Landwirthschaftlicher Bezirks⸗Verein Friedberg. f Sonntag den 13. Juli, Nachmittags ½4 Uhr, findet in Assenhein im Saale des Solmser Hofes eine Versammlung statt.
Bekanntmachung.
Tagesordnung: Vortrag des Landwirthschaftslebrers Dr. von Peter über„Gründüngung und Anbau von Stickstoff sammelnden Pflanzet 0
als billigste Mittel, die
Bodenkraft zu erhöhen.“
Zu zahlreichem Besuch ladet höflichst ein.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Obige Bekanntmachung wollen Sie in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise zur Kenntniß bringen.
An die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. 1 5 1
Wir ersuchen Sie, diejenigen Ihrer Ortsangehörigen, welchen Pfleglinge unserer Stiftung anvertraut sind, zu benachrichtigen. daß unses Rechner, Herr Vogt, die Pflegegelder aus dem ersten Halbjahr 1890 gegen die vorschriftsmäßigen Quittungen und Bescheinigungen f N Für den Vorstand der Mathildenstiftung.
Samstag den 12. Juli auszahlen wird. Friedberg den 8. Juli 1890.
Der Vorsitzende der Sektion Friedberg.
Dienst.
Dr. Braden.
Meyer.
Deutsches Reich
Berlin. Kaiser Wilhelm soll nach einer Privatnachricht, welche der„Freis. Ztg.“ aus Friedrichsruhe zugeht, auf seiner Reise von Berlin nach Kiel in der Nacht vom 24. zum 25. Juni auf der vor Friedrichsruhe gelegenen Station Schwarzenbeck eine längere Unterredung mit dem dort eingetroffenen Fürsten Bismarck gehabt haben. Die Nachricht ist auffällig, schreibt das Fr. J., steht aber mit den officiellen Zeitangaben über die kaiserliche Reise nicht in Widerspruch, denn der kaiserliche Extrazug von Berlin nach Kiel hat die auffallend lange Zeit von 11 Stunden gebraucht, während ein gewöhnlicher Schnellzug noch nicht 10 Stunden fährt. Ein Aufenthalt in Schwarzenbeck würde die Verzögerung erklären. Der„Hamb. Corr.“ dementirt auf das ent— schiedenste die Nachricht der„Freis. Ztg.“ Der Friedrichsruher Correspondent des„Hamb. Corr.“ fügt hinzu, daß er auf dem Bahnhofe Schwarzen— beck gewesen sei, Fürst Bismarck aber daselbst nicht anwesend war.
— Der Vertreter Wißmann's in Ostafrika ist, Meldungen von dort zufolge, mit einer starken Expedition ausgezogen, um unruhige Stämme hinter der deutschen Küstenlinie zu züchtigen.
Ausland.
Schweden. Christiansand, 7. Juli. In Gegenwart des Kaisers fanden gestern Turn— übungen der Mannschaft des Panzerschfffes „Kaiser“ statt, heute Uebungen im Segeln und Rudern sämmtlicher Boote der Flotte.„Irene“, Commandant Prinz Heinrich, ist heute Nach— mittag ausgelaufen, um den bisherigen Dispo— sitionen gemäß, morgen in Kiel einzutreffen.
Frankreich. Paris. Das„XIX. Sidele“ meldet den Abschluß einer französisch-russischen Allianz als bevorstehend.
Großbritannien. London. Die Bill über die Abtretung der Insel Helgoland wird im englischen Oberhause wahrscheinlich nicht ohne Protest genehmigt werden. Selbst einige conser— vative Pairs sprachen sich ziemlich erbittert über den Plan aus.
— 7. Juli. In Bowstreetstation versagten am Samstag 130 Schutzleute den Gehorsam wegen Versetzung eines Kameraden, welcher die Agitation geleitet hatte. Zum Nachtdienst wurden Ersatzkonstabler herangezogen. Der Chef der Polizei entließ heute Nachmittag fünfzig von den Polizeimannschaften, welche sich weigerten, Dienst zu thun. Eine Delegirtenversammlung aller Polizeibezirke beschloß, daß heute, Montag Abend, die gesammte Polizei ausstehen werde, wenn der Minister des Innern nicht eine befriedigende Antwort auf das Gesuch um Solderhoͤhung ertheilen würde.
— 7. Juli. Reuter's Bureau meldet: Die Mannschaften des zweiten Bataillons der Garde in der Wellington-Kaserne verweigerten heute früh bei dem Sammelsignal zur Tornisterrevision den Gehorsam und schlossen sich in ihre Stuben ein. Dieselben beantworteten die Vorstellungen des Obersten, der die Mannschaften in Reihe und Glied antreten ließ, mit Pfeifen und Schreien. Es heißt, das Regiment werde zum auswärtigen Dienst verwendet werden.
Italien. Rom. Die„Riforma“ erklärt, die Nachricht von Verhandlungen zwischen Eng.
land und Italien wegen Abtretung des Somali“ landes an England und Ueberlassung des Besizes von Zeilah an Italien sei gänzlich unbegründet.;
— In hiesigen diplomatischen Kreisen ver- lautet auf das bestimmteste, daß Ende August eine Zusammenkunft zwischen Caprivi, Crispi, Kalnoky und Salisbury in Kissingen stattfinden wird.
Serbien. Belgrad. König Milan reist demnächst nach Karlsbad, kehrt aber dann hier— her zurück.
Montenegro. Cettinje. Wie gemeldet wird, soll ein ernster Conflict an den Grenzen des Skutarisees in Albanien zwischen montene— grinischen und türkischen Truppen stattgefunden haben. Angeblich begann die Schwierigkeit mit einem Einfall von Albanesen in montenegrinisches Gebiet. Der russische Botschafter, welcher Vor— kehrungen getroffen hatte, um Konstantinopel zu verlassen, hat infolge dieser Meldung und der Nachrichten aus Armenien seine Abreise verschoben.
Rußland. Petersburg. Aus Tiflis wird gemeldet, daß bei den jüngsten Unruhen in Erzerum 300 Tücken und Armenier theils ge— tödtet, theils verwundet wurden.
Amerika. Buenos Ayres. Ein ernster Streik, begleitet von Ruhestörungen, ereignete sich im Salpeterhafen von Iquique; der Handels- und Schifffahrtsverkehr stockt.
Egypten. Kairo. Für den Herbst steht eine anglo-egyptische Expedition gegen Chartum sicher bevor.
— Von hier verlautet, daß Osman Digma und 500 Anhänger, aus Männern, Frauen und Kindern zusammengesetzt, von Tokar nach dem Nil aufgebrochen sind. Sie verfolgen damit einen zweifachen Zweck: erstens, Lebensmittel zu erlangen, da die Hungersnoth, welche die Provinz verheert, sie angeblich gezwungen hat, zum Canni— balismus ihre Zuflucht zu nehmen, und zweitens, in Dongola rechtzeitig einzutreffen, um den Ort zu verteidigen, falls derselbe im Herbst von egyptischen Truppen angegriffen werden sollte.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 9. Juli. Heute Vormittag stürzte Dach— decker Carl Schneider von hier von der Salzmann'schen Scheuer und brach beide Arme.
a. Friedberg, 7. Juli. Wir glauben im Sinne der Besucher des gestrigen Kirchenconzertes, welches der hiesige Musikverein in unserer herrlichen Stadtkirche ver— anstaltete, zu handeln, wenn wir genanntem Verein für das Gebotene unseren herzlichen Dank aussprechen. Die Krone der Aufführungen bildeten die in gewohnter Prä— zision unter der Leitung von Seminarlehrer Schmidt meisterhaft vorgetragenen Chöre, deren Auswahl und Zusammenstellung nicht minder wie die in ihrer Dar— stellung zum Ausdruck gebrachten gesanglichen Wirkungen den feinen Geschmack und das sichere musikalische Gefühl ihres Dirigenten aufs neue bekunden. Ungethellten Beifall fanden die Violinsolt von Robert Bauer, der ja in unserer Stadt schon von früheren Coneerten in anderen Vereinen her in guter Erinnerung steht. Das gleiche können wir auch von den Sologesängen sagen, die, weil sie von Herzen kamen, auch zu Herzen drangen. Dem Orgelspiel des Dr. Stollbrock dagegen konnten wir keine Sympathie abgewinnen. In erster Linie dürften wohl die zum Vor⸗ trag gewählten Stücke die Schuld hieran tragen. Bet dem starken Nachhall, der in dem weiten Raume vor— handen ist, kommen Tongruppen von kurzer Zeitdauer an sich nicht zur Klarheit. Wir können es den Laien in der Tonkunst alsdann nicht verargen, wenn ste vor Compo— sittonen wie J. S. Bach's gewaltige D-moll- Toccata ein geheimes Grauen verspüren und also an der Orgel— kunst unseres Großmeisters keinen Gefallen finden. Zum Schlusse erlauben wir uns den oben ausgesprochenen
Dank für alle Mitwirkenden zu wiederholen mit dem
aufrichtigen Wunsche für ferneres Wachsthum des Mule
vereins, insbesondere für die Aus bildung der in det Musikliteratur Kirchenmusik.
1, Frledberg, 7, Juli des Darmstädter Gewerbevereins, theilweise mit ihn Familienangehörigen, hier ein. Der Verein wurde ag
Bahnhofe Namens des hiesigen Gewerbevereins durch.
Vorsitzenden desselben, Hofmaler Hieronimus, begel und unter dessen Führung die Sehens würdigkeiten unseng Stadt in Augenschein genommen, und zwar unsere Stadl,
kirche, das Judenbad und das Schloß mit dem Burg
wall. Die Mitglieder des hiesigen und Darmstädtiz
Gewerbevereins begaben sich sodann nach Bad Nauhelm,
An den dortigen Gradterwerken wurden die Ankommenden von Bürgermeister Wörner, dem Vorsitzenden des Ge⸗ werbevereins Bad Nauheim, dem Siedemetster Sturmfels, sowte von zahlreichen Mitgliedern des Nauheimer Vereins begrüßt. Die Gradierwerke wurden nun bestiegen und
eingehend besichtigt, ebenso auch das Pumpwerk, welchen
die Soole auf die etwa 15 Meter hohen Gradier⸗ werke fördert. Sodann begab man sich nach den Sied— häusern mit den Siedepfannen, besichtigte ferner die Bade häuser, die Trinkhalle und Trinkquelle, sowte den großen Sprudel. Hierauf fand im Teichhaus ein durch Reden und Unterhaltung gewürztes Mittagsmahl statt, später wohnten die Theilnehmer dem Concert im Kursaal bel,
? Friedberg. Unter Verwelsung auf die Annonee in heutiger Nummer des Anzeigers, betr.„Gustav Abdolf⸗ Jahresfest“ in Ober-Rosbach am Sonntag den 13, Juli, Nachmittags 2 Uhr, bemerken wir, daß auch in diesem Jahre ein Omnibus nach dem Festorte abgehen wird. Die auf die Mitfahrt Reflectirenden wollen sich gef. bei Kaufmann J. Huber dahter bis zum Sonntag Abend anmelden. Abfahrt um 1 Uhr am Stadtpfarrhause be der Stadtkirche. Für alle Freunde des Vereins sei noch bemerkt, daß bei günstiger Witterung eine Nachfeter in Freien mit Ansprachen und hoffentlich auch Gesängen stattfinden soll. Man rechnet auf einen recht zahlreichen Besuch und erhofft eine schöne, gesegnete Festfeter.
M. Friedberg. Am 24. Juni wurde in der hiesigen Herberge zur Heimath die Generalversammlung der Pfennig— sparkasse abgehalten. In derselben hat zunächst Kauf— mann Dörr über das abgelaufene Rechnungsjahr den ebenso klaren, als sorgfältigen Bericht erstattet, aus welchem sich ergab, daß in 1889 90 12,750 Sparmarken à 10 Pf. gegen 1195 im Jahre 1888,89 verkauft wurden. Es wurden demnach von den Mitgliedern der Kasse 80 M. mehr als in dem vorletzten Jahre gespart. Ebenso hat sich auch das Vermögen der Kasse von 597 M. 28 Pf. auf 606 M. 24 Pf. erhöht. Gegen den Bericht wurde von keiner Seite eine Einwendung erhoben und dem Vor⸗ schuß und Creditverein, insbesondere dem Kaufmann Dörr, und den Vorstehern der vier Sammelstellen für ihre mühevolle Arbeit und für die bereitwillige Unter⸗ stützung unserer Bestrebungen der Dank der Versammlung ausgesprochen. Darauf wurden die seitberigen Mitglieder des Curatoriums wieder gewählt. Nach Erledigung dieses Geschäftes wurde noch über Erweckung des Sparsinnes in der Bevölkerung gesprochen. Auf der einen Seite wurde darauf aufmerksam gemacht, daß sich derselbe selt Einrichtung unserer Pfennigsparkasse gehoben habe und daß er in unserer Stadt reger als an anderen Orten, z. B. in Meiningen, set, wo durch eine dreimal größere Be⸗ völkerung nur 656 M. in 1889 durch die Pfennigspar⸗ kasse zurückgelegt worden seien, während die unsrige in demselben Jahre 1275 M. Ersparnisse aufzuweisen habe. Auf der anderen Seite wurde aber auch bemerkt, daß nach einer Darstellung des Präsidenten des Reichsver—
sicherungsamtes in Berlin, Pr. Th. Bödiker, seit 1850 die
Löhne auf das Doppelte und stellenweise auf das Drei; fache gestiegen seten, während die Lebensmittelpreise sich keineswegs in gleichem Maße erhöht haben, sondern manche seit 40 Jahren sich gleichgeblieben und manche billiger geworden seien und daß darum von Arbeitern und Ar belterinnen unsere Einrichtung noch mehr, als es selther geschehen sei, benutzt werden könnte. Daran knüpfte sich eine anregende Diseussion, an welcher sich Kreisrath Dr. Braden, Geh. Kirchenrath Dr. Diegel, Kaufmann Dörr, Kaufmann Stamm und Decan Meyer betheiligten, Allgemein war man der Meinung, daß sich die Lebens- haltung der Arbeiterbevölkerung in erfreulicher Weise ge— hoben habe und daß trotzdem manche Arbeiterfamilsen und mancher Handarbeiter sich noch mehr, als es seither geschehen ist, durch anhaltende Sparsamkelt auszeichnen könnten. Noch erwähnen wir, daß in der vorletzten General; versammlung 1889 beschlossen worden war, denjenigen
Einlegern, welche sich unter schwierigen Verhältnissen durch
Gestern trafen Mitglied
so mannigfaltig vertretenen erhaben
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