den Etat festgestellt. Der„Börsenztg.“ zufolge sind beim Eentrum neue Instructionen aus Rom einge— troffen, die demselben die Annahme des Sperr— geldergesetzes ermöglichen.
Potsdam, 26. Mai. Als der Kaiser mit dem Erbprinzen von Meiningen gestern Nach— mittag in einem Einspänner, selbst fahrend, sich nach der Dampfer-Station begab, scheute das Pferd bei einer Straßenkreuzung. Beim Anprall des Wagens sprang der Kaiser heraus und fiel auf den rechten Arm; darauf schlug der Wagen um und der Erbprinz fiel heraus. Der Kaiser und der Erbprinz warteten in einer nahen Villa das Ankommen eines neuen Wagens ab und unternahmen hierauf mit der Kaiserin, die inzwischen angekommen war, eine Wasserspazier— fahrt nach der Pfauen-Insel. Der Kaiser erlitt eine Verrenkung mit Bluterguß am rechten Fuß. Die dadurch verursachte Schwellung des Fußes verhinderte den Kaiser, dem heutigen Stiftungs— feste des Lehrinfanterie-Bataillons beizuwohnen und veranlaßt denselben, sich auf Wunsch der Aerzte einige Tage Schonung aufzuerlegen.
Fulda. Im August findet hier wiederum eine Conferenz der preußischen Bischöfe statt.
Wiesbaden, 27. Mai. Der König von Dänemark stattete alsbald nach seiner Ankunft der Kaiserin Eugenie einen längeren Besuch ab. Gestern Nachmittag besuchte der König die Kaiserin Friedrich in Homburg.
Hamburg, 23. Mai. Die Streikkasse der Ewerführer und sämmtliche Acten wurden poli— zeilich beschlagnahmt. Die Kasse enthielt nur 150 Mark; es werden größere Unterschlagungen vermuthet. Der treik der Ewerführer ist damit als beendet anzusehen.
Schwerin. Der Großherzog von Mecklen— burg, welcher augenblicklich sehr leidend ist, hat sich zu einer längeren Seereise mit seiner Gemahlin von Cannes aus entschlossen. Die Pflege über— nimmt Marinestabsarzt Brunnhof.
München. Der Kaiser wird dem Ver—
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nehmen nach auf Einladung des Prinzregenten
im Herbst an den Gemsenjagden im bayerischt Hochgebirge theilnehmen.
Ausland. Dänemark.
deutscherseits sind umfassende Vorkehrungsmaß regeln gegen dieselbe getroffen worden. Belgien. Brüssel. Die„Independane Belge“ dementirt auf das entschiedenste das ses einigen Tagen umlaufende Gerücht, daß Ver handlungen zwecks Abtretung eines Gebietstheilt
des Congostaates an Deutschland im Gange seien Großbritanien. London, 23 Mai. Daß 0 Unterhaus nahm mit 141 gegen 67 Stimme
in dritter Lesung die Bill über das Einnahms budget an.
— 23. Mai. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen sind gestern nach Windsor zurücz 1 gekehrt und in Begleitung der Königin nach
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Balmoral abgereist. f Italien.
begriffen. Zahlreiche Truppen sind an die be⸗ drohten Punkte abgegangen. — 27. Mai. Die Gährung in der Romagn
ist im Zunehmen begriffen. Verschiedene Dyngg
mitattentate werden gemeldet.
— Ein Ingenieur Mustachi bot durch einen
deutschen Consulatsbeamten Deutschland Festungs pläne an. Das Berliner Kriegsministertum theilt
der italienischen Regierung die Angelegenheit mi,
worauf die Verhaftung Mustachis erfolgte.
— 24. Mai. Kammer. Auf eine Interpel⸗ lation Cavallotti's und Imbriant's wegen Rus, weisung auswärtiger Correspondenten erklärte Crispi, es handle sich nicht um eine internattonale Angelegenheit, sondern um eine Verschwörung, die seit zwei Jahren gegen den öffentlichen Credit Italiens organisirt wurde. Er habe daher das Gesetz über die öffentliche Sicherheit angewendet, indem er eine Maßregel ausführte, die auf dat reiflichste überlegt und erwogen worden sei, Italien sei Allen gegenüber gastfreundlich, könne: dies aber nicht Italien feindlich Gesinnten gegen über sein.(Lebhafte Zustimmung.) Cavalloti und Imbriani erklärten sich durch die Antwort nicht befriedigt, brachten jedoch keinen weiteren Antrag ein. 3
— Es werden umfassende militärische Maß. regeln im Kieise Lugo getroffen, wo ein rpu⸗ blikanisches Revolutionscomits einen Racheauftuf erläßt und trotz der Zuleitung von Arbeiten seitens des Bautenministers sowie trotz verspäteter Zugeständnisse der Arbeitgeber neue Unruhen be⸗ fürchtet werden.
— Das deutsche Kaiserpaar wird angeblich im September in Monza zum Besuch des ita⸗ lienischen Königspaares erwartet.
Bulgarien. Sofia, 27. Mai. Im Panißa⸗ prozeß zog der Staatsanwalt die Anklage gegen Demeter Rizoff, Nojaroff, Ablansky und Vie nant Stamenoff zurück und beantragte gehen Panitza, Arnandoff und Lieutenant Rizoff dee Todesstrafe, gegen die übrigen Angeklagten Fe heitsstrafen.
Amerika. San Francisco. Es wurde hier, 1 selbst eine Verschwörung entdeckt, um das Terri“ 4 torium Nieder-Californiens von Mexiko loszil
reißen, zur Sonderrepublik zu erheben und dei Vereinigten Staaten einzuverleiben.
Afrika. Algier. Eine seit kurzem in Algiet bemerkbare Aufregung unter den Arabern hal“ auch die Stadt Bona ergriffen. Jäger patroul“'“
liren in der Stadt, während die strategischel Punkte, alle Thore und öffentlichen Gebäͤud militärisch besetzt sind. Auf dem Wege mach Guelma, sieben Kilometer von Bona, sind wiede Europäer ermordet gefunden worden.
Kopenhagen. In Dänemars ist auf's neue die Schweinepest ausgebrochen
Rom, 23. Mai. Die Gäbruß in der Provinz Romagna ist bedenklich im Wache
Einbruchsdiebstahlz
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