beim zum Postverwalter; versetzt ist der Postseeretär Bindewald von Karlsruhe nach Gießen; gestorben ist der Postseeretär Zameeznik in Offenbach.
— Der außerord. Professor Dr. Dümmler in Gießen wurde auf Nachsuchen entlassen, dem Finanzaspirant Koch aus Villingen die Stelle eines Gehülfen des kontrolirenden Beamten bei dem Rechnungswesen der Hess. Ludwigsbahn über— tragen, der Steuerkommissariatsgehülfe Ruger zu Seligenstadt auf Nachsuchen in den Ruhestand versetzt, der Bremser Schneider bei den Ober— hessischen Eisenbahnen zum Schaffner, ernannt; nach Uebernahme des Gymnasiums zu Laubach als staatliche Lehranstalt wurde der seitherige Direktor Dr. Ritsert zum Direktor, die seitherigen Lehrer Dr. Wetzell, Dr. Lahm, Dr. Mohr und Dr. Rös— chen zu Gymnasial-Lehrern ernannt.
Berlin. Meldungen aus Altenburg zufolge trifft der Kaiser in der Zeit vom 24. bis 26. April dort ein. Der Tag ist noch nicht genau bestimmt, da der Kaiser in Wilhelmshaven erst die Heim kehr des deutschen Geschwaders erwarten will. Ferner wird mitgetheilt, daß die Kaiserin den Kaiser bei den Manövern in Schleswig-Holstein begleiten wird. Es werden große Vorbereitungen zu Festlichkeiten in Nordschleswig getroffen. Der Kaiser wird bei dieser Gelegenheit zum ersten Male die Stammburgen der Kaiserin besuchen.
— 17. April. Die Schwester der Kaiserin, Prinzessin Friedrich Leopold wurde heute von einer Tochter entbunden. Das Befinden der Prinzessin ist ein gutes. Die Kaiserin hatte sich schon heute Vormittag zu ihrer Schwester be— geben.
— In parlamentarischen Kreisen hält man dem F. J. zufolge die Nachricht von einer be— vorstehenden Aenderung in dem Postwesen und dem Rücktritt Stephans für einen Versuchsballon, den man aufsteigen ließ, um irgend eine Aeuße— rung an maßgebenber Stelle über das Bleiben oder Gehen Maybachs zu provociren, dessen Stellung bekanntlich als unsicher bezeichnet wurde.
— 16. April. Im preußischen Abgeordneten— hause stellte sich gestern der Reichskanzler und preußische Ministerpräsident v. Caprivi als solcher vor und hielt eine mit großem Beifall aufge— nommene Rede. Die entgegenkommende Haltung Caprivi's gegenüber den verschiedenen Parteien gipfelte vor allem in dem bedeutungsvollen Satze: Wir werden das Gute nehmen, von wo und durch wen es auch kommt, und wir werden ihm Folge geben, wenn unserer Ueberzeugung nach eine solche Folge mit dem Staatswohl verein— bar ist.
— Die Budget Commission des Abgeordne— tenhauses genehmigte das Gesetz betreffend den weiteren Erwerb von Privateisenbahnen durch den Staat unverändert. Windthorst hat den Schulantrag wiederholt eingebracht. Wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, darf man die Vorlage wegen Aufbesserung der Beamtenbesol— dungen schon für den Anfang nächster Woche erwarten.
— Die Colonial-Abtheilung im Auswär— tigen Amte ist wie folgt gebildet: Dirigent: Dr. Krauel; vortragender Rath: Dr. Rettich; ständige Hilfsarbeiter: Legationsrath Stemrich und Assessor König; Hilfsarbeiter: Consul Nocden— flycht, kaiserlicher Commissär Sonnenschein, Vice— consul Schuckmann.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 16. April. Hier fanden seit einigen Tagen Straßenskandale statt. Nachdem sich gestern wieder die Aus— schreitungen, die entschieden antisemitischen Cha— rakters sind, wiederholt haben, herrscht hier große Unzufriedenheit über die geringe Zuver— lässigkeit und Sicherheit der behördlichen Anord— nungen.
— 17. April. Banden von tausenden von Arbeitern erzwangen gestern Abend die Einstellung der Arbeit in allen Gruben und Fabriken in Märisch⸗Ostrau und zogen sodann nach Witwo— witz, um die dortigen Arbeiter zum Anschluß zu zwingen. Von den Schächten der Nordbahn in Zarnbeck wurden die Aufwiegler durch Militär
vertrieben und die Schächte besetzt. Nach Wit⸗ wowitz sind 2 Compagnien abgegangen. Saͤmmt⸗ liche Gruben- und Fabrikarbeiter in Ostrau und im Karwiner Revier, zusammen 30,000 Mann, streiken seit heute früh. Die streikenden Arbeiter überfielen heute Abend die Zuckerfabrik Groß kunzendorf und die Cellulosefabrik Ratimau und erzwangen die Einstellung des Betriebs. Die Behörden der bedrohten Orte requirirten zwei weitere Bataillone Infanterie aus Krakau.
— Der„Pester Lloyd“ enthält eine Berliner Correspondenz, welche die Meinung englischer Blätter, die Leitung des Dreibundes werde nach dem Rücktritt des Fürsten Bismark auf den Grafen Kalnoky übergehen, zurückweist. Jeder der ver— bündeten Staaten habe eigene, vollständig unab— hängig geleitete Interessen, die von den gemein— samen nicht so lösbar seien, daß für die letzteren eine gemeinsame Leitung zulässig erscheine. Auch Fürst Bismarck habe nie innerhalb des Drei— bundes die Leitung gehabt. Daß dessen Rath entscheidend war, sei eine Folge seines Prestiges gewesen. Die Vorstellung, Oesterreich-Ungarn habe jetzt vom Dreibunde mehr als bisher in Balkanangelegenheiten zu erwarten, lasse gänzlich außer Augen, daß, wie man auch eine solche künstliche Interessengemeinschaft construire, die Selbstständigkeit Oesterreich Ungarns in Wahr— nehmung seiner eigenen Orientinteressen eine Ein— buße erleite. Auch zu einer Verschlechterung der Beziehungen zu Rußland würde ein derartiges Vorwiegen führen und die Friedenschancen ver mindern, die sich auf die friedlichen Neigungen des Zaren stützten, Deutschlands Stellung zu Frankreich gehe dieses andererseits allein an.
Belgien. Brüssel. Die geplante Congo— anleihe-Vorlage wurde vertagt, weil sich das Cabinet nicht mit den Finanziers über den Emissionsmodus einigen konnte.
Frankreich. Paris. Der französische Major Archinard hat Segu, die Hauptstadt des Reiches Ahmadu's, erobert. Ahmadu ist eine Art suda— nesischer Mahdi, der seit Jahren den frauzösischen Einfluß bekämpft. Seine Besiegung ist bedeu— tungsvoll für die Zukunft der Stellung Frank— reichs am Niger. Nach der Eroberung von Segu bemächtigte sich der Commandant Archi— nard„des königlichen Schatzes mit 100,000 Fr.“ und„eines Theiles des Harems.“ Als König hat er ein Mitglied der königlichen Familie ein— gesetzt und ihm einen französischen Residenten beigegeben.
Marseille. Präsident Carnot bereist eben alle größeren Städte Südfrankreichs.
Großbritannien. London. Einem Ge— rüchte zufolge hat Stanley, nachdem Emin Pascha in deutsche Dienste getreten ist, sich bereit erklärt zur Uebernahme des Postens eines englischen Generalcommissärs für Ostafrika, wohin er An— fangs Juni zurückkehren soll.
Portugal. Lissabon, 16. April. Die Afrika— reisenden Serpa Pinto und Andrade Cordon sind hier angekommen.
Spanien. Madrid, 16. April. Der General Daban ist heute nach Alicante abgereist, um daselbst seine zweimonatliche Festungsstrafe zu verbüßen. Ueber dreihundert Officiere, da— runter Martinez Campos und andere Generale, verabschiedeten sich von General Daban am Bahnhof.
Rußland. Petersburg, 16. April. Hof siedelte gestern nach Gatschina über.
Der
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 17. April. Vergangene Nacht wurde wiederum eingebrochen und zwar in einem Handelsetab— lissement vor der Stadt, wo die Diebe einen Pult auf— sprengten und 6 Mark entwendeten und in einem Metzger— laden, woselbst sie die Fleischwaaren anektirten; im Prediger⸗Seminar wurde ein Einbruchsversuch gemacht, bei welchem die Einbrecher jedoch gestört wurden. Als verdächtig erscheinen zwet Männer, die von verschledenen Leuten gesehen worden sind: ein mittelgroßer Mann Ende der Dreißiger mit schwarzem Vollbart, der den Kopf etwas vorneigt, und ein Mensch, der bartlos, schlanker, größer und jünger als sein Genosse ist.
M. Friedberg. Im Monat März wurden in der Herberge zur Helmath 359 M. 20 Pf. eingenommen und 355 M. 90 Pf verausgabt.“
Lich. Der auch welterhin bekannte hlesige Pfary Stiftsdechant Dr. Clemm, ist am letzten Sonntag na schwerem Leiden gestorben. Er hat ein Alter von 7 Jahren erreicht. 1
Allerlei.
Berlin. Der Streit zwischen Hofprediger Stöckg und Pastor Witte ist nach dem Fr. J. noch nicht zu End Nach einer neuerlichen Entscheidung des Consistoriums Pastor Wltte wegen literartschen Auftretens gegen 99 prediger Stöcker zu einer Strafe von 300 M. verurth worden; Pastor Witte wird aber Einspruch gegen die Strafverfügung beim Oberkirchenrath erheben.
Berlin. Wie das„Deutsche Tagebl“ meldet, Fürst Bismarck mit der Ausarbeitung seiner Lebens innerungen beschäftigt
Rom, 16. April. Der Director des Observatorlun in Tusa(Steilten) telegraphirt, daß er gestern Mitt zwei kurze Erdstöße unter starkem Getöse beobachtet hal Schaden wurde nicht angerichtet. 4
Handel und Verkehr.
Butzbach, 16. April. Wochenmarkt. Butter kostel per Pfund 1.00— 1.10 M., Käse per Pfund 45—46 Eier 1 Stück 5 Pfg. i Frankfurt, 16 April. Wochenmarkt. Erbsen gan per Pfd. 14—18 Pf., do. geschälte 16—20 Pf., fiisch französische Erbsen per Pfund 60 bis 70 Pf., Line 15—25 Pf., welße Bohnen 16— 20 Pf., gelbe Kartoffeln pe Gescheid 14— 16 Pf., rothe Kartoffeln per Gescheid 1 bis 14 Pf., Mäuschenkartoffeln per Gescheid 20—25 Pf, per 50 Kilo M. 12, Butter per Pfd. M. 1.30— 140% Eier das Stück 4—8 Pf., Blumenkohl kleiner neu franz. per Stück M. 80— 1.00, ital. 50— 60 Pf
franz. Kopfsalat 418 Pf., Sellerteköpfe 10— 25 Pf
Romainsalat per Stück 00 bis 00 Pf., franz. Rom ut A salat 80— 100 Pf., Zwiebeln das Gescheld 35—40 per Ctr. M. 1112, Farotten das Päckchen 30—50 ente
gelbe Rüben die Portion 15—20 Pf., rothe Rü 20— 30 Pf., Radieschen 2—3 Pf. das Päckchen, fran g Radieschen die Portion 80— 100 Pf., Rothkraut 20—0 f 90 Pf., Schwarzwurzel 50— 70 Pf., Cronberger Kastansen per Pfund 12— 16 Pf., italienische 15— 18 Pf., franz. Sellerie 4050 Pf., frische dicke Spargel M. 2.00— 250 Suppenspargel 20—30 Pf., neuer Lattsgsalat 15-30 Pf., neue Rapunzel per Portion 50 80 Pf., Gurken per St,
M. 11.50, Kohlrabi per Stück 30-85 Pf., franz. g Zuckerschotten 7080 Pf., neue ital. Kartoffeln per Pfund 15 Pf. Frankfurt, 17. April. Fruchtbericht. Hies. Welzen“?“ mehl Nr. 0 M. 33.50-34.00, Nr. 1 M. 3 1.25—832 75, Nr. 2 M. 27.50 28.50, Nr. 3 M. 25.75- 27.25, Nr. 4 M. 20.50 5 bis 23.50, Nr. 5 M. 18.00— 19.00, Milchbrod- und Brodmehl im Verband M. 58.00 61.00, norddeutsche und westfälische Weizenmehle Nr. 00 M. 28.00— 29.00, Roggenmehl loco hier Nr. 0 M. 28— 29, Nr. 0/ M. 26 bis 27, Nr. 1 M. 24.5025 50. Obige Preise verstehen“ sich per 100 Kilo ab hier, häufig jedoch auch loco aus⸗ wärtiger Stationen. 1 Kirchliche Anzeigen für Friedberg Evangelische Gemeinde. em Miserteordtas domini. ö 1 Pfarramtswoche Herr Pfarrer Velte. Gottesdieust in der Stadtkirche. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Pfarrer Velte. fn Gottesdienst in der Burgkirche 15 Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Dr. Weiffen bach* Katholische Gemeinde. Samstag Nachmittag von 5 Uhr an Beicht. dat Sonntag Morgen 6 Uhr: Beicht; 3/7 Uhr: Austheilung 17 der heil. Communton. 11 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 3 2 Uhr: Christenlehre und Andacht. f keit Geld⸗ Cours. bel Frankfurt am 17. April 1890. Geber Nehmer, M. Pf. M. Pf such 20⸗Frankenstücke 16. 21 5 do. in ½,%/h. j, 179 Dollges d, 4. 10 Wuccte nn! 9. 50] ar a „ el er,, 9. 60 9. 0— Englische Sovereigns.. 20. 34 20. Russische Imperlales. 16. 70 16. 6 6 Tinte. 10. Feine schwarze Schreib-, Copir- und Archiv-Tinte 1 90 Flaschen zu M. 1., 60, 40 Pf., 5 5
Feine schwarze Alizarin-, Schreib- und Copir-Tinte in Flaschen zu M. 1., 60 Pf., 1 Tiefschwarze Kaiser-Tinte in Flaschen zu M. 1 1 12 Pf., 1 Schwarze Schreib-Tinte in Flaschen zu 20 und 12 Pf. 5 Gallus-Tinte(Schultinte) a 8 Pf., 4 und Feine violette Salon-Tinte in Flaschen zu 25 Pf, 1 Feine brillantviolette Coplrtinte in Flaschen A 25, 15 Pf Feine rothe Tinte in Flaschen zu 40, 25 Pf., 1 Feine blaue Tinte in Flaschen zu 40 und 25 Pf. 7 Tinte zum Wäschezeichnen in Schachteln mit Zubehör 75 Pf. Hektographen Tinte, 9 Silber- Tinte, 4 Gold⸗ Tinte bei Carl Bindernagel⸗


