9 Uhr in Begleitung des Flügeladjutanten Haupt— mann Frhr. v. Röder nach Darmstadt, um da— selbst im Großherzoglichen Residenzschlosse Vor— träge und Meldungen entgegenzunehmen und Audienzen zu ertheilen und kehrte Mittags um 3½ Uhr hierher zurück.
Zu der heutigen Großherzoglichen Tafel wur— den mit Einladungen beehrt: der Rector der Landesuniversität Prof. Dr. Philippi in Gießen, Oberstlieutenant Winter, Kreisrath Dr. Braden, Kreisarzt Medizinalrath Dr. Lorenz, Kreisbau— meister Kranz, Rechtsanwalt Jöckel, Postdirector Wüst, Lieutenant v. Plönnies in Friedberg, und Major Frhr. v. Rotsmann, Bergrath Jager, Oberamtsrichter Bauer, Medizinalrath Dr. Bode sowie Bürgermeister Wörner
Seine Kgl. Hoheit der Großherzog mit!
JJ. GG. HH. den Prinzessiunen Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, und Aliz werden Morgen nachmittag mit Gefolge mit Ex trazug von hier nach Romrod reisen und daselbst einige Tage verweilen.
Darmstadt. Der ordentl. Prof. Dr. Freih. von der Ropp in Gießen wurde auf Rachsuchen aus dem Dienst entlassen.
Berlin, 23. Juni. Gestern fand in Potsdam ein Reiterfest auläßlich des 150jährigen Jubi— läums des Regiments Gardes du Corps statt, dem das Kaiserpaar mit den beiden ältesten Prinzen beiwohnte. Anwesend waren außerdem die Prinzen der Fürstenhäuser. Bei der Qua— drille wirkten die Prinzessinnen Victoria und Margarethe und Prinz Friedrich Leopold mit— Das Fest verlief auf das glänzendste. Der Kasser hielt sodann an der Spitze des Regiments vom neuen Palais aus seinen Einzug in die reichgeschmückte Stadt. Im Lustgarten fand in Gegenwart der allerhöchsten und höchsten Herr schaften ein Feldgottesdienst statt. Der Kaiser hielt eine Ansprache an das Regiment, in welcher er hervorhob: So lange nicht das Regiment Gardes du corps eine Attacke geritten, gebe er keine Schlacht verloren. Der Regimentscomman deur erwiederte mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser. Nach der Festrede des Feldprobstes Richter führte der Kaiser das Regiment zweimal bei den Kaiserinnen vorüber.
— 23. Juni. Der Reichstag setzte die Berathung über die Gewerbegerichtsvorlage fort und genehmigte die §§ 49 bis 68 einschließlich nach den Beschlüssen der Commission unter Ablebnung verschiedener Abänderungs anträge.— Dle Reichstagsecommission zur Berathung des Antrags Rintelen betr. Reform des Zustellungswesens hot heute folgende Resolution beschlossen:„Den Reichs kanzler zu ersuchen, schon vor einer durchgreifenden Re— vision der Reichsprozeßgesetze dahin zu wirken, daß die auf dem Gebiete des Zustellungswesens in Cioilproeessen, insbesondere in Beziehung auf die Weitläufigkeit und Kostspieligkeit des Verfahrens wahrnehmbar gewordenen Mängel und Härten durch eine geeignete Gesetzvorlage Abhilfe erfahre.“— 24. Juni. Der Reichstag genehmigte den Nachtragsetat für Ostafrika debattelos. Staats sceretär Marschall hatte jede Diseussion über das englisch deutsche Abkommen für unerwünscht und der deuschen Politik nachtheilig bezeichnet und davon abzu sehen gebeten. In der zweiten Lesung der Mtlitärvorlage begründet bei dem Punkt„Friedenspräsenz“ Graf Stol— berg den Commissionsbericht und bittet den Antrag der freisinnigen Partei auf Einführung der zweijährigen Dienstzeit abzulehnen. Rickert ist gegen die Vorlage und gegen das Septennat, dagegen für eine einjährige Bewilligung, wie beim Marine Etat. Seine Partei könne ohne Compensation nicht für die Vorlage stimmen Windthorst verkennt nicht die Belastung des Volkes durch eine neue Bewilligung von Geld und Menschen; alle derartigen Erwägungen müßten aber zurücktreten vor der Sorge für die Sicherheit des Vaterlandes. Ex halte die Ausgaben für absolut nothwendig. Der Reichskanzler erklärt, die Regierungen könnten weder die Vorlage auf— geben noch Anträge annehmen. Er wies entschieden die Aeußerung Windthorst's zurück, daß er kein Freund Crispi's sei, und daß Deutschland im Bündniß mit Oester reich allein fertig werden könne. Auch die abfällige Aeußerung über den leitenden Minister eines befreundeten Staates könne er nur tiefstens bedauern, das Bündniß mit Italten werde bestehen, auch wenn Crispt zurück— treten sollte.
— 24. Juni. Oberbürgermeister Dr. Miquel hat dem Magistrat und dem Stadtverordneten— vorsteher in Frankfurt telegraphirt, daß er zum Finanzminister an Stelle Scholz's ernannt worden sei.
— 23. Juni. Major Wißmann hat heute
in Bad Nane
Audienz beim Kaiser gehabt.— In den leitenden Kreisen der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft wird die ungünstige Auffassung einzelner colonial freundlicher Blätter über das deutsch⸗englische Abkommen keineswegs getheilt; vielmehr werde in Folge des Ueberganges der Küste an Deutsch— land eine rapide Entwickelung derselben und die günstigste Einwirkung auf den gesammten deutschen Besitz erwartet.
— 24. Juni. Der Kaiser ist mit Major Wißmann heute Mittag in Potsdam eingetroffen Wißmann war zur kaiserlichen Tafel geladen und hielt sodann vor den Majestäten einen längeren Vortrag. Der Kaiser und die Kaiserin sind Abends nach Kiel abgereist.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Pest, 24. Juni. Die ungarische Delegation genehmigte das Budget des Aeußern und den Occupationscredit ohne Debatte.
Schweiz. Beru, 24. Juni. Der schwei— zerische Nationalrath genehmigte ohne Discussion den Niederlassungsvertrag mit Deutschland.
Holland. Haag. Nach amtlichen Mel dungen griffen die holländischen Truppen am 13. d. Kwalabagoh und Olebaadja an, vertrieben die Atchinesen und besetzten Olehgadja mit einem Verluste von drei Verwundeten. Die hollän dische Truppenabtheilung trat am 17. Juni den Rückmarsch nach Edi an.
Großbritannien. London, 23. Juni— Im Unterhause erklärte Fergusson, die Regierung sei nicht der Ansicht, daß das zwischen England und Frankreich getroffene Abkommen über die Unabhängigkeit Sansioars durch die mit voller Zustimmung des Sultans erfolgende Uebernahme des englischen Protektorats über Sansibar irgend wie berührt werde. Weiter erklärte Fergusson, die Absicht Englands, das Protektorat über Sansibar zu übernehmen, sei nder französischen Regierung mitgetheilt worden. Dem französischen Minister habe aber die Mittheilung noch nicht vorgelegen, als er die auf Sansibar bezügliche Erklärung in der französischen Kammer abgab
— Die förmliche Uebergabe Helgolands findet im Oktober statt. Prinz Heinrich wird sich mit einem deutschen Extrageschwader nach Helgoland begeben und die Insel namens des Kassers über— nehmen. Helgoland soll angeblich ein selbstän— diges Reichsland werden.
— 24. Juni. Oberhaus. Lord Salisbury theilte mit, der Ausdruck„Protektorat über das Sultanat Sansibar“ in der Depesche vom 14 Juni bedeute das Protektorat über das Gebiet, welches unter der Regierung des Sultaus von Sansibar oder dessen Suzeräuität stehe. Die Oefinitton des Gebiets sei schwer, im allgemeinen umfasse es die Juseln und einen bedeutenden Theil des Festlands.
— 24. Juni. Infolge des Verbots eines Polizeimeetiugs fand gestern an mehreren Stellen offene Meuterei statt. Die Polizeimaunschaften verweigern den Gehorsam.
Spanien. Madrid. In Catalonien haben zahlreiche Fabriken in Folge des ausgebrochenen Streikes geschlossen. 10,000 Arbeiter sind beschäf ligungslos.
Italien. Rom, 23. Juni. Der Papst hielt heute ein theilweise öffentliches Consistorium ab. Der Papst präkonisirte den neu erwählten maronitischen Patriarchen von Antiochia. Hierauf fand ein geheimes Consistorium statt, worin Vanutellt, Nuntius zu Lissabon, Galenti, Erz bischof von Ravenna, Mermillod, Bischof zu Lausanne und Dunajewski, Bischof zu Krakau, zu Kardinälen ernannt wurden.
Bulgarien. Sofia, 28. Juni. In Schumla und Rustschuk wurden zahlreiche Offiziere ver— haftet.
Amerika. Newyork, 24. Juni. Depeschen aus Mexiko besagen, daß dortselbst eine Ver schwörung entdeckt worden sei, die einen Aufstand gegen den Präsidenten der Republik, General Diaz, plante. Dieser wird beschuldigt, sich zum Dik— tator machen zu wollen.
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— 24. Juni. Nach einer Reuter-Meldun aus San Salvador vom 23. d. M. sei Präsideg Menendez am Schlusse eines Banketts zur Et innerung an das vor 50 Jahren erfolgte Ein rücken in Salvador und die Niederlage der Parle⸗ Zaldivar's plötzlich gestorben. Während de hierdurch hervorgerufenen Panik seien Generg Marcia und Andere getödtet worden. Der Be fehlshaber der Truppen, General Czeta, führ die Geschäfte, im Uebrigen herrsche Ruhe.
Buenos-Ayres, 24. Juni. Nachrichteg aus Entre-Rios zufolge dauert die aufständischt Bewegung fort und sind die beunruhigenden An zeichen im Zunehmen.
Aus Stadt und Land. Friedberg, 21. Juni. Heute machten einige spielend Kinder in der Nähe einer Scheuer in der Brauergaf ein Feuerchen an. Zum Gluͤcke bemerkten in der Näh beschäftigte Arbeiter das Beginnen, sonst hätte ein groß Unglück geschehen können. Die Flamme schlug berestz hochauf. 1 ? Friedberg. Wir machen, unter Verweisung auf unseren in der vorigen Nummer dieses Blattes erschienen
Artikel, sowie die dortige Annonce, nochmals auf die
sammlung des„Eo. Vereins“ und des„Ev. Bundes
im Saalbau am Mittwoch Abend aufmerksam und laden 0
zu recht zahlreichem Besuche ein. 7 D. Friedberg.
Der Taunuselub Wetterau hat
sein Touren-Programm für diesen Sommer wie folge
festgestellt: Sonntag den 29 Juni nach Münzenberg und Butzbach. Die Sektionen Friedberg und Bad-Nauhelm treffen sich am Bahnhof zu Bad Nauheim um 71 Uh Vormittags. Von da geht es über Steinfurth, durch dig Wald nach Münzenberg und Butzbach und mit der Bahg wieder zurück. Sonntag den 20. Juli, Familien- A
flug über das steinerne Kreuz, durch den Wald, nach
Spitze des Viehtriebs, woselbst Bier und ein kl
Imbiß verabreicht werden soll. Sonntag den 10. Au über das Forsthaus Winterstein, nach Ziegenbeig Bodenrod, Hausberg, Butzbach Sonntag den 7. Sich tember nach dem Feldberg. Einige kleinere Tour, werden wohl noch eingeschoben werden und werden diese.
sowie die genannten, durch besondere Inserate bekannt Frisch auf Ihr Mitglieder und Freunde des
gemacht. Clubs, laßt es an zahlreicher Betheiligung nicht fehlen
Mainz, 22. Junt. Mainz, die Wiege der Buchs druckerkunst und gleichzeitig die Geburtsstätte Gutenbergs, feierte heute in würdiger, der Bedeutung der Sache ange— messenen Weise das 450jährige Jubiläum der Erfindung der Buchdruckerkunst. Gleiche Feiern fanden in fast allen größeren Städten Deutschlands statt.
Allerlei..
st. Frankfurt. Im Frankfurter Opernhause beginnk
demnächst das kurze Gastspiel des berühmten Münchener Ensemble's vom Theater am Gärtnerplatz. Die erstt
Vorstellung findet Freitag den 27. statt und geben die:“
Gäste das weitbekannte Schauspiel„Der Herrgottschnitzer: von Ammergau.“ Dieses Gesammt-Gastspiel ist noch da⸗ vurch von besonderem Interesse, daß das Ensemble selne eigenen Decorattonen und Requtsiten mit sich führt. Dit Gesellschaft besteht aus 24 Personen. Bestellungen von Plätzen werden täglich an der Kasse des Opernhauses ent gegengenommen Sonntag den 29. spielen die Münchener Gäste ausnahmsweise im Schauspielhause.
Hanau, 23. Juni. In dem sogenannten Franzosen⸗ loch, einem kleinen, aber tiefen, stehenden Wasser in der Nähe, das von dem Umstande, daß in demselben in der Schlacht bei Hanau 1813 viele Franzosen ihren Tod fanden, seinen eigenthümlichen Namen herleitet, ertrank ein angesehener hiesiger Fabrikant und sein einziges Kind, ein Söhnchen von 6 Jahren. Letzteres war in das Wasser gefallen und der Versuch des Vakers, sein Kind zu retten, kostete auch diesem das Leben. N
Hamburg, 23. Juni. Die amerikanischen Inde pendentschützen trafen heute Abend auf dem Dampfer „Wieland“ hier ein. Eine Deputation von 25 Hamburger Schützen war dem„Wieland“ nese“ entgegengefahren und traf denselben um 6 Uhr bei Brockdorf. Unter Böllerschüssen fand die herzliche Be grüßung der 49 Independent schützen durch die Hamburger statt. Erstere dankten sebr erfreut über den unerwartel großartigen Empfang. nach dem„Hotel de l'Europe“.
Madrid, 23. Juni. Aus Moratalla, Provi Murcia, wurden mehrere bedenkliche Erkrankungen gemeldel — 24. Juni Nach Meldungen aus Valeneia hat do und in der Umgegend die Cholera nachgelassen.
Newyork, 21. Juni.
auf dem Dampfer„Blanke,
25 Equlpagen brachten die Gästt(
Durch einen Cyklon, ven
bunden mit einer Windhose, wurde gestern in Illinois
bedeutender Schaden verursacht. In Carleville wurde das Schulgebäude zerstört und der Lehrer sowte sieben Schüler getödtet; ebenso wurde eine große Anzahl Farmen zerstört; die Ortschaften Sublette und Pawpaw sind ebenfalls vernichtet. In Brooklyn liegt das Schulgebäude in Trümmern. Wie verlautet, sollen viele Todte und Verwundete allenthalben die Opfer des Elements geworden sein. ö New Pork, 24. Juni. Eine Depesche des Konsulz der Vereinigten Staaten von Nordamerika auf Martintqh meldet: Die Hälfte der Hauptstadt Fort de France f durch eine furchtbare Feuersbrunst zerstört worden. Et 5000 Menschen sind obdachslos. Der Konsul ersucht u Hilfeleistung.
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