Ausgabe 
18.11.1890
 
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Pest. Der Abgeordnete Haas interpellirte unter Anerkennung der Verdienste des Dr. Koch wegen unverzüglicher Entsendung von Aerzten nach Berlin und fragt an, ob die Regierung ent sprechende Einrichtungen zur Heilung der Tu berkulose selbst in Angriff nehmen wolle.

Dänemark. Kopenhagen. Der Finanz minister brachte im Landsthing eine Zollvorlage ein. Die Einnahme daraus wird auf 5 Mil lion Kronen geschätzt. Im Falle der Annahme der Biersteuer sollen Reis und Sago Zollfrei heit genießen, ferner der Zoll auf Oel, Petro leum, Reismehl, Sagomehl und Zucker berab gesetzt und die Schiffsabgabe aufgehoben werden.

Schweiz. Bern. Die Tessiner Ausgleichs- conferenz führte zu keinem Resultat. Jetzt wird die Bundesversammlung die Sache in die Hand nehmen müssen.

Holland. Haag, 14. Nov. Die Ge setzvorlage, betreffend die Ernennung der Köni⸗ gin zur Regentin ist in der heutigen Plenar sitzung der Generalstaaten einstimmig angenom men worden.

Frankreich. Paris, 14. Nov. Die Kam⸗ mer beendete die Generaldebatte über das Ma rinebudget und nahm mit 308 gegen 175 Stim- men den Vorschlag der Regierung an, wonach eine Commission von 36 Mitgliedern zur Prüfung der Marinevorlage ernannt werden soll.

Die mit der Prüfung der Viehzölle be traute Subcommission der Deputirtenkammer setzte in theilweiser Abänderung früberer Be

schlüsse den Zoll für Hammel und Kälber auf 15, für Schweine auf 8 Fres. per Stück, für geschlachtetes Hammelfleisch auf 32, für Schweine- fleisch auf 12 und für Rindfleisch auf 25 Fres. per 100 Kilo fest.

Portugal. Lissabon. Studirende der

Universität Coimbra haben ein mit 121 Unter-

schriften versehenes republikanisches Manifest veröffentlicht. Italien. Rom, 14. Nov. Die königliche

Familie ist von Monza, Crispi von Palermo zurückgekehrt.

Der Voranschlag des Budgets pro 1891/92 weist schon jetzt in Rücksicht auf die in den Etats des Kriegs- wie des Marine-Mi nisteriums durchzuführenden Ersparnisse ein ziem liches Gleichgewicht der Einnahmen und Ausga- ben auf.

Rußland. Petersburg. Die Bank von England unterhandelt, derBörsenzeitung zu- folge, mit der russischen Staatsbank wegen eines Darlehens von Million Pfund Ster ling.

e Washington. Präsident Harri son ordnete, wie verlautet, die Einsetzung eines Ausschusses behufs Milderung des Mac Kinley Gesetzes im Verwaltungswege an.

New⸗Vork, 12. Nov. Vor einigen tausend Socialisten, welche sich in Coopers Halle zu einer Gedenkfeier der Hinrichtung der Chicagoer Anarchisten versammelt hatten, hielt Most in deutscher Sprache eine blutdürstige Rede. Die Polizei ließ die zu Mord auffordernden Placate gewaltsam aus dem Saal entfernen.

15. Nov. Ein Telegramm aus Tegucigalpa meldet, die Truppen Bogran's härten Teguci⸗ galpa nach heftigem Kampfe wieder genommen. Der Anführer der Aufständischen, Sanchez, ist mit mehreren seiner Officiere auf dem Haupt- platze, ohne daß eine Verhandlung vor dem Kriegsgerichte vorausgegangen ist, erschossen wor⸗ den. Der Aufstand kann damit als beendigt angesehen werden.

Aus Stadt und Land.

M. Friedberg. In der hiesigen Herberge zur Helmath übernachteten im Monat October 315 Wanderer, von welchen 157 Verpflegung auf Kosten der Kreiskasse erhalten haben. An Arbeits verdtenst wurden 5 M. 20 Pf. eingenommen. Die Einnahme vom Betrieb beltef sich in demselben Monat auf 345 M. 54 Pf., die Ausgabe da gegen auf 346 M. 57 Pf. Es wurden demnach 1 M. 9 Pf. mehr ausgegeben, als eingenommen.

Lauterbach. Die Influenza scheint sich auch hier wieder bemerkbar zu machen und zwar bei solchen Per⸗

Objekt jeder staatlichen Thätigkeit, und darum bildet

Allerlei.

Kirchheimbolanden. In nächster Nähe sind mächtige und ausgedehnte Quecksilber, und Kupferlager aufgedeckt worden. Die Reichhaltigkeit der Kupfererze soll denen der Malachitgrube Wissokaja Gora im Ural nicht nachstehen.

Haltfax, 8. Nov. Das Gefängniß und 20 ansto⸗ ßende Geschͤäftshäuser sind in Pleton, Neu- Schottland, durch eine Feuers brunst zerstört worden. Das Feuer war von einem Sträfling, einem norwegischen Matro 95 gelegt worden, welcher selbst in den Flammen um am.

London, 13. Nov. In der Wellingtonkaserne brach gestern Abend um 6 Uhr Feuer aus. Im Nu befand sich der ganze Stock, in welchem die verhetratheten Sol daten mit ihren Familien leben, in Flammen. Nur mit Mühe gelang es den heldmüthigen Anstrengungen der Soldaten Frauen und Kinder zu retten.

New⸗Pork, 13. Nov. Auf der Oregon- und Cali fornta-Eisenbahn stürzte heute unweit Salem, gerade als ein Zug darüber fuhr, eine Brücke ein. Die Locomo tive und die Wagen fielen in die Tiefe hinab und wur den zertrümmert. 4 Personen büßten auf der Stelle ihr Leben ein. Unter ihnen befanden sich der Locomo tioführer und der Heizer. Der Zug hatte ungefähr 100 Fahrgäste; fast alle wurden mehr oder minder ver letzt.

Halifax. In Goldriver, Grafschaft Lunenburg (Neuschottland), ist ein Lager besonders goldhaltiger Gesteine enteckt worden. Die aufgefundene Goldquarz ader dürfte sich als die reichste auf dem amertikanischen Festlande erweisen. In Neuschottland ist bas Goldfieber ausgebrocheu.

Salonicht, 16. Nov. Vorgestern Nacht ist ein Speeial Mtlitärzug auf der Fahrt von Uesküb nach Salonicht bei Topsin in Folge von Ueberschwemmung entgleist. 8 Waggons wurden zertrümmert, 40 Perso nen wurden getödtet und eben so viele verwundet. Der Verkehr ist gänzlich unterbrochen.

Die Bedeutung der Volkszählung.

Man kann es als eine erfreuliche Thatsache aner kennen, daß die pertodisch wiederkehrenden Volkszählungen allmählich populärer geworden sind, wenigstens in einer Beziehung. Das ganz ungerechtfertigte, gleichwohl in den breiten Volksschichten weit verbreitete Mißtrauen, als handle es sich hierbei um eine Steuerspionage oder um eine Nachforschung nach mllitärdienstpflichtigen Per sonen, beginnt zu schwinden. Aber auf der anderen Seite ist leider von einem gesteigerten Interesse für die ebenso wichtige wie schwlerige Aufgabe einer Volkszäh lung wenig oder nichts zu spüren. Und doch rechnet die statistische Technik hierbei auf die Mitwirkung eines großen Theiles, ja man kann sagen, der gesammten Be völkerung. Der Erfolg der Zählung ist undenkbar ohne eine verständnißvolle Mitwirkung des Publikums. Ob die auf dem Wege der Volkszählung ermittelten That sachen für sich genommen viel oder wenig bedeuten, diese Frage mag zunächst unberührt bleiben; entscheidend ist, daß sie ein unentbehrliches Glied in der ganzen Kette bevölkerungsstatistischer Untersuchungen bilden. Auf letztere kann aber die Wissenschaft ebensowenig verzichten wie die Praxis des modernen Staates. Neben dem Grund und Boden bildet die Bevölkerung unzweifelhaft das Fundament des Staates, sie ist zugleich Subjekt und

das Studium ihres jeweiligen Standes und ihrer Be wegung die unentbehrliche Grundlage fast aller Unter suchungen über soctale und wirthschaftliche Fragen. Diesen engen Zusammenhang der Bevölkerungsstatistik mit der Staatswissenschaft und Staatspraxis bestätigt auch ein Blick auf die geschichtliche Entwickelung beider, zumal in den letzten zwei Jahrhunderten. Mit der Ausdebnung und vor allen Dingen der Vertlefung staatlicher Thätig keit mußte auch das Bedürfniß nach genauen und um fassenden Ermittelungen wachsen Wenn man früher auf mehr oder minder zuverlässige Schätzungen ange wiesen war, höchstens für gewisse Einzelfragen an amt lichen Regtstern einen Anhalt fand, so konnte dies höchst mangelhafte Verfahren den Anforderungen einer werden den und auf wenige näherltegende Zwecke sich beschränkenden Staatsgewalt um so eher genügen, als die größere Sta bilität aller Verhältnisse die Aufgabe wesentlich erleichterte Auch in dieser Hinsicht ist ein vollkommener Wechsel ein getreten; die Bevölkerung bietet heutzutage ein außer ordentlich bewegtes Bild, lebhafte Wanderungen, die schnelle Anhäufung in Städten und Industriecentren geben der Gegenwart ihr charakteristisches Gepräge. Darum sind denn auch seit etwa einem Jahrhundert in allen Kulturstaaten perkodische Zählungen eingeführt, welche zusammen mit einem ausgedehnten und verwickelten System von fortlaufenden amtlichen Aufzeichnungen der Standesämter, Pollzeiorgane und andere mehr das Material liefern, um sowohl den Stand wie den Gang der Bevölkerung mit ausreichender Sicherheit zu beur theilen. Seit der Gründung des Deutschen Reiches wurden zuerst 1871 und dann von 1875 ab regelmäßtg alle fünf Jahre allgemeine Volkszählungen veranstaltet, und wenngleich eine gesetzliche Pflicht zur Innehaltung dieser Fristen nicht besteht, so scheint doch damit das richtige Maß getroffen zu sein, indem die Schwierigkeit und der Umfang des Unternehmens eine Verkürzung, anderer seits die Bedeutsamkeit desselben eine Verlängerung der Zählungspertloden verbietet. Die verwickelte Konstruetlon der Finanzverwaltung im Reiche und den Einzelstaaten, wie sie durch die Lage der Verhältnisse und der Gesetz

sonen, die voriges Jahr stark davon befallen waren.

gebung bedingt ist, erfordert die genaue Kenntniß der

Kopfzabl in verschledener Hinsicht. Die Unterverthellung des gesammten Betrages der Makrikularbeiträge erfolgt nach Artikel 70 der Verfassung gemäß der Bevölkerungs⸗ zahl, ebenso die Ueberweisungen des Reiches an die ein⸗ zelnen Bundesstagten. In gleicher Welse ist die Volks⸗ ziffer für die Zollabrechnungen und die Höhe der von

einigen Bundesstaaten als Ausgleich für Reservatrechte Die Vertheilung den Rekruten erfolgt im Verhältniß der Milltär Ecsatzbevöl⸗

zu zahlenden Beträge maßgebend.

kerung d. i. der bundes angehörigen Bevölkerung der einzelnen Staaten mit Ausschluß der aktiven Militär- personen. Endlich sei noch erwähnt, daß auch innerhalb eines und desselben Bundesstaates die Bemessung der Rechte und Lasten mit der Kopfzahl im ganzen oder der Volkszahl in der Provinz, dem Kreise, der Gemeinde u. s. w. zusammenhängt. Mit diesen in die Augen springenden, aber zum großen Theil aus eigenthümlichen in Verhältnissen in Deutschland fließenden, mehr äußer⸗ lichen Zielen ist die Bedeutung einer Volkszählung bei weitem nicht erschöpft. Deutschland verfolgt hierbei, wie jeder moderne Staat eine ganze Reihe bedeutsamer und weitreichender Zwecke, welche nur deßhalb von dem großen Publikum nicht genügend gewürdigt werden, weil sie nicht ausreichend bekannt sind. Dem Staate ist nicht minder als dem Individuum Selbsterkenntniß nöthig, ein geordnetes Staatswesen ist undenkbar ohne Kenntniß aller für das Staats wohl in Betracht kommenden Faktoren. Die Bevölkerung ist aber, wie schon hervorgehoben, ge⸗ radezu das Fundament, und zur Kenntniß desselben nach den verschiedenen Seiten hin soll die Volkszählung wesentlich mit beitragen. Sie gibt uns zunächst die Zahl, die Summe aller Individuen, sowohl für das ganze Land, als auch für u die einzelnen Wohnplätze, die sogenannte absolute Bevölkerung. Die Millionenziffer entscheidet zwar nicht allein, aber sie ist ein Faktor ersten Ranges zur Beurthetlung der politischen und militärischen Macht, der Steuerkraft und wirthschaftlichen Selbst⸗ ständigkeit der Staaten, wenigstens da, wo Länder von gleicher oder nahezu gleicher Kulturstufe mit einander rivalistren. Kleinstaaten wie die griechischen konnten im Alterthum, die Städterepubliken Italtens konnten im Mittelalter zu großen Machtfülle gelangen; in der Gegen; wart besitzen nur die Großmächte, welche ihre Einwohner nach Zehnmilltonen zählen, volle polttische und wirth⸗ schaftuche Unabhängigkeit. Es steht zu erwarten, daß die Bevölkerung Deutschlands in den letzten fünf Jahren von nabezu 47 auf volle 49 Millionen, d. h. jährlich um 0,9 pCt. gestiegen ist. Von großer Wichtigkeit ist ferner die Kenntniß der Bevölkerungsdichtigkeit, der Dichtheit des Zusammenwohnens. Hier gilt es weniger, die Zahl zu kennen, welche im Durchschnitt des ganzen Landes auf die Flächeneinheit kommt, als vielmehr die Dichtig⸗ keit in den einzeinen enger begrenzten Gebieten zu er⸗ mitteln. Zwar erscheint es verfehlt, aus der größeren Anhäufung von Menschen ohne weiteres ganz allgemein auf eine höhere Civilisationsstufe zu schließen; allein es liegt auf der Hand, daß eine vorsichtige, von umfassender Sachkenntniß geleitete Vergleichung, unter Berücksichtigung der geographischen, ökonomischen politischen und socialen Lebensbedingungen in den verschledenen Gebieten, werth⸗

volle Aufschlüsse über den Gesundheitszustand eines Staats⸗

kötpers oder seiner Glieder geben kann. Um nur eins an⸗ zuführen, so ist die Vertheilung der Bevölkerung auf Stadt und Land von außerordentlicher Bedeutung zumal wenn sich daran eine Berücksichtigung der Wohnstätten knüpft. Tiefer noch greift die Volkszählung, mit ihren Er⸗ mittelungen über Alter, Civilstand, Theilung nach Ge⸗ schlecht, Nationalität, Geburtsort, Beruf und Religton. Eine große Zahl zum Theil hochwichtiger Gruppirungen lassen sich auf Grund dleser Angaben auffinden. Die Altersgliederung der Gesellschaft ist von großer politti⸗ scher und wirtbschaftlicher Bedeutung, und hier geben uns die perlodischen Zählungen nicht nur den jeweiligen Stand, sondern sie gestatten auch den Verfolg und Ver⸗ gleich im Laufe der Zeit. Die Schwierigkeiten dieses Vergleiches sind groß und man wird sich stets mit An⸗ näherungen begnügen müssen. Allein es kann keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß eine Vertheilung der Bevölkerung in 12 Altersklassen, wie sie auf Grund des Volkszählungsmaterials von 1885 in Deutschland vorgenommen wurde, zugleich mit der Unterscheldung nach Geschlecht und Landestheilen einen ausreichend ge nauen Einblick in den wichtigsten Faktor der Volkserhal⸗ tung gewährt, nämlich in die Größe der im Volke lie⸗ genden Arbeitskraft.(Schluß folgt.)

Handel und Verkehr. Friedberg, 15. Nov. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.85 0.90, Eier 1 St. 9 Pf., 2 St. 17 Pf. Butzbach, 15. Nov. Wochenmarkt. Butter kostetz per Pfd. 1.000.00 M. Käse per Pfund 4546 Pf. Eier 2 Stück 15 Pfg. Gießen, 15. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt

kostete: Butter per Pfd. M. 0.85 1.00, Eier 1 St. 7-8,

2 St. 00 Pfg., Käse per St. 48 Pfg., Tauben per

Paar M. 0.50 0.70, Hühner per St. M. 0.85 1.00

Hahnen per Stück M. 0.60 1.00, Enten per Stück M. 1.40 1.60, Ochsenfleisch per Pfund 7074 Pf. Kuh- und Rindfleisch 6064 Pf., Schweinefleisch 70 bis 80 Pf., Hammelfleisch 6268 Pf., Kalbfleisch 6064 Pf., Kartoffeln per 100 Kllo M. 3.50 5.50, Weißkraut per St. 37 Pf., Zwiebeln per Ctr. M. 5.00 0.00, Gänse per Pfd. 5060 Pf.

Frankfurt, 14. Nov. Engros⸗Markt. Heu pro 100 Kilo M. 5 206.80, Stroh pro M. 5.10 5.50, Haferstroh M. 3.20, Butter 50 Kilo M. 85 90. Eler 100 Stück M. 69, Kartoffeln per Malter M. 4.10 bis 4.30, Zwiebeln per Centner M. 4.00 6.00.

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