Schmuck und die Majestäten wurden überall von der zahlreich versammelten Menschenmenge mit begeisterten Zurufen begrüßt.
— 17. März. Herzog Ernst von Sachsen— Coburg-Gotha ist gestern hier eingetroffen und im Königsschlosse abgestiegen und bringt man sein Kommen in Verbindung mit der Nachricht, Bismarck wolle zurücktreten. Die„Köln. Ztg.“ meldet von hier unterm heutigen Datum: In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß der Rücktritt des Fürsten Bismarck von allen Aemtern schon in der allernächsten Zeit bevorsteht. Man glaubt, daß schon der heutige Ministerrath, der unter dem Vorsitz des Reichskanzlers versammelt war, sich mit der Thatsache des Rücktritts beschäftigte.— 18. März. Wie oben bemerkt, ist die Hierherkunft des Herzogs von Coburg Gotha mit der Kanzlerkrisis in Zusammenhang gebracht worden. Der„Times“ wurde von hier gemeldet, daß der Herzog, der heute nach einem Besuche beun Großherzog von Baden wieder abgereist ist, vergeblich versucht habe, eine Ver— einbarung zwischen den Anschauungen des Kaisers und des Kanzlers zu erzielen. D
Die Differenzen gipfeln in der Socialpolitik, die dem Kanzler zu sehr forceirt erscheint und bezüglich deren er ein ruhigeres Tempo gewünscht hatte. Wie die „Post“ berichtet, hat der Kaiser Bismarck noch gestern in später Abendstunde einen längeren Besuch gemacht; heute Mittag erschien der Kanzler während der Frühstückspause in den Nebenräumen des Congreßsaales, ließ sich die ihm noch nicht bekannten Delegirten vorstellen und unterhielt sich mit ihnen in bester Laune. Die„Hamb Nachr.“ schreiben:„Ueber die Nachfolgerschaft! des Kanzlers verlautet natürlich noch nichts Be- stimmtes; doch wird vielfach der Name des com— mandirenden Generals von Caprivi genannt, welcher vor acht Tagen von dem Kaiser in längerer Audienz empfangen wurde, ohne daß hierüber das offistöse Hof Journal eine Mit theilung brachte. Auch Bötticher, Puttkamer und Miquel werden genannt. Daß der Rücktritt des Fürsten Bismarck eine Demuston des preußischen Gesammt Ministeriums zur Folge haben werde, wird nicht angenommen, da man in diesem Rück trut zur Zeit keinen Systemwechsel erblicken will, sondern ausschließlich die Folge von Meinungs verschiedenheiten über eine Reihe einzelner Fragen der inneren Politik zwischen Kaiser und Kanzler Die commandirenden Generale sind auf kaiser lichen Befehl bier eingetroffen und heute Abend 6 Ubr zur Couferenz in das königliche Schloß berufen; bereits heute Vormittag hatten die höchsten Vorg setzten beim Kriegsminister längere Couferenzen. Die„Post“ glaubt nicht fehlzu— gehen, wenn sie diese Herberufung mit wichtigen militärsschen Berathungen und Vorlagen in Zu— sammenhang bringt. Der Chef des General— stabs Graf Waldersee, der früher vielfach als Nachfolger des Kanzlers angesehen wurde, beab— sichigt, dem Vernehmen der„Post“ zufolge, demnächst eine Erholungsreise nach Italien anzu— treten. Die kaiserliche Genehmigung des gestrigen Eutlassungsgesuchs des Fü sten Bismarck als Reichskanzler und Ministerpräsident wird unmittel—
bar erwartet. Graf Herbert Bismarck wird im Amte bleiben.
17. März. In der heutigen Sitzung der Arbeiterschutzconferenz wurden drei Ausschüsse gewählt für Bergwerksarbeiten, Sonntagsarbeiten und die Arbeiten von Frauen, Kindern und jugendlichen Personen.
— Die Novelle zum Patentgesetz, welche der Reichskanzler dem Bundesrath vorgelegt, ändert die Bestimmungen in den 8 8, 9, 10, 12 bis 17, 20 bis 27, 34 und 35. Dieselbe läßt das Vorprüfungsverfahren unberührt und hat, wie die Begründung sagt, den Zweck, das Prüfungsverfahren zu verbessern, den Fortbestand der ertheilten Patente mit erhöhten Garantien zu umgeben und das Patentamt zu reorganssiren. Es ist vorgesehen, daß bei versäumter rechtzeitiger Gebüh— renzahlung durch Zahlung einer Zuschlagsgebühr innerhalb 6 Wochen nach Ablauf der Zahlungsfrist
Potsdam, 18. März. In der Berlin⸗Neu⸗ endorfer Kammgarn-Spinnerei-Actiengesellschaft bei Nowawes brach gestern ein Streik aus. 500 Arbeiter feiern.
Stettin, 18. März. Sämmtliche Schiffs zimmerleute auf allen Werften Stettins stellten die Arbeit ein.
Magdeburg. Siebenhundert Arbeiter der Buckauer Maschinenfabrik Wolf streiken.
Dortmund, 17. März. In der gestrigen Bergarbeiterversammlung des Schachts Kaiser stuhl waren von 400 Arbeitern nur 120 anwesend. Schröder nahm die Wahl als Delegirter zu dem im Mai in Brüssel abzuhaltenden internationalen Congreß an. Derserbe erklärte, wenn die An— gelegenheiten auf friedlichem Wege nicht durch zuführen seien, würde man durch eine allgemeine Verbrüderung einen internationalen Streik herbet— zuführen suchen und der Welt zeigen, wie arm sie ohne Kohlen sei. Die Versammlung wurde poli— zeilich aufgelöst.
Barmen, 18. März. Die heute angekün— digten Versammlungen der Riemendrehergesellen wurden auf Grund des Paragraphen 9 des Socia listengesetzes verboten.
Braun schweig, 17. März. Nachdem kleine Lohnerhöhungen bewilligt worden, ist der Ausstand auf den benachbarten Braunkohlen— gruben überall als beseitigt anzusehen. Etwa 100, meist poluische Arbeiter wurden entlassen und gegen die etwaige Wiederkehr von Unruhen Vorsichtsmaßregeln getroffen.
Wiesbaden, 16. März. Die Kaiserin von Oesterreich ist mit der Prinzessin Valerie hier angekommen und hat in der Villa Langenbeck Absteigequartier genommen.
Ausland.
Oesterreich- Ungarn. Wien. Der Kaiser ist aus Pest wieder hier eingetroffen.
— Dem„Tagblatt“ zufolge sollen aus den vierten Bataillonen der in Oesterreich bestehenden 102 Infanterie Regimenter 32 neue Regimenter formirt werden.
Holland. Haag. Die Regierung legt ein Gesetz vor, wodurch der Dienst zweier Milizjahr— gänge um ein Jahr verlängert wird, so daß dann sieben Jahrgänge disponibel sein werden; dasselbe wird mit Hinweis auf die dauernde Steigerung der Armeen Europas begründet und stellt ein Gesetz über den obligatorischen Mlli— tärdienst in Aussicht
Belgien. Brüssel. Stanley tritt gänzlich in den Dienst des Congostaates.
Frankreich. Paris, 17. März. Das neue Ministerium ist constituirt: Freyeinet, Präsidium und Krieg; Constaus, Inneres; Fallieres, Justiz; Rouvier, Finanzen; Barbey, Maxine; Bourgeois, Unterricht; Develle, Ackerbau; Roche, Handel; Guyot, öffentliche Arbeiten; Etienne verbleibt als Unterstaatssekretär für die Kolonien. Die der Kammer seitleus des neuen Ministeriums vor zulegende Erkläcung berücksichtigt insbesondere drei Punkte: Die Anwendung der Schulgesetze, den Budgetentwurf, die Auslegung des flanzösisch— türkischen Vertrags, das Rouvier'sche Budget in seiner Gesammtheit aufrechtzuerhalten, nament— lich bezüglich der Consolidirung der Obligationen mit sechsjshriger Umlaufszeit, die Zuschlagssteuer auf Alkohol und die Wiedereinführung des außer⸗ ordentlichen Budgets in das olrdentliche.
Italien Rom. Die Kammer genehmigte einen Credit von 10,600,000 Lire im außer— ordentlichen Kriegsbudget, ferner die Vermehrung der Ausgaben des Marinebudgets um 5 Mill. zum Ankauf neuer Munition.
Rumänien. Bukarest. Der Senat nahm mit 43 gegen 4 Stimmen die Handelsconvention mit Serbien au.
Afrika. Sansibar, 17. März. Einer Reuter— meldung zufolge kehrt nach einem Telegramm der„Times“ die nach Usambara unter Lieutenant Schmidt entsandte deutsche Expedition zurück, nachdem dieselbe erfolgreich verlaufen. Simboja
das Patent vor dem Verfall bewahrt werden kann.
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und Kimwert leisteten volle Entschädigung für
Unterthanen der deutschen Gesellschaft. 1 Dr. Peters liegen keine Nachrichten vor.
Aus Stadt und Land.
r. Frledberg. Die erste Wahlpurgisnacht gedicht von Goethe, eomponirt von Mendelssohn, steht auf def Programm des nächsten Musikvereinsconcerts. Es wit den Leser interessiren, aus einem Briefe, den Goethe g den Componisten am 9. September 1831 geschrieben ha folgende Stelle kennen zu lernen:„Dies Gedicht ist eigentlichen Sinn hochsymbolisch intentionirt. Denn muß sich in der Weltgeschichte immerfort wiederhol daß ein Altes, Gegründetes, Geprüftes, Beruhigend durch auftauchende Neuerungen gedrängt, geschoben, vez rückt und wo nicht vertilgt, doch in den engsten Rau eingepfercht werde. Die Mittelzeit, wo der Haß no gegenwirken kann und mag, ist hier prägnant genug da gestellt, und ein freudiger, unzerstörbarer Enthusiasmyß lodert noch einmal in Glanz und Klarheit auf.“ J
Vilbel. In einem Artikel der„Kleinen Press vom 15. März d. J., welcher die Aufschrift„Aus de Wetterau“ trägt, werden die Lehrer in eigner Wei heruntergemacht, welche eine entschtedene Zurückweisuß erfordert. Ste werden als wahrhaft enragirte Agttatort für die Wahl des Grafen Ortola bezeichnet, die für h Verhalten nur den Grund haben könnten,„sich der voß gesetzten Behörde angenehm zu machen.“ Zugleich werde sie des grassesten Undankes gegen die freisinnige Part beschuldigt, die in erster Linte darauf bedacht geweseh sei, das Wohl der Lehrer zu fördern. Zwei Vorwütf schwerster Art werden in diesen Sätzen gegen die Lehr erhoben, denn man sagt ihnen einestheils Kriecherei nag oben und anderntheils Undankbarkeit nach, welche Eigen schoften in einen Begriff zusammengefaßt Charakterlosigz keit bedeuten. Es ist ja wahr, daß die Mehrzahl dig Lehrer für die Wahl des Grafen Ortola gewirkt ha
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aber— haben sie damit Unrecht gethan? Gestattet freisinnige Partei nicht mehr den Lehrern die Freih 4 ihre polttische Ueberzeugung zum Ausdruck zu bringeß 0 Wenn ganz Deutschland bezüglich der welt bewegenden Fragen unserer Zett in zwei Lager gespalten ist, sollten da nicht auch die Lehrer, so gut wie jeder andere Staats bürger ihre besondere Meinung haben dürfen? Man siehl, die Freistnnigen fallen zuweilen aus ihrer Rolle und suchen die Geister zu beherrschen. Was das Verhalten der hessischen Lehrer gegen ihre Behörden betrifft, so haben die Lehrer oft gegen Bedrückungen seitens ihrer nächsten Vorgesetzten Front gemacht, aber so hirnves— brannt werden sie doch wohl nicht sein sollen, daß sie einer Reglerung vor den Kopf stoßen, die ihr Wohlwollen für die Lehrer durch bedeutende Thaten bewiesen hat, Daß der Abgeordnete E. Richter erst neulich eine Lanze für die Lehrer gebrochen hat, daß freisinnige Abgeordnete öfters bei Gelegenheit die Lehrer in Schutz genommen haben, wird von den preußischen Lehrern dankbar an— erkannt. Daß aber jene Männer mehr für die Schule hätten thun können, wenn sie entsprechende Anträge ge— stellt und mit der ganzen Macht ihrer Beredtsamkett ver— theidigt hätten, daß die nattonalliberale Partei in Hessen viel mehr für die Schule gethan hat als die Freisinnigen in Preußen, das wird man keinem hessischen Lehrer aus— reden können. Das vor kaum 10 Tagen beschlossene hessische Lehrer Gehaltsgesetz beweist dies aufs schlagendste. Die hessischen Lehrer wissen, was sie thun, sie wissen auch, wem sie am meisten zur Dankbarkeit verpflichtet sind. Was die Person des Grafen Oriola betrifft, so haben sich die Lehrer in diesem Manne nicht getäuscht, denn er ist im hessischen Landtage am 5. März kräftig für die Besserstellung der Lehrer eingetreten und hat damit zum mindesten ein ebeaso warmes Herz für eine liberale Sache bewiesen, wie mancher, der zur Fahne des Freisinns schwört.
Gießen, 16. März. Gestern Abend ist in der Lahn oberbalb des Wehres die Leiche des seit dem 2. Jan. d. J.! vermißten Metzgerlehrlings Friedrich Wirth aus Nieder— Woöͤllstadt gefunden worden.
Gießen. Verzeichniß der Sitzungen des Schwur gerichts pro 2. Quartal: 1) Montag, 17. März, Vorm. 9 Uhr: a. Ferd. Brandt aus Rastenburg, b. Heinr. Wilh. Haberstroh aus Eckartshausen, wegen Raubs resp. Bei⸗ bilfe dazu; Rechtsanw. Balst und Dr. Reatz. 2) Dien⸗ stag, 18. März, Vormittags 8½ Uhr: Joh. Ulm aus Allendorf a. d. Lahn, wegen Meineids; R-A. Holzapfel, 3) Mittwoch, 19. März, Vorm. 8½ Uhr: Wilh. Stein⸗ müller aus Rödgen, wegen Verbrechens gegen die Sltt— lichkeit; Rechtsanw. Metz. 4) Donnerstag, 20. März, Vorm. 81 2 Uhr: Georg Wilh., Breiter I. aus Vilbel, wegen Meineids; Rechtsanw. Dr. Reatz. 5) Freitag und Samstag, 21. und 22. März, Vorm 8½ Uhr: a) Joh. Georg Häuser, b. Joh. Kretschmar, beide aus Boben⸗ hausen, wegen Mords; Rechtsanw. Labrossse und Dr. Schwarz. 6) Montag, 24. März, Vorm. 9½½ Uhr: Heinr. Relbeling II. Wittwe, aus Ober Breitenbach, wegen
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Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg; Rechtsanw.“ Grünewald. Darmstadt. Der 40 jährige Jakob Zöller aus
Biblis, welcher im vorigen Quartal vom Schwurgericht wegen Mordes zum Tode verurtheilt wurde, ist zu lebens ö länglichem Zuchthaus begnadigt worden. ö
Allerlei. Elberfeld, 17. März. Das Eisenbahnhllfspersonal von Elberfeld, Witten und Langenberg ist noch an der Un glücksstätte mit der Wegräu nung der Trümmer eines gestern von dem Viaduet in die Wupper gestürzten Güter
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zuges beschäftigt. Heute Mittag nach 2 Uhr stieß ein, von Barmen kommender Güterzug auf den am östlichen,
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