Nach Mittheilung des Großherzoglichen Kreisamts Gießen ist in Weitershain in 3 Gehöften die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen
und Gemarkungssperre angeordnet worden. Friedberg den 3. Juli 1890.
Person, bezüglich deren Aufenthalts Auskunft begehrt wird: Konrad Heddersch aus Zellbach, zultzt Diensknecht auf dem Löwenbof bet Felevberg,
Friedberg den 1. Jul 1890.
Bekanntmachung.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.
Der Großherzogliche Amtsanwalt. 1 Krämer. 4
Deutsches Reich
Darmstadt. Dem Schullehrer Roth zu Michelstadt wurde das Silberne Kreuz des Philipps— ordens verliehen.
Berlin. Die„Boͤrsenzeitung“ meldet, der Kaiser werde mit einer bedeutenden Summe an die Spitze einer Compagnie treten, welche die Organisirung und Ausbeutung der ostafrikanischen Colonie übernimmt. Nach einem beim Deutschen Emin⸗Pascha⸗Comité eingegangenen Telegramm traf Dr. Peters mit seiner Expedition in Usa⸗ gara ein.
— 2. Juli. Der Reichstag vertagte sich nach Erledigung der Tagesordnung. Präsident v. Levetzow brachte das Hoch auf den Kaiser aus.
— Im Reichstag haben die Abg. Gröber und Genossen noch vor der Vertagung folgenden Antrag gestellt: Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, eine Revision der Ausführungs-Bestimmungen zum Branntweinsteuergesetz in der Richtung eintreten zu lassen, daß die Verhältnisse der kleinen land⸗ wirthschaftlichen Brenner eine größere Berück⸗ sichtigung finden und, wenn erforderlich, eine hierauf bezügliche Aenderung des Branntwein— steuergesetzes in Vorschlag zu bringen.
— 2. Juli. Das Abschiedsgesuch des Kriegs- ministers v. Verdy du Vernois befindet sich, wie der„Börs.⸗Ztg.“ von gut unterrichteter Seite berichtet wird, bereits in dem Cabinet des Kaisers.
— Ein Erlaß des Handelsministers fordert die Regierungspräsidenten auf, bei den Gemeinden dahin zu wirken, daß diese bei ihren Unter— nehmungen, falls die eigenen Mittel nicht aus— reichen, deutsches, nicht ausländisches Kapital heranziehen; auch bei Concessionsertheilungen sei dieser Gesichtspunkt einzuhalten.
Ausland.
Dänemark. Kopenhagen. Der Ber⸗ lingske Tidende“ zufolge wird Deutschland den Schweineexport, den Export von Schweinefleisch, Speck und Würsten aus Dänemark unter be— stimmten Bedingungen wieder zulassen.
Schweden. Christiana, 2. Juli. Kaiser Wilhelm ist zum Ehrenadmiral der norwegischen Marine ernannt worden. Prinz Eugen von Schweden erhielt den Schwarzen Adlerorden.
Belgien. Brüssel, 2. Juli. Der König von Holland telegraphirte in letzter Stunde dem holländischen Vertreter auf der Antisklaverei— Couferenz ein formelles Verbot, die General— acte zu unterzeichnen.
Frankreich. Paris. Sehr bemerkt, aber von der hiesigen Presse todt geschwiegen wird, daß sämmtliche Reservisten bei der Fahne zurück— gehalten werden, obwohl der Entlassungstermin vorüber ist. Es ist seit 1870 das erste Mal, daß der Kriegsminister von diesem Rechte Ge— brauch macht.
— 3. Juli. Die Affaire der russischen Nihi— listen wird morgen vor dem Zuchtpolizeigericht zur Verhandlung kommen. Von den 29 Nihi— listen, die ursprünglich verhaftet wurden, sind im Laufe der Untersuchung 20 freigelassen worden, nur 9 werden vor Gericht gestellt, nämlich Rein— stein und Frau Lavrenius, Fräulein Bromberg, Stepanoff, Katschintzen, Levoff, Nakachidze und Landeisen. Letzterer ist flüchtig und wird ab— wesend abgeurtheilt; am stärksten ist Reinstein compromittirt, der die vorgefundenen Bomben mit Landeisen verfertigt.
Großbritannien. Leeds, 2. Juli. Die durch den Streik der Gasarbeiter veranlaßte Heranziehung fremder Arbeitskräfte rief ernste Ruhestörungen hervor. Die Streikenden griffen die fremden Arbeiter sowie die Schutzleute und
kamen auf beiden Seiten zahlreiche Verwundungen
vor. Infolge des Gasmangels herrschte am Abend voͤllige Finsterniß.
Spanien. Madrid, 3. Juli. Das Ministe⸗ rium ersuchte die Königin um seine Entlassung. Die Königin nahm dieselbe an und wird wegen Bildung eines neuen Cabinets zunächst mit den in Betracht kommenden politischen Persönlich— keiten verhandeln. Die Sitzungen der Cortes wurden einstweilen vertagt.
Serbien. Belgrad, 2. Juli. Der serbische Consul Marinkowitsch in Prischtina wurde in der vergangenen Nacht ermordet. Nach einer Depesche des serbischen Consuls in Uesküb wurde Marinkovitsch in Prischtina auf be— lebtem Marktplatze, 150 Meter vom Regie rungspalaste, ermordet. Die Leiche blieb fast ein Stunde lang liegen. Einige Zigeuner wurden verhaftet. Die Pforte sicherte dem serbischen Gesandten streugste Untersuchung zu. Näheres ist der Regierung noch nicht zugegangen. Die Schwierigkeiten an der Grenze vermehren sich. Die serbische Regierung erklärt, es sei ein gütlicher Ausgleich jetzt nicht mehr zu erwarten. Sie werde gezwungen sein, in fünf bis sechs Tagen die Grenze gänzlich abzusperren. Diese Wendung wird hauptsächlich durch russische Einflüsterungen verschuldet.
— Der Grund der Differenzen mit Milan ist in einer Rede desselben zu suchen. Es wird der„Köln. Ztg.“ darüber gemeldet: Ein am Freitag von dem Professorenkollegium zu Ehren des Königs Millan veranstaltetes Festmahl ge— staltete sich zu einer auffälligen Kundgebung gegen die Regierung. König Milan erklärte, er sei und bleibe ein entschiedener Gegner der radikalen Strömung und köune für nichts, was seit seiner Thronentsagung geschehen, die Verantwortung übernehmen. Serbien befinde sich in einer sehr bedenklichen Lage, die durch nichtswürdige bübische Kundgebungen verschuldet sei. Seine Person sei verleumdet und besudelt worden, weshalb er sich zur Wehre setze. Infolge dieser aufreizenden Bankettrede trat nun am Sonnabend ein Minister- rath unter dem Vorsitze der Regentschaft zusammen, in dem man beschloß, Maßregeln äußerster Strnge gegen Milan zu ergreifen. Die Minister for derten die Regentschaft auf, über den früheren König Milan das lebenslängliche Exil zu ver— hängen. Ristics ist bemüht, Milan zur frei— willigen Abreise zu bestimmen.
Rußland. Petersburg. Die Verlobung des Zarewitsch mit der Prinzessin Maria von Griechenland soll nunmehr beschlossene Sache sein. Der russische Thronfolger, welcher dem— nächst in Begleitung seines Bruders die längst, projektirte Reise um die Welt antritt, wird die Tour von dem Baltischen Meere aus über Eng— land, den Atlantischen Ocean und das Mittel— meer nehmen nnd so etwa im November im Piräus eintreffen. Während seines dann etwa achttägigen Aufenthaltes am griechischen Hofe soll die öffentliche Verlobung stattfinden, der die Verheirathung etwa in dreiviertel Jahren folgen dürfte. Diese Ver— einbarungen sollen zwischen dem Zaren und der Königin Olga von Griechenland, welche seit zwei Monaten in Petersburg weilt, getroffen sein.
Egypten. Kairo. Ein an der Grenze angekommener Deserteur besagt, daß der Khalifa auf die Kunde, daß die Egypter auf Dongola zu marschieren beabsichtigen, den Emir von Darfur anwies, 5000 Mann zusammenzuziehen und auf Berber vorzudringen. Eine andere Streitmacht soll nach Omdurman gesandt werden. Der Kha— lifa versprach, Waffen, Munition und Rationen
zu liefern. Amerika. New⸗Pork, 1. Juli. Eine De⸗
Militärabtheilungen, welche dieselben nach der Gasanstalt geleiteten, an. Bei dem Handgemenge
gelegt.
nischen Grenze bei Palafoß. Oberst Valdez und
ein Regiment Soldaten forschten nach Freibeu⸗, tern, als sie aus dem Hinterhalte von Banditen angegriffen wurden. Es entspann sich ein blu⸗ tiges Gefecht, in welchem 7 Kavalleristen getödtet und 20 Soldaten verwundet wurden. Der Kampf war gänzlich einseitig, da die Banditen völlig unsichtbar und im Stande waren, tödtliche Salden in die Reihen der Truppen zu entsenden. Das Regiment löste sich auf und ergriff die Flucht, infolge dessen die Freibeuterbande im Stande war, über die Grenze nach Nordamerika zu en kommen. Einer von Mexico eingelaufenen De pesche zufolge wird die mexikanische Regierung wahrscheinlich in Städte an der nördlichen und südlichen Grenze starke Garnisonen legen. b
Aus Stadt und Land.
r. Friedberg. Dank der freundlichst erthellten Zusage eines jungen Geigenkünstlers, Robert Bauer von Chleago, wird das Programm des Kircheneoneerts um einige Nummern(Largo von Haendel und Are bon J. S. Bach) bereichert werden. Rob. Bauer hat selge Studien in Deutschland, Frankreich und Italien gemacht
und im Laufe des letzten Winters mit Erfolg in England
coneertirt.
r. Bad Nauheim. ein von einem hier wohnenden Amerikaner veranffaltetes großartiges Feuerwerk nebst bengalischer Beleuchtung des
Schweizerhauses am Johannisberg zur Erinnerung an den
Tag der Losreißung der Nordamerikanischen Staaken stakt,
Buß bach. Dle beiden Kammern haben das Gesuch unserer städtischen Vertretung, die biesige von ea. 190 Schülern besuchte Realschule vom 1. April 1891 ab zu einer Staatsanstalt zu erheben, mit Stimmeneinhelligkel gutgeheißen.
Allerlei. f Das 21. Maingau⸗ Turnfest findet diesen Samstag, Sonatag und Montag statt. Ueber 1500 Turner werden an demselben Theil nehmen. Der Festplatz, auf welchem den Festgästen alles Mögliche geboten wird, liegt am Main nach Offenbach zu.
Hanau, 2. Juli. Todtgefahren wurde gestern Abend ein unbekannter Mann, welcher den Elsenbahnschlenen entlang auf der Strecke Hanau Frankfurt marschlerte. Der 8Ubrzuz kam von Frankfurt, die Locomotive erfaßte den Mann kurz vor der Statton Hochstadt; die verstüm⸗ melte Leiche wurde bei dem letzten Wärterhäuschen nieder⸗
Fechenheim.
Berlin. Eine im Laufe der vergangenen Woche in dem Zehlendorfer Forst entdeckte geräumige Höhle, welche Wilddieben zum Aufenthalt gedient zu haben schten, soll, wie sich beim Aus räumen derselben, einem Lokalbericht⸗ erstatter zufolge, unzweifelhaft ergeben habe, Falschmünzern als Werkstatt gedient haben.
in Beschlag genommen worden. Ebenfalls seien Blei⸗ und Zinkstücke, sowie Gipsformen und Stempel zur Her⸗ stellung von verschledenen Münzen zu Tage gefördert und an das Amts bureau zu Zehlendorf abgellefert worden. Die Ermittelungen über die Bande sind bisher ohne Ert gebniß geblieben. Madrid, 28. Juni. Wie aus den offielellen Be richten hervorgeht, ergreift die Cholera jeden Tag neun Ortschaften der Provinz Valeneia, ohne jedoch groß Heftigkeit zu entfalten. Bis jetzt sind 20 Ortschaften ergriffen, in denen 231 Erkrankungen und 184 Todes fälle vorkamen. In den übrigen Provinzen des Landes bleibt der Gesundhettszustand fortwährend ein guter. Newyork, 3. Juni. Verschiedene Ortschaften Kein tuckys und Tennessees wurden gestern von Wirbelwind heimgesucht In Gallatin, Tennessee, wurde eine mei distische Negerktrche vom Sturm während des Goll“ dienstes umgeweht. Das Dach stürzte auf die Gemeinde. Zehn Personen wurden unter den Trümmern hervor gezogen. e
N
15
—
Kirchliche Anzeigen für Friedberg Evangelische Gemeinde. 5. Sonntag nach Trinitatis. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Dr. Weiffenbach, Gottesdienst in der Stadtkirche. J
0
Heute(Freltag) Abend findet
6
1
Das vollständige Hand⸗ 1 werkszeug einer Falschmünzerbande sei vorgefunden und
1
Vormittags 10½ Uhr: Herr Pfarrer Dr. Köstlin, Nachmittags 1½ Uhr: Herr Candidat Brück. 5
Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Meyer.
pesche aus Texas berichtet über einen Zusammen— stoß mit einer Freibeuterbande an der mexika—
Nachmittags 1¼ Uhr: Herr Pfarrer Pr. Köstlin. 1 Katechismus lehre..


