Ausgabe 
20.5.1890
 
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Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Ober⸗Erlenbach. Juni l. J. liegen die Arbeiten des II. Abschnittes rubricirten Verfahrens, namlich:

In der Zeit vom 10. Mai bis 3.

Bekanntmachung.

1. ein Band Besitzstandsverzeichniß, 2. zwei Bände Guͤtergeschosse, 3. die Bonitirungskarten und

auf dem Amtszimmer der Großherzoglichen

Friedberg den 17. Mai 1890.

4. das Verzeichniß über die zusammengestellten Gütergeschosse

Bürgermeisterei Ober Erlenbach zur Einsicht der Betheiligten offen.. von Einwendungen gegen diese Arbeiten findet statt: Mittwoch den 4. Juni 1890, Vormittags von 10 bis 11 Uhr, in dem Rathhau zu Ober-Erlenbach, wozu ich die Betheiligten unter dem Hinweise einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind.

Tagfahrt zur Entgegennahme=

Der Vollzugs⸗Commissär.

Deutsches Reich.

Friedberg, 16. Mai. Zur heutigen Audienz war ferner Pfarrer Walz von Bad Nauheim befohlen. Um 4 Uhr Nachmittags unternahmen die allerhoͤchsten Herrschaften im Aspännigen Break eine Spazierfahrt nach Salz hausen.

Friedberg, 17. Mai. Heute hatten Pro⸗ vinzialdirektor Freih. von Gagern und Gemahlin von Gießen, und Geheime Staatsrath Freih. von Biegeleben und Gemahlin, gegenwärtig in Cransberg, die Ehre, zur Großherzogl. Tafel gezogen zu werden. S. Königl. Hoheit haben dabei die Absicht ausgesprochen, das so reizend gelegene Schloß und Dorf Cransberg zu besichtigen. Am Nachmittage unternahmen die allerhöchsten Herrschaften eine Spazierfahrt über den Johannisberg nach der Haselhecke.

Friedberg, 18. Mai. Heute Vormittag 9 Uhr kamen die 3. und 4. Eskadron des 2. Groß. Hess. Drag. Regt.(Leib-Drag ⸗Regt.) Nr. 24 von Darmstadt zurück und defilirten vor dem hiesigen Schlosse vor Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog und J. J. G. H. H. den beiden Prinzessinnen. Die allerhöchsten Herrschaften besuchten hierauf den Gottesdienst in der Burg kirche, woselbst die Confirmation der taubstummen Kinder stattfand. S. K. H. der Großherzog begaben sich Abends nach Darmstadt, um der letzten Vorstellung im Hoftheater anzuwohnen und kehrten um 11 Uhr Nachts hierher zurück.

Friedberg, 19. Mai. Seine Erlaucht Graf von Solms-Rödelheim zu Assenheim nebst Familie wurden zur heutigen Großherzogl. Tafel mit Einladungen beehrt.

Darmstadt. Der Gerichtsaccessist Schliep hake in Gießen wurde zum Regierungsassessor, die Gerichtsaccessisten Schwarz in Gießen und Wiener in Gießen zu Gerichtsassessoren, der Ge fangenwärter Habicht in Darmstadt zum Amts gerichtsdiener in Alzey ernannt.

Berlin, 16. Mat. Reichstag. Die Berathung t über die Friedenspräsenzvorlage wird fortgesetzt. Ltebknecht führt aus, bei der ungeheueren Steuerlast gehe das Volk durch den Militarismus zu Grunde. Das Septennat solle einen Stillstand bedeuten, seitdem sei aber eine fort laufende Steigerung der Milttärlasten eingetreten. Statt den Orientkrieg zu verhüten, habe Deutschland die russische Politik in jeder Weise unterstützt. Die Annexion von 1870 habe eine ewige Feindschaft mit Frankreich herauf beschworen Um einen allgemeinen Frieden zu sichern, solle Deutschland einen Congreß berufen. Kardorff und Hänel treten den Angriffen Liebknecht's gegen Bismarck's Politik entgegen. Hänel sagt, er sei nicht vor der Oppo sinlon zurückgeschreckt, aber er müsse es ehrlich anerkennen, daß Bismarck die Einheit Deutschlands herstellte und es herbeifübrte, daß Deutschland in dem europälschen Concert ein Hort des Friedens war. 17. Mal. Der Reichs tag verhandelte in seiner beutigen Sitzung über den Gesetz⸗ entwurf, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung. Schrader erklärt, die Freisinnigen würden bei ihren früheren Reichstagsbeschlüssen bleiben. Für die Regelung der Sonntagsruhe seien die Befugnisse des Bundesraths zu weitgehend. Die Bestimmungen betreffs der Frauen⸗ und Kinderarbeit wichen von den früheren Relchstags⸗ beschlüssen ab. Die Forderungen jugendlicher Arbeiter und die Betriebs regelung seien freudig zu begrüßen, doch müsse man die Hereinziehung der Polizeibehörden für unangebracht halten. Die freisinnige Partei sei gegen die Bestimmungen betreffs des Arbeitsvertrags und des Contraktbruchs. Für strafbare Handlungen genüge das Strafgesetz. Er beantragt die Verwelsung der Vorlage an eine 28gliedrige Commission. Hartmann betont die Verdienste des Centrums und der Conservativen um

die Arbeiterschutzgesetzgebung, jedoch bedürften auch die Arbeitgeber des Schutzes.

DieVoss. Ztg. erhält eine Zuschrift, nach welcher der Plan besteht, den Rahmen der Heeresverfassung dahin zu erweitern, daß die pesammte waffenfähige Mannschaft in denselben aufgenommen werden könne. Die Friedens präsenzstärke solle auf pCt. der Bevölkerung,

also auf 540,000 Mann erhöht werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach würden zwei weitere Armeecorps geschaffen werden. Ferner sei die Herstellung von Reservecadres für alle Waffen gattungen, sowie die Vermehrung der Fußartil lerie in Aussicht genommen, so daß Deutschland im Falle der Mobilmachung sofort mit 22 Armee corps, in 69 Divisionen gegliedert, in's Feld rücken könne.

Königsberg, 16. Mai. Das Kaiserpaar besuchte gestern Nachmittag nach Rückkehr vom Louisenhause die Kirche in Inditten, die älteste des Samlandes, und wohnte daselbst dem Gottes dienste bei. Abends fand bei dem Kaiser kleine Tafel von 40 Gedecken, bei der Kaiserin kleine Damentafel mit 80 Gedecken statt. Um Uhr war Zapfenstreich. Heute früh um 6 ¼ Uhr fuhr der Kaiser über Devan nach Werben, darauf nach Quednau, woselbst er eine Festungsübung bei dem Fort Quednau persönlich leitete. Der Kaiser ließ das von ihm besetzte Fort angreifen und vertheidigte es durch schweres Geschütz; die Uebung schloß mit einem Sturm auf das Fort. Hiernach begab sich der Kaiser zur Besichtigung des Hafens nach Pillau. Hier traf der Kaiser um 9 Uhr 30 Min. ein und besichtigte die Land und Seeforts. Nach der Besichtigung fuhr der Kaiser in die See hinaus, wo vier Torpedo Boote liegen. Um 11½ Uhr kehrte der Kaiser von Pillau hierher zurück und begab sich sofort in das Schloß. Die Kaiserin besuchte heute Morgen 9 Uhr das Krankenhaus der Barm herzigkeit, wohnte daselbst der Einsegnung zweier Hilfsschwestern bei und fuhr nach dem Kinder hort, woselbst ein achtjähriges Mädchen der Kaiserin einen Blumenstrauß überreichte. Bei dem Provinzialdiner, welches in der wundervoll geschmückten Börse stattfand, wurde das Kaiser paar durch den Landesmarschall Grafen v. Eulen burg an der Treppe empfangen und nach dem großen Saale geleuet, in dessen Mitte eine Längs tafel aufgestellt war. Die Majestäten ließen sich unter dem parpurnen Thronhimmel nieder. Die Kapelle des Kürassier-Regiments blies die Faufare, darauf setzten sich auf einen Wink des Kaisers auch die übrigen Anwesenden. Nach dem zweiten Gange brachte Graf Eulenburg den Toast auf das Kaiserpaar aus dankte für deren Erscheinen. Nach dem dritten Gang toastete der Kaiser auf die Provinz. Die Provinz sei ihrem Hauptbestandtheile nach eine ackerbautreibende und auch er werde sein Hauptaugenmerk auf die Landwirthschaft richten, er werde alles thun, was zu dem Gedeihen derselben förderlich sei. Man möge Geduld haben, ihm Zeit lassen. Ein guter Bauernstand sei die beste Grundlage eines Staates, der den Frieden aufrecht erhalten wolle. Das könne er, denn hinter sich habe er das Heer, das den Frieden erzwingen könne. Wie er gesonnen sei, das Beste für die Provinz zu thun, werde er auch dafür einstehen, daß der, welcher an die Provinz rühren wolle, ihn wie einenehernen Felsen finden würde. Die Kaiserin ist Abends 9 Uhr nach Potsdam abgereist.

Hamburg, 16. Mai. Gestern Abend herrschte ein starker Andrang nach der Stein straße hin. Starke Polizeiabtheilungen, zu Pferde und zu Fuß, hielten alle Zugänge besetzt und zerstreuten die Ansammlungen leicht. Gegen 11 Uhr wurde die Polizei zurückgezogen. Die Direction der Gasanstalt ist durch neu ange worbene Arbeiter des Nordostseecanalbaues, theils Italiener, theils Schweizer, nunmehr in Stand gesetzt, alle Bedürfnisse der Gasconsumenten voll auf zu befriedigen.

Dr. Wallau. 4 Als der Hamburger PostdampferElder, feld am 22. März d. J. vor einem haitischeg 1 Hafen lag, wurde, nach in Hamburg einge er gangener Meldung, plötzlich von dem haitisches 1 KriegsdampferToussaint L'Quverture eine Gewehrkugel nach dem Schiffe entsandt, welch 0 den Bootsmann derElberfeld traf und schwes e am Oberarm verwundete. Der Vorfall wurd 5 f sofort dem deutschen Generalconsul gemelde. welcher eine genaue Untersuchung einleitete und dem Reichsamt für auswärtige Angelegenheiten Bericht erstattete. Der angeschossene Bootsmann welcher noch jetzt arbeitsunfähig ist, verlangt von der haitischen Regierung eine Entschädigung von 600 Dollars. Als Absender der verhängnißvolla Kugel wild der wachhabende Offizier desTou saint L'Quverture bezeichnet. Die Sache ien um so auffallender, als von demselben Kriegs schiffe schon einmal Kanonenschüsse auf einen Hamburger Dampfer, denCremon, abgegebene i worden sind. a Wiesbaden. Der König Christian von Dänemark trifft mit Gefolge am 24. Mai zur g Kur hier ein und nimmt im Parkhotel Wohnung. I Ems. Kaiserin Augusta Victoria wird am b 1 2. Juni hier eintreffen 1* München. Auläßlich eines Handschreibeng fi, des Prinzregenten beschloß eine Versammlung 1 66 von Vertrauensmännern, den Katholikentag. l diesem Jahre nicht in München abzuhalten, den ee Fürsten Löwenstein die Festsetzung eines andere Ortes freizustellen und den Erzbischof zu ersuchth dem Prinzregenten den Sachverhalt zu une breiten. 9

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Ausland. Oesterreich-Ungarn. Pest. Im Abge⸗ ordnetenhause legte die Regierung einen Gesetz entwurf vor, welcher eine vierundzwanzigstüͤndige Sonntagsruhe der Arbeiter fordert.

Belgien. Brüssel, 17. Mai. Der in der heutigen Sitzung der Kammer von Janson, Casse und Consorten eingebrachte Antrag, betreffend die Uufallversicherung der Arbeiter, umfaßt 27 ö Paragraphen und ist dem deutschen Gesetze nach gebildet. 5

Frankreich. Paris. Die hiesigen Blätter veröffentlichen ein Schreiben Boulangers an Lalsant, in welchem das Boulangisten-Comits für aufgelöst erklärt wird. d

G15 8 Uri London. DerDaily Chronicle zufolge beansprucht Deutschland weder Uganda noch Unyoro und besteht allein darauf, daß der 30. Grad östlich Greenwich als West⸗ grenze der deutschen Einflußsphäre festgeseßzt werde. Diese Grenze soll sich nördlich bis zum Aequator zwischen dem 32. und 30 Grad oͤst⸗ licher Länge ausdehnen. f

16. Mai. Im Oberhaus erklärte Salis? bury, daß die Unterhandlungen mit 0

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süber Afrika fortdauern. Die Schifffahrt auf den (Shire und dem Zambesi sei nicht Gegen stad der Unterhandlung. Jene Flüsse seien interna tionale Hochstraßen. Hinsichtlich der Gebiets frage hoffe er von Portugal zu erlangen, was Englands Recht sei. f

Spanien. Madrid, 17. Mai. Der Aus stand in Bilbao dauert fort. Heute stellten die Werftenarbeiter und viele Bauarbeiter die Arbeit ein infolge der Beeinflussung seitens der Strei⸗ kenden. Civilgarde und Cavallerie patronilliren durch die Stadt und zerstreuen die Ansammlungen, Die Militärbehörde erließ eine Proclamation an alle ruhigen Bürger, denen sie auräth, zu Haufe zu bleiben. Viele Personen wurden verhaftet. f Italien. Rom. In der Budgetcommission