Deutsches Reich.
Berlin, 7. Jan. Ihre Mafestät die Kaiserin Wittwe Augusta ist heute Nach mittag um 4 Uhr 30 Min. verschleden. Die Kaiserin hatte in Folge des in der Nacht vom 5. zum 6. Jan. wiedereinge tretenen Fiebers eine unruhige Nacht ohne erquickenden Schlaf. Nachdem die Kaiserin in der Nacht vom 6. zum 7., wenn auch mit Unterbrechungen geschlafen, traten heute früh seit 3 Uhr stärkere Behinderungen der Athmung durch Erschwerung des Aus wurfs ein. Die Krafte gingen in besorg nißerregender Weise zuruck. Die Familie war seit 5½ Uhr früh am Sterbebett ver sammelt, bis heute Mittag der Tod erfolgte. Augusta Marie Louise Katharina von Sachsen⸗Weimar wurde als Tochter des damaligen Erbgroßherzogs Karl Friedrich und der Großfürstin Marie Paulowna von Rußland am 30. September 1811 zu Weimar geboren. Am 11. Juni 1829 wurde sie mit dem damaligen Prinzen Wilhelm von Preußen vermählt. Ihren hohen Gemahl hat sie nur um zwei Jahre überlebt, sie, die 14 Jahte jünger war, als er; 79 Jahre alt, ist sie ihm nachge— folgt dahin, wo ihre glaͤubige Seele immer Trost gefunden bei allen Schicksalsschlagen Ihr Leben hat sie ausgefüllt mit dem Edelsten, was ein Menschenleben selbst auf dem stolzen Throne ausfüllen kann: mit treuester Pflichterfüllung als Fürstin, Gattin, Mutter und Wohlthäterin der leidenden Menschheit. Abends 8 Uhr fand im Sterbe zimmer ein Trauergottesdienst statt, welchen Oberhofprediger Dr. Koͤgel abhielt. Leiche ruht, in einen weißen Mantel ge hüllt, in die rechte Hand eine Maiblume gedrückt, mit friedlich verklärtem Antlitz, das von einem weißen Spitzentuch umrahmt wird, auf weißen Kissen. Die Leichenwacht halten 12 Krongardisten; die Ueberführung nach dem Dom findet am Mittwoch Abend statt.
Free e Darmstadt, 6 Jan. Der Erbgroßherzog
Oie
ist gestern Abend in Begleitung des Amtmanns
Römheld nach Leipzig zurückgekehrt. Am Samstag hatte im Großherzoglichen Palais am Louisen platz ein Hofball stattgefunden, zu welchem gegen 400 Einladungen ergangen waren.
— Per Kreisarzt Dr. Matthias in Lauter bach wurde zum Kreisarzt in Bingen, der K eis assistenzarzt Dr. Ziesing in Gedern zum Kreis— arzt in Lauterbach, der prak. Arzt Dr. Stigell aus Mainz zum Kreisassistenzarzt in Gedern, der K. Küster aus Fredelsloh zum Kammer— diener, die Dammwärteraspiranten Frank aus Nierstein, Hutmacher aus Gernsheim und Klein schmidt aus Hahnheim zu Dammwärtern in Erfelden, Goß- Steinheim und Gimbsheim ernannt, dem Geh. Kommerzienrath Fr. Heyl zu Herrusheim in Worms das Komthurkreuz 2. Kl. des Pytlippsordens verliehen.
— Postpersonalnachrichten. Der Postassistent Löwer in Schlitz ist zum Postverwalter ernannt worden. Ver setzt sind der Ober Postassistent Wagner von Grünberg nach Mainz, der Postassistent Heß von Michelstadt nach Darmstadt. In den Rubestand treten der Ober Post
secretär Stammler in Offenbach und der Postverwalter Schuchmann in Großbieberau
— 6. Jau. Das Emin Pascha-Comits er— hielt ein Telegramm von Clemens Oenhardt aus Sansibar, er habe in Lamu neuerdings Briefe von Dr. Peters für das Comits erhalten. Peters sei unterwegs vom Kenia zum Baringsee.
Elberfeld. Im Socialistenproceß meldeten der Staatsanwalt und die verurtheilten Ange⸗ klagten Revision au.
2 Breslau, 7. Jan. Schmiedeschacht ist beendet. Die Belegschaft ist Morgens eingefahren, nachdem deren Forde— rungen, insbesondetre die achtstündige Schicht bewilligt wurden. 6
Der Ausstand im
Ein Sechstel der Belegschaft
des Valentinschachtes fuhr ein, ohne daß die Forderung sofortiger Einführung der achtstündigen Schicht bewilligt wurde.
Stuttgart, 7. Jan. Beim Konig nimmt die Grippe den regelmaͤßigen Verlauf. Der Konig fühlt sich noch ziemlich angegriffen. Im Befinden der Königin zeigt sich eine langsame, stetig fortschreitende Besserung. Die Erschel— nungen des Katarrhs sind im Ruͤckgang begriffen, Appetit und Kraͤfte beginnen sich zu heben, Fieber ist nicht mehr vorhanden.
Ausland.
Belgien. Charleroi, 7. Jan. Die Kohlen— grubenbesitzer lehnten in ihrer gestrigen Ver— sammlung ab, über die von den Grubenarbeitern geforderte Lohnerhoͤhung zu unterhandeln.
Großbritannien. London. Amtlicher Meldung zufolge leidet die Königin seit geraumer Zeit sehr an Rheumatismus. Obgleich sonst völlig wohl und im Stande, alle mit ihrer hohen Stellung verbundenen Pflichten zu er— füllen, konne sie sich den mit der Eröffnung des Parlaments verknüpften Anstrengungen nicht unterziehen.
— 7. Jau. Die„Times“ meldet aus Lissa— bon, daß gestern eine weitere Note Salisbury's eingetroffen sei, welche mit dem unverzüglichen diplomatischen Bruche und selbst mit darüber hinausgehenden Schritten drohe, falls Portugal nicht ohne Ausflüchte oder Zweideutigkeit irgend welcher Art verspreche, Genugthuung für das Vorgehen Serpa Pinto's zu leisten. Nach dem Ministerrathe wurde der Minister des Aeußern beauftragt, die englische Note sofort zu beant⸗ worten.
Italien. Rom, 6. Jan. Die Kaiserin Friedrich nebst Töchtern besuchte am Sonntag die Kunstsammlung des Baron Baraccos. Die Kaiserin war auf dem ganzen Wege, namentlich auf dem Corso, der Gegenstand lebhafter Sympa— thiekundgebungen. Die Kaiserin sprach wieder— holt ihre lebhafte Genugthuung über den herz— lichen und ehrerbietigen Empfang aus.— 7. Jan. Aulaͤßlich des Ablebens der Kaiserin Augusta reist die Kaiserin Friedrich nebst Töchtern Morgen 1 Ube 30 Min. nach Berlin ab. Die Herr— schaften begaben sich heute Abend zum Quirinal, um von der königlichen Familie Abschied zu nehmen.
Spanien. Madrid, 6. Jan. Nach dem von der„Gaceta“ veroͤffentlichten ärztlichen Be— richt befindet sich der Koͤnig, welcher von seinem jüngsten Unwohlsein noch immer nicht genesen ist, jetzt auf dem Wege der Besserung.
Amerika. Newyork, 6. Jan. Der Senator Frye bringt heute eine Vorlage ein, durch welche die Postverwaltung ermächtigt werden soll, Con— tracte abzuschließen behufs Transportes von Postsachen zwischen den Häfen der Unionstaaten und auswaͤrtigen Haͤfen durch Stahldampfer, welche in Amerika erbaut sind und Amerikanern gehoren.
Afrika. Sansibar. Nachdem am 25. Dec. der Angriff eines Streifscorps der deutschen Schutztruppe auf das befestigte Lager Banaheiris mit einem Verlust von fünf Todten und sechs Verwundeten zurückgeschlagen worden war, er— stürmte und zerstörte Wißmann am 5. Januar die mit 1500 Mann besetzte Position Banaheiris; deutscherseits sind zwei Weiße und zehn Einge— borene verwundet.
Aus Stadt und Land.
7 C. TI. Friedberg. Gemeinderathssitzungen vom 2. und 6. Januar. In der ersten Sitzung erfolgte die Einweisung und Verpflichtung der neu gewählten Mit— glteder durch den Vorsitzenden. Zu der Berathung des
Voranschlags 1890 9 übergehend, bemerkte derselbe, daß
das Gesammtsteuerkapttal für 1890/91, welches zur Deckung der staatlichen und städtischen Umlagen heran— gezogen wird und das sich mit Hinblick auf den Gemeinde haushalt aus Gewerb(40,7 M.), Grund(74,137 M.), Kapftalrente(26,813 M.) und halbem Elakommen (402,576) zusammensetzt, 346,811 M. beträgt, 12,123 M. mehr als 1889/90. Von kleinen Aenderuntzen abgesehen, wurde der Voranschlag, wie er vorlag, genehmigt und unterschrleben. Die städtische Schuld beziffert sich auf 471,02 M. und erfordert 18,665 M. Zinsen. Die Umlagen sind wle im vorigen Jahre mit 64,400 M.
eingestellt; Beltrag zur Krelskasse mit 13,130 M., Be⸗ soldungen mit 40,097 M., Neupflasterung und Nanall⸗ strunz von Straßen 21,913 M.— In der letzten Sihung wurden die verschtedenen Commissionen auf 3 Jahre neu gebildet und zwar a. Finanz- Commisston: Falck, Hecht, Hirsch, Trapp; b. Bau Commission: Berg, Falck, Hleronl- muss, Pfeffer, Windecker; o. Gas und Wasser⸗Com⸗ misston: Damm, Falck, Goͤrß, Hleronimus, Trapp, Win- decker; d. Pferdemarkt Commission: Damm, Falck, Hecht, Hirsch, Hleronlmus, Koob, ferner Ph. Billau, G. Preußer, Chrlst. Stier, Wilh. Trapp, Chr. Ulrich II.; e. Schlacht- haus Commisston: Engel, Falck, Hleronimus, Hirsch, Jockel; k. Jahrmarkt⸗Commisston: Görtz, Hirsch, Huber, Pfeffer, Waas, ferner Wilh. Fertsch sen.; g. Einquar⸗ tierungs Commission: Damm, Görtz, Koob; h. Land⸗ wirthschaftliche Commisston: Engel, Falck, K. Reuß, Windecker, ferner Lehrer Heyland; i. Frledhofs⸗Com- mission: Berg, Hecht, Hleronimus, Pfeffer, Reuß, ferner Ph. Vogt. Die Berathung des Voranschlags des Augustiner⸗ und Barfüßer Schulfonds für 1890/91 ergab dessen Genehmigung. Mit Mehrheit verneint wurde die Be⸗ dürfnißfrage bezuglich des Concessions-Gesuchs von G. Philtppt um Errichtung einer Wlrthschaft am Fauer⸗ bacher Thor. Bei Berathung des Voranschlags wurde beschlossen, den Promenadenweg nach Bad Nauheim, der in gesetzwidriger Welse selt einiger Zeit als Fahrweg benutzt wird, durch Ueberschütten mit Kies herzustellen, die Grundbesitzer aber, welche den Weg befahren, als⸗ bald zur Anzeige bringen zu lassen.
Darmstadt. Der hessische Landes⸗Lehrerverein hat in dem verflossenen Jahrzehnt einen bedeutenden Fort- schritt zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl ist während desselben von 140 auf 2400, das Vereinsorgan,„Der Schulbote für Hessen“, ist von einer Auflage von 1500 zu einer solchen von 2690 Exemplaren gestiegen, das Vereinsvermögen von 1189 M. auf elrea 9000 M. ange⸗ wachsen. Zu den vorhandenen, in bester Blüthe stehenden Wohlthätigkeitsinstituten trat noch der so segens reich wirkende„Verein provlsorisch angestellter Lehrer zur gegen- seitigen Unterstützung in Krankhelts fällen.“ Die Wittwen; penstonen wurden erhöht und auch für die materielle Besserstellung der Lehrer, vornehmlich derer auf dem Lande, ist die Thätigkeit des Vereins(wie wir wohl von dem demnächst zusammentretenden Landtag hoffen dürfen) nicht ohne Erfolg geblieben.
Allerlei. 0
Mannheim, 6. Jan Sämmtliche Schulen wurden infolge der Influenza geschlossen. Es sollen hier gegen 10,000 Personen an derselben erkrankt sein.
Cotha. In Gotha wurden im abgelaufenen Jahre 128, im Ganzen bis jetzt 719 Leichen mittelst Feuer bestattet.
f Liegnitz, 2. Jan. Eln Raubmord ist an der sehr bemittelken verwitiweten Rentnerin Rothe in Heynau, Reg. Bez. Liegnitz, am Sylvesterabend verübt worden. Man fand die Frau, welche am Kopfe 14 Wunden hatte, schon zwei Stunden nach der Blutthat auf Alle Be⸗ hälter in ihrer Wobnung waren erbrochen und beraubt. Die von dem Raubmörder gemachte Beute muß eine ganz beträchtliche gewesen sein. 11,500 Mk. wurden noch in einem etwas versteckten Fach des Schrelbtisches gefunden.
Brüssel. Zum Brand des Schlosses Laeken schreibt man: Es ist wohl kein Zwelfel mehr, daß das Feuer von ruchloser Hand gelegt wurde, denn die Flammen brachen, wie jetzt festgestellt, aus drei verschledenen Selten des Gebäudes hervor und zu einer Zeit, als die Dlenerschaft an den betreffenden Stellen nichts zu thun hatte, mithin die Möglichkeit elner fahrlässigen Brandstiftung ausge- schlossen erscheint. Die Leiche der beim Brande ver- unglückten Gouvernante Frl. Dranedurt ist heute Vor⸗ mittag bei den Aufräumungs arbeiten auf der Brandstätte gefunden worden. Die Gebeine wurden in einen Blei⸗ sarg gelegt und dleser in zwei andere Särge gestellt, die schon vorher auf Befebl des Koͤnigs in den Trümmern des Schlosses aufgestellt worden waren.
Ss ssel, 1. Jan. In der verflossenen Nacht ist das„Théätre de la Bourse“, eines der schönsten Theater Brüsfels, vollständig niedergebrannt. Der Brand ent ⸗ stand um 3 Uhr Morgens unterhalb der Bühne in Folge einer Exploston der elektrischen Beleuchtungsmaschine. In wenigen Minuten stand der ganze innere Theater- raum in hellen Flammen, welche sämmtliche Decora⸗ tlonen und Costüme verzehrten. Die Feuerwehr traf zu spät eln, da der Alarm erst gegen 4 Uhr geschlagen wurde. Aus den bedrohten umliegenden Häusern fluͤch⸗ teten 300 Bewohner halb nackt auf die Straße, der Theaterportler wurde sammt Frau und Kindern halb erstickt ins Freie gebracht. Der Schaden beträgt mehrere Milltonen. Ueber 300 Angestellte des Theaters sind brodlos.
Naney, 7. Jan. Unweit Pompey ist heute Vor⸗ mittag ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen⸗ gestoßen. In Folge des starken Nebels konnten dle Waschinenführer die Gefahr nicht rechtzeitig erkennen und keinen Gegendampf geben. Mehrere Relsende sollen ver⸗ letzt sein.
London, 3. Jan. Das Port Theatre im Rhono⸗ dathale, Wales, brannte gestern Abend nach der Vor⸗ stellung ganzlich nieder. Das Publikum hatte das Ge, baude kaum verlassen, als das Feuer ausbrach. Fast das ganze Inventar wurde zexstört
London, 6. Jan. Die Influenza grassirt außer in London auch sehr heftig in den Provinzen; in Birming⸗ ham sind allein gegen 50,000 Menschen davon befallen worden. Alle Londoner Krankenhäuser sind mit Influenza kranken überfüllt.
Pavla, 6. Jan. Der Po ist über die Ufer getreten und hat den Damm bei Mezzanino durchbrochen, wodurch
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