worüber dem Reichstag Wittheilungen zugehen würden, sobald die Erwägungen innerhalb der Regierungen statt
gefunden hätten. Maltzahn wiederholt, daß eine Re
duetton der Kornzölle unmöglich sei. Bebel bezeichnet die Annexion von Elsaß Lothringen als die Ursache zu den gegenwärtigen Rüͤͤstungen. Er polemisirt gegen den Paradedrill, die kostbare Untformirung und andere Armee— einrichtungen, welche die Selbstmorde stelgerten. Der Kriegsminkster weist die Behauptungen Bebel's zurück. Das Aufbauschen einzelner Vorkommnisse sel die Domäne der Soeclalisten. Die Zabl der Selbstmorde in der Armee sei erheblich gesunken. Auch nach der Rückgabe der Reichs
lande würde Frankreich seine Armee vermehren, welche uns jetzt um 400,000 Mann überlegen set. Die Vorlage sel lediglich die Folge des französischen Wehrgesetzes und binde Niemanden für etwaige künftige Forderungen Der Wunsch auf Einführung der zweijährigen Dienstzeit set auf Grund von mehr als 200 militärischen Gutachten gegenwärtig nicht erfüllbar, man möge nicht abzutrotzen versuchen, was die Regierungen nicht gewähren könnten. v. Manteuffel ist namens der Conservativen für die Vorlage und gegen alle Abänderungsverträge und Re— solutlonen. Komierowski(Pole) ist für die Vorlage und für die Resolution Windthorst. Hierauf wird die Sitzung vertagt.— 26. Juni. Der Reichstag setzte dle Berathung über die Milttärvorlage fort. Payer(Volks⸗ partei) spricht gegen die Vorlage, für die Resolutfonen. v. Bennigsen kritisirt die Agitation, welche die Frei⸗ sinnigen mit den in der Commission gemachten Andeutungen von den militärischen Zukunftsplänen gemacht hätten. Redner bestreitet die Nothwendigkeit neuer Reichssteuern für die Vorlage; bei der Heeres verwaltung sei die äußerste Sparsamkeit nothwendig, aber auch vorhanden. Die Vorlage sei durch veränderte Rüstungen Rußlands und Frankreichs hervorgerufen. Redner schließt mit einem Appell zu möglichst einstimmiger Annahme der Vorlage. Der Reichstag genehmigte sodann Paragraph! der Militär vorlage, welcher die Friedenspräsenz bis zum 31 Marz 1894 auf 486,983 Mann feststellt unter Ablebnung aller Abänderungsanträge mit 211 gegen 128 Stimmen. Unter den Gegnern befanden sich außer den Freisinnigen, der Volkspartei und den Soclalisten auch 18 Mitglieder des
Centrums.
— Einem Berliner Blatte zufolge sind Briefe von Dr. Peters, aus Uganda datirt, angekommen, welche bestätigen, daß Dr. Peters mit dem Könige von Uganda Freundschaftsverträge abgeschlossen hat, die allen Nationen das Recht des freien Verkehrs mit Uganda und in diesem Lande sichern. Der Inhalt des Vertrags wurde dem Auswär⸗ tigen Amte bereits vor mehreren Wochen von Sansibar aus telegraphisch mitgetheilt. Es ist auffallend, bemerkt das Blatt hierzu, daß man den ostafrikanischen Vertrag mit England schloß, ohne auf diese Berichte des Dr. Peters Rücksicht zu nehmen.
— In den nächsten Tagen findet nach dem Fr J im Reichsversicherungsamte in Berlin eine Zusammenkunft der Landesdirektoren und sonstigen Vorsitzenden der Versicherungsanstalten der Juvaliditäts- und Altersversicherung statt, um eine gemeinsame Besprechung verschiedener für die Organisation und Durchführung der Juvaliditäts- und Altersversicherung wichtiger Fragen herbeizuführen.
— 26. Juni. Dem parlamentarischen Abend beim Reichskanzler wohnten Staatssecretär Frhr. v. Marschall, sämmtliche hier anwesende Staats— minister, die Mitglieder des Bundesraths, sowie fast vollzählig die Mitglieder des Reichstags bei.
— Wie das Fr. J. aus sicherer Quelle erfährt, hat sich Fürst Bismarck einer ver— trauten Persönlichkeit gegenüber, die ihn darüber interpellirte, ob er das durch die Ernennung Dr. Miquel's zum Finanzminister erledigte Mandat für Kaiserslautern annehmen werde, dahin aus— gesprochen, daß von seiner Seite keine Schwierig— keit einem diesbezüglichen Vorschlage entgegen— gebracht werden würde.
Ausland. Oesterreich-Ungarn. Brünn. Bei den Landtagswahlen in den Landgemeinden behaup— teten die Deutschen von 31 Mandaten 8 inne— gehabte Sitze; die Altezechen gaben von 23 Sitzen 5 an die Jungczechen und die Bauernpartei ab. Schweiz. Bern, 26. Juni. Der Stände⸗ rath genehmigte ebenfalls ohne Discussion den Niederlassungs Vertrag mit Deutschland. Frankreich. Paris, 26. Juni. Drei der verhafteten Nihilisten, Demski, Mendelssohn und Orloff wurden gestern Abend freigelassen. Türkei. Constantinopel. Unter den Ar⸗ meniern in Erzerum ist infolge der Erpressungen
wegung im Gange. Der Vali der Stadt leitete eine Durchsuchung sämmtlicher armenischen Wohn⸗ haͤuser und Kirchen ein. Die christlichen Kauf— leute mußten ihre Läden schließen.
Bulgarien. Sofia. Prinz Ferdinand von Bulgarien, welcher sich auf einer militärischen Inspectionsreise befindet, dürfte in 6 bis 8 Wochen nach Wien kommen und dann eventuell ein öster⸗ reichisches Bad besuchen. Prinz Ferdinand be⸗ schloß, Panitza zu mehrfährigem Gefängniß zu begnadigen. In Rustschuk wurden angeblich zwei aus Bukarest gekommene russische Spione verhaftet. Rußland. Petersburg. Es soll sich bestätigen, daß im Gatschina-Palast direct unter den vom Zaren bewohnten Gemächern eine Mine entdeckt worden sei. Es heißt, in amllichen Kreisen herrsche ein wahrer Schrecken infolge der Information, daß eine Anzahl Nihilisten, die bislang im Ausland eine Zuflucht gesucht, in der Hauptstadt anwesend sei. Der Vertreter der Londoner Ausgabe des„Newyork Herald“ hatte in Krapolkin's Haus in Barrow on the Hill eine Unterredung mit einem Russen, der sich „Großmeister der Nihilisten in Europa“ nannte. Derselbe sagte, die Insassen des Hauses würden von der Londoner Polizei scharf überwacht. Im Garten des Hauses befände sich ein Laboratorium, wo Bomben fabricirt werden, um dieselben nach Rußland zu senden. Ein Versuch, den Zaren durch mit Blausäute geimpfte Eier zu tödten, mißglückte, weil die Kaiserin das Complott ent— deckte. Seit dieser Zeit esse der Kaiser auch keine Eier mehr. Die Kaiserin überwache per—
nirung des Gatschinapalastes sei ebenfalls ent— deckt worden. Die Nihilisten hofften indeß, ihre Mission in London durch die Tödtung des Zaren in wenigen Monaten zu beendigen.
Amerika. Newyork, 25. Juni. Depeschen aus Texas melden, in Mexiko sei die Rovolution schon ausgebrochen.— Der Präsident von San Salvador, General Menendez, ist wahrscheinlich vergiftet worden.
sönlich den Koch. Die vorgenommene Untermi-⸗
9 kommenden Sonntag Nachmittag um 3 Uhr im Parke dez Günthersburg beginnt, verspricht einen glänzenden Ver lauf zu nehmen. Eine große Anzahl von Theilnehmern hat sich bereits aus den benachbarten Städten bei dem Fest Ausschuß angemeldet. Von den auswärtigen Rednern, welche willkommenes Erscheinen zusagten, erwähnen wir die folgenden hochangesehenen Namen: Professor Grimm 0 (Wiesbaden), Prof. Dr. Oncken(Gießen), Oberbürger, meister Küchler(Worms), Reichstags Abgeordnete Dr. Osann. Außerdem werden Landtags abgeordaeten v. Hergenhahn, Dr. Fester und Dr. Oswalt aus Frank furt Ansprachen halten. Für die Behaglichkeit der Gästz hat der rührige Fest⸗Ausschuß umfassende Vorberestungen getroffen. Die treffliche Kapelle des Infanterteregimentz Nr. 81 ist gewonnen. s. Höch st a. M. Der 13. Verbandstag mittelhrein⸗ ischer Bildungsvereine wurde am 15. Juni dabier abge halten. Die Verhandlungen, unter Vorsitz des Verbands prästdenten, Dr. Weidenbusch⸗Wiesbaden, waren von 22 Delegirten besucht und lieferten den Beweis von dem regen Streben, das innerhalb des Verbandes herrscht, J und dem gedeihlichen Wachsthum des Verbandes. Von den vom Verbandstage gefaßten Beschlüssen heben w als die wichtigeren folgende hervor: Der Centralausschuß der Gesellschaft soll ersucht werden, sich mit der Frage J zu beschäftigen, wie weit es zweckdienlich seli, daß sich die Volksbildungsvereine, entsprechend den Zeitverhältnsssen, in Vorträgen, Schriften ꝛc. mit den soclalen Aufgaben 4 der Gegenwart beschäftigten. Zur Vertheilung an diz zum Verband gehörigen Vereine soll eine größere Anzahl der neuesten vortrefflichen Schrift F. Kalle's:„Wit nährt man sich gut und billig“ angekauft werden. Der nächste Verbandstag wird in Griesheim bet Darmstahl abgehalten werden. 1 Paris, 25. Juni. Im Hafen von Saint Jean bes Brest brach gestern eine vom Schiffe nach dem Landungs, platze führende Brücke unter dem Gewicht der Reisenden zusammen. Gegen 50 Personen stürzten in's Meer; die Zahl der Verunglückten konnte noch nicht ermittelt wer den. Bis heute Vormittag waren 7 Leichen aufgefunden, Die Taucher setzen ihre Bemühungen fort.
Ro m. Die Direktion des Gesundheitsamtes bezeschsel auswärts verbreitete Gerüchte über verdächtige Klan heitsfälle in Neapel, Messina und Venedig als vollständg unbegründet, und fügt hinzu, die Gesundheitsverhältnsst in ganz Italien seien durchaus befriedigend.
Handel und Verkehr. 172 Grünberg, 21. Mai. Fruchtpr. Weizen M. 21.30, N Korn M. 19 00, Gerste M. 17.30, Hafer M. 18.10,* Erbsen M. 00.00, Wicken M. 00.00, Lein M. 00.00% Kartoffeln M. 4.50,(Die Preise verstehen sich sämmtlich per 100 Kilo.) 1 Frankfurt, 25 Junl. Wochenmarkt. Erbsen ganzt 0
„ I Vossat Aten
Müstatas Mieder lage hier.
Aus Stadt und Land.
r. Bad Nauheim. ersichtlich findet nächsten Sonntag zum Benefiz der hiesigen Kurkapelle ein von ihr veranstaltetes Concert, unter Mett wirkung des Waldhornquartetts vom Königl. Hoftheater in Hannover, auf der Terrasse des Kurhauses statt. Die Concerte der Kurkapelle erfreuen sich namentlich in neuerer Zeit ungemein reger Bethelligung Seitens des Kurpubli— kums und dürfte jedenfalls für Alle, welche das Benefiz Coneert besuchen, ein genuß reicher Nachmittag in Aussicht steben. Das sehr reichhaltige und gewählte Programm legt Zeugniß ab von dem feinen Geschmack des Dirigenten. Ueber die künstlerischen Leistungen des Waldhornquartetts schreibt die Hessische Morgenzeitung in Kasset:„Das Auf— treten des Hornquartetts ꝛc. ꝛc kann als eine förmliche Oase in der Wüste der zahllosen Musikaufführungen be⸗ grüßt werden. Die Vortragenden erwiesen sich als Künstler ersten Ranges auf ihren Instrumenten. Und das Zu⸗ sammensoiel war so harmonisch wie es nur von Künstlern solchen Ranges zu erwarten war. Der weiche, runde, volle Ton, die vollendete Technik, der durchweg echt künst— lerische Geschmack der Quartettisten erregten den allge meinen Beifall des Publikums. Dasselbe befand sich denn auch während der einzelnen Nummern in lauschender An dacht.“ r. Bad Nauheim. Unsere so segensreich wirkende Kin derheilanstalt„Ellsabethhaus“ erfreut sich von Jahr zu Jahr eines immer stärkeren Besuches. Sämmtliche dem Curatorium zur Verfügung stehenden Plätze bis zum Herbste sind seit Monat Mai bereits besetzt und können weitere Anmeldungen keine Berücksichtigung finden. Um dem recht fühlbar sich machenden Bedürfniß entsprechen zu können, soll die Anstalt noch im Laufe dieses Herbstes durch Aufsetzen eines zweiten Stockes auf das Hauptge— bäude vergrößert werden.
bd. Bad Nauheim. Ein unbekannter Wohlthäter hat die reiche Spende von 500 Mark für unser Kur hospital gegeben,
r. Nleder Mörlen. Nach längerem Zeitraum wird dlesen Sonntag und Montag in unserem freundlichen Oertchen wieder ein größeres Fest gefeiert, nämlich ein Sängerfest, veranstaltet von dem Verein„Kirchenchor.“ Man hofft auf recht zahlreiche Bethetligung.
Gießen. Das Strafverfahren gegen den Reichstags— abgeordneten W. Pickenbach, welcher des Wuchers be— schuldigt war, ist eingestellt worden, da die Vorunter— suchung etwas Belastendes nicht ergeben hat.
Gießen. Die bisher hier erschlenene Zeitung„Ober— hessische Nachrichten“ geht mit Ende dieses Monats ein
Wie aus dem Inseratentheil weiße Bohnen 16 20 Pf., Butter per Pfd. M. 0 901.10,
per Pfd. 14— 16 Pf., do. geschälte 16—18 Pf., frische 0 Erbsen per Pfund 15— 20 Pf., Linsen 15 28 Pf. f
Eler das Stück 4—8 Pf., Blumenkohl hiesiger 40—80 Pf. do. kleiner franz. 60— 80 Pf., franz. Romalnsalat 20—25 Pf., neue grüne Zwiebeln das Päckchen 3 Pf., neue gelbe Zwiebeln per Pfund 14 16 Pf., Zwiebeln das Gescheid 35—40 Pf., per Ctr. M. 11— 12. Carottem das Päckchen 1015 Pf., Rettig schwarze 12—1ʃ4 Pf., weiße 10— 12 Pf., hiesiger Koofsalat 3—4 Pf., Schwarz wurzel 50— 70 Pf., französischer Sellerie 40— 50 Pf., Spinat 30—50 Pf., Gurken per Stück 12-20 Pf, Kohlrabi per Stuck 5—8 Pf., Zuckerschoten per Pfd. 20 25 Pf., neue Malteser Kartoffeln per Pfund 11 bis 16 Pf., neue ital. Kartoffeln per Pfund 12 Pf frische Bohnen per Pfund 60 70 Pf., frische Erbsem (Kernerbsen) 12-15 Pf., Wirsing 15—25 Pf., neues! Weißkraut 25—40 Pf.
Frankfurt, 26. Juni. Fruchtbericht. Hles. Weizen.: mehl Nr. 0 M. 93.50— 34.00, Nr. 1 M. 31.25—32.75, Nr. 2 M. 27.50— 28.50, Nr. 3 M. 25.75—27.25, Nr. 4 M. 22 öh n bis 23.50, Nr. 5 M. 18.00 19.00, Milchbrod und Brodmehl im Verband M. 59.00 62.00, norddeutschz und westfälische Wetzenmehle Nr. 00 M. 28.00— 29.00% Roggenmehl loco hier Nr. 0 M. 27.00— 27.50, Nr. 0%/* M. 25 00 25.50, Nr. 1 M. 23.50— 24.50. Ab Bahm Magdeburg fordern wir für Roggenmehl Nr. 0 M. 24.50 bis 00.00, Nr. O 1 M. 22.75 00.00, Nr. 1 M. 21.00 bis C0 0). Exquisite Marke circa 60 Pf. höher. Obige Preise verstehen sich per 100 Kilo ab bier, häufig jedoch auch loco auswärttger Stationen.
Wie schon oft, versendet die Post nachstehendes Elr⸗ eulär: Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen müssen auf den“ selben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichne sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dab! sind namentlich folgende Punkte zu beachten: 1. Bei Pol 0 sendungen nach größeren Orten ist in der Aufschrift di Wohnung des Empfängers möglichst genau anzugeben an Auch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangahe für stets an derselben Stelle der Aufschrift, nämlich de unten rechts, unmlttelbar unter der Angabe des Bt stimmungsortes, erfolge. 2. Auf den nach Berlin be stimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des En. pfängers, der Post bezirk(0. N., NO. ete), in welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ortsbezeichnung „Berlin“ zu vermerken. 3. Glebt es mit dem Bestimme ße ungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung ba zufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Po
— —
Allerlei. j. Frankfurt. Das Sommerfest der nattonalllbe—
verkehr als maßgebend anzusehen sind, ergtebt sich auff dem„Verzeichniß gleichnamiger oder ähnlich lautende lun
der türkischen Beamten eine revolutionäre Be—
ralen Partet, welches, wie wir schon mittheilten, am
Postorte“, das zum Preise von 10 Pf. durch Vermittelung 10
jeder Reichs ⸗Postanstalt bezogen werden kann. 4. We 290


