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— Die„Nordd. Allgem. Ztg.“ enthalt ein Schreiben des Fürsten Bismark vom 24. April. Dassebe lautet: Bei der großen Anzahl von Bittgesuchen mit Anlagen, die mir zugehen, ist es nicht moͤglich, letztere regelmäßig zurückgelangen zu lassen. Ich ersuche die Einsender daher, sich zu vergegenwärtigen, daß sie auf Zurücksendung der Anlagen nicht rechnen konnen, auch dann nicht, wenn es Documente sein sollten.
Spandau. Die Säurearbeiter der Pulver— fabrik streiken wegen Nichtbewilligung einer Lohn— erhöhung von 1 Mark täglich. Die Militäͤr— wache wurde verstärkt.
Köln. Die städtische Verwaltung wird jeden am 1. Mai unerlaubt feiernden Arbeiter entlassen. Urlaub wird nur in den wichtigsten Fällen er— theilt werden.
Leipzig. Die Arbeitgeber der Musikinstru— menten-Industrie sowie die Pianoforte-Fabrikan⸗ ten beschlossen die Entlassung sämmtlicher am 1. Mai feiernden Arbeiter.
— Die Untersuchung gegen die verhafteten Russen wegen Landesverraths ist mangels genü— genden Beweisen eingestellt worden.
Chemnitz. Das Landgericht verurtheilte den socialistischen Reichstagsabgeordneten Schippel wegen des Vergehens der Verbreitung erdichteter Thatsachen, die dazu angethan waren, obrigkeit— liche Anordnungen verächtlich zu machen, zu neun Monaten Gefängniß.
— Wie die Fabrikanten der Textilbrauche, so werden auch die Maschinenfabrikanten, Eisen— gießereibesitzer und sonstigen Metall-Industriellen gegen die von den Arbeitern für den 1. Mai geplante Demonstration geschlossen vorgehen.
München. Die Gesammtgarnison ist am 1. Mai in den Kasernen consignirt.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Die Nach⸗ richt auswärtiger Blätter, daß Kaiser Franz Josef Aufang Mai in Berlin zum Besuche des Kaisers Wilhelm eintreffen werde, findet in hie— sigen maßgebenden Kreisen keine Bestätigung.
— 25. April. Die„Abendpost“ erklärt es auf Grund kompetenter Erkundigungen für un— richtig, daß anläßlich der Excesse in Bielitz und Biala zuerst blind und dann erst scharf geschossen worden sei. Es könne an der„stets mit voll— stem Ernste erfolgenden Anwendung der gesetzlich gebotenen Waffengewalt“ nicht gezweifelt werden. Ministerpräsident Graf Taaffe machte sämmtliche Landeschefs auf die gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam, wonach standrechtliches Verfahren statifinden könne. Die österreichisch-ungarische Staatsbahn theilt folgendes mit: Gestern Abend vor dem Eintreffen des Wien-Pester Personen— zuges wurden von unbekannten Personen in der Nähe der Station Raasdorf große Steine auf das Geleise gelegt. Der Personenzug wurde in— folgedessen erst nach genauer Untersuchung der Strecke ezpedirt. Auf der Station Siebenbrunn wurden zwei verdächtige Individuen verhaftet und die Behörden von dem Thatbestande verständigt. Hierselbst hegt man große Befürchtungen wegen des Ausbruchs eines Streiks der Gasaubeiter.
Dänemark. Kopenhagen. Der„Berlingske Tidende“ zufolge erließen die betreffenden Be— hörden die Anweisung, daß in den Regierungs— werkstätten am 1. Mai eine Abkürzung der Ar— beitszeit nicht stattfinden dürfe.
Schweden. Stockholm. Der Gesundheits— zustand der Kronprinzessin von Schweden er— heischt nach der Ansicht ihres Arztes Dr. Tham deren Verbleiben in Nizza.
Schweiz. Bern. Der Bundesrath hob das am 23. September v. J. gegen Böhmen erlassene Vieheinfuhrverbot auf.
Belgien. Brüssel, 26. April. Von Stanley, der heute mit seinen Begleitern nach Dover ab— reiste, verabschiedeten sich auf dem Bahuhofe der Bürgermeister von Brüssel, der Obersthofmar— schall sowie die Vertretungen verschiedener Be— hörden. Abtheilungen der Bürgergarde von Brüssel und St. Josse versahen auf dem deco— lirten Bahnhofe den Ehrendienst.
— Aus dem Ministerial-Archiv wurden nicht weniger als 29 Schriftstücke entwendet.
Frankreich. Paris, 25. April. Die Da— homeyleute marschieren auf Portonovo vor. Die Lage der Franzosen ist bedenklich.
— 27. April. Präsident Carnot ist heute von seiner Rundreise im Süden Frankreichs wieder hier eingetroffen und vom Minister des Innern, sowie von dem Polizeipräfekten am Bahnhof empfangen worden.
— Die hiesige Garnision wird für 1. Mai um 8 Reiterregimenter und die gesammte Gens— darmerie der Vororte verstärkt werden.
— Das Journal„Paix“ versichert wieder⸗ holt, Kaiser Wilhelm wünsche eine Annäherung aufs ernstlichste; er arbeite daran, sie herbeizu— führen. Die öffentliche Meinung Deutschlands sei unzweifelhaft mit ihm, und es sei nur zu zu wünschen, daß auch Frankreich zur Erreichung des Zieles das Seinige thue und nicht für einen Schatten ein Wesen opfere.
Spanien. Madrid. Auch Lopez Domin— guez, welcher bislang zum Ministerium Sagasta hielt, hat sich jetzt gegen den Kriegsminister er— klärt. Er wirft dem Kriegsminister allzugroße Härte vor; er verwechsele die Disciplin mit der Sklaverei.
Italien. Rom. Ein Rundschreiben Crisp'is verbietet jede Kundgebung und alle öffentlichen Umzüge am 1. Mai.
Bulgarien. Sofia. Für die Verhandlungen im Proceß gegen Major Panitza sind große Vor— sichtsmaßregeln getroffen worden. Die Garnsion ist durch zwei Regimenter verstärkt. Es werden neue Truppen erwartet und bei den Einwohnern einquartirt. In Rustschuck herrscht große Aufreg— ung. Die Truppen sind consignirt und fertig zum Ausrücken.
Afrika. Sansibar. Nach einer Meldung der„Times“ von hier vom 25. April brach Emin Pascha mit fünf deutschen Officieren, einer starken Abtheilung nubischer Soldaten und etwa 600 Last— trägern von Bagamoyo nach dem Innern auf.
Aus Stadt und Land.
7 Friedberg. Indem der Vorstand des Stadtkirchen— bauverelns auf die betr. Anonnee in der heutigen Nr. des „O. A.“ aufmerksam macht, ladet er nochmals zu recht zahlreichem Besuche der wichtigen außerordentlichen Gene— ral-Versammlung des Stadtkirchenbau-Vereins am Dienstag Abend freundlichst ein.
Friedberg, 27. April. Gestern fand in der Turn— halle des Seminars, unseres Wissens zum ersten Male, ein feierlicher Schlußaktus der Prüfungen der Muster— schule statt, bei welchem Vorträge und Gesänge der Kin— der in schöner Weise abwechselten. Schulrath Schmidt und Oberlehrer Dörr hielten der Feier angemessene An— sprachen an das Publikum, das sich sehr vollzählig zu derselben eingefunden hatte.
Friedberg. Am 8. April waren es 40 Jahre, daß die hiesige Blindenanstalt mit einem Knaben eröffnet wurde, und jetzt haben schon 233 Aufnahme gefunden, von welchen dermalen noch 20 in der Anstalt sich befinden. Es könnten noch mehr sein, denn es sind mindestens 30—40 Blinde im Lande, aber man bringt sie nicht in die Anstalt. Entweder man benutzt sie aus Aushänge— schild zum Betteln oder aus andern nichtigen Gründen. Aus der Provinz Oberhessen waren 69, Prov. Starken— burg 73, Prov. Rheinhessen 36, Kurf. Hessen 28, Nassau 8, Bremen 6, Frankfurt 5, Rhein- Bayern 2, Rhein-Preußen 1, Berleburg 1, Lothringen Ju, Fürstenthum Reuß 1, Waldeck 1. Von sämmtlichen 233 sind 48 gestorben, aber nur 3 in der Anstalt.— Nun fragt man billig: was ist aus den andern 185 geworden?— Soweit unsere Kenntniß reicht, ist eine Anzahl leider sittlich verkommen, indem sie das alte Bettelleben wieder begonnen, ihnen aber weniger, als ihren Angehörigen die Schuld betzumessen ist, indem sie es vorthellhafter finden mit einer Drehorgel herumzuziehen, als sich von ihrer Hände Arbeit zu nähren. Manche würden gerne arbeiten, wenn sie Arbeit in ihrer Helmath fänden. Besonders gilt das von den weiblichen Blinden, denn deren Handarbeiten, wie Häkeln und Stricken ꝛc. wirft allzuwenig ab. Mit Stuhlflechten ver— dienen sie noch am meisten; aber wer hat auf dem Lande in den Gebirgsdörfern Rohrstühle? Die männlichen Zöglinge sind weit besser daran, denn Seiler- und Korb- macherarbetten braucht man überall. Wir haben Setler und Korbmacher, auch Rohrstuhlflechter, denen es sehr gut geht. Einer derselben hat 18 Arbeiter. Derselbe treibt die Seilerei im Großen nun schon 26 Jahre und ist ein wohlstehender verhetratheter Mann. Andere treibens klein und ernähren Frau und Kinder auf die anständigste Welse. Eine Schülerin ist vor 36 Jahren nach Amerika ausgewandert und betreibt in New Vork ein Instrumenten⸗ Geschäft. Ste besuchte den Direktor der Bl. Anstalt im
Herbste 1889 auf einige Wochen.— Dadurch, daß die Direktloc mit allen, die ein solides Leben führen, nicht
nur im brieflichen Verkehr stehen, sondern auch 0 erreichbaren sämmtl. ehemaligen Schüler alle drei Jahre einmal besucht, indem der Direktor jedes Jahr eig Provinz bereist, und darum genau weiß, wie es um eln Jeden steht. Die Direktlon hat einen Fonds gesammal durch Legate und sonstige Zuwendungen, woraus namen lich die bedürftigen welblischen Blinden, von dem Zane ertrag unterstützt werden. Wenn dieser Fonds aber sig
vermehrt, wozu gute Aussichten vorhanden sind, dan soll auch bedürftigen männlichen Blinden unter die Arn gegriffen werden. Aus dem Gesagten wird doch da geneigte Publikum, das seiner Zett„Groschen“ gespende hat, denn nur um solche bat der Begründer, zu selng Freude ersehen, daß die damalige Saat aufgegangen ff und schöne Früchte gezeitigt hat. Soli Dee Glorgf Hieran möchten wir eine Bitte anreihen, daß doch all besonders Pfarrherren, Lehrer und Bürgermeister oder was sonst ist, Veranlassung nehmen möchten, Eltern, dit ein blindes Kind haben, zu veranlassen, daß sie dassels der Anstalt übergeben. Der Staat thut ja alles, was zu Wohle der Blinden ist, allein die Eltern müssen aut wollen, denn sonst ist die Fürsorge des Staates hinfällig
Allerlei.
Homburg, 24. April. Bei dem Gewitter gestz 1 Vormittag schlug der Blitz in das Dach der Kirche g Bommersheim. Gleich darauf drangen kleine Flamme hervor. Das Feuer wurde aber durch rechtzeitigts Ei greifen der Bewohner auf seinen Herd beschränkt. 0
Handel und Berkehr.
Frledberg, 26. April. Buttermarkt. Butter kofseh
per Pfund M. 0 95—1.10 Eter 1 St. 5 Pf. 2 St. 11
Gießen, 26. April. Auf dem heutigen Wochen mar
kostete: Butter per Pfund M. 1.05— 1.10, Eter 1 St.
2 St. 9 Pf., Käse per St. 5—8 Pf., Tauben per Pag
M. 0.50— 1.00, Hühner per St. M. 1.30- 1.60, Hahng
per Stück M. 1.50— 1.80, Ochsenfleisch per Pfund b bis 72 Pf., Kuh- und Rindfletsch 56—60 Pf., Schwein
fleisch 60- 70 Pf., Hammelfleisch 56— 68 Pf., Kalbe
fleisch 52— 60 Pf., Kartoffeln pro 100 Kilo M. 4 bis 4.20, Zwiebeln per Centner M. 00— 12.00 10 Frankfurt, 25. April. Engros⸗Markt. Heu pro lo Kilo M. 5.20—6 00, Stroh pro 100 Kilo M. 5 00 5.00 Haferstroh M. 4.80, Butter 50 Kilo M. 95— 100, Eler 100 Stück M. 4—8, Erbsen 100 Kilo M. 18— 24, do. geschäll M. 2030, Linsen, M. 19 42, Grünekern M. 22—28 Kartoffeln das Malter M. 4—4.50, Zwiebeln per Etr, M. 1011, Rüböl(raff.) 50 Kilo M. 30. Frankfurt, 23. April. Wochenmarkt. Erbsen ganztz per Pfd. 14— 18 Pf., do. geschälte 16—20 Pf., frischt französische Erbsen per Pfund 45 bis 50 Pf., Linsen 15—25 Pf., weiße Bohnen 16— 20 Pf., gelbe Kartoffeln pa Gescheid 14—16 Pf., rothe Kartoffeln per Gescheid 1 bis 14 Pf., Mäuschenkartoffeln per Gescheid 20—25 f per 50 Kilo M. 12, Butter per Pfd. M. 1.00, Eter das Stück 4—8 Pf., Blumenkohl kleiner neut franz, per Stück M. 80— 1.00, ital. 50— 60 Ff, franz. Kopfsalat 14—18 Pf., Sellerteköpfe 1025 Pf, Romainsalat per Stück 00 bis 00 Pf., franz. Romaln⸗ salat 70—80 Pf., Zwiebeln das Gescheid 35—40 Pf. per Ctr. M. 11—12, Carotten das Päckchen 3050 Pf, gelbe Rüben die Portion 15—20 Pf., rothe Rüben 15— 20 Pf., Radieschen 2—3 Pf. das Päckchen, Rettig das St. 18—20 Pf., hiesiger Kopfsalat 10— 15 Pf. Schwarzwurzel 50 70 Pf., franz. Sellerie 4050 Pfg. frische dicke Spargel M. 1.00 1.20., Suppenspargel 200 bis 30 Pf., neuer Lattigsalat 10—15 Pf., neue Rapunzel. per Portion 50—80 Pf., Gurken per St. M. 1— 1.20) Kohlrabt per Stück 20— 25 Pf., franz, Zuckerschoten per Pfd. M. 1, neue ital. Kartoffeln per Pfund 15 Pf.
Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernya us.
Dienstag den 29.: Gastspiel des Fräulein Schacko. Rigo⸗ letto. Gilda: Frl. Schacko. Hierauf: Wiener Walzer. Gewöhnliche Preise. 5 5 N
Mittwoch 80 6 5 Vorstellung bei ermäßigten Preisen, Lumpazi⸗Vagabundus. Außer Abonnement,
Donnerstag den 1. Mak: Gastspiel des Fräulein Schacko, Das Glöckchen des Eremiten. Rose Friquet; Frl. Schacko. Gewöhnliche Preise.
Freitag den 2.: Geschlossen. 5 N
Samstag den 3.: Lohengrin. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 4. Nachmittags 3½ Uhr. Mikado. Er, mäßigte Preise. Abends 7 Uhr. Rattenfänger vo Hameln Gewöhnliche Preise. 7
Schausplelhaus. N
Dlenstag den 29.: Stützen der Gesellschaft. Gew. M
Mittwoch den 30.: Das Bild des Signorelli. Der zündende Funke. Gewöhnliche Preise.
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Donnerstag den 1. Mak: Geschlossen. 1
Freitag den 2.: Cyprienne. Hlerauf: Flotte Bursche, Gewöhnliche Preise. 5
Samstag den 3.: Maria Stuart. Gewöhnliche Preise.“
Sonntag den 4. Zum ersten Male: Die Kreuzelschreiben Bauernkomödie mit Gesang in 3 Akten von L. Gruben, Gewöhnliche Preise. Anfang 7 Uhr.
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Verantw. Red.: Carl Bindernagel. Druck und Verlag von Carl Bindernagel.
(Hierzu eine Beilage.)
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